Claudia Felizitas von Österreich-Tirol

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Carlo Dolci - Erzherzogin Claudia Felizitas von Österreich-Tirol, Öl auf Leinwand, 1672, Kunsthistorisches Museum, Wien
Giovanni Maria Morandi – Erzherzogin Claudia Felizitas als Diana, Öl auf Leinwand, 1666, Kunsthistorisches Museum, Wien

Claudia Felizitas von Österreich (* 30. Mai 1653 in Innsbruck; † 8. April 1676 in Wien; auch Claudia Felix) war eine Erzherzogin von Österreich und durch Heirat römisch-deutsche Kaiserin.

Leben[Bearbeiten]

Claudia Felizitas war eine Tochter des Erzherzogs Ferdinand Karl von Österreich-Tirol (1628–1662) aus dessen Ehe mit Anna de' Medici (1616–1676), Tochter des Großherzogs Cosimo II. von Toskana. Die Prinzessin war musisch äußerst begabt, sie sang und betätigte sich als Komponistin. Zudem galt Claudia Felizitas als ausgezeichnete und leidenschaftliche Jägerin.

Am 15. Oktober 1673 heiratete sie in Graz den römisch-deutschen Kaiser Leopold I. (1640–1705). Als Residenz wurde der Braut Schloss Eggenberg zugewiesen.[1] Fürst Wenzel Eusebius von Lobkowicz, erster Minister Leopolds I., hatte sich gegen diese Vermählung ausgesprochen, dabei hatte er auch als Argument die mangelnde Attraktivität Claudia Felizitas’ ins Feld geführt, was die Kaiserin zur entschiedenen Gegnerin des Fürsten machte.[2] Claudia Felizitas gelang es, dass Lobkowicz die kaiserliche Gunst verlor und Leopold sich auch vermehrt von seiner Stiefmutter entfernte.[3]

Die nur dreieinhalb Jahre andauernde Ehe war sehr glücklich und unter Claudia Felizitas soll es um die Hofwirtschaft am besten bestellt gewesen sein.[4] Während ihrer ersten Schwangerschaft 1674 erschien in Wien ein Gedicht, welches die innige Beziehung des Kaiserpaars beschrieb und in Kreuzform nach den Regeln des Rösselsprungrätsels abgefasst war. Es ist vermutlich die älteste Schrift dieser Art und fand großen Anklang. Leopold belohnte den Dichter für jede Silbe des Gedichts mit einem Dukaten.[5]

Missstände in Regierung und Hofverwaltung wurden der Kaiserin deutlich offenbarer als ihrem Mann. Im Jahr 1674 bediente sie sich einer Opernaufführung um Leopold auf die prekäre Regierungslage aufmerksam zu machen. Ihre musikalischen Vorlieben legte Claudia Felizitas auch als Kaiserin nicht ab. Am Hof stieß Claudia Felizitas größtenteils auf Ablehnung, man fürchtete ihren Einfluss auf den Kaiser.

Kaiserin Claudia Felizitas starb bereits mit 22 Jahren an Tuberkulose. Ihr Herz liegt in der Kaisergruft in Wien, ihr Körper wurde, auf ihren eigenen Wunsch, neben ihrer Mutter in der Dominikanerkirche in Wien beigesetzt. Mit Claudia Felizitas erlosch die Tiroler Seitenlinie des Hauses Österreich. Das Erbe fiel an ihren Witwer Kaiser Leopold I., der Landesfürst von Tirol wurde.[6]

Klaudia Felizitas ist die Hauptfigur des 1867 erschienenen historischen Romans der Schriftstellerin Luise Mühlbach Kaiserin Claudia, Prinzessin von Tirol.[7]

Nachkommen[Bearbeiten]

Aus ihrer Ehe hatte Claudia Felizitas zwei Töchter:

  • Anna Maria Sophie (10. September 1674 - 21. Februar 1675)
  • Maria Josefa Klementine (11. Oktober 1675– 11. September 1676)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Claudia Felizitas von Tirol – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gunnar Strunz: Steiermark: Das Grüne Herz Österreichs. Trescher Verlag, 2009, S. 269
  2. Neue Berliner Musikzeitung. Band 6, 1852 Digitalisat
  3. Julius Franz B. Schneller: Oesterreichs Einfluss auf Deutschland und Europa, seit der Reformation. 1828, S. 335
  4. Heinrich Seel: Geschichte der gefürsteten Grafschaft Tirol. Lentner, 1817, S. 357
  5. Gerhard Robert Walther von Coeckelberghe-Dützele: Curiösitäten- und memorabilien-lexicon von Wien. 1846, S. 334 Digitalisat
  6. Universität Wien. Institut für Österreichische Geschichtsforschung: Mitteilungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Band 1, Böhlaus Nachf, 1979, S. 143
  7. http://www.uibk.ac.at/germanistik/histrom/cgi/wrapcgi.cgi?wrap_config=hr_bu_all.cfg&nr=44410
Vorgängerin Amt Nachfolgerin
Margarita Theresa von Spanien römisch-deutsche Kaiserin
15. Oktober 1673 bis 8. April 1676
Eleonore Magdalene von der Pfalz