Collegium Humanum
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Das Collegium Humanum (Internationales Studienwerk – Collegium Humanum e. V.) wurde 1963 von Werner Georg Haverbeck (1909–1999) als „Heimvolkshochschule für Umwelt und Lebensschutz“ im ostwestfälischen Vlotho gegründet. Als eingetragener und gemeinnützig anerkannter Verein war das Collegium Humanum in Bad Oeynhausen registriert und hatte seinen Sitz im Vlothoer Stadtteil Valdorf.[1] Am 7. Mai 2008 wurde es einschließlich des als Teilorganisation eingestuften Vereins „Bauernhilfe e. V.“ vom Bundesminister des Innern verboten.[2]
Seit 1981 hatte sich der Verein zu einem Zentrum für Antisemitismus und Holocaustleugnung entwickelt. Er diente als Anlaufpunkt für Rechtsextremisten von der Neuen Rechten bis hin zu Freien Kameradschaften.[3]
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[Bearbeiten] Geschichte
Werner Georg Haverbeck, ein ehemaliges NSDAP-Mitglied, widmete sich seit den 1960er Jahren dem Umwelt- und Lebensschutz, arbeitete zeitweise als Berater des SPD-Ministers Egon Bahr und wurde damals eher dem linken politischen Spektrum zugeordnet.
Mit der Gründung des Collegiums, dessen Haus 50 Betten und Platz für bis zu 150 Gäste bot, versuchte Haverbeck in den 1970er Jahren mit Bildungsarbeit des Collegiums auch Angehörige der frühen Ökologiebewegung zu erreichen. Zudem wurden Veranstaltungen zu esoterischen und anthroposophischen Themen angeboten.
1981 gehörte Haverbeck zu den Erstunterzeichnern des Heidelberger Manifests, in dem die „Überfremdung unseres Volkstums“ behauptet und eine ausländerfeindliche Politik gefordert wurde. Seitdem fanden oft mehrtägige Seminare, Schulungen und Treffen von Rechtsextremisten im Collegium statt: So tagte 1984 ein „Komitee zur Vorbereitung der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstag Adolf Hitlers“ dort. Musikveranstaltungen mit folkloristischen Gruppen, nationalistischen Liedermachern bis hin zur schottischen Blood-and-Honour-Band Nemesis fanden ebenfalls statt.
1994 übernahm der Zahnmediziner Hans-Jürgen Klose aus Duisburg vorübergehend die Leitung des Collegiums. Immer wieder waren in dieser Zeit Holocaustleugner wie der Schweizer Bernhard Schaub und der NPD-Anwalt Horst Mahler zu Gast. Wegen starker Proteste aus der Bevölkerung zog sich Klose jedoch aus Vlotho zurück. Danach wurde Ursula Haverbeck-Wetzel Vorsitzende des Vereins. Zusammen mit dem „Weltbund zum Schutz des Lebens“ (WSL) gab das Collegium die zweimonatlich in 3.000 Exemplaren erscheinende Stimme des Gewissens heraus. 2003 wurden zwei Ausgaben wegen Holocaustleugnung beschlagnahmt.
Regelmäßige Teilnehmer und Referenten im Collegium waren der Neuen Rechten zugeordnete Akademiker wie Schaub und Mahler. Beide gründeten am 9. November 2003 in Vlotho den dem Collegium nahestehenden „Verein zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocaust Verfolgten“. Auch dieser Verein wurde Anfang Mai 2008 verboten.
Besonderes Gewicht hatte für das Collegium die Beeinflussung Jugendlicher mit holocaustleugnender Propaganda. So fand im November 2006 eine „Geschichtswerkstatt“ zur Holocaustleugnung statt. Eine weitere ähnliche Veranstaltung speziell für 16- bis 25-Jährige fand vom 23. bis 25. März 2007 statt; als Referenten wurden Schaub und Olaf Rose genannt. Damit reagierte der Verein auf die internationale Holocaustkonferenz von Antizionisten, Geschichtsrevisionisten und Holocaustleugnern im Dezember 2006 im Iran, bei der verstärkte Kampagnen gegen die gültige Rechtsprechung, die die Holocaustleugnung in vielen europäischen Staaten unter Strafe stellt, gefordert und organisiert wurden. Schaub war einer der Hauptredner. Rose, Vorstandsmitglied der rechtsextremen Gesellschaft für freie Publizistik und parlamentarischer Berater der sächsischen NPD-Landtagsfraktion, war ebenfalls Gast der Konferenz.
Im März 2007 bezeichnete die Linksfraktion im Bundestag das Collegium als „Zentrum für offen neonazistische und antisemitische Aktivitäten“ und wollte wissen, ob die Bundesregierung Erkenntnisse über verfassungsfeindliche oder verfassungswidrige Betätigung des Vereins hat und ob sie Möglichkeiten dafür sieht, auf das Land Nordrhein-Westfalen einzuwirken, ihm die Gemeinnützigkeit zu entziehen.
Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen forderte am 20. Februar 2008 die Bundesregierung auf, ein Verbot des Vereins „Collegium Humanum“ nach dem Vereinsgesetz zu prüfen.[4]
Nach kritischen Äußerungen der Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, wurde diese in einem Brief des Vereins bedroht.[5]
Am 7. Mai 2008 wurde das Collegium Humanum einschließlich des angeschlossenen Vereins „Bauernhilfe e. V.“ durch den Bundesminister des Innern nach § 3 des Vereinsgesetzes verboten, da es sich „gegen die verfassungsmäßige Ordnung der Bundesrepublik Deutschland (richte) und (...) durch (...) fortgesetzte Leugnung des Holocaust gegen geltendes Recht (verstoße).“ Im Anschluss an die Verbotsverfügung wurden an mehreren Orten in Deutschland Hausdurchsuchungen durchgeführt.[2] Mit dem Verbot war der Einzug des Vereinsvermögens (z.B. der Vlothoer Immobilien) verbunden.
[Bearbeiten] Literatur
- Gerd Alt: Holocaust-Leugner im Kriegszustand, in: Der Rechte Rand, Hannover März/April 2006, S. 14f
[Bearbeiten] Weblinks
- Das Collegium Humanum: Zentrum der Holocaustleugner, in: Antifaschistisches Infoblatt, Heft 1/2006, S. 30–33
- Arfst Wagner: „Werner Haverbeck – Anwalt für Deutschland?“, Auszug aus einem Artikel in: Flensburger Hefte, Nr. 32, Flensburg 1991
- Patrick Gensing: „Gemeinnützige Holocaust-Leugner“, auf tagesschau.de, 19. Dezember 2007
- Holocaust „Göttlicher Auftrag“ Bericht bei focus.de, 25. Februar 2008
- Gemeinnützige Holocaust-Leugner vor dem Aus?, auf Panorama (ARD), 6. März 2008
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Eintrag Bad Oeynhausen VR 403 im Gemeinsamen Registerportal der Länder
- ↑ a b Bundesministerium des Innern (Hrsg.): Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble verbietet rechtsextremistische Organisationen. (Stand: 7. Mai 2008).
- ↑ http://www.nadir.org/nadir/periodika/aib/archiv/70/30.php
- ↑ Antrag der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen vom 20. Februar 2008
- ↑ Rechtsextreme Bedrohung, focus.de vom 3. März 2008

