Civitavecchia

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Civitavecchia
Wappen
Civitavecchia (Italien)
Civitavecchia
Staat: Italien
Region: Latium
Provinz: Rom (RM)
Koordinaten: 42° 6′ N, 11° 48′ O42.111.84Koordinaten: 42° 6′ 0″ N, 11° 48′ 0″ O
Höhe: m s.l.m.
Fläche: 72 km²
Einwohner: 51.449 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 715 Einw./km²
Postleitzahl: 00053
Vorwahl: 0766
ISTAT-Nummer: 058032
Volksbezeichnung: Civitavecchiesi
Schutzpatron: Hl. Fermina
Website: Civitavecchia
Kathedrale San Francesco
Kathedrale San Francesco

Civitavecchia ist eine italienische Hafenstadt in der Provinz Rom in der Region Latium mit 51.449 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012). Sie ist Sitz eines römisch-katholischen Bistums.

Civitavecchia, Ansicht 1795

Geografie[Bearbeiten]

Lage von Civitavecchia in der Provinz Rom

Civitavecchia liegt 69 km nordwestlich von Rom und 244 km südöstlich von Livorno. Das Gebiet der Stadt erstreckt sich in einer Ebene entlang des Tyrrhenischen Meers und der Via Aurelia zwischen den Flüssen Mignone im Norden und Marangone im Süden. Im Nordosten reicht es bis in die Ausläufer der Tolfaberge. Bestimmt wird das Ortsbild durch den Hafen, den größten Seehafen Latiums. Er war früher der Kriegshafen des Kirchenstaates.

Zur Gemeinde gehören die Stadtteile Aurelia und Scaglia nördlich der Kernstadt. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhe von 0 bis 439 m s.l.m.

Die Nachbargemeinden sind Allumiere, Santa Marinella, Tarquinia (VT)

Die Gemeinde liegt in der Erdbebenzone 4 (sehr wenig gefährdet).[2]

Verkehr[Bearbeiten]

  • Autostrada A12 Italia.svg Civitavecchia hat zwei Ausfahrten an der A12 Autostrada Azzurra, Rom - Genua, deren südlicher Teil am nördlichen Stadtrand endet. 2010 soll der Weiterbau der Autobahn bis Tarquinia beginnen und in absehbarer Zeit die Lücke bis zum nördlichen Teil, der zur Zeit südlich von Livorno endet, geschlossen werden.
  • Strada Statale 1 Italia.svg Bis dahin verläuft der Fernverkehr über die Strada Statale SS1 Via Aurelia.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Hafen von Civitavecchia, anonymes Gemälde aus dem 17. oder 18. Jahrhundert

Civitavecchia ist eine etruskische Gründung. Doch erst unter Kaiser Trajan, der 107 bis 110 n. Chr. den Hafen anlegen ließ, entwickelte sich der Ort unter dem Namen Centumcellae zu einer Stadt. Bereits im Jahr 314 wurde es zum Bischofssitz. Vom 6. bis zum 8. Jahrhundert stand die Stadt unter der Kontrolle von Byzanz.

Im Jahr 814 zerstörten die Sarazenen Centumcellae und besetzten es in den darauf folgenden Jahren als Brückenkopf für Aktionen in Mittelitalien. Erst mit der Seeschlacht von Ostia 849 konnte diese Gefahr endgültig abgewendet werden. Papst Leo IV. siedelte die Bevölkerung 854 auf einen einfacher zu verteidigenden Hügel nördlich der Stadt um. Der neuen Stadt gab er den Namen Leopoli. Allerdings setzte sich schnell wieder der antike Name in der vereinfachten Form Cencelle durch. Die Ruinen der Stadt, vor allem ihrer Stadtmauer, sind heute noch bei Allumiere zu besichtigen.

Erst um das Jahr 1000 wurde das Gebiet am alten Hafen rund um eine Burg wieder besiedelt und bekam den Namen Civitavetula, also Alte Stadt. Die Stadt stand unter der Herrschaft der Grafen von Civita Castellana, bzw. der Abtei Farfa bis sie 1432 schließlich zum Kirchenstaat kam, bei dem sie bis zur Einigung Italiens (1870) blieb.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde Civitavecchia von alliierten Luftstreitkräften in Schutt und Asche gelegt, obwohl sich hier eine Hochburg des italienischen Widerstands (Resistenza) befand.

