Citibank

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Dieser Artikel bezieht sich auf die international tätige Citibank. Der Artikel zu deren deutschem Ableger, früher ebenfalls unter dem Namen Citibank tätig, findet sich unter dem neuen Namen Targobank.
Citibank
Citibank-logo.svg
Rechtsform Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Pflichtparameter fehlt
Gründung 1812
Sitz New York City, New York
Branche Bank
Website www.citibank.com

Die Citibank ist einer der größten Finanzdienstleister der Welt für Privatkunden. Sie gehört zur Citigroup und hat ihren Hauptsitz in New York.

Geschichte[Bearbeiten]

Sie wurde 1812 als City Bank of New York gegründet. 1894 wurde sie die größte Bank der USA. 1902 begann sie, international zu expandieren und wurde die erste große US-Bank mit einer Auslandsabteilung. Bis 1930 wurde sie die weltgrößte Bank mit 100 Filialen in 23 Ländern außerhalb der USA. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg betreute die Bank die amerikanischen Geschäfte (z. B. Ford und Standard Oil) des Nazi-Regimes. 1955 wurde sie in The First National City Bank of New York umbenannt, 1962 in First National City Bank und 1976 in Citibank. 1989 betrug die Bilanzsumme der damals als Citicorp firmierenden Muttergesellschaft rund 227 Milliarden US-Dollar.

Als Grund für die Schreibweise mit »i« wird oft angegeben, dass die Schreibweise aufgrund von Problemen der Fernschreiber mit dem »Y« gewählt wurde. Einerseits wird behauptet, die Fernschreiber hätten keine »Y«-Taste gehabt, andererseits, dass das Fernschreib-Alphabet kein »Y« enthalten habe, was angesichts der vielfachen Verwendung in der englischen Sprache (man denke nur an: "yes"/"day"/"every"/"my") unwahrscheinlich ist. Was tatsächlich der Grund für die Wahl der Schreibweise war, ist aber durch keine verlässliche Quelle belegt. Plausibel scheint, dass die „falsche“ Schreibweise bewusst als Störer wirken soll.

Internationale Präsenz[Bearbeiten]

Die Citibank ist laut eigenen Angaben in über 100 Ländern auf 6 Kontinenten vertreten.

Im Juli 2008 gab die Citigroup bekannt, dass der Crédit Mutuel das deutsche Privatkundengeschäft der Citibank kauft, der Preis beträgt 4,9 Milliarden Euro zuzüglich der im Geschäftsjahr 2008 bis zum Zeitpunkt der Übernahme erzielten Gewinne.[1] Crédit Mutuel durfte die Marke Citibank in Deutschland bis März 2010 unter Lizenz weiter nutzen.[2] Das Firmenkundengeschäft, zusammengefasst in der Citigroup Global Markets Deutschland AG & Co. KGaA in Frankfurt am Main, verblieb jedoch weiterhin bei der Citibank-Gruppe. Bedingt durch den Verkauf der deutschen Citibank an Crédit Mutuel wurde am 22. Februar 2010 aus der Citibank Deutschland die Targobank.

Im Dezember 2011 wurde bekanntgegeben, dass das belgische Privatkundengeschäft der Citibank Belgium NV an Crédit Mutuel Nord Europe (CMNE) verkauft wird. Die endgültige Abwicklung erfolgte am 30. April 2012. Angaben über den Kaufpreis wurden nicht gemacht. Die Vertragspartner haben sich darauf geeinigt, dass der Markenname vorübergehend unter Lizenz weitergenutzt werden kann. Der neue Markenauftritt werde zu gegebener Zeit bekanntgegeben. Mit der Vereinbarung ist damit erneut ein Unternehmen aus dem Citi-Konzern Teil der Crédit Mutuel-Bankengruppe geworden.[3] Zwischenzeitlich ist bekannt gemacht worden, dass die Citibank Belgien künftig den Namen Beobank tragen wird.[4]

Citibank Deutschland Kritik[Bearbeiten]

Das Bild der Citibank in der Presse war zwiespältig. Zwar wurde die Citibank als 'kundenorientierteste Bank Deutschlands 2006' ausgezeichnet (vergeben von der Universität St. Gallen, dem Handelsblatt und Steria Mummert Consulting), gleichzeitig wurde sie regelmäßig wegen ihrer Kreditvergabepraxis kritisiert (z. Bsp. vom Verbraucherschutz oder Plusminus[5]). Aufgrund ihres schlechten internationalen Ansehens startete die Citibank im Jahre 2004 eine neue internationale Kampagne Unsere gemeinsamen Verantwortlichkeiten.[6]

