Cité nationale de l’histoire de l’immigration

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Museumsgebäude

Die Cité nationale de l’histoire de l’immigration (CNHI) ist ein französisches Museum der Immigration, das am 10. Oktober 2007 nach zwanzigjähriger Vorbereitung eingeweiht wurde.

Geschichte des Projekts[Bearbeiten]

Seit langem war die Aufmerksamkeit auf die Tatsache gelenkt worden, dass es in Frankreich, anders als in den USA (Ellis Island), keinerlei Institution dieses Typs gab.[1]

1990 gründete ein Gruppe von Historikern, zu der Gérard Noiriel und Pierre Milza gehörten, einen Verein, die Association pour un musée de l’immigration. Der Regierung wurde ein Bericht übergeben, aber die Linke erklärte, die Zeit sei noch nicht reif für das Projekt.

1998 versuchten der Journalist Philippe Bernard und Patrick Weil, Forschungsdirektor am CNRS, das Projekt wieder zu beleben, indem sie sich an den damaligen Premierminister Lionel Jospin wandten. Rémy Schwartz, Mitglied des Conseil d’État und Driss El Yazami, Vizepräsident der Französischen Liga für Menschenrechte wurden mit einem neuen Bericht beauftragt. Der Bericht kam zu dem Schluss, dass ein großes Bedürfnis nach einem solchen Museum bestehe und empfahl zu handeln, was aber nicht geschah.

Nach seiner Wiederwahl im Jahr 2002 nahm sich Jacques Chirac des Projekts an und beauftragte den früheren Kulturminister Jacques Toubon die Sache genauer zu untersuchen. Toubon präsentierte 2004 einen neuen Bericht, der viele der Empfehlungen der früheren Berichte übernahm. Der damalige Premierminister Jean-Pierre Raffarin veranlasste die Gründung einer Vorbereitungsgruppe, was zur Schaffung des Groupement d’intérêt privé (GIP) der Cité de l’immigration führte.

Am 18. Mai 2007 traten acht Akademiker, die den Gremien der Cité de l’immigration angehörten (Patrick Weil, Gérard Noiriel, Nancy Green, Patrick Simon, Vincent Viet, Marie-Christine Volovitch-Tavarès, Marie-Claude Blanc-Chaléard, Geneviève Dreyfus-Armand), aus Protest gegen die von Nicolas Sarkozy veranlasste Gründung eines Ministère de l’immigration, de l’intégration, de l’identité nationale et du codéveloppement (wörtlich: Ministerium für Immigration, Integration, nationale Identität und Koentwicklung) zurück, da diese Gründung sich ihrer Ansicht nach in „die Spur eines die Immigration stigmatisierenden Diskurses und in die Tradition eines auf Misstrauen und Feindseligkeit gegenüber Fremden in Krisenzeiten basierenden Nationalismus“[2][3] einschreibt.

Der Sitz des Museums[Bearbeiten]

Sitz des Museums ist der von Albert Laprade entworfene Palais de la Porte Dorée, der für die Pariser Kolonialausstellung von 1931 gebaut wurde. 16.000 m² Ausstellungsfläche für das CNHI sind vorgesehen.

Mit den nötigen Umbauten wurde Patrick Bouchain beauftragt.

Die ständige Ausstellung umfasst 1250 m². Für pädagogische Einrichtungen sind 450 m² vorgesehen.

Zum Museum gehören weiter ein Auditorium, eine Mediathek, deren Eröffnung für Ende 2008 vorgesehen ist, sowie das berühmte tropische Aquarium, das seit dem Bau des Gebäudes existiert. Eine Onlineausstellung (einschließlich eines Films) wurde eingerichtet. Im Frühjahr 2008 sollen verschiedene Datenbanken online verfügbar gemacht werden.

Der Umbau hat die ursprüngliche Konstruktion zu respektieren, da das Äußere unter Denkmalschutz steht. Der Chefarchitekt für die historischen Gebäude Jean-François Lagneau lässt die Dächer und die Fassade des Gebäudes in Stand setzen.

Konzeption des Museums[Bearbeiten]

Die Konzeption des Museums wurde Hélène Lafont-Couturier übertragen, die früher das Musée d’Aquitaine in Bordeaux leitete. Die ständige Ausstellung, die sich an ein breites Publikum wendet, soll alle 18 Monate überarbeitet werden.

Schwerpunkte sind:

  • die Immigranten selbst
  • Frankreich als Aufnahmeland
  • der Anteil der diversen Einwanderergruppen an der Konstruktion der französischen Identität

In das Projekt werden 20 Millionen Euro investiert, für den laufenden Betrieb wird mit 7 Millionen Euro pro Jahr gerechnet.

Umstände der Eröffnung[Bearbeiten]

Bei der Einweihung des neuen Museums, das eine Anerkennung des Beitrags der Einwanderer zur Geschichte Frankreichs bedeuten sollte, waren der Präsident der Republik, Nicolas Sarkozy, der am 17. September die Cité de l’architecture et du patrimoine eröffnet hatte, und der Minister für Immigration und nationale Identität Brice Hortefeux[4] nicht anwesend.

Wechselausstellungen[Bearbeiten]

Vom 16. Oktober 2007 bis zum 11. Januar 2008 ist eine Ausstellung über armenische Flüchtlinge („Reconstruire la nation. Les réfugiés arméniens au Proche-Orient et en France. 1917-1945“) zu sehen.

Rezeption[Bearbeiten]

Das neue Museum fand bisher eine eher gemischte Aufnahme. Joseph Hanimann schrieb in der FAZ: „Die historischen Abrisstafeln, Karten und Statistiken über Migrationsflüsse, die Fotos, Filmauszüge und persönlichen Souvenirs von Migranten, die gezeigt werden, sind anschaulich, sachlich präsentiert und vermeiden alle süßlichen Anklänge von brüderlicher Kulturenvermischung. Die Konfliktpunkte des Zusammenlebens werden nicht idealistisch, sondern staatsbürgerlich geglättet: Heimweh ist Privatsache, die Muttersprache nur gut für zu Hause, Fremdenhass der Nachbarn ein vorübergehendes gesellschaftliches Krisenssymptom.“[5]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Gérard Noiriel, Le creuset français, Editions du Seuil, 1988 - Das Transitzentrum Toul zum Beispiel war abgerissen worden.
  2. Identité nationale : 8 universitaires démissionnent ; Le Nouvel Observateur ; 18 mai 2007 (article online)
  3. Ministère de l’immigration: première crise, premières démissions ; Libération ; 18 mai 2007 (Artikel online)
  4. Dépêche AFP du 10 octobre 2007
  5. Joseph Hanimann, „Unerwünscht. ungeliebt. Die Cité de l’immigration in Paris öffnet ihr Museum“ in: FAZ, 12. Oktober 2007, S. 43

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cité nationale de l'histoire de l'immigration – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

48.8352777777782.4094444444444Koordinaten: 48° 50′ 7″ N, 2° 24′ 34″ O