Claude-Louis-Hector de Villars

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Marschall Villars (1653–1734), Gemälde von Hyacinthe Rigaud

Claude-Louis-Hector de Villars, prince de Martigues, marquis et duc de Villars et vicomte de Melun (* 8. Mai 1653 in Moulins (Allier); † 17. Juni 1734 in Turin), Marschall von Frankreich, war einer der größten und berühmtesten Generale der französischen Geschichte und einer von nur sieben General-Marschällen von Frankreich.

Frühe Laufbahn[Bearbeiten]

Claude-Louis-Hector de Villars war der Sohn des Armeeoffiziers Pierre de Villars, der sich der Diplomatie zugewandt hatte. Jung wurde er Page des Königs Ludwig XIV. Er begleitete den Hof nach Flandern und wurde 1672 beim Ausbruch des Krieges in den Niederlanden Adjutant seines Onkels, des Marschalls von Bellefonds. Da dieser beim Beginn des Krieges in Ungnade fiel, so trat Villars als Freiwilliger in die Armee ein, zeichnete sich mehrfach unter den Augen des Königs aus und tat sich vor allem bei der Belagerung von Maastricht hervor. Er focht 1673 unter Turenne am Rhein und am 11. August 1674 unter dem Prinzen Condé in der Schlacht bei Seneffe, in der er durch einen Degenstich schwer verwundet wurde. Der König ernannte ihn nach dieser Schlacht zum Oberst und gab ihm ein Reiterregiment. Er kämpfte nun in vielen weiteren Feldzügen bis zum Abschluss des Friedens von Nimwegen (1679) und diente dabei u. a. unter dem Marschall von Luxembourg in Flandern und unter dem Marschall Créquy im Elsass. Insbesondere zeichnete er sich 1678 beim Sturm auf das Fort Kehl aus, sah aber dennoch jüngere sich vorgezogen, weil der Kriegsminister Louvois ihm und seiner Familie abgeneigt war. Diesbezügliche Beschwerden Villars’ an den König blieben erfolglos.

Teilnahme am Türkenkrieg[Bearbeiten]

Wegen Liebeshändeln und Hofintrigen wurde Villars einige Zeit vom Hof verbannt. 1683 wohnte er wieder einem Feldzug in den Niederlanden bei. Damals war Österreich in einen langwierigen Türkenkrieg verwickelt, der Villars’ Kriegslust umso mehr erregte, als Ludwig XIV. mehrere Gesuche französischer Adliger, sich als Volontäre zum kaiserlichen Heer begeben zu dürfen, abgelehnt hatte. Es gelang ihm, als Gesandter nach Wien geschickt zu werden. Von hier aus schrieb er mehrere Briefe an den König, aus denen dieser eine Verwendungsmöglichkeit Villars auch außerhalb des Militärdiensts ersah. Er erhielt den Auftrag, dem Kurfürsten Maximilian II. Emanuel von Bayern, den er in Wien kennengelernt hatte und der in Frankreichs Interesse gezogen werden sollte, nach München zu folgen. Er gewann den Kurfürsten und begleitete ihn 1684-1685 auf den Feldzügen gegen die Türken in Ungarn. Seine mehrfach, u. a. in der Schlacht bei Gran geleisteten Dienste fanden am Wiener Hof Anerkennung. Durch die Teilnahme an diesen Feldzügen machte er die Bekanntschaft der berühmten österreichischen Feldherren, gegen die er später selbst als Heerführer auftrat, nämlich des Prinzen Eugen und Ludwigs von Baden. Aber die Unterhandlungen, die Villars in München führte, wurden vom Wiener Hof missbilligend aufgenommen. Als dem Kurfürsten von Bayern 1687 der Oberbefehl in Ungarn übertragen wurde, geschah dies unter der ausdrücklichen Bedingung, dass Villars ihn nicht begleiten durfte.

