Clementinum

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Dieser Artikel behandelt das Jesuitenkolleg Clementinum in Prag. Für das Clementinum in Bad Driburg bzw. Paderborn siehe Clemens-Hofbauer-Kolleg.
Astronomischer Turm
Brunnen im Rebenhof des Prager Clementinums, Francesco della Torre u. Giovanni Battista Passerini, 1676

Das Clementinum war ein Jesuitenkolleg in Prag. Das umfangreiche Barockgebäude liegt unmittelbar an der Karlsbrücke (bzw. ihrem Altstädter Brückenturm) in der Altstadt und beherbergt heute die Tschechische Nationalbibliothek sowie mehrere wissenschaftliche Institute.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Jesuitenorden kam auf Einladung des Kaisers Ferdinand 1556 nach Prag. Die Jesuiten erhielten vom Kaiser ein leer stehendes baufälliges Kloster, in dem sie eine Hochschule als Konkurrenz zur utraquistischen Karls-Universität aufbauen sollten. In den ersten Jahrzehnten litten die Prager Jesuiten unter dauernder Finanznot. Studenten und Lehrkräfte lebten unter sehr einfachen Bedingungen in dem verfallenen Kloster. Mit dem Einsetzen der Gegenreformation in Böhmen erhielt der Orden Ende des 16. Jahrhunderts vermehrt Zuwendungen und konnte Restaurierungsarbeiten durchführen sowie erste Neubauten errichten. 1616 wurde das Clementinum zur katholischen Universität erhoben. Nach der Niederlage des Böhmischen Ständeaufstands (1621) übernahmen die Jesuiten auch die Leitung der alten Prager Universität. Kaiser Ferdinand III. vereinigte dann 1654 das Clementinum mit der Karls-Universität.

1653-1726 bauten die Jesuiten dann den bis heute erhaltenen großen Gebäudekomplex im Barockstil und verwendeten ihn als Studentenwohnheim und Unterrichtsstätte. Die Fläche des Clementinums beträgt etwa 2 ha. Dazu gehören die öffentlich zugänglichen Sakralbauten Spiegelkapelle, St. Klemens-Kirche und Salvatorkirche, der barocke Bibliotheksaal [1] und der astronomische Turm, der ebenfalls besichtigt werden kann. In der Sternwarte wurden vor allem Zeit- und Positionsbeobachtungen durchgeführt.

Seit 1752 wurden auch meteorologische Messungen vorgenommen und ab 1775 wurden tägliche Wetterbeobachtungen aufgezeichnet. 1751 wurde ein Mathematikmuseum eröffnet, dessen erster Direktor Joseph Stepling war. Nach der Auflösung des Ordens führte das mathematische Museum die Arbeit an der Sternwarte fort, die 1953 den Grundstein für das Astronomische Institut der Wissenschaftsakademie bildete.

Mit der Aufhebung des Jesuitenordens 1773 kam das Clementinum in staatliche Hände. Kaiserin Maria Theresia ließ das Observatorium weiterbetreiben, errichtete 1781 die Nationalbibliothek, an die die alten Buchbestände übergingen, und übergab Teile des Gebäudes der Universität zur Nutzung.

Die älteste Mozart-Gedenkstätte der Welt, das so genannte Mozarteum, entstand 1837 im Clementinum und ist ein Teil der Musikbibliothek.

Heute[Bearbeiten]

Heute ist das Clementinum Sitz der Národní knihovna České republiky, der Nationalbibliothek der Tschechischen Republik. Es beherbergt außerdem das Astronomische Institut der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik. Aufgrund seiner durch die Hochwasser der Moldau stark gefährdeten Lage bestehen aktuell Pläne, die Nationalbibliothek auf das Letná-Plateau zu verlegen. Der siegreiche Wettbewerbsentwurf von Jan Kaplicky, ein Beispiel für Blob-Architektur, steht aber noch in heftiger Diskussion.

Literatur[Bearbeiten]

  • Kateřina Hekrdlová, Zděnek Franc: The Clementinum Library. 220th anniversary of serving the public. = Klementinská knihovna. K 220. výročí zveřejnění. Národní Knihovna České Republiky, Prag 1997, ISBN 80-7050-282-7.
  • Jaroslava Kašparová, Karel Mačák: Utilitas matheseos. Jezuitská matematika v Klementinu (1602–1773). = Jesuit mathematics in the Clementinum (1602–1773). Národni Knihovna České Republiky, Prag 2002, ISBN 80-7050-408-0, (Ausstellungskatalog).
  • Zdislav Šíma: Astronomie a Klementinum. = Astronomy and Clementinum. Narodní Knihovna České Republiky, Prag 2001, ISBN 80-7050-386-6.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. barocke Bibliotheksaal: centrální evidence sbírek

50.08666666666714.415833333333Koordinaten: 50° 5′ 12″ N, 14° 24′ 57″ O