Civitella in Val di Chiana

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Civitella in Val di Chiana
Wappen
Civitella in Val di Chiana (Italien)
Civitella in Val di Chiana
Staat: Italien
Region: Toskana
Provinz: Arezzo (AR)
Koordinaten: 43° 25′ N, 11° 43′ O43.41666666666711.716666666667280Koordinaten: 43° 25′ 0″ N, 11° 43′ 0″ O
Höhe: 280 m s.l.m.
Fläche: 100,4 km²
Einwohner: 9.091 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 91 Einw./km²
Angrenzende Gemeinden Arezzo, Bucine, Laterina, Monte San Savino, Pergine Valdarno
Postleitzahl: 52040
Vorwahl: 0575
ISTAT-Nummer: 051016
Volksbezeichnung: Civitellini
Website: Gemeinde Civitella in Val di Chiana
Panorama von Civitella in Val di Chiana
Panorama von Civitella in Val di Chiana

Civitella in Val di Chiana ist eine Gemeinde mit 9091 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2013) in der Toskana, Italien und gehört zur Provinz Arezzo. Die Stadt ist Mitglied der Cittaslow, einer 1999 in Italien gegründeten Bewegung zur Entschleunigung und Erhöhung der Lebensqualität in Städten.

Geografie[Bearbeiten]

Lage von Civitella in Val di Chiana in der Provinz Arezzo

Der Ort erstreckt sich über ca. 100 km². Er liegt ca. 15 km südwestlich der Provinzhauptstadt Arezzo und 65 km südöstlich der Regionalhauptstadt Florenz zwischen dem Ambra- und dem Chianatal.[2] Der Ort liegt in der klimatischen Einordnung italienischer Gemeinden in der Zone E, 2 269 GG[3]. An der nördlichen Gemeindegrenze liegt die Gemeinde am Arno (2 km), weitere wichtige Gewässer sind die Torrenti Leprone (8 von 17 km im Gemeindegebiet), Lota (4 von 11 km im Gemeindegebiet) und Trove (4 von 13 km im Gemeindegebiet).[4]

Zu den Ortsteilen zählen Albergo (286 m, ca. 300 Einwohner), Badia al Pino (Rathaussitz, 280 m, ca. 1100 Einwohner), Ciggiano (359 m, ca. 500 Einwohner), Oliveto (370 m, ca. 30 Einwohner), Pieve al Toppo (248 m, ca. 1500 Einwohner), Pieve a Maiano (292 m, ca. 200 Einwohner), Tegoleto (265 m, ca. 1200 Einwohner), Tuori (333 m, ca. 140 Einwohner) und Viciomaggio (278 m, ca. 900 Einwohner). Der Namensgebende Ort Civitella liegt bei 185 m und hat ca. 1800 Einwohner.[5]

Die Nachbargemeinden sind Arezzo, Bucine, Laterina, Monte San Savino und Pergine Valdarno.

Geschichte[Bearbeiten]

Erste Siedlungen an dem Ort entstanden zur Zeit der Etrusker, ihnen folgten die Römer. Die Burg (Rocca) entstand in langobardischer Zeit. Nach dem Jahr 1000 ging das Gebiet als Lehnswesen an den Bischof von Arezzo.[6] Nach dem Sieg der Guelfen in der Schlacht von Campaldino bei Poppi 1289 übernahm die Signoria aus Florenz die Herrschaft im Ort. Gleiches geschah 1338, als Arezzo seine Unabhängigkeit an Florenz verlor. Im Konflikt zwischen Siena und Florenz wurde der Ort 1554 von Piero Strozzi belagert, aber nicht eingenommen.[2] Die heutige Gemeinde entstand 1774 im Zuge der Gebietsreform von Pietro Leopoldo.[6]

Nach dem Kriegseintritt Italiens im Juni 1940 errichtete das faschistische Regime in Civitella della Chiana ein Internierungslager (campo di concentramento). Es befand sich in der Villa Oliveto, einem Landhaus in einem abgelegenen Ortsteil. Das Haus wies viele Mängel auf; fehlendes Wasser im Sommer, prekäre hygienische Verhältnisse, ungenügende medizinische Versorgung und Überbelegung, mangelhafte Ernährung und schliesslich Wanzenbefall. Anfangs waren ausländische Juden aus Deutschland und Österreich, England und Indien dort untergebracht; im April 1941 kamen Jugoslawen hinzu, ein Jahr später anglo-libysche Juden.

Über die Schweizer Gesandtschaft in Rom intervenierten das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) und das britische Foreign Office mehrmals bei den italienischen Behörden, um eine Verbesserung der Internierungsbedingungen zu erreichen.

Im Februar 1944 wurden die anglo-libyschen Juden von einer SS-Abteilung abgeführt und im Mai 1944 über das Durchgangslager Fossoli nach Bergen-Belsen deportiert. [7]

