Cocooning

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Als Cocooning (dt. verpuppen, sich einspinnen) wird besonders von Trendforschern eine Tendenz bezeichnet, sich vermehrt aus der Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit in das häusliche Privatleben zurückzuziehen. Der Begriff wird auch in Abgrenzung zum sogenannten Clanning (Suche nach Gruppenzugehörigkeit) verwendet.[1]

Begriff[Bearbeiten]

Der Begriff aus dem Englischen bezeichnet eigentlich die Verpuppung von Insekten, die sich für das Übergangsstadium zwischen der Insekten-Larve und dem geschlechtsreifen Vollinsekt in einen Kokon einspinnen. Er wurde zuerst in den späten 1980er Jahren von der US-amerikanischen Trendforscherin Faith Popcorn verwendet.[2] Zuvor war ein solches Lebensgefühl schon unter dem Begriff Cosy Home thematisiert worden.

Der Soziologe Holger Rust äußerte sich 1995 kritisch über den Begriff: „Cocooning wurde zu Beginn der achtziger Jahre erfunden und avancierte zu einem der erfolgreichsten Begriffe der publizistischen Gebetsmühlendreher.“[3]

Gründe[Bearbeiten]

Besonders in der unübersichtlichen, als bedrohlich empfundenen Welt wie in Krisenzeiten oder nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 sei eine solche Tendenz im Mainstream verstärkt anzutreffen. Wirtschaft und Handel bieten eine Vielzahl an Produkten an, die den Konsumenten beim Cocooning unterstützen sollen.

Ein Umzug aus der Stadt aufs Land (siehe auch Stadtflucht) kann vom Wunsch nach Cocooning motiviert sein:

„Heute dient das Land "dem konsummüden Metropolenbewohner als Arkadien. Besser gesagt: seine Idealvorstellung davon, die sich speist aus Rückzugssehnsüchten, Landliebe-Werbung und Manufactum-Katalog. Das Land dient dem Städter als Projektionsfläche des Echten und Ursprünglichen, ja, des Wahren und Guten. Am augenscheinlichsten macht sich dieser Trend in Zeitschriftenregalen bemerkbar, in denen sich zu Landlust – mit einer verkauften Auflage von knapp 800.000 Exemplaren der größte Zeitschriftenerfolg Deutschlands – Titel wie Landluft, Landidee, Landspiegel, Liebes Land, Mein schönes Land oder Landhaus Living gesellen. Selbstversorger-Anleitungen findet man auch in Bahnhofsbuchhandlungen, Journalisten berichten in Schrebergarten- oder Balkon-Kolumnen vom erfüllenden Wühlen in der Erde.“[4]

Der Bayerische Rundfunk schrieb:

„'Cocooning' beschreibt das Zurückziehen in die eigenen vier Wände, den Trend hin zum Einigeln samt Home-Service. Wem die Welt draußen zu kompliziert, stressig und uninteressant geworden ist, der zieht sich in seinen kleinen, überschaubaren Lebenskreis zurück wie in einen Kokon.
Insgesamt kanalisiert 'Cocooning' viele Trendströmungen: Es steht für die schwindende Lust der Menschen, Neuland zu entdecken, ebenso für das Schrumpfen des eigenen Verantwortungshorizonts und für eine gewisse Gleichgültigkeit, die in der hoch individualisierten Gesellschaft um sich greift.“[5]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Vgl. z.B. http://www.senior-inet.com/articles/article33.htm
  2. Andreas Haslauer: Cocooning: Daheim ist es doch am schönsten focus.de, 18. Februar 2009, abgerufen am 13. Mai 2013
  3. Holger Rust: Trendpropheten und die mediale Konstruktion der Yuppies single-generation.de
  4. Kathrin Hoffmann: Cocooning mit Misthaufen, in: Frankfurter Rundschau vom 1. Mai 2011
  5. Bayerischer Rundfunk, Stand: 23. November 2010