Clausnitz

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

50.73972222222213.492222222222Koordinaten: 50° 44′ 23″ N, 13° 29′ 32″ O

Clausnitz
Eingemeindung: 1. Januar 1994
Postleitzahl: 09623
Vorwahl: 037327

Clausnitz ist ein Ortsteil von Rechenberg-Bienenmühle im Landkreis Mittelsachsen. Das Dorf liegt im Osterzgebirge, im Tal der Rachel, einem Nebenfluss der Freiberger Mulde. Clausnitz entstand im Zuge von Rodungen im 12. Jahrhundert. Es ist ein typisches Waldhufendorf, das bis heute seinen gepflegten dörflichen Charakter mit bäuerlichen Zwei- und Dreiseitengehöften sowie Fachwerkhäusern bewahren konnte.

Geschichte[Bearbeiten]

Clausnitz um 1910

Clausnitz wurde im Zuge der bäuerlichen Kolonisation des das gesamte Erzgebirge bedeckenden Urwaldes um 1200 wahrscheinlich von fränkischen Siedlern gegründet. Die Besiedlung erfolgte durch die später auf Schloss Purschenstein sitzenden Feudalherren. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf 1398 in der Schreibweise Clussenicz. Der Ortsname änderte sich in den folgenden Jahrhunderten über Klawßnitz (1451) und Clawsenicz (1479) zu Claußnitz (1641). Clausnitz entwickelte sich rasch zu einem vergleichsweise großen Bauerndorf. Bereits 1551 zählte der Ort 46 besessene Mann und 172 Inwohner, d.h. insgesamt etwa 400 Einwohner. Wirtschaftliche Grundlage des Dorfes waren die Landwirtschaft sowie der im 15. und 16. Jahrhundert intensiv betriebene Bergbau auf Silber- und Kupfererze.

Am 10. Juli 1563 erschlug der Clausnitzer Pfarrer Wolfgang Uhle den Ortsrichter George Bieber im Streit. An der Mordstelle erinnert daran der Pfarrer-Uhle-Stein.

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

Jahr Einwohnerzahl[1]
1551 46 besessene Mann, 127 Inwohner
1764 42 besessene Mann, 54 Häusler, 29 Hufen
1834 950
1871 1160
Jahr Einwohnerzahl
1890 1325
1910 1409
1925 1414
1939 1328
Jahr Einwohnerzahl
1946 1564
1950 1572
1964 1443
1990 1151

Bergbau[Bearbeiten]

Im kleinen zum Freiberger Revier zählenden Clausnitzer Bergbaugebiet lassen sich Bergbauaktivitäten bis 1460 zurückverfolgen. Eine in diesem Jahr von Friedrich II. erteilte Konzession bezieht sich auf die Wiederaufnahme des Bergbaus, so dass die Ursprünge des Clausnitzer Bergbaus deutlich älter sind. Gegenstand des Bergbaus waren zwei Erzgänge (Salomo Spat, Emanuel Stehender), die dem Kupfertyp der kiesig- blendigen Bleierzformation (kb-Formation) zuzurechnen sind. Seine Blütezeit erlebte der Bergbau im 15. und 16. Jahrhundert. Die in den Gruben St. Michaelis, St. Wolfgang, König Salomo und König David geförderten Kupfererze wurden vor Ort in zwei Pochwerken und einer Schmelzhütte verarbeitet bzw. an die Saigerhütte Grünthal geliefert. Auf König David baute der Oberbergmeister Martin Planer 1562 selbst zwei Kunstgezeuge ein, die Grube St. Wolfgang gehörte damals der bekannten süddeutschen Patrizierfamilie der Welser.

im St. Michaelis Stolln

Der Bergbau kam Anfang des 17. Jahrhunderts zum Erliegen, wahrscheinlich weil 1622 infolge eines Unwetters die Grubenbaue absoffen. Wiederaufnahmeversuche (1740/41, 1783) blieben erfolglos. 1860-66 erfolgte die Auffahrung des ca. 400 m langen St. Michaelis Stolln, mit dem die alten Grubenbaue des König Salomo Grubenfeldes wieder erreicht und vom Wasser befreit wurden. Bergbautreibender war die 1858 gegründete Clausnitzer Bergbaugewerkschaft, eine Bergrechtliche Gewerkschaft, die bis 1877 Erkundungsarbeiten durchführte, diese dann aber mangels Erfolgsaussichten einstellte. Ein letzter Bergbauversuch erfolgte 1920–1923.

Mehrere Bergschäden machten in den letzten Jahren umfangreiche Sanierungs- und Sicherungsarbeiten notwendig. Dabei wurde 2001-2004 der St. Michaelis-Stolln auf einer Länge von ca. 400 m saniert. Der Stollen ist zu mehreren Terminen im Jahr geöffnet (kein reguläres Besucherbergwerk) und kann bis in die Abbaue der Grube König David befahren werden.

Im Zusammenhang mit dem Bergbau steht auch die Neugrabenflöße, ein zwischen der Flöha von Fláje (Fleyh) bis zur Freiberger Mulde errichteter Floßgraben zur Holzversorgung der Versorgung der Freiberger Berg- und Hüttenwerke. Die Neugrabenflöße endet südlich von Clausnitz in der Rachel, die in Clausnitz in ihrem natürlichen Verlauf in den Floßgraben einbezogen wurde. Über 350 Jahre diente sie der Holzflößerei.

Kirche in Clausnitz im Erzgebirge – 1696 wurde die Kirche erneuert und bedeutend vergrößert

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Neugrabenflöße
  • St. Michaelis-Stolln
  • Dorfkirche: Die Clausnitzer Kirche wurde in vorreformatorischer Zeit als Wallfahrtskirche genutzt. Der heutige Bau stammt aus dem Jahr 1696. Sehenswert sind die Holzdecke sowie Altar, Kanzel und Taufstein aus dem 17. Jahrhundert. Die Glocken haben ihre eigene Geschichte. Sie sollten im Krieg eingeschmolzen werden, wurden aber vom damaligen Pfarrer gerettet. Der Klang dieser drei Glocken ist etwas Besonderes für das Ohr.

Literatur[Bearbeiten]

  • anonym: Gütergeschichte von Clausnitz, Kreis Brand-Erbisdorf. zusammengestellt aus den Gerichtsbüchern und Grundbüchern. ohne Orts- und Verlagsangabe, ca. 1959
  • Richard Steche: Clausnitz. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 3. Heft: Amtshauptmannschaft Freiberg. C. C. Meinhold, Dresden 1884, S. 3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Clausnitz – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Clausnitz im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen