Colon

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Dieser Artikel behandelt das Colon im Körper der Säugetiere. Zu anderen Bedeutungen siehe Colon (Begriffsklärung) und Colón.

Der Grimmdarm (fachsprachlich eingedeutscht das Kolon, von griechisch κόλον (kólon) «Darm», «Wurst» [1][2], latinisiert das Colon) ist der mittlere Abschnitt des Dickdarms der Säugetiere. Er beginnt nach dem Blinddarm (Caecum) und geht an seinem Ende in den Mastdarm (Rectum) über. Die deutsche Bezeichnung Grimmdarm wird sowohl in der Wissenschaft als auch in der Alltagssprache nur noch selten verwendet [3].

Colon des Menschen[Bearbeiten]

Dickdarm-Schema.svg Digestive system diagram de.svg

Der menschliche Dickdarm:

  1. Aufsteigendes Kolon (Colon ascendens)
  2. Querkolon (Colon transversum)
  3. Absteigendes Kolon (Colon descendens)
  4. Sigma (Colon sigmoideum)
  5. End- oder Mastdarm (Rectum), kein Teil des Colons

Beim Menschen verläuft das Colon ungefähr in Form eines umgedrehten U. Man unterscheidet vier Abschnitte:

  • Colon ascendens: aufsteigendes Colon
  • Colon transversum: Querkolon (Querdickdarm), nach der rechten Colonflexur (Flexura coli dextra)
  • Colon descendens: absteigendes Colon, nach der linken Colonflexur (Flexura coli sinistra)
  • Colon sigmoideum: Sigma-Schlinge, Sigma, Sigmoid

Beim Menschen liegt das Colon ascendens retroperitoneal (genauer: sekundär retroperitoneal). Der Teil des Peritoneums, der das Colon ascendens mit der hinteren Bauchwand verbindet, wird Faszie von Toldt genannt. Das Colon transversum liegt intraperitoneal, wodurch er sehr viel beweglicher ist, da er nicht im selben Ausmaß durch die peritoneale Hülle an der Bauchwand fixiert wird. Es finden sich hier nur Anheftungspunkte über die Radix mesocolontransversum (über eine peritoneale Falte, die Colon transversum, Magen und oberen Teil des Zwölffingerdarms beinhaltet) sowie über das Ligamentum gastrocolicum (Verbindung von Magen und Colon transversum). Das Colon descendens liegt wie sein Gegenüber (sekundär) retroperitoneal.

Morphologische Besonderheiten[Bearbeiten]

  • Haustren: außen sichtbare Ausbuchtungen der Dickdarmwand
  • Plicae semilunares coli: innen sichtbare Falten, die äußerlich als Einschnürungen die Haustren voneinander abgrenzen
  • Tänien: drei äußere Längsmuskelstreifen (Taenia libera, Taenia mesocolica, Taenia omentalis)
  • Appendices epiploicae: mit Fett gefüllte Ausstülpungen der äußeren Schicht, Tunica serosa

Blutbahnen[Bearbeiten]

Die arterielle Blutversorgung des aufsteigenden Colons erfolgt über die Arteria colica dextra. Das Colon transversum wird von der Arteria colica media und das absteigende Colon von der Arteria colica sinistra versorgt. Die beiden erstgenannten Arterien sind Äste der Arteria mesenterica superior während die Arteria colica sinistra ein Ast der Arteria mesenterica inferior ist. Das Versorgungsgebiet beider Arterien ist durch Gefäßarkaden über die Riolan-Anastomose verbunden. Der venöse Abfluss des Blutes erfolgt über die Mesenterialvenen hin zur Pfortader (Vena portae).[4]

Nervenstränge[Bearbeiten]

Die autonome Innervation des Colon erfolgt von Seiten des Sympathikus aus über den Grenzstrang (lat. Truncus sympathicus), den Nervus splanchnicus major und minor und prävertebrale Ganglien. Die parasympathische Innervation teilt sich der Nervus vagus mit Ästen der sakralen Nervi splanchnici pelvici.[4] Der unscharfe Übergang dieser parasympathischen Innervationsgebiete befindet sich etwa im letzten Drittel des Colon transversum am Cannon-Böhm-Punkt.

