Colloredo (Adelsgeschlecht)

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Stammwappen derer von Colloredo
Wappen der Colloredo-Mannsfeld

Colloredo ist der Name eines aus dem Friaul stammenden[1], im 16. Jahrhundert nach Böhmen gelangten und in den böhmisch-österreichischen Adel aufgenommenen Geschlechts, das als mediatisiertes Fürstenhaus dem Hochadel angehört.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach der Überlieferung entstammt das Geschlecht den Herren von Waldsee, von denen die Brüder Liebhard (Liabordo) und Heinrich angeblich den Salier Konrad II. auf dessen Zug im Jahre 1026 zur Kaiserkrönung nach Italien begleiteten. Liabordo soll dann vom Patriarchen Poppo von Aquileia im Jahr 1031 mit der Burg Mels bei Udine belehnt worden sein.[2]

Seine Nachkommen konnten ihr Lehnsgebiet während der Zeiten andauernder Kämpfe zwischen adeligen Herrschaften, Lehensherren und den größeren Mächten wie etwa der Republik Venedig, dem Kirchenstaat und den zum Kaiserreich gehörenden Ländern laufend erweitern. Glizoio de Mels erscheint am 25. Oktober 1247 urkundlich mit seinen Brüdern,[3] von denen Glizoio die Linie Colloredo und Heinrich die Linie Mels-Colloredo gründete.

Wilhelm von Mels bekam am 4. Dezember 1302 vom Patriarchen Ottobono von Aquileia die Erlaubnis, im Friaul bei Udine die Burg Colloredo di Monte Albano zu erbauen,[4] nach der sich die Familie nunmehr benannte. Die drei Söhne Wilhelms begründeten drei Linien des Geschlechts (Asquinische, erloschen 1693, Bernhardinische und Weikhardische Linie).

Zu den Besitzungen gehörte neben dem Schloss Mels von 1200 bis 1336 die Stadt Venzone, ferner die Schlösser Albana und Prodolone mit den Festungen Sattimberg und Monfort[5], Colloredo sowie die Lehen Susans und Sterpo, Castel Dobra (Dobrovo, Slowenien), Fleana (Fojana, Slowenien), Sezza (Seča, Slowenien), Latisana und Sutrio. Außerhalb des Friauls besaßen die Colloredo Paläste in Mantua und Recanati sowie in Santa Sofia Marecchia (Toskana).

Am 19. März 1588 erlangten die Brüder Ludwig und Lälius von Colloredo für sich (und die übrige Deszendenz des Wilhelm von Mels) aus Prag die Reichsfreiherrenbestätigung mit dem Wappen der Herren von Waldsee.[4] Im Jahr 1591 kam es zur Vereinigung der Colloredo mit der schwäbischen Familie von Waldsee auch Walsee oder Walseer genannt. Die Zurückführung ihres Ursprunges auf die Walseer ist heute umstritten.

In den Jahren 1629 wurde die Asquinische Linie und 1724 das Gesamthaus in den Reichsgrafenstand erhoben. Im Jahr 1763 wurde Reichsvizekanzler Rudolph Joseph zum Reichsfürsten erhoben. Von den Söhnen wurde der Ältere Franz de Paula Gundakar ebenfalls Reichsvizekanzler.

Dieser wurde Begründer der Linie Colloredo-Man(n)sfeld mit Schwerpunkt in Ost- und Mittelböhmen, wo die Familie bereits seit etwa 1635 den Besitz Opočno hatte, da er 1771 eine Tochter von Fürst Heinrich Franz von Mansfeld-Fondi heiratete. 1780 starb der letzte männliche Graf von Mansfeld, Josef Wenzel Nepomuk von Mansfeld-Vorderort-Bornstedt. Sämtliche Mann-Lehen der Mansfelder Grafen im Mitteldeutschland fielen an die Lehnsherren zurück; namentlich an Kursachsen und Preußen als Rechtsnachfolger des säkularisierten Erzbistums Magdeburg. Die böhmischen Allodiale mit Schloss Dobříš kamen an die Erbgräfin und Halbschwester Josef Wenzels, Maria Isabella, die seit 1771 mit Franz de Paula von Colloredo verheiratet war. Die kaiserliche Regierung in Wien gestattete dem Fürsten 1789 die Namens- und Wappenvereinigung der beiden Geschlechter, um das Andenken an die Mansfelder Grafen zu bewahren. (Die Familie Mansfeld schrieb sich mit einem „n“. Bei der Erstellung der Urkunden zur Namensvereinigung zu „Colloredo-Mannsfeld“ anlässlich der Verehelichung von Franz-Gundaccar Colloredo mit Maria Isabella Mansfeld wurde der Name 1789 - versehentlich - mit zwei „n“ geschrieben. Obwohl also faktisch auf einem Übertragungsfehler beruhend, ist seit damals die urkundlich und rechtlich korrekte Schreibweise jene mit zwei „n“. Einige Familienmitglieder sind jedoch zur Schreibweise mit einem "n" zurückgekehrt.) Nachfahren dieser Linie leben heute noch in Österreich und den USA. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gehörte der Fürst von Colloredo als Personalist dem schwäbischen Reichsgrafenkollegium an.

Zahlreiche Mitglieder der Familie Colloredo standen in politischen und diplomatischen Diensten des Heiligen Römischen Reiches, der Habsburger beziehungsweise Österreichs. Auch hohe Kirchenämter wurden von Angehörigen des Geschlechts bekleidet. Als eines von 16 mediatisierten Fürstenhäusern hielt es einen erblichen Sitz im Herrenhaus, dem Oberhaus des österreichischen Reichsrates.

