Clara Collet

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Clara Elizabeth Collet (* 10. September 1860 in London; † 3. August 1948 in Sidmouth) war eine britische linksliberale Sozialreformerin, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts an wichtigen Verbesserungen in der Bezahlung von Arbeiterinnen und von deren Arbeitsbedingungen beteiligt war. Sie zählt zu den ersten Britinnen, die eine hohe Position im Staatsdienst erlangten.[1]

Leben[Bearbeiten]

Die Tochter von dem unitarischen Musiklehrer, Journalisten und Chorleiter Collet Dobson Collet. Sie wuchs in London auf, wo sie auch das University College absolvierte. Sie arbeitete als Lehrerin, zunächst (bis 1885) in Exeter. 1892 wurde sie Referentin der Royal Commission on Labour. Sie steuerte ein Kapitel über Frauenarbeit zu Charles Booth bahnbrechender Studie Life and Labour of the People of London von 1889/91 bei. Da sie selber im Londoner Elendsviertel East End lebte, gingen darin auch ihre Beobachtungen über das Los der Prostituierten ein. Es war die Zeit, als der berüchtigte (nie gefaßte) Jack The Ripper mindestens fünf Prostituierte ermordete.[2]

Über ihre Eltern, die mit Karl Marx verkehrten, freundete sich Collet mit dessen Tochter Eleanor an. Auch mit Beatrice Webb war sie befreundet. Um 1900 lernte sie den Schriftsteller George Robert Gissing kennen, mit dem sich ebenfalls eine Freundschaft, möglicherweise auch Liebschaft ergab. Nach dessen frühem Tod (1903) kümmerte sich Collet um Gissings Kinder sowie seine amtlich für verrückt erklärte Ehefrau. Zwischen Collet und dem Schriftsteller H. G. Wells entfachte sich ein Streit wegen dessen Vorwort zu Gissings posthum veröffentlichten, unvollendeten Roman Veranilda.

Collet war nun Beamtin des Londoner Bord of Trade, einem Vorläufer des Arbeits- und Industrieministeriums. In dieser Position verhalf sie manchen Sozialreformen auf den Weg, darunter zur Frauenrente. Sie veröffentlichte in renommierten Fachzeitschriften und arbeitete mit Politikern wie David Lloyd George, Ramsay MacDonald, William Beveridge, Winston Churchill zusammen. Sie wurde auch in die Royal Statistical Society berufen.

Collet hinterließ wertvolle Tagebücher, die im Warwick University Modern Records Office aufbewahrt werden.

Ein Bruder Collets war der hohe Kolonialbeamte Wilfred Collet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Deborah McDonald: Clara Collet 1860-1948: An Educated Working Woman, London 2004, ISBN 9780713040609 (mit Bibliography)[3]
  • Clive E. Hill: A Radical in Retirement: Clara Collet, 1920–1948, in: Women's History Review, Jahrgang 15, Nummer 5, 2006, Seite 681-700

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Groenewegen, 2001, abgerufen am 26. August 2011
  2. Deborah McDonald, abgerufen am 26. August 2011
  3. Zum Teil online nachlesbar, abgerufen am 26. August 2011