Clemens Freiherr von Schorlemer-Lieser

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Clemens von Schorlemer-Lieser

Clemens August Freiherr von Schorlemer-Lieser (* 29. September 1856 auf Haus Alst bei Horstmar; † 6. Juli 1922 im Hedwigskrankenhaus in Berlin) war ein deutscher Politiker.

Leben[Bearbeiten]

Schloss Lieser bei Bernkastel-Kues

Freiherr von Schorlemer entstammte dem urwestfälischen katholischen Adelsgeschlecht Schorlemer. Er war der zweitältester Sohn des deutschen Politiker Burghard von Schorlemer-Alst und Gräfin Anna von Imbsen zu Wewer, verwitwete von Droste zu Vischering (1820–1891). Nach dem Schulbesuch am Gymnasium Dionysianum in Rheine, wo er 1874 das Abitur ablegte, studierte er in Würzburg und Göttingen Jura. In Würzburg wurde er Mitglied der katholischen Studentenverbindung K.St.V. Walhalla Würzburg im KV.[1] 1878 promovierte er und leistete seinen Militärdienst ab. 1880 heiratete er die wohlhabende Maria Puricelli (* 1. Februar 1855 Krefeld; † 1936), die Tochter des Hüttenwerks, Gaswerk, Ritter- und Weingutsbesitzer Eduard Puricelli (1826–1893), die später ein Millionenvermögen erbte. Gemeinsam erwarben sie ein Weingut in Lieser an der Mosel und bauten die Schlossvilla der Puricelli in Lieser aus (Schloss Lieser), dessen Name Freiherr von Schorlemer für sich wählte. Das Ehepaar hatte sechs Kinder. Ihre beiden Söhne Friedrich-Leo (1894–1915) und August (1885–1940) starben im 1. bzw. im 2. Weltkrieg,

1886 sammelte von Schorlemer Verwaltungserfahrung an den Staatsanwaltschaften von Bonn und Düsseldorf. 1886 bis 1888 war er als Regierungsassessor in Magdeburg tätig. Am 1. Dezember 1888 wurde von Schorlemer vom Kreistag Neuß einstimmig zum Landrat gewählt. In Neuß knüpfte er erstmals feste Beziehungen zu gesellschaftlichen Gruppen. Politisch unterstützte er mehrere Projekte: Er rief 1889 die Ferienkolonien ins Leben. Er initiierte 1882 sowohl die Prämiensparkasse als auch die Badeanstalt. Die Neußer Cravatten-Fachschule ging auf seine Idee zurück. Schorlemer bemühte sich, sich im Ort zu integrieren. 1893 wurde er Schützenkönig. Darüber hinaus betrieb er in Neuß den Bau eines Kreisständehauses, das 1894 eingeweiht wurde.

1897 erfolgte ein Ruf nach Breslau, wo er das Amt des Oberpräsidenten der Provinz Schlesien übernahm. Bei seinem Abgang aus Neuß lobten ihn die Lokalzeitungen als verdienstvollen Landrat, jedoch übte man Kritik an seiner Zentrums-feindlichen Gesinnung.

Auf persönlichen Wunsch Wilhelms II. wurde von Schorlemer am 19. August 1905 als erster Katholik zum Oberpräsidenten der Rheinprovinz berufen. Fortan residierte er in Koblenz. Bei einem Besuch von Neuß wurden ihm die Ehrenbürgerrechte verliehen, die er 1910 auch in Koblenz und St. Wendel erhielt.

Am 18. Juni 1910 stieg Schorlemer zum preußischen Landwirtschaftsminister auf. Dieses Amt hatte er bis 1917 inne. 1918 ernannte ihn die Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz zu ihrem Vorsitzenden. Zudem war er nun Mitglied des Preußischen Herrenhauses.

Lieser Friedhof Gruftkapelle Schorlemer Vorderansicht

Seit April 1920 war er Kreisdeputierter des Kreises Bernkastel.[2] Nachdem Clemens Freiherr von Schorlemer-Lieser 1922 im Hedwigskrankenhaus in Berlin verstorben war, ehrten ihn die Nachrufe als einen Politiker zwischen Katholizismus und Preußentum, aristokratischer Herkunft und Einsatz für die Arbeiterschaft, patriotischer Begeisterung und unbestechlicher Amtsführung.

Schorlemer-Lieser wurde am 11. Juli 1922 in Lieser beigesetzt.[3]

Ehrungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biographisches Lexikon des KV Band 7 S. 134
  2. Franz Schmitt: Chronik Weindorf Lieser. 1988, S. 465.
  3. Franz Schmitt: Chronik Weindorf Lieser. 1988, S. 466.