Concino Concini

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Concino Concini, Marquis d’Ancre (* um 1576 in Florenz; † 24. April 1617 in Paris), auch bekannt als Marschall d’Ancre, war der einflussreichste Mann in Frankreich während der Regentschaft Maria de’ Medicis.