Rolle im Pfälzischen Erbfolgekrieg[Bearbeiten]

Nach Frankreich zurückgekehrt, fand Villars in Versailles ausgezeichnete Aufnahme, söhnte sich mit Louvois aus und kaufte die Stelle eines Generalkommissars der Reiterei. Ludwig XIV. war mit seinen diplomatischen Erfolgen sehr zufrieden und übertrug ihm 1688, da durch die Liga von Augsburg ein neuer Krieg auszubrechen drohte, eine geheime Sendung nach München, um den Kurfürsten von Bayern nochmals zu gewinnen. Dies misslang aber, der Pfälzische Erbfolgekrieg begann und der Kurfürst von Bayern sah sich schließlich trotz seines Einverständnisses mit Frankreich genötigt, Villars die Abreise zu befehlen. Dieser entkam eilig unter vielen Gefahren, mehrmals vom – über die durch die französischen Heere in Schwaben verübten Gräuel aufgebrachten – Landvolk bedroht, im strengsten Winter in die Schweiz und begab sich von hier zurück nach Frankreich. 1689 schickte ihn der König als Oberbefehlshaber der Kavallerie und maréchal de camp (Generalmajor) zur Armee nach Flandern, wo er im August desselben Jahres die Reiterei mit einigem Erfolg gegen die Alliierten bei Walcourt führte. Er zeichnete sich auch am 19. September 1691 in der Schlacht bei Leuze an der Spitze der Reiterei der königlichen Haustruppen aus.

1692 befand sich Villars beim Heer des Marschalls de Lorges in Deutschland und befehligte im Gefecht von Pforzheim, in dem der Herzog-Administrator von Württemberg, Friedrich Karl, geschlagen und gefangen wurde. 1693 wieder in Flandern kommandierte er in Abwesenheit des Marschalls Boufflers das Heer und wurde zum Generalleutnant ernannt. Im selben Jahr zur Armee in Deutschland versetzt, versuchte er vergeblich die gesunkene Kriegszucht in der ihm untergebenen Reiterei wiederherzustellen und die von den französischen Truppen begangenen Gräuel einzudämmen. Er berichtet darüber in seinen Memoiren, dass bisweilen an einem Tag 20 Soldaten gehängt wurden, ohne deswegen den Missstand abstellen zu können. Hierauf diente er in den Feldzügen in Deutschland und Italien bis zum Rijswijker Frieden (1697), der seine kriegerische Laufbahn unterbrach.

Rolle im Spanischen Erbfolgekrieg[Bearbeiten]

Ludwig XIV. sandte Villars 1698 in der Angelegenheit der spanischen Erbfolge nach Wien, wo er sich drei Jahre aufhielt. Bei Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges abberufen, erhielt er 1701 ein Kommando in Italien unter Villeroy, aber unzufrieden über dessen schlechte Kriegsführung bat Villars um seine Zurückberufung, worauf er im Heer des Marschalls Catinat am Rhein eine Anstellung erhielt. Unabhängig von diesem ging er mit einem starken Korps über den Rhein und trennte sich am 14. Oktober 1702 in der Schlacht bei Friedlingen gegen den Markgrafen Ludwig von Baden unentschieden. Nach der Schlacht riefen ihn seine Soldaten zum Marschall aus und der König bestätigte die Berufung 15 Tage später.[1]

Marschall Villars während der Schlacht bei Denain, 1712

1703 drang Villars durch den Schwarzwald bis nach Tuttlingen vor, wo er am 12. Mai die Verbindung mit dem Kurfürsten von Bayern herstellte und mit diesem am 20. September in der Schlacht von Höchstädt siegte und die Kaiserlichen in die Flucht schlug. Er geriet jedoch mit dem Kurfürsten in Zwiespalt, weshalb er abberufen und zur Dämpfung des Aufstandes der Kamisarden (Hugenotten) in den Cevennen verwendet wurde, wo er durch Klugheit und Milde 1704 den Abschluss eines Friedens zustande brachte. Im nächsten Jahr wurde ihm der Herzogstitel verliehen. 1706 kehrte er nach Deutschland zurück, eroberte Hanau und trieb den Prinzen Ludwig von Baden über den Rhein. Im Feldzug von 1707 überwältigte er am 23. Mai die deutschen Linien bei Bühl und Stollhofen, drang bis Gmünd vor, musste sich dann aber nach Rastatt zurückziehen. Seine Überheblichkeit missfiel dem französischen Hof. 1708 drang er mit der Dauphinée-Armee in Piemont ein.