Zu den böhmischen Besitzungen zählte ab etwa 1635 Schloss Opočno, ab 1775 die (seit 1630) Mansfeld´sche Domäne mit Schloss Dobříš, und ab 1879 die Domäne mit Schloss Zbiroh. In der Steiermark von 1681 bis 1756 Schloss Liebenau (Graz) sowie seit 1929 bis heute Schloss und Forstamt Gstatt in Öblarn. Das Wiener Palais Colloredo wurde nach dem 2. Weltkrieg an Karl Trauttmansdorff vererbt und von diesem verkauft.

Restitution[Bearbeiten]

Schon 1942 waren alle - auch die im Ausland lebenden – Mitglieder der Familie zu „Reichsfeinden“ erklärt und alle Besitztümer in Böhmen und Österreich zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen worden. Die österreichischen wurden 1948 restituiert. Im Zuge der Restitutionsgesetzgebung in der Tschechischen Republik erhielt die Familie Colloredo-Mannsfeld ab 1990 ihre ehemaligen Besitzungen (rund 20.000 Hektar Wald und Teiche) zurück, die ihnen mit der Vertreibung aus der nach dem Zweiten Weltkrieg wieder gegründeten Tschechoslowakei zum zweiten Mal enteignet worden waren. Dazu zählen Schloss Dobříš, das 1998 an Jerome Colloredo-Mannsfeld restituiert wurde sowie Schloss Zbiroh, das 1990 demselben rückübereignet, jedoch von ihm wieder an den Staat verkauft wurde. Schloss Dobříš beherbergt heute zwei Museen und ein Hotel mit Gastronomie. Kristina Colloredo-Mannsfeld, Tochter des 1990 verstorbenen Josef, erreichte die Restitution des Grundbesitzes der Domäne Opočno. Das Schloss, welches sie zunächst ebenfalls übernehmen konnte, musste sie nach einem Aufsehen erregenden Urteil des Verfassungsgerichtes jedoch wieder an den Staat zurückgeben. Die Dobříšér Ländereien wurden in der Folge zu gleichen Teilen an Jerome und seine Kusine Kristina herausgegeben, die 2006 eine Realteilung vollzogen.

Ungelöst bleiben bis heute die Verfahren um Schloss Opočno und um wesentliche Bestandteile der Schlösserinventare. Im Jahr 2007 verklagte die Familie den Tschechischen Staat auf Restitution der Kunstsammlung aus dem Renaissanceschloss Opočno in Ostböhmen. Ein Gerichtsentscheid des Kreisgerichts von Hradec Králové (Königgrätz) im Oktober 2007 lehnte dies jedoch in einem Berufungsverfahren erneut ab, so dass die Colloredo-Mansfelds nun das Oberste Gericht der Tschechischen Republik anrufen wollen. Zu der Sammlung, deren Wert das Denkmalschutzamt auf über eine Milliarde Kronen, rund 35 Millionen Euro, einschätzt, gehören unter anderem eine künstlerisch wertvolle Kutsche, eine Gemäldesammlung und mehrere tausend Gegenstände wie historische Waffen und Geschirr [6].

Fürstliches Gesamtwappen Colloredo-Mannsfeld

Wappen[Bearbeiten]

Das Stammwappen (Waldsee/Walsee) zeigt in Schwarz einen silbernen Balken. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein wie der Schild bezeichneter Adlerflügel.[4]

Personen[Bearbeiten]

Linie Waldsee/Wallsee
  • Ludwig von Colloredo
  • Lelius von Colloredo, Sohn von Ludwig
  • Hieronymus von Colloredo (1582–1638), Kämmerer und Feldmarschallleutnant, Sohn von Ludwig
  • Rudolf von Colloredo (1585–1657), Feldmarschall und Prior des Malteserordens, Sohn von Ludwig
  • Ludwig von Colloredo († 1693), Feldzeugmeister, Sohn von Hieronymus
  • Johann Baptist II. von Colloredo (1598–1649), österreichischer und venezianischer Feldherr, Feldmarschall
  • Johann Baptist von Colloredo († 1729), kaiserlicher Oberhofmarschall
  • Camill von Colloredo (1712–1797), Ahnherr des böhmischen Zweiges
  • Rudolph Joseph von Colloredo (1706–1788), Reichsvizekanzler
  • Johann Baptist Franz von Colloredo (1731–1815)
  • Franz de Paula von Colloredo-Wallsee[7] (1799–1859) österreichischer Diplomat, Enkel von Johann Baptist Franz
Linie Waldsee-Mels
Linie Man(n)sfeld


Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Eintrag zu Colloredo (Adelsgeschlecht) in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online (in AEIOU Österreich-Lexikon)
  2. Bauzer, Mscr. historie rerum Norie et Forojul. libr. V
  3. Giambattista von Crollalanza: Das Adelsgeschlecht der Waldsee-Mels und insbesondere der Grafen Colloredo. Wien 1889.
  4. a b c Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, Band II, Band 58 der Gesamtreihe, S. 324–326.
  5. Antichi Castelli. Burgen Sattimberg und Monfort. Italienisch. Online auf pioverno.it, abgerufen am 4. April 2013.
  6. Ostböhmisches Gericht entschied über Kunstsammlung in Schloss Opocno. Meldung auf Radio.cz.
  7. Franz Philipp von Sommaruga: Colloredo-Waldsee, Franz. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 4, Duncker & Humblot, Leipzig 1876, S. 415 f.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Colloredo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien