Combat 18

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Logo von Combat 18 mit SS-Totenkopf

Combat 18 (C18) ist eine neonazistisch-terroristische Organisation, die in vielen Ländern Europas aktiv ist und wurde als bewaffneter Arm des Neonazinetzwerks Blood and Honour gebildet. Combat 18 bedeutet „Kampftruppe Adolf Hitler“, da die Zahl 18 unter Neonazis dessen Initialen A und H meint.[1] Das Netzwerk bekämpft politische Gegner auch unter Einsatz von Gewalt nach dem Prinzip „Leaderless resistance“ („Führerloser Widerstand“).

Geschichte[Bearbeiten]

Combat 18 wurde 1992 von Charlie Sargent begründet.[2] Im selben Jahr wurden Mitglieder von Combat 18 als Saalschutz für eine Veranstaltung der British National Party (BNP) eingesetzt. Star des Abends war der bekannte Holocaust-Leugner David Irving. Auch für andere rechtsextreme Organisationen wurden sie aufgrund ihrer Gewaltbereitschaft als Saalordner angestellt. Die Gruppe griff linke Buchläden, Homosexuellenbars und Antiapartheid-Aktivisten an, zudem wurden Listen politischer Gegner erstellt (siehe auch: Redwatch). Nach und nach entfernte sich Combat 18 immer weiter von der BNP. 1992 und 1993 trafen sich die Führungskräfte der Combat 18 mit Hooligan-Gangs, wie zum Beispiel den Chelsea Headhunters, den Arsenal Gooners und anderen aus Millwall, Oxford und Reading.[3] Als einer der führenden ideologischen Köpfe galt auch David Myatt, der Anführer des britischen National Socialist Movement (NSM) war.

Ideologie[Bearbeiten]

Mitgliederzahlen sind nicht bekannt, da es dem Prinzip „Leaderless resistance“ entspricht, dass sich jeder als Mitglied bezeichnen kann, wenn er der gleichen Ideologie folgt (bisher erschienen mehrere Bekennerschreiben von Personen, die sich selbst als C18-Mitglieder bezeichnen).[4] Die zur Gewalt aufrufende Gruppe wird weltweit in neonazistischen und rechtsextremen Kreisen wahrgenommen. Ihr radikales Auftreten führte zu Bewunderung und fand auch in Deutschland Nachahmung durch Verwendung des Namens, Kleidung mit Aufdrucken von Gruppensymbolen oder dem Namen von Combat 18, Aufnäher auf Bomberjacken, Graffiti, Transparente. Combat 18 wird verantwortlich gemacht für eine ganze Reihe von gewalttätigen Anschlägen, Morden sowie Mordversuchen, von Briefbomben an farbige Sportler und Bombenanschlägen. Unter dem Namen Redwatch veröffentlichten die britischen Neonazis Todeslisten von politischen Gegnern und Gegnerinnen. Einzelne Personen oder Organisationen, die darin aufgelistet wurden, sind kurz nach der Veröffentlichung Opfer eines terroristischen Anschlags geworden.

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Combat bedeutet Gefecht, die Zahl 18 im Namen der Gruppe steht für den ersten und den achten Buchstaben des Alphabets, die Initialen Adolf Hitlers. Einer ihrer Slogans lautet: „White Revolution is the only solution“ („Weiße Revolution ist die einzige Lösung“).

Großbritannien[Bearbeiten]

1993 wurden bei einem Mitglied sechs Handfeuerwaffen in einem Auto gefunden. Ein Jahr später wurde Terry Blackham festgenommen, der Maschinengewehre und einen Raketenwerfer an die Ulster Defence Association liefern wollte.[5]

1996 wurden Briefbombenanschläge gegen britische Prominente verübt, an denen britische, dänische und schwedische Neonazis beteiligt waren.[5] Aber auch auf Charlie Sargent und andere Führungskräfte rechter Organisationen gab es versuchte Anschläge.[6][7]

1997 waren Sargent und Martin Cross, der ehemalige Gitarrist der Band Skrewdriver, in den Mord an Christopher Castle verwickelt, der aufgrund einer internen Auseinandersetzung zwischen zwei verschiedenen Combat 18 Gruppen stattfand. Sargent wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.[5]

Bekanntheit erlangte Combat 18, als Mitglieder in den Verdacht gerieten, an den drei durch David Copeland im April 1999 in London verübten Bombenanschlägen beteiligt gewesen zu sein. Bei den Anschlägen in Gegenden, in denen vorwiegend Schwarze, asiatische Zuwanderer oder Homosexuelle wohnten, wurden drei Menschen getötet und etwa 160 zum Teil schwer verletzt. Es wurden Nagelbomben verwendet, die dafür konstruiert waren, möglichst viele Menschen zu verletzen. Es gab Bekennerschreiben, die von Combat 18 unterzeichnet waren. Es wurde jedoch auch angezweifelt, ob die Anschläge wirklich von Combat 18 oder Abspaltungen der Gruppe (White Wolves) ausgingen, zumal zu dieser Zeit einige Kader bereits im Gefängnis saßen und die Gruppe durch verdeckte Ermittler unterwandert war.