1709 mit dem Oberbefehl über das 120.000 Mann starke Heer in den Niederlanden betraut, verlor Villars am 11. September 1709 die Schlacht bei Malplaquet gegen den Prinzen Eugen und den Herzog von Marlborough, die aber schwere Verluste erlitten. Villars wurde in der Schlacht am Knie verwundet und musste sich dann wegen der Schwäche seiner Streitkräfte meist auf die Defensive beschränken. Seit 1712, wo Marlborough sich von den Kaiserlichen getrennt hatte, gewann er wieder die Oberhand und siegte am 24. Juli 1712 bei Denain. 1713 befehligte er im Elsass und in Deutschland, bemächtigte sich der Städte Worms, Kaiserslautern, Speyer sowie Kirn und zwang am 20. August Landau sowie am 16. November Freiburg im Breisgau zur Übergabe. Beide Parteien waren kriegsmüde und beauftragten ihre ersten Feldherren Villars und den Prinzen Eugen mit Friedensgesprächen. Diese verhandelten seit dem 26. November 1713 den Rastatter Frieden, der am 6. März 1714 zustande kam.

Späteres Leben und Tod[Bearbeiten]

Die Académie française nahm den bereits 1712 zum Gouverneur der Provence beförderten Villars im Jahr 1714 als Mitglied auf, obwohl behauptet wurde, er habe nicht völlig richtig schreiben können. Nach dem Tod Ludwigs XIV. wurde er durch dessen Testament in den Regentschaftsrat für Ludwig XV. berufen, wusste gegen den Regenten, den Herzog von Orléans, sein Ansehen zu behaupten und wurde 1715 zum Präsidenten des Kriegsrats sowie 1718 zum Staatsminister ernannt. Er nahm aber an den Verhandlungen wenig Anteil. Stattdessen begab er sich in sein Gouvernement und baute den unter dem Namen Kanal von Villars bekannten Rhône-Kanal. Nach Paris zurückgekehrt, erklärte er sich lebhaft gegen den Kardinal Guillaume Dubois und die Finanzpläne von John Law. Nach dem Tod des Herzogs von Orléans (2. Dezember 1723) gewann er großen Einfluss.

Bereits 80 Jahre alt, erhielt Villars 1733 beim Ausbruch des Polnischen Thronfolgekriegs den Oberbefehl in Italien, mit der seit Turenne nicht mehr erteilten Würde eines General-Marschalls. Villars traf am 11. November im Lager von Pizzighettone ein und nahm diesen Platz zwölf Tage nach Eröffnung der Laufgräben. Seine sinkenden Kräfte und seine Unzufriedenheit mit seinem Waffengefährten, dem Herzog von Sardinien, bewogen ihn, um seine Rückberufung anzusuchen. Er erkrankte auf der Reise nach Frankreich und starb am 17. Juni 1734 in Turin.

Seine Memoiren wurden vom Marquis de Vogüé für die Société de l’histoire de France herausgegeben (Paris 1884–1904). Sein Leben beschrieben Anquetil (Paris 1784, 4 Bände), Giraud (das. 1881) und Vogüé (das. 1888, 2 Bände).

Familie[Bearbeiten]

Villars’ Bruder Armand, comte de Villars machte sich im spanischen Erbfolgekrieg 1707 durch die Eroberung von Menorca bekannt. Er starb am 20. August 1712.

Villars’ Sohn Honoré-Armand, duc de Villars, prince de Martigues, geboren am 4. Dezember 1702, war Brigadier, Mitglied der Akademie und Gönner Voltaires. Er starb im Mai 1770 ohne männliche Nachkommen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Wappen von Villars in Schloss von Vaux-le-Vicomte

Literatur[Bearbeiten]

  • Anquetil: Vie du Maréchal Duc de Villars, 4 Bände; Paris: Moutard, 1784
  • Melchior de Vogüé: Le Maréchal de Villars, d’après sa correspondance et des documents inédits, 2 Bände; Paris 1888
  • Henri Carre: Le maréchal de Villars, homme de guerre et diplomate dédicacé; Paris: Hachette, 1936
  • Philippe Le Bas: L’Univers. France, annales historiques; Paris 1840–1843

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Le Bas, S. 76 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Claude-Louis-Hector de Villars – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Vorgänger Amt Nachfolger
Daniel-Voysin de la Noiraye Kriegsminister von Frankreich
1. Oktober 1715–24. September 1718
Claude le Blanc