Codex Argenteus

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Seite aus dem Codex Argenteus (Mk 3,27–32 EU)

Der Codex Argenteus [ˈkoːdɛks arˈgɛnteʊs] (lat. codex, „Buch“; argenteus, „aus Silber“) ist der Rest eines Evangeliars in gotischer Sprache, der in der Universitätsbibliothek Carolina Rediviva zu Uppsala aufbewahrt wird. Der ursprünglich mindestens 336 Blätter umfassende Codex ist mit silber- und goldfarbener Tinte auf purpurfarbenes Pergament geschrieben. Darauf bezieht sich der Name „Silbercodex“ und nicht wie fälschlicherweise oft angenommen auf den 1665 hinzugefügten Silbereinband, denn die Bezeichnung Codex Argenteus tauchte bereits 1597 auf.

Geschichte der Handschrift[Bearbeiten]

Der Codex enthält Teile der vier Evangelien als Abschrift der gotischen Bibelübersetzung (Wulfilabibel) des Bischofs Wulfila (lat. Ulfilas) (311–383) und zählt zu den ältesten schriftlichen Zeugnissen einer germanischen Sprache. Der Codex wurde vielleicht um 500 in Norditalien geschrieben, vermutlich für Theoderich den Großen. Er ist zuerst im Kloster Werden nachweisbar und wurde 1573 vom Abt Heinrich Duden an den späteren Kaiser Rudolf II. verkauft, der die Kostbarkeit in der Prager Burg verwahrte.

Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges fiel der Codex bei der Plünderung Prags schwedischen Truppen in die Hände und gelangte nach einigen Umwegen in den Besitz des schwedischen Reichskanzlers Magnus Gabriel de la Gardie, der zugleich Kanzler der Universität Uppsala war. Dieser schenkte der dortigen Universitätsbibliothek 1669 die inzwischen noch verbliebenen 187 Blätter, versehen mit dem neu angefertigten Silbereinband.

Ein weiteres Blatt des Codex wurde im Oktober 1970 im Dom zu Speyer in einem aus Aschaffenburg stammenden Reliquienschrein entdeckt.

Der Text des Vaterunser (Mt 6,9–13 EU) lautet im Codex Argenteus folgendermaßen:

atta unsar þu ïn himinam
weihnai namo þein
qimai þiudinassus þeins
wairþai wilja þeins
swe ïn himina jah ana airþai
hlaif unsarana þana sinteinan gif uns himma daga
jah aflet uns þatei skulans sijaima
swaswe jah weis afletam þaim skulam unsaraim
jah ni briggais uns ïn fraistubnjai
ak lausei uns af þamma ubilin
unte þeina ïst þiudangardi
jah mahts jah wulþus ïn aiwins
amen

Bedeutung des Codex[Bearbeiten]

Der Codex Argenteus ist (neben den 4 Blättern des Codex Gissensis, den ebenfalls 4 Blättern des Codex Carolinus und den 193 Blättern der Codices Ambrosiani A–E) eines der wenigen umfangreichen überlieferten Zeugnisse in gotischer Sprache.

Literatur[Bearbeiten]

  • Tönnes Kleberg: Codex Argenteus. Silver Bibeln i Uppsala. Universitets Bibliotek, Uppsala 1954 (auf deutsch: Codex Argenteus. Die Silberbibel von Uppsala. 4. bearbeitete Auflage. Almqvist & Wiksell, Uppsala 1981. ISBN 91-85092-14-2)
  • Lars Munkhammar: Silverbibeln. Theoderiks bok. Carlsson, Stockholm 1998. ISBN 91-7203-830-6

Populärliterarische Darstellungen[Bearbeiten]

  • Otto Schlißke: Die silberne Handschrift. Kreuz-Verlag, Stuttgart 1959 (Spannende Erzählung als historischer Roman)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Codex Argenteus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien