Claus Peymann

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Claus Peymann während einer Versteigerung im Hof des Berliner Ensembles im Juni 2011

Claus Peymann (* 7. Juni 1937 in Bremen)[1] ist ein deutscher Theaterregisseur und derzeit Intendant, künstlerischer Leiter und Geschäftsführer des Berliner Ensembles.

Biografie[Bearbeiten]

Claus Peymann wurde in Bremen als Sohn eines Studienrats geboren. In Hamburg erwarb er 1956 das Abitur und begann dann an der Universität Hamburg ein Studium der Germanistik, Literatur- und Theaterwissenschaften.[2]

Peymann begann seine Regiearbeiten am Universitätstheater in Hamburg und war von 1966 bis 1969 Oberspielleiter des Frankfurter Theaters am Turm. Zur Spielzeit 1970/1971 wechselte er zur Berliner Schaubühne. Es kam jedoch nur zu wenigen Arbeiten an der Schaubühne, da Peymann nicht mit dem demokratischen Modell des Mitbestimmungstheaters und dessen Leiter Peter Stein zurechtkam. Nach dem Zerwürfnis mit Stein war er von 1971 bis 1974 als freier Regisseur tätig. Seine erste große Intendanz übernahm Peymann von 1974 bis 1979 als Schauspieldirektor am Schauspiel Stuttgart, wo er wegen einer Geldsammlung für einen Zahnersatz für die inhaftierte RAF-Terroristin Gudrun Ensslin von Ministerpräsident Hans Filbinger unter Druck gesetzt wurde und erstmals bundesweit in die Schlagzeilen geriet. Der Stuttgarter Oberbürgermeister Manfred Rommel erreichte, dass er wenigstens seine Vertragszeit bis zum Ende erfüllen konnte. Im Jahr 1979 übernahm Peymann dann die Intendanz am Schauspielhaus Bochum, das zuvor von Peter Zadek geführt worden war. In seiner knapp siebenjährigen Amtszeit feierte Peymann große Erfolge bei Kritik und Publikum und begründete seinen Ruf als „Papst“ der deutschen Theaterszene.

Uraufführungen zeitgenössischer Autoren wie Thomas Bernhard, Peter Handke oder Peter Turrini, später auch Elfriede Jelinek, bildeten für Peymann von jeher einen Schwerpunkt seiner Arbeit. Zu den wichtigsten Schauspielern, mit denen Peymann teilweise bis heute zusammenarbeitet, gehören Gert Voss, Ignaz Kirchner und Kirsten Dene.

1986 übernahm Peymann die Direktion des Burgtheaters in Wien. Aufgrund seiner Betonung moderner, österreich-kritischer Theaterstücke wie Heldenplatz von Thomas Bernhard kam es mehrfach zu schweren Auseinandersetzungen mit Teilen der Wiener Presse, die sowohl von bürgerlich-konservativen Kreisen wie auch von sozialdemokratischen Persönlichkeiten wie Ex-Kanzler Bruno Kreisky oder Sozialminister Josef Hesoun angefacht wurden. Die kontroverse Wirkung Peymanns an der Burg muss im Zusammenhang mit dem besonderen Status dieser Kulturinstitution in Österreich gesehen werden: Das 1776 begründete Theater mit einem Ensemble von ca. 160 Schauspielern gilt vielen bis heute als Olymp des Schauspieltheaters deutscher Sprache. Unter der Direktion Peymanns wurde die Ausstrahlungskraft dieses mythischen Ortes in bis dahin nicht gekanntem Maß für gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen genutzt.

Auch nach innen war die Ära Peymann am Burgtheater an Konflikten reich. Viele der – nach einem zehnjährigen Engagement, der sogenannten Zehn-Jahres-Klausel – mit einem Vertrag auf Lebenszeit ausgestatteten Burgtheaterschauspieler traten in seiner Ära nicht oder nur in Nebenrollen in Erscheinung. Eine dieser Personen, die sich vehement gegen Peymann stellten, war der spätere Kunststaatssekretär Franz Morak – damals in seiner Eigenschaft als Ensemblevertreter. Aber auch den Sozialdemokraten zugerechnete Schauspieler wie vor allem Fritz Muliar oder Erika Pluhar argumentierten öffentlich gegen Peymann und weigerten sich, unter dessen Regie aufzutreten.

Peymann blieb dreizehn Jahre Chef des Burgtheaters, bevor er sich 1999 in Richtung Berlin verabschiedete. Zuvor hatte er einmal mehr gedroht, seinen Vertrag als Burg-Chef nicht zu verlängern. Überraschenderweise wurde dieses, den Berichten zufolge nicht ganz ernst gemeinte Angebot vom damaligen Bundeskanzler Viktor Klima angenommen. Die Ära Peymann wird heute in Wien als eine – trotz mancher Schwächen – geglückte und kreative Direktion des Burgtheaters beurteilt. Dazu trug auch bei, dass Peymann viele namhafte, sehr unterschiedliche Regisseure nach Wien holte, wie z.B. Giorgio Strehler, Peter Zadek, Hans Neuenfels, Einar Schleef oder George Tabori.