Am 29. Juni 1944 erschossen Soldaten der Division „Hermann Göring“ in der Val di Chiana 250 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder. In Civitella wurden 212 Opfer gezählt, in den nahe gelegenen Ortschaften San Pancrazio und Cornia weitere 38. Dieser Terrorakt war eine Vergeltungsaktion für einen Partisanenanschlag auf vier Wehrmachts-Soldaten in einer Gastwirtschaft elf Tage zuvor in Montaltuzzo, bei der es nach einem Feuergefecht auf deutscher Seite drei Tote und einen Schwerverletzten gegeben hatte.[8] Am 29. Juni 2014 erinnerte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier gemeinsam mit der italienischen Außenministerin Federica Mogherini durch den Besuch einer Gedenkstunde mit Kranzniederlegung in Civitella der Opfers des Massakers vor 70 Jahren. In seinen Gedenkworten zu Verantwortung, Verbrechen und Versöhnung sprach er auch Italienisch.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die Kirche Santa Maria Assunta im Ortszentrum von Civitella
Die Burg Rocca di Civitella in Val di Chiana
Die Kirche San Bartolomeo im Ortsteil Badia al Pino
  • Chiesa di Santa Maria, Hauptkirche im Ortskern. Wurde bereits im 11. Jahrhundert erwähnt und 1765 restauriert. Erweiterungen fanden in den Jahren 1875 und 1934 statt. Erlitt 1944 nach Bombardierungen erhebliche Schäden. Enthält von Teofilo Torri das Werk Crocifissione tra i Santi Niccolò di Bari, Giovanni Battista, Caterina e Maria Maddalena (1602).[9]
  • Porta Aretina, Stadttor aus dem 13. Jahrhundert, wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.[10]
  • Porta Senese, Stadttor aus dem 13. Jahrhundert, heute noch vorhanden.[11]
  • Chiesa di Sant’Andrea Apostolo, Kirche an der Straße von Civitella nach Oliveto.
  • Chiesa dei SS. Giorgio e Lucia, Kirche im Ortsteil Tuori aus dem 13. Jahrhundert.[12]
  • Chiesa di Santa Maria Assunta, auch Pieve a Maiano genannt. Wurde bereits um das Jahr 1000 erwähnt.[13]
  • Badia al Pino, auch Chiesa di San Bartolomeo genannt, Kirche im befestigten Ortskern des Ortsteils Badia al Pino. Die Abtei wurde 1039 erstmals erwähnt und war bis 1446 aktiv. Die heutige Kirche wurde im 18. Jahrhundert restauriert und 1861 mit einem kleinen Campanile ausgestattet. Der heutige Campanile aus Stein entstammt dem Jahr 1928.[9]
  • Oratorio della Madonna di Mercatale in der Località Mercatale nahe Badia al Pino. Entstand in den 1630er Jahren.[9]
  • Pieve al Toppo, Pieve im gleichnamigen Ortsteil. Wurde 1500 zerstört und mit dem Oratorio della Madonna del Conforto ersetzt.[14]
  • Villa Oliveto im Ortsteil Oliveto, historisches Haus und späteres Konzentrationslager, heute Centro di documentazione sui campi di concentramento („Dokumentationszentrum der Konzentrationslager“).

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

  • Durch das Gemeindegebiet verläuft die Autostrada A1/E 35 von Mailand nach Neapel. Nächstgelegene Anschlussstelle ist Arezzo, sie liegt an der Gemeindegrenze zu Arezzo.

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Das ganze Jahr über finden in der Burgruine Theateraufführungen und Ausstellungen statt, beginnend im Februar mit einem Amateur-Theaterwettbewerb und endend im November mit der Vorstellung des neuen Olivenöls.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Civitella in Val di Chiana – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2013.
  2. a b Emanuele Repetti: CIVITELLA DEL VISCONTATO DI AMBRA o CIVITELLA del VESCOVO fra la Val d’Ambra e la Val di Chiana.
  3. Webseite der Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l’energia e lo sviluppo economico sostenibile (ENEA), abgerufen am 26. Februar 2015 (italienisch) (PDF; 330 kB)
  4. Offizielle Webseite des Sistema Informativo Ambientale della Regione Toscana (SIRA) zu den Gewässern in Civitella in Val di Chiana, abgerufen am 26. Februar 2015 (italienisch)
  5. Offizielle Webseite des ISTAT (Istituto Nazionale di Statistica) zu den Einwohnerzahlen 2001 in der Provinz Arezzo, abgerufen am 19. Februar 2015 (italienisch)
  6. a b Webseite der Gemeinde Civitella in Val di Chiana zur Geschichte des Ortes, abgerufen am 26. Februar 2015 (italienisch)
  7. Carlo Spartaco Capogreco: I campi del duce. L’internamento civile nell’Italia fascista (1940–1943). Torino 2004 (Einaudi), S. 184–185; Klaus Voigt: Zuflucht auf Widerruf. Exil in Italien 1933–1945. (Zweiter Band), Stuttgart 1993 (Klett-Cotta), S. 74–75
  8.  Michael Geyer: Es muß daher mit schnellen und drakonischen Maßnahmen durchgegriffen werden. In: Hannes Heer, Klaus Neumann (Hrsg.): Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944. Hamburg 1995, ISBN 3-930908-04-2, S. 208ff.
  9. a b c Stefano Casciu (Hrsg.): I Luoghi della Fede: Cortona e la Valdichiana aretina.
  10. Webseite der Gemeinde Civitella in Val di Chiana zur Porta Aretina, abgerufen am 13. März 2015 (italienisch)
  11. Webseite der Gemeinde Civitella in Val di Chiana zur Porta Senese, abgerufen am 13. März 2015 (italienisch)
  12. Webseite der Gemeinde Civitella in Val di Chiana zu Tuori, abgerufen am 13. März 2015 (italienisch)
  13. Webseite der Gemeinde Civitella in Val di Chiana zur Pieve a Maiano, abgerufen am 13. März 2015 (italienisch)
  14. Webseite der Gemeinde Civitella in Val di Chiana zu Pieve al Toppo, abgerufen am 2. März 2015 (italienisch)
  15. Webseite der Gemeinde Kämpfelbach, abgerufen am 26. Februar 2015