2001 beteiligten sich Mitglieder von Combat 18 an den rassistischen Oldham riots.[8]

Irland[Bearbeiten]

Combat 18 war auch in Irland aktiv, hauptsächlich im Norden des Landes. Dort arbeitete Combat 18 zusammen mit paramilitärischen Gruppen, wie zum Beispiel in den 1990er Jahren mit der Ulster Defence Association.[9]

Italien[Bearbeiten]

Laut der bayerischen Politikerin Susanna Tausendfreund stehen der deutsche Neonazi Norman Bordin und andere deutsche Neonazis im Verdacht mit italienischen „Kameraden“ Terrorangriffe auf Migranten in Südtirol vorbereitet zu haben. Bordin, der Würzburger Neonazi Uwe Meenen sowie die Thüringer NPD-Kader Frank Schwerdt und Patrick Paul sollen mit Vertretern der Gruppierung „Skinheads Tirol - Sektion Meran“ Anschläge auf Ladengeschäfte wie Döner-Buden erörtert haben. Ralf Wohlleben soll im Jahr 2009 20.000 Euro nach Italien gebracht haben. Die Empfänger, Alexander und Patrick Ennemoser, seien Aktivisten des internationalen Nazi-Terrornetzwerks „Blood and Honour – Combat 18“.[10]

Russland[Bearbeiten]

Am Freitag, dem 27. November 2009, kamen bei einem Anschlag auf einen Schnellzug (Newski-Express) bei Bologoje/Russland mindestens 39 Menschen ums Leben. Mindestens 100 weitere wurden verletzt.[11] Zu der Tat bekannte sich in einem russischen Blog Combat 18. Russische Ermittler vermuten als Täter allerdings kaukasische Rebellen.[12]

Deutschland[Bearbeiten]

Bereits 1999 gab es gegen Politiker und Gewerkschaftler in Elmshorn Anschläge und Drohbriefe, bei denen das Kürzel "Combat 18" auftauchte.[13]

Verstrickungen deutscher Neonazis im Combat-18-Netzwerk wurden im Januar 2004 in Form einer deutschen Combat-18-Gruppe in Pinneberg (Schleswig-Holstein) nach Wohnungsdurchsuchungen öffentlich bekannt. Waffenfunde, Propagandamaterialien und Pläne zur Gewaltanwendung wurden laut Polizei bestätigt.[14]

2005 sprach Giovanni Di Blasi, der Betreiber des italienischen Versandes Eda Propaganda und Herausgeber des Blood and Honour - und Combat 18-Fanzines The Stormer auf dem Fest der Völker in Jena.

Der Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen registrierte verschiedene Vorfälle. So wurde 2007 in Dortmund ein Tunesier von einem mutmaßlichen Combat 18 Mitglied in einer Aldi-Filiale niedergeschossen.[15]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heike Kleffner (HaGalil, 30. Oktober 2003): Schleswig-Holstein: Rechte mit Terror-Tendenz gefasst
  2. BBC: BNP Under the skin: 1992
  3. Behind enemy lines, independent.co.uk vom 22. Februar 1997
  4. Anschlagserklärung auf jüdischen Friedhof mit Morddrohungen gegen Politiker
  5. a b c Combat 18: Memoirs of a street-fighting man, independent.co.uk vom 1. Februar 1998
  6. “We’re at war and if that means more bombs, so be it...”, guardian.co.uk vom 27. April 1999
  7. 7 Suspected Neo Nazis Seized By Danes in Letter-Bomb Plot, nytimes.com vom 20. Januar 1997
  8. Ex-Combat 18 man speaks out news.bbc.co.uk
  9. What happened to Combat 18 after the '95 Landsdowne Road riot? Newstalk.ie, vom 27. Mai 2013
  10. Neonazi Norman Bordin droht MdL Susanna Tausendfreund; gruene-fraktion-bayern.de, vom 6. Dezember 2012
  11. tagesschau.de: Mindestens 39 Tote bei Zugunglück in Russland (Zugriff am 28. November 2009)
  12. Der Standard: Terror kehrt zurück (Zugriff am 29. November 2009)
  13. "Die Rechten haben das Gegenteil von dem erreicht, was sie wollten", in berliner-zeitung.de vom 28. Juli 2000
  14. Peter Müller, Andreas Speit (Taz, 29. Oktober 2003; Nachdruck bei HaGalil): Schleswig-Holstein: Polizei sprengt Otto-Versand
  15. Terrorgefahr durch Rechtsradikale wurde lange unterschätzt, in derwesten.de vom 19. Februar 2013