Coccinit

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Coccinit
Coccinite.jpg
Coccinit aus der Grube Backofen, Moschellandsberg, Rheinland-Pfalz, Deutschland
Allgemeines und Klassifikation
Andere Namen
Chemische Formel Hg2+I2
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Einfache Halogenide
System-Nr. nach Strunz
und nach Dana
3.AB.10 (8. Auflage: III/A.08)
09.02.07.03
Kristallographische Daten
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol ditetragonal-dipyramidal; 4/m 2/m 2/m[2]
Raumgruppe (Nr.) P42/nmc[3] (Nr. 137)
Gitterparameter a = 4,38 Åc = 12,41 Å[3]
Formeleinheiten Z = 2[3]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 2
Dichte (g/cm3) 6,36
Spaltbarkeit gut
Farbe orange, scharlachrot, braun
Strichfarbe orangerot
Transparenz durchscheinend
Glanz Bitte ergänzen!
Weitere Eigenschaften
Besondere Merkmale sehr giftig

Coccinit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der Halogenide. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Hg2+I2, ist also chemisch gesehen ein Quecksilber(II)-iodid.

Coccinit entwickelt nur millimetergroße Kristalle und pulvrige Überzüge bzw. Krusten von scharlachroter oder orangeroter bis brauner Farbe bei orangeroter Strichfarbe.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

Das Mineral ist sehr giftig, ein direkter Kontakt ist daher möglichst zu vermeiden.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Coccinit bei Casas Viejas in Mexiko und beschrieben 1829 von Del Rio als Iodure de Mercure (deutsch: Iodmercur[4] bzw. Iodquecksilber oder Quecksilberjodid[1]).

Seinen bis heute gültigen Namen erhielt das Mineral 1845 durch Wilhelm von Haidinger, der es in Anlehnung an seine Farbe nach dem lateinischen Wort coccineus für „scharlachrot“ benannte.[5]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Coccinit zur Abteilung der „Einfachen Halogenide“, wo er zusammen mit Fluorit, Frankdicksonit, Gagarinit-(Y), Gagarinit-(Ce) (ehemals Zajacit-(Ce)), Håleniusit-(La), Laurelit und Tveitit-(Y) die „Fluorit-Reihe“ mit der System-Nr. III/A.08 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Coccinit in die neu definierte Abteilung der „Einfachen Halogenide ohne H2O“ ein. Diese Abteilung ist zudem weiter unterteilt nach dem Stoffmengenverhältnis von Metall (M) zu beteiligtem Halogenid (X), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „M : X = 1 : 2“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 3.AB.10 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Coccinit in die Abteilung der „Halogenide“ ein. Hier ist er zusammen mit Cotunnit und Hydrophilit in der „Cotunnitgruppe“ mit der System-Nr. 09.02.07 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserfreien und wasserhaltigen Halogenide mit der Formel AX2“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Aufgrund seiner Seltenheit konnten bisher keine genaueren Aussagen über die Bildungsbedingungen von Coccinit gemacht werden.

Bisher (Stand: 2012) wurde das Mineral außer an seiner Typlokalität Casas Viejas in Mexiko noch bei Broken Hill (New South Wales) in Australien sowie in den Gruben „Backofen“ und „Carolina“ am Moschellandsberg (Rheinland-Pfalz) und im Tagebau Lichtenberg (Thüringen, siehe auch Lagerstättenbeschreibung bei der Wismut AG) in Deutschland.[6]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Coccinit kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem in der Raumgruppe P42/nmc, den Gitterparametern a = 4,38 Å und c = 12,41 Å sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Coccinite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c indra-g.at: Alte Mineralnamen und Synonyme (PDF 2,65 MB)
  2. Webmineral - Coccinite (englisch)
  3. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 152.
  4.  Carl Friedrich Naumann: Elemente der Mineralogie. W. Engelmann, 1859. (Buch in der Google-Buchsuche)
  5. archive.org: A dictionary of the names of minerals including their history and etymology von Albert Huntington Chester, New York, London 1896
  6. Mineralienatlas:Fundortliste für Coccinit