Bevölkerungsentwicklung
Jahr 1871 1901 1921 1951 1971 1991 2001
Einwohner 9.718 15.220 20.635 32.870 44.188 51.201 50.032

Quelle: ISTAT

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Wirtschaft der Stadt stützt sich hauptsächlich auf den Hafen, der sowohl für die Stadt Rom als auch für die Region Latium von außerordentlicher verkehrstechnischer Bedeutung ist. Er verfügt über ein modernes Passagierterminal, über das neben dem Fährverkehr nach Sardinien, Sizilien, Spanien und Frankreich ein stetig zunehmendes Kreuzfahrtgeschäft abgewickelt wird. Mehrere Reedereien fahren den Hafen an: GNV verkehrt nach Palermo und Tunis, Tirrenia nach Arbatax auf Sardinien, Cagliari und Olbia, Moby Lines und Sa.re.mar nach Olbia.

In der Nähe befinden sich auch zwei große Elektrizitätswerke.

Politik[Bearbeiten]

Pietro Tidei (PD) wurde bei der Stichwahl am 20./21. Mai 2012 zum Bürgermeister gewählt. Er besiegte seinen Vorgänger Giovanni Moscherini (PdL) mit 52,7 %. Tideis Mitte-links-Koalition stellt auch mit 15 von 24 Sitzen die Mehrheit im Gemeinderat.[3] Tidei war bereits von 1994 bis 2001 Bürgermeister von Civitavecchia und von 2005 bis 2007 Bürgermeister der Nachbarstadt Santa Marinella.

Bürgermeister von Civitavecchia:

  • 1994 - 2001: Pietro Tidei (DS)
  • 2001 - 2005: Alessio De Sio, (Mitte-rechts-Bündnis)
  • 2005 - 2006: Angelo Di Caprio, kommissarischer Bürgermeister
  • 2006 - 2007: Giuseppe Saladini, (Mitte-links-Bündnis)
  • 2007 - 2012: Giovanni Moscherini, (PdL)
  • seit 2012: Pietro Tidei (PD)

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Forte Michelangelo
Tauriner Thermen, Tepidarium

Sehenswürdigkeiten und Tourismus[Bearbeiten]

  • Die Festung Forte Michelangelo wurde im Auftrag von Papst Julius II. von Donato Bramante begonnen. Der Bau wurde nach dessen Tod von Giuliano Leno, Antonio da Sangallo und schließlich dem namensgebenden Michelangelo vollendet. Sie ist das wuchtige Wahrzeichen der Stadt, direkt am Hafen.
  • Die Tauriner Thermen oder Thermen des Trajan sind ein Ausgrabungsgelände in der Nähe der Autobahnausfahrt Civitavecchia-Nord. Der Legende nach soll ein Stier mit den Hufen den Boden aufgekratzt haben und so das warme Thermalwasser entdeckt haben, das den Anstoß für den Bau der Thermen in der Antike gab. Trajan, der sich genauso wie Mark Aurel hier aufhielt, baute den Gebäudekomplex aus. Ganz in der Nähe liegen die modernen Ficoncella-Thermen, die oft auch Ziel erholungsbedürftiger Hauptstädter sind.
  • Im Süden der Stadt liegt der Freizeithafen Riva di Traiano mit über 1.100 Anlegeplätzen.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Civitavecchia ist berühmt für den Digestif Sambuca, der hier von den traditionsreichen Firmen Manzi und Molinari hergestellt wird. Der Name leitet sich möglicherweise vom arabischen Zammut her, das ein Getränk auf der Basis von Anis bezeichnete und auf Schiffen im Rahmen des Levantehandels aus dem Orient hier angelandet wurde.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christof Henning: Latium. Das Land um Rom. Mit Spaziergängen in der Ewigen Stadt (= DuMont Kunst-Reiseführer). 3., aktualisierte Auflage. DuMont, Köln 2006, ISBN 3-7701-6031-2.
  • Mark Twain: Die Arglosen im Ausland (= Mark Twains Abenteuer. In fünf Bänden. Bd. 4 = Insel-Taschenbuch 1894). Insel-Verlag, Frankfurt am Main u. a. 1997, ISBN 3-4583-3594-3.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Civitavecchia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. Italienischer Zivilschutz
  3. Information des Innenministeriums, abgerufen am 23. Mai 2012
  4. Twain erwähnt Civitavecchia in seinem Reisebericht von 1869:
    "Dieses Civita Vecchia ist das feinste Drecknest und Domizil von Ungeziefer und Unwissenheit ... Diese Gässchen sind mit Steinen gepflastert und mit einem Teppich bedeckt, der aus toten Katzen, vermoderten Lumpen, verwesten Gemüseabfällen und Überbleibseln alter Schuhe besteht, alles mit Spülwasser durchtränkt, und die Leute sitzen auf Schemeln herum und genießen das ... Ein Teil der Männer geht zum Militär, die anderen werden Priester und der Rest wird Schuster ... Hier gibt es nichts zu sehen".