Clemens Meyer (Schriftsteller)

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Clemens Meyer auf der Leipziger Buchmesse 2010

Clemens Meyer (* 20. August 1977 in Halle an der Saale) ist ein deutscher Schriftsteller.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Meyer wuchs im Arbeiterviertel Leipzig-Ost auf. Er ist Enkelsohn der Künstler Otto und Gertraud Möhwald.[1] Der Sohn eines Krankenpflegers und einer Heilerziehungspflegerin stieß durch die umfangreiche Bibliothek seines Vaters auf die Belletristik.[2] Nach dem Abitur jobbte Meyer unter anderem als Bauarbeiter, von 1998 bis 2003 studierte er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig, unterbrochen von einem Aufenthalt in der Jugendarrestanstalt Zeithain.[2] Sein Studium finanzierte er als Wachmann, Möbelpacker und Gabelstaplerfahrer, Stipendien ermöglichten ihm die Arbeit an seinem ersten Roman. Während der Suche nach einem Verlag lebte er zeitweilig auch von Sozialhilfe.[1] Inzwischen kann er von seinen Büchern und Autorenlesungen leben. Nebenher ist er Dozent am Leipziger Literaturinstitut und Kolumnist beim MDR.[3]

Die Adaption seines Erzählbandes Die Nacht, die Lichter kam im März 2010 am Leipziger Centraltheater in der Regie von Sascha Hawemann zur Uraufführung. Ebenfalls im März 2010 erschien Meyers drittes Buch „Gewalten“. Ein Tagebuch. Am 22. August 2013 kam sein Roman Im Stein heraus, der in eingehenden, differenzierten Milieustudien vom heutigen Rotlichtgewerbe handelt. Für seine Darstellungen wurde er von der feministischen Zeitschrift Emma zum „Pascha des Monats“ erklärt.[3]

2012 verfilmte der Leipziger Filmemacher Thomas Stuber Von Hunden und Pferden, eine Kurzgeschichte Clemens Meyers. Der Kurzfilm erhielt einen Silbernen Studentenoscar (Student Academy Award) als bester ausländischer Kurzfilm. Gemeinsam mit Stuber schrieb Clemens Meyer das Drehbuch zu dem Spielfilm Herbert, das für den Deutschen Drehbuchpreis nominiert war. Der Film wird derzeit von Stuber verfilmt. Meyers erster Roman Als wir träumten wird von Regisseur Andreas Dresen verfilmt.[4]

Gemeinsam mit dem Meisterschüler der Hochschule für Grafik und Buchkunst (Leipzig) und heutigen Galeristen Uwe-Karsten Günther arbeitet Meyer unter dem Pseudonym Günther Meyer als bildender Künstler. Im Museum der bildenden Künste (Leipzig) war Günther Meyer im Rahmen der Ausstellung Weltenschöpfer – Richard Wagner Max Klinger Karl May vom 15. Mai bis 15. September 2013 mit einer großen, komplexen Rauminstallation vertreten. Seine Leidenschaft gehört neben der Literatur dem Galopp-Pferderennsport.[3]

Der Schriftsteller ist verheiratet und lebt in Leipzig.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Bühnenstück[Bearbeiten]

  • Sirk the East – Der Traum von Hollywood. zusammen mit Sascha Hawemann; UA: 2011 Centraltheater, Leipzig

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Zitate[Bearbeiten]

Von Meyer[Bearbeiten]

„Literatur war immer meins, auch wenn ich nicht den klassischen Weg gegangen bin. Wenn ich manche Irrungen und Wirrungen mitmachte, hab ich die Biographien amerikanischer Schriftsteller vor mir gesehen: Jack London und Hemingway und Fitzgerald mit ihren Ausschweifungen. Das hat mich beruhigt, und ich hab mir gesagt: Wenn du jetzt mal 'n bisschen in der Gosse rumkrebst, kannst du trotzdem ein guter Schriftsteller werden. Und ich wäre nicht der, der ich heute bin, wenn ich nicht so aufgewachsen wäre, in diesem Viertel, unter meinen Freunden. Als Kind der Straße, wie man pathetisch sagt. Da hab ich das Stilistische, was mich als Schriftsteller ausmacht, gelernt. Mich kennen die Kumpels aus der Kneipe als Geschichtenerzähler.“[6]

„Ist sowieso ein komischer Verein, das LCB (Literarisches Colloquium Berlin). Günter Grass kriegt Millionen, wenn er da liest, ich bekomme nicht mal ein Taxi bezahlt!“[2]

Zu Meyer[Bearbeiten]

2006 las Meyer beim Wettbewerb zum 30. Ingeborg-Bachmann-Preis den Text Reise zum Fluss.

„Sein Text über einen Boxer und dessen Leidensgenossen im Gefängnis war große Klasse. Der beste Text dieses Jahr. In Meyer steckt viel literarisches Potenzial, die klassische Short-Story amerikanischen Zuschnitts beherrscht er perfekt. Zu perfekt für die Jury, die den Hut zog, aber zu viel Sentimentalität entdeckte und Meyer unverdientermaßen leer ausgehen ließ.“

die tageszeitung[7]

„Man unterstellt ihm zu leichtfertig, es sei vor allem seine ungewöhnlich authentische Milieukenntnis, mit der er Aufmerksamkeit erzeuge. Dabei ist Meyer, man muss das in aller Klarheit festhalten, ein absoluter Könner, ein souveräner Stilist. Gerade in dieser Hinsicht war die Knast-Geschichte, mit der er in Klagenfurt antrat, vielleicht noch besser, weil kompakter und durchkomponierter als sein Roman.“

Süddeutsche Zeitung[8]

Aus der Laudatio zum Literaturstipendium der Märkischen Kulturkonferenz:

„Clemens Meyer hat mit seinem Debütroman ‚Als wir träumten‘ ein großes episches Gemälde der Wendezeit präsentiert, wie sie von Jugendlichen im Leipziger Vorstadtmilieu erlebt wurde: Abschied von der Tristesse der DDR, Eintritt in eine Welt zügelloser Freiheit, in der die Schattenseiten dominieren. Clemens Meyer schildert diese Übergangszeit mit authentischer, harter Sprache und zugleich mit Einfühlung in die Nöte und die Verlorenheit dieser Heranwachsenden mit ihren Träumen vom besseren Leben.“[9]

Weblinks[Bearbeiten]

Texte[Bearbeiten]

Interviews, Porträts[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b BR2 vom 5. Juni 2008: Clemens Meyer, Buchautor im Einszueins-Gespräch (mp3)
  2. a b c die tageszeitung vom 21. Juni 2006: Interview mit Clemens Meyer
  3. a b c Clemens Meyer, Buchautor im Einszueins-Gespräch (mp3)
  4. Spiegel Online vom 16. Juli 2013: Andreas Dresen verfilmt „Als wir träumten“
  5. Preis der Leipziger Buchmesse 2008, Leipziger Messe GmbH
  6. Biografie (Version vom 2. Oktober 2010 im Internet Archive)
  7. taz: Superstars und glückliche Väter
  8. „Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt. Was ist da los? Was ist da los?“ In: Süddeutsche Zeitung. 26. Juni 2006.
  9. „Die Stipendiaten 2007“. (Version vom 2. Mai 2008 im Internet Archive) In: Märkischer Kreis. 2007.