Columbushaus

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Das Columbushaus am Potsdamer Platz, 1933

Das Columbushaus (nicht zu verwechseln mit dem Columbiahaus) war ein neungeschossiges Büro- und Geschäftshaus am Berliner Potsdamer Platz, das neben der seinerzeit modernen architektonischen Gestaltung auch durch die Ereignisse zum Kriegsende 1945 und während des Arbeiteraufstandes am 17. Juni 1953 bekannt wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Baustelle des Columbushauses, 1928

Das Columbushaus wurde von 1930 bis 1932 von dem progressiven Architekten Erich Mendelsohn im Auftrag des Grundstückbesitzers Wertheim anstelle des 1928 abgerissenen Grand-Hotels Bellevue errichtet und bereits 1957 noch vor dem Mauerbau abgetragen. Das Gebäude stand auf dem Eckgrundstück zwischen Friedrich-Ebert-Straße und Bellevuestraße, dem sogenannten „Lenné-Dreieck“. Diese Fläche gehörte ursprünglich zum Bezirk Mitte (nach Kriegsende in Ost-Berlin), lag aber nach dem Mauerbau 1961 vor der geradlinig durchgezogenen Mauer und war nur notdürftig mit einem Zaun gegen Zutritt von West-Berlin gesichert. Im Rahmen eines Gebietstauschs kam das Lenné-Dreieck 1988 dann zum West-Berliner Bezirk Tiergarten.

Das große neungeschossige Gebäude hob sich mit seiner modernen horizontalen Fassadengliederung deutlich von den übrigen Gebäuden am Potsdamer Platz ab. Bislang standen hier Bauten aus der Gründerzeit oder Bauten mit klassizistischer Gestaltung. Dank einer Stahlskelettkonstruktion waren die Büroetagen fast stützenfrei und konnten mit nichttragenden Trennwänden fast beliebig unterteilt werden. Im Columbushaus gab es zum ersten Mal in Deutschland eine künstliche Belüftungsanlage.

Dennoch hatte das Hochhaus in den ersten Jahren nach Fertigstellung Schwierigkeiten, Mieter für die Büroräume im zweiten bis achten Obergeschoss und die Ladengeschäfte zu finden und stand fast komplett leer, trotz „angemessener Preise“ für Büroräume ab 75 Mark.[1] Damit bildete das Columbushaus eine Ausnahme unter den Hochhäusern in Berlin.[2] Eine Ende des Jahres 1932 beantragte Konzession für ein Café und ein Restaurant mit Dachgarten im ersten und neunten Obergeschoss wurde zunächst nicht erteilt.

Als es im Dezember 1932 endlich zur Vermietung eines Ladengeschäfts an das Einheitspreisgeschäft Woolworth kam, verhinderte zunächst eine neue Vorschrift zur Neuerrichtung von Einheitspreisgeschäften die Eröffnung. Trotz des Verbots wurde den zuständigen Behörden die Möglichkeit eingeräumt, Ausnahmen zu gestatten, und da sich kein anderer Mieter gefunden hatte, machte der Minister für Wirtschaft und Arbeit von der Ausnahmeregelung Gebrauch und gestattete Woolworth die Eröffnung der Filiale am Potsdamer Platz. Die Firma Woolworth musste sich allerdings dazu verpflichten, bis zum 1. April 1936 in Preußen keine weiteren Filialen zu eröffnen und musste so die Absicht, in Friedenau und Neukölln ebenfalls Filialen einzurichten, aufgeben.[3]

Im Gebäude waren zunächst weiterhin ein Reisebüro, die Firma Büssing, die Deutsche Edelstahl und andere bekannte Unternehmen und Verbände ansässig. Auf dem Dach war eine große Neonreklame für die nationalsozialistische Zeitung Braune Post montiert. Während der Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin beherbergte das Haus die Auskunftsstelle des Organisationskomitees der Spiele. Am 1. Dezember 1939 wurden von Richard von Hegener drei oder vier Büroräume des Hauses für die Tarnorganisationen angemietet, die für die Durchführung der nationalsozialistischen Krankenmorde, der „Aktion T4“, gegründet worden waren. Dieses zentrale Büro wurde mindestens bis April 1940 genutzt, ab dann war die nahegelegene Tiergartenstraße 4 Hauptsitz der Organisation.[4]

Beschädigtes Columbushaus (links), 1945

In der Schlacht um Berlin gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude beschädigt, die tragenden Strukturen jedoch waren weitestgehend erhalten. Wegen der modernen Bauweise hielten sich die Schäden in Grenzen.

Nach dem Krieg befand sich das Haus im sowjetischen Sektor. Wertheim nutzte im Erdgeschoss Ladenräume und in weiteren Etagen Büroräume für Verwaltungszwecke. Nach der Enteignung des Wertheim-Konzerns wurden die Läden von der Handelsorganisation (HO) übernommen, die Volkspolizei zog mit einer Polizeiwache in das Gebäude ein.

Rest des Columbushauses an der Bellevuestraße, 1957

Beim Arbeiteraufstand am 17. Juni 1953 wurde das Columbushaus gestürmt und in Brand gesteckt. Die Ruine wurde 1957, vier Jahre vor dem Bau der Berliner Mauer, abgetragen. Dabei wurden die Konstruktionsteile des Stahlskeletts abgefahren und anderweitig weiterverwendet.

Da die Berliner Mauer geradlinig im Zuge der Friedrich-Ebert-Straße gebaut wurde, lag das zu Ost-Berlin gehörende brachliegende Grundstück vor der Mauer und war vom Westteil Berlins zugänglich. In die Schlagzeilen geriet das Grundstück durch den geplanten Weiterbau eines Teilstücks der Stadtautobahn (Westtangente) durch den Tiergarten und eine aus Protest hiergegen erfolgte Besetzung im Jahr 1988. Durch einen Gebietstausch kam das Grundstück mit dem Lenné-Dreieck noch kurz vor der Wende zu West-Berlin.

Nach dem Fall der Mauer wurde am alten Standort des Columbushauses nördlich der Bellevuestraße im Zuge des Wiederaufbaus des Potsdamer Platzes von Otto Beisheim und anderen Investoren das Beisheim-Center mit mehreren Hotels wie dem Marriott und dem Ritz-Carlton errichtet.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Columbushaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Artikel: Berlins leerstehende Hochhäuser. In: Vossische Zeitung, Nr. 461, 25. September 1932
  2. Artikel: Die City. In: Vossische Zeitung, Nr. 1, 1. Januar 1933
  3. Artikel: Blick auf den Grundstücks-Markt. In: Vossische Zeitung, Nr. 85, 19. Februar 1933
  4. Thomas Vormbaum (Hrsg): „Euthanasie“ vor Gericht. Die Anklageschrift des Generalstaatsanwalts beim OLG Frankfurt/M. gegen Dr. Werner Heyde u. a. vom 22. Mai 1962.(Heyde-Anklage) Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin, 2005. ISBN 3-8305-1047-0. S. 134, 226.

52.5113.376111111111Koordinaten: 52° 30′ 36″ N, 13° 22′ 34″ O