Colt Open Top

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Der Colt Open Top im Kaliber .44 war wie die auf Metallpatronen abgeänderten Perkussionsrevolver ein Zwischenerzeugnis von Colt, um rasch auf dem Markt für Hinterlader-Revolver zu reagieren. Der Colt Open Top wurde bis Ende 1872 hergestellt und 1873 vom Colt Single Action Army abgelöst.

Geschichte[Bearbeiten]

In den 1850er Jahren meldete Rollin White ein Patent für einen Lademechanismus für Revolver an, bei dem die Trommel komplett durchbohrt war. Das Patent wurde am 3. April 1855 für 14 Jahre erteilt. Gemeinsam mit der Firma Smith & Wesson gelang es bereits Ende 1857, einen ersten Revolver für Metallpatronen auf den Markt zu bringen (vergl. Smith & Wesson No 1).

Alle anderen Waffenhersteller waren zu dieser Zeit noch patentrechtlich gebunden und konnten ihren Kunden nur Perkussionsrevolver anbieten. Nachdem Rollin White vergebens eine Verlängerung seines Patents um sieben Jahre beantragt hatte, wurde dieses im April 1869 hinfällig.

Colt Conversions[Bearbeiten]

Schon vor 1870 wurde von F. Alexander Thuer, einem Ingenieur bei Colt, ein Revolver entwickelt, der Metallpatronen verschoss (Thuer-Conversion, Patente vom Sept. 15 1868; Jan. 4. 1870).

Colt Navy Thuer Conversion, Nachladegeräte im Abteil unter dem Abzugsbügel

Bei diesem wurden die Patronen mit leicht konischen Hülsen allerdings noch von vorne in die entsprechenden Patronenlager der Trommel eingedrückt. Durch die konische Lagerung hielten sie fest, zudem wurde das Rollin White-Patent nicht verletzt, da sich dieses auf zylindrisch gebohrte Patronenlager bezog. Die Konstruktion war sehr kompliziert und teuer und wurde in der Regel in einem Kasten mit Nachladegeräten für die Patronen und einer zusätzlichen Vorderladertrommel ausgeliefert. Insgesamt wurden nicht mehr als 5.000 Exemplare aller Rahmengrößen und Kaliber hergestellt.

Um den Zug nicht zu verpassen, brachte Colt Hinterlader-Revolver (Colt-Conversions) auf den Markt, die von seinen Ingenieuren Charles.B. Richards und William Mason auf der Basis der veralteten Perkussionsrevolver konstruiert worden waren. Die Trommel wurde hinten verkürzt, um Platz für eine mit dem hinteren Teil des Rahmens verschraubte Platte zu schaffen. Diese trug bei der Richards-Conversion im Kaliber .44 Zentralfeuer die Ladeklappe, den Zündstift und das Visier. Bei der späteren Mason-Conversion trug sie nur noch die Ladeklappe. Bei der Richards-Conversion war der Hahn flach, da er auf den Zündstift schlug. Mason vereinfachte das System, er verzichtete auf den in die Platte integrierten Zündstift und befestigte diesen direkt am Hahn.

Colt Navy 1861 Richards Mason Conversion

Die U.S. Armee ließ eine Anzahl ihrer Army 1860-Revolver im Kaliber .44 nach System Richards umbauen und die U.S. Navy entschied sich für das System Mason für ihre Navy Mod. 51/61-Revolver im Kaliber .36 für Metallpatronen gleichen Kalibers .38 (neue Kaliberbezeichnung). Colt hatte noch für Jahre Teile von Perkussionsrevolvern aller Größen und Kaliber. Die Firma änderte diese ab und verkaufte die damit hergestellten Hinterladerrevolver zu günstigen Preisen, vor allem in Mittel- und Südamerikanische Staaten. Bis 1873 wurden jedoch auch noch Perkussionsrevolver hergestellt, diese waren noch billiger. Privatbesitzer von Perkussionsrevolvern konnten diese bei Colt für wenig Geld umbauen lassen und auch Büchsenmacher im ganzen Lande boten mehr oder weniger funktionstüchtige Umbauten an.