Die Citibank Deutschland erhielt im Zuge des Zusammenbruchs der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008 erneut negative Schlagzeilen. Zahlreichen Medienberichten zufolge waren Zertifikate von Lehman Brothers besonders stark in Citibank-Filialen als sichere Festgeld-Alternative an Privatkunden — darunter besonders viele Rentner — verkauft worden, die sich infolgedessen mit dem Totalverlust ihrer Anlage konfrontiert sahen.[7] Allein in Deutschland soll es sich um etwa 50.000 Betroffene gehandelt haben, von denen ein Großteil Citibank-Kunden waren.[8] Der Citibank wird laut Medienberichten von Finanzexperten vorgeworfen, als führender Vertriebspartner von Lehman Brothers den Verkauf von Lehman-Zertifikaten in Deutschland massiv vorangetrieben zu haben, um die Investmentbank mit frischem Kapital zu versorgen.

Laut Konkursakte war die Citibank Lehmans größter Gläubiger mit unbesicherten Forderungen von 138 Milliarden USD gegenüber der Investmentbank. Eine Pleite von Lehman Brothers hätte die Citibank deshalb selbst in eine tiefe Krise stürzen können.[9][10]

Am 28. Mai 2009 verkündete die Citibank den erfolgreichen Abschluss langer Gespräche mit der Verbraucherzentrale NRW, mit der man sich auf eine Kulanzregelung mit einem Umfang von 27 Mio € geeinigt hatte. Dieses Vorgehen wurde von den Medien zunächst positiv aufgenommen,[11] von der Interessengemeinschaft der Lehman-Geschädigten aber als ungenügend und hauptsächlich für das Kreditinstitut vorteilhaft zurückgewiesen. Der Umfang des Kulanzangebots entspreche nur knapp über fünf Prozent des geschätzten Gesamtschadens von 475 Millionen Euro und selbst nach eigener Einschätzung der Citibank würden zwei Drittel der geschädigten Kunden leer ausgehen.[12] Das Abfindungsmodell sieht eine mehrstufige Rückzahlung von 30 bis 80 Prozent für jene Fälle vor, bei denen es um existenzbedrohende Summen geht, und beinhaltet umfangreiche Ausschlusskriterien. Die genauen Kriterien wurden auf der Seite der Verbraucherzentrale NRW veröffentlicht.[13]

Im Herbst 2009 belegte die Verbraucherzentrale (VZ) anhand einer Stichprobe bei 15 Banken, dass diese ihre stark gesunkenen Refinanzierungskosten nicht an die Kunden weiterreichten. Beim "Extra-Konto" der Citibank betrug der Dispo-Zinssatz 16,99 Prozent.[14] 2010 mahnte die VZ drei Banken wegen dieser Praxis ab. Eine Bank unterschrieb eine Unterlassungserklärung; gegen die beiden anderen - Targobank und Sparda-Bank Münster - zieht die VZ vor Gericht.[15]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Citibank – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Citi to Sell German Retail Banking Operation to Credit Mutuel (Version vom 16. Juli 2008 im Internet Archive)
  2. Citibank bringt es auf den Punkt (Version vom 6. Februar 2009 im Internet Archive) – Pressemitteilung der Citibank vom 14. Januar 2009
  3. Citi verkoopt Citibank Belgium NV aan Crédit Mutuel Nord Europe
  4. Onze nieuwe bank
  5. Plusminus: Citibank – Restschuldversicherung lässt Kreditkosten explodieren. 12. Dezember 2006
  6. unsere gemeinsamen Verantwortlichkeiten (PDF)
  7. "Interessengemeinschaft der Lehman-Geschädigten in Deutschland[1]
  8. "Lehman-Geschädigte setzen auf Modellprozess", Capital 11/2009.[2]
  9. Kurz vor Schluss abkassiert. Stern vom 11. Dezember 2008
  10. Wie deutsche Senioren in der Lehman-Falle landeten. SPIEGEL Online vom 9. März 2009
  11. „Citibank Deutschland entschädigt Lehman-Opfer“, SPIEGEL Online vom 28. Mai 2009
  12. Lehman-Geschädigte lehnen Citibank-Angebot ab. FOCUS vom 28. Mai 2009
  13. Rückzahlungsmodell auf der Seite der Verbraucherzentrale NRW
  14. www.vz-nrw.de 4. November 2009: Stichprobe bei 15 Geldinstituten zum Dispo-Kredit (Pressemitteilung)
  15. www.vz-nrw.de vom 13. September 2010: Dispozinsen: Verbraucherzentrale NRW verklagt Banken