Claudine Guérin de Tencin

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Claudine Guérin de Tencin (etwa 1740)

Claudine Alexandrine Guérin, Marquise de Tencin (* 1682 in Grenoble; † 4. Dezember 1749 in Paris) war eine bekannte französische Salonnière in Paris. Sie war die Tochter von Antoine Guérin, eines hohen Staatsbeamten am Parlament (Gerichtshof) von Grenoble und die leibliche Mutter des Mathematikers Jean Baptiste le Rond d'Alembert.

Ihre Schwester Marie-Angélique, Gräfin von Ferriol, war in Paris eine einflussreiche Persönlichkeit in politischen Kreisen; ihr Bruder François wurde zum Präsidenten am Parlament (Gerichtshof) von Grenoble ernannt; ihre zweite Schwester war Marie-Françoise Gräfin von Grôlée und ihr zweiter Bruder Pierre Guérin de Tencin (1679–1758) Kardinal, Minister, Rektor der Sorbonne und Erzbischof von Embrun, später von Lyon.

Leben[Bearbeiten]

Claudine Alexandrine Guérin de Tencin

Claudine Alexandrine Guérin musste, wie es damals oft der Fall war, sich ihrer Familie beugen und in ein Kloster eintreten. Sie kam in das Dominikanerkloster von Montfleury, monastère royal de Montfleury in der Nähe ihrer Heimatstadt, aus dem sie aber nach dem Tod ihres Vaters, Antoine Guérin, sieur de Tencin († 1705) mit Hilfe ihres Bruders Pierre nach Paris floh. Im Jahr 1712 wurde sie durch päpstliches Dispens von ihrem Gelübde losgesprochen. Ihre Mutter war Louise de Buffévent, seit dem 22. September 1673 mit ihrem Vater, Antoine Guérin, sieur de Tencin verheiratet. Claudine Alexandrine hatte noch zwei Schwestern und zwei Brüder, Marie-Angélique Guérin de Tencin (1674–1736), François Guérin de Tencin (1676–1742), Françoise Guérin de Tencin (* 1678), Pierre Guérin de Tencin (1680–1758).[1]

In Paris wurde sie durch ihren Geist und ihre Schönheit schnell zum Mittelpunkt und für ihr bewegtes Liebesleben berühmt. Sie lebte zuerst im Haus ihrer Schwester Marie-Angélique Guérin de Tencin - durch die Heirat mit Augustin de Ferriol, comte de Pont-de-Vesle (1653–1736) die spätere Madame de Ferriol - und gründete, nachdem sie sich an der Spekulationswelle bereichert hatte, die zu dem Law'schen Bankenkrach führte, im Jahr 1718 einen literarischen Salon in ihrem eigenen Haus in der Rue Saint-Honoré, einer Parallelstraße zur rue de Rivoli und unweit des Café de la Régence. Ihre Verehrer waren unter anderem der Marquis d'Argenson sowie der Minister und Kardinal Guillaume Dubois. Sie hatte dadurch politischen Einfluss und nutzte diesen, um sich zu bereichern und ihrem Bruder Pierre zu Erfolg zu verhelfen, der zum Kardinal und Minister aufstieg. Nach dem Tode von Kardinal Dubois († 1723) verlor sie ihren Einfluss.

Drei Jahre später war sie einige Wochen im Châtelet-Gefängnis und in der Bastille inhaftiert, weil sich ihr Liebhaber Charles-Joseph de La Fresnaye in einem Wahnsinnsanfall in ihrem Haus erschossen hatte. Von dem General der Artillerie Louis-Camus Destouches (1668-1726) hatte sie einen natürlichen Sohn, den sie im Jahr 1717 als Säugling vor der Kirche St-Jean-le-Rond de Paris aussetzte. Dieser kam später unter dem Namen Jean Baptiste le Rond d'Alembert als Mathematiker zu Berühmtheit.

Das Grand Châtelet de Paris (1785)

In ihrem literarischen Salon übernahm sie den Stil und die Besucher des Salons der Marquise de Lambert. Zu den berühmten Zeitgenossen, die bei ihr verkehrten, zählten die Aufklärer Claude Adrien Helvétius, Lord Bolingbroke, Montesquieu, Marivaux und Fontenelle. Als letzterer vom Ableben Madame Tencins erfuhr, erklärte er ungerührt: „Wohlan, jetzt werde ich dienstags bei Madame Rodet Geoffrin speisen“.

Werke[Bearbeiten]

Als Schriftstellerin verfasste sie Romanzen, darunter die folgenden:

  •  Mémoires du Comte de Comminge. 1735.
  •  Le Siège de Calais. 1739 (Französischer Text als HTML).
  •  Les Malheurs de l'amour. 1747.
  •  Anecdotes de la cour et du règne d'Edouard II, Roi d'Angleterre. 1776.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Hannah Lund: „Die ganze Welt auf ihrem Sopha“. Frauen in europäischen Salons. trafo, Berlin 2004, ISBN 3896264567.
  • Marianna D'Ezio, ed., Claudine Alexandrine Guérin de Tencin, The History of the Count de Comminge, translated by Charlotte Lennox, Newcastle upon Tyne: Cambridge Scholars Publishing, 2011

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Genealogie der Familie