Claudia Procula

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Claudia Procula war der Überlieferung zufolge die Ehefrau des römischen Statthalters Pontius Pilatus und der Legende nach auch die Tochter des Kaisers Tiberius.

Erwähnung in der Bibel und in den Schriften der Kirchenväter[Bearbeiten]

Griechisch-orthodoxe Ikone der hl. Claudia Procula

Die Ehefrau des Präfekten von Judäa, Samaria und Idumäa, Pontius Pilatus, (26–36 n. Chr.), wurde erstmals in einigen Versionen des apokryphen Nikodemusevangeliums als Procula bezeichnet. Erst 1619 wird der Name Claudia in der Chronik des Pseudo-Dexter hinzugefügt.

Die Ehefrau des Statthalters Pontius Pilatus wird in der Bibel nur an einer einzigen Stelle, ohne dass ihr Name genannt wird, erwähnt:

„Während Pilatus auf dem Richterstuhl saß, ließ ihm seine Frau sagen: Lass die Hände von diesem Mann, er ist unschuldig. Ich hatte seinetwegen heute Nacht einen schrecklichen Traum.“

Mt 27,19 EU

Claudia Procula befand sich entweder in der Festung Antonia oder im Praetorium, dem ehemaligen Palast Herodes des Großen, als eine Abordnung des Sanhedrin den gefesselten Jesus vor den Richterstuhl ihres Mannes brachte. Als sie von der Forderung der Priester und des versammelten Volkes hörte, dass Jesus, als Aufrührer und Königsprätendent der Juden, von den Römern gekreuzigt werden solle, ließ sie ihrem Mann die Nachricht überbringen, dass sie im Traum wegen Jesus sehr gelitten habe. Über den Inhalt des Traumes wird nichts gesagt. Die Ausleger der Textstelle des Matthäusevangeliums nahmen an, dass der Traum entweder von Gott (Johannes Chrysostomus, † 407; Ambrosius von Mailand, † 4. April 397; Calvin u. a.) oder vom Satan (Beda Venerabilis, † 735; Anselm von Laon, † 1117; Martin Luther u. a.) geschickt wurde. Die Ausleger, die an Satan als Urheber des Traumes dachten, glaubten, dass Satan erkannt hat, dass mit der Kreuzigung Jesu der Heilsplan Gottes seiner Verwirklichung entgegengeht. Satan wollte den Heilstod Jesu also mit aller Gewalt verhindern, um den Heilsplan Gottes zu zerstören.

In den Acta Pilati, 2,1, wird Claudia Procula als „Gottesfürchtige“ (Proselytin) bezeichnet. Später wurde Claudia Procula in der griechisch-orthodoxen Kirche zur Christin und Heiligen. Origenes (um 185 bis um 254) erklärte sie wegen ihres Leidens für „gerettet“ und „selig“.

Claudia Proculas Gedenktag im griechisch-orthodoxen Heiligenkalender: 27. Oktober.

Belletristik[Bearbeiten]

Verfilmung[Bearbeiten]

In Julien Duviviers Golgotha (1935) spielt Claudia, dargestellt von Edwige Feuillère eine gewichtige Rolle. In George Stevens' Die größte Geschichte aller Zeiten (1965) wird ihr Auftritt nur angedeutet, die Traumsequenz und ein Dialog zwischen Pilatus und seiner Frau wurden gedreht, jedoch fielen diese Szenen der Schere zum Opfer, berichtete Angela Lansbury die Claudia verkörperte. In Mel Gibsons Die Passion Christi ist die Bitte und die Güte Claudias der zentrale Kern einer Szene. Claudia Gerini stellt hier die Ehefrau von Pilatus dar. Eine wichtige Rolle wird ihr auch in dem französisch-italienischen Spielfilm Pontius Pilatus – Statthalter des Grauens zugesprochen, verkörpert wird sie hier von Jeanne Crain. In der Verfilmung Judas und Jesus des Jahres 2004 hat Claudia ebenfalls eine zentrale Funktion.

Literatur[Bearbeiten]

  • A. Oepke: Noch einmal das Weib des Pilatus, Fragment einer Dämonologie. In: Theologische Literaturzeitung. 73. Jahrgang, Nr. 12, 1948, S. 734–746.
  • Erich Fascher: Das Weib des Pilatus. (Matthäus 27,19). Zwei Studien zur Geschichte der Schriftauslegung. Niemeyer, Halle (Saale) 1951. (Hallische Monographien. Nr. 20. Hrsg. Otto Eissfeldt.)
  • R. Kany: Die Frau des Pilatus und ihr Name.. In: ZNW. 86, 1995, S. 104–110.
  • R. Kany: Claudia Procula und der große Pan. In: Arcadia. 30, 1995, S. 62–70.