Claus Peymann ist Mitglied der Freien Akademie der Künste Hamburg.

In Berlin führt er seit der Spielzeit 1999/2000 die Geschicke des Berliner Ensembles im Theater am Schiffbauerdamm. Hier spielt seit 1954 das von Bertolt Brecht 1949 gegründete und bis zum Ende der DDR für seine Brecht-Aufführungen legendäre Berliner Ensemble. 2002 erhielt er den Nestroy-Theaterpreis für das Lebenswerk.

Im Februar 2007 geriet Peymann in die Kritik, weil er dem ehemaligen RAF-Terroristen Christian Klar einen Praktikumsplatz als Bühnentechniker beim Berliner Ensemble angeboten und dessen jüngste politische Äußerungen unterstützt hatte.[3] Daraufhin forderte Rolf Hochhuth die Absetzung von Claus Peymann als Intendant des Berliner Ensembles.[4] Weitere Prozesse Hochhuths gegen Peymann folgten,[5] was jedoch vom Feuilleton eher als Fortsetzung des Theaters mit anderen Mitteln betrachtet wurde.[6]

Im April 2008 wurde bekannt, dass Peymann plant in seinen bisherigen Leitungsfunktionen mindestens zwei weitere Jahre für das Berliner Ensemble tätig zu sein. Die Vertragsverlängerung wurde von einigen Politikern der Union heftig kritisiert.

Die Premiere der Inszenierung von Shakespeares Richard II., die 2010 vom französischen Kritikerverband zur besten fremdsprachigen Theateraufführung des Jahres gewählt wurde, fand bereits 2000 im Berliner Ensemble statt und gastierte seitdem unter anderem in Teheran, Tokyo, Stratford-upon-Avon und Verona sowie zuletzt im Wiener Burgtheater. Im November 2010 verlängerte Peymann seinen Vertrag als Schauspielintendant des BE bis zur Spielzeit Sommer 2014.[7]

Am 3. Januar 2012 kam es zu einem Eklat im Berliner Ensemble, als die Premiere von Peymanns Büchner-Inszenierung "Dantons Tod" (sic!) durch eine Aktion kritischer Zuschauer gestört wurde. Sie intonierten im Rang einen Sprechchor, in welchem Textauschnitte aus Büchners Werk zur prekären Situation der nicht-künstlerischen Beschäftigten am BE in Beziehung gesetzt wurden. Hierdurch sollte die Diskrepanz zwischen der Gesellschaftskritik einerseits, und den ausbeuterischen Verhältnissen hinter der Bühne andererseits verdeutlicht werden. Die Aktion, welche von den Aktivisten aufgezeichnet wurde, stieß beim Publikum größtenteils auf Zustimmung und erhielt viel Beachtung in der Presse.[8] Claus Peymann bezeichnete die künstlerische Intervention in einem Interview als "Kampfansage" und drohte mit rechtlichen Schritten.[9]

Auszeichnungen – Ehrungen[Bearbeiten]

Wichtige Inszenierungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Interviews[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

  • Claus Peymann - Mein Leben. Portrait, Deutschland, 2009, 44 Min., Regie: Johanna Schickentanz, Produktion: SWR, Inhaltsangabe von arte

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Claus Peymann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://austria-forum.org/af/Wissenssammlungen/Biographien/Peymann,_Claus
  2. http://www.munzinger.de/search/portrait/claus+peymann/0/15018.html
  3. Rüdiger Göbel: In medienecho, junge Welt, 2. März 2007, Originalartikel
  4. „Hochhuth will Peymann in Rente schicken“, Spiegel Online, 22. März 2007
  5. „Theaterstreit: Hochhuth will Peymann verklagen“, Tagesspiegel, 29. März 2007
    „Hochhuth geht mit lautem Knall“, Tagesspiegel, 29. September 2009
  6. Andreas Schäfer: „Die Geschichte von Hochhuth und Peymann“, Tagesspiegel, 25. Juli 2009
  7. „Vertrag in Berlin verlängert: Peymann bleibt bis 2014“, dpa / n-tv, 5. November 2010.
  8. https://twitter.com/zuschauermagen
  9. http://www.bild.de/regional/berlin/berlin-aktuell/lohn-aktivisten-stuermen-premiere-im-berliner-ensemble-21906852.bild.html
  10. Claus Peymann erhält Lessing-Preis für Kritik. In: Saarbrücker Zeitung (Kultur) vom 7. Dezember 2011, S. B4