Colon der Raubtiere[Bearbeiten]

Der Colon hat bei Raubtieren, im Gegensatz zu dem des Menschen und dem von Pflanzenfressern, keine Tänien und eine glatte Oberfläche[5]. Ein Colon sigmoideum ist bei Raubtieren ebenfalls nicht ausgebildet. Das „U“ ist bei ihnen, aufgrund der anderen Körperorientierung, nach hinten offen.[6]

Colon der Pflanzenfresser[Bearbeiten]

Bei den Pflanzenfressern (Herbivoren) und auch bei einigen Allesfressern (Omnivoren) ist der Grimmdarm teilweise erheblich modifiziert, da er noch in erheblichem Umfang dem mikrobiellen Aufschluss von Zellulose dient. Diese baulichen Variationen betreffen vor allem das Colon ascendens.[6]

Bei Pferden wird das Colon ascendens auch als „großes Colon“ bezeichnet, da es mit etwa 3–4 m Länge und etwa 100 l Fassungsvermögen sehr geräumig ist. Das große Colon ist in Form zweier u-förmiger Schlaufen übereinandergelegt (auch als Doppelhufeisenform bezeichnet). Das Colon beginnt mit einem rechts aufsteigenden Teil (Colon ventrale dextrum), schlägt in der Flexura sternalis (Brustbeinkrümmung) nach links und zieht als linke bauchseitige Längslage (Colon ventrale sinistrum) wieder in Richtung Beckeneingang. In der Beckenflexur (Flexura pelvina) schlägt es sich nach oben um und zieht als linke obere Längslage (Colon dorsale sinistrum) in Richtung Zwerchfell. Dort biegt es sich nach rechts (Zwerchfellkrümmung, Flexura diaphragmatica) und zieht als rechte obere Längslage (Colon dorsale dextrum) wieder nach hinten und geht anschließend in Colon transversum und Colon descendens über.[6]

Bei den Paarhufern, Hasenartigen und Meerschweinchen ist das Colon ascendens eingerollt (Ansa spiralis coli). Beim Rind sind diese Colonschleifen zu einer flachen Spirale gelegt, beim Schwein bilden die Schleifen einen Kegel, ähnlich der Gestalt eines Bienenkorbs.[6]

Bei einigen Säugetieren (z. B. Pferde, Schweine, Kaninchen, Chinchillas) ist die Längsmuskelschicht des Grimmdarms wie beim Menschen zu Bandstreifen (Tänien) verstärkt. Dadurch entstehen charakteristische Aussackungen zwischen diesen Tänien, die Poschen (lat. Haustra).[6]

Erkrankungen[Bearbeiten]

Bauchschmerzen wurden früher als „Bauchgrimmen“ bezeichnet. Bei Pferden ist das Colon häufig von Verlagerungen und Verstopfungen betroffen und damit Sitz einer Kolik. Eine abnorme Länge des Colon nennt sich Dolichokolie.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Wilhelm Gemoll, Karl Vretska: „Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch“, Verlag Hölder-Pichler-Tempsky, 9. Auflage, ISBN 3-209-00108-1
  2. Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage; unter der Etymologie des Stichwortes Kolik
  3. Benninghoff A, Drenckhahn D, Anatomie. Makroskopische Anatomie, Histologie, Embryologie, Zellbiologie, Band 1, 16. Auflage 2002, Verlag Urban & Fischer bei Elsevier, ISBN 3-437-42340-1
  4. a b Herbert Lippert: Lehrbuch Anatomie, 6. Auflage 2003, Verlag Urban & Fischer, ISBN 3-437-42361-4
  5. Claus Leitzmann, Andreas Hahn: Vegetarische Ernährung, S. 40ff, UTB 1868, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1996, ISBN 3-8252-1868-6
  6. a b c d e Salomon/Geyer/Gille (Hrsg.): Anatomie für die Tiermedizin. Enke, Stuttgart 2004, ISBN 3-8304-1007-7

Weblinks[Bearbeiten]