Colt Open Top .44[Bearbeiten]

Colt 1871-72 Open Top, Visier am hinteren Laufende, frühes Modell mit kurzem Navy-Griff
.44 Henry Flat Cartridge

Nach dem Auslaufen des Rollin White Patents im April 1869 entwickelte Colt einen zuerst "Army 42" genannten Revolver um ihn der U.S. Armee für Testzwecke zur Verfügung zu stellen. Da sich die Armee für die Abänderung der noch in großer Zahl vorhandenen Vorderladerrevolver Colt Army 1860 entschied, bot Colt die nun "Open Top Frontier" genannten Revolver auf dem zivilen Markt an. (Open Top steht für den oben offenen Rahmen). Der Open Top war ein auf der Basis der Colt Model 1851/61 Navy-Vorderlader entwickelter Patronenrevolver. Die ersten Exemplare waren auf dem Rahmen des Navy-Colts aufgebaut und trugen den Schlag -Colt's/Patent-, später wurde -Pat.July,25,1871/Pat.July,2,1872- aufgeschlagen. Der Open Top hatte einen abnehmbaren Lauf im Kaliber .44, mit hinten aufgesetztem Visier. Die ersten 1.000 gefertigten Open Top Revolver hatten den kurzen Navy-Griff, später wurde der längere Army-Griff verwendet. Sie unterschieden sich von den Conversion-Modellen durch das Fehlen der zusätzlichen Platte hinter der Trommel. Sie verschossen Randfeuerpatronen im Kaliber .44 Henry, die auch im Henry-Gewehr und seinen Nachfolgern verschossen wurden. Einerseits war diese veraltete Patrone weiterer Grund für die Ablehnung der Armee, andererseits war der Revolver mit dieser Munition interessant für die Besitzer von Henry 1860 und Winchester 1866 Gewehren und Karabinern.

Da die Armee auch weiterhin kein Interesse am Open Top bekundete, entschied sich Colt für die Entwicklung einer vollständig neuen Waffe mit einem geschlossenen Rahmen, dem Colt Single Action Army. Dieser vom Chefingenieur William Mason entwickelte Revolver wurde nach erfolgreichen Tests zur Ordonnanzwaffe der amerikanischen Armee bestimmt. Gleichzeitig mit der Produktionsaufnahme des Single Action Army im Dezember 1872 wurde die Produktion des Open Top Modells gestoppt; insgesamt wurden etwas weniger als 6.000 dieser Waffen hergestellt.

Frühere Umbauten von Perkussionsrevolvern[Bearbeiten]

Schon lange bevor Colt seine Umbauten und den "Open Top Frontier" auf den Markt brachte, wurden Perkussionsrevolver zu Patronenrevolvern umgebaut. Hierbei waren der Fantasie der Waffenschmiede keine Grenzen gesetzt. Unzählige Patente und Versionen von mehr oder weniger brauchbaren Waffen überschwemmten den Markt. Einzig Remington Arms brachte einen gut funktionierenden Umbausatz für seinen Remington New Model Army und auch seine kleineren Modelle auf den Markt. Hierbei konnte die Waffe durch den Austausch von Hahn und Trommel sowohl mit Perkussionszündung als auch mit Randfeuerpatronen verwendet werden. Die Patentinschrift vom 3. April 1855 auf der Trommel weist darauf hin, dass Remington für diese Abänderung von Smith & Wesson, dem Inhaber des Rollin White-Patents, lizenziert war.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Robert Q. Sutherland, Robert L. Wilson: The Book of Colt Firearms. Published by Robert Q. Sutherland, Kansas City MO 1971.
  •  C. Kenneth Moore: Colt. Single Action Army Revolver Study, „New Discoveries“. Andrew Mowbray Inc. Publishers, Lincoln RI 2003, ISBN 1-931464-07-3.
  •  John E. Parsons: The Peacemaker and its Rivals. An Account of the Single Action Colt. William Morrow & Co., New York, NY 1950.
  •  R. Bruce McDowell: A Study of Colt Conversions and Other Percussion Revolvers. Krause Publications, Iola WI 1997, ISBN 0-87341-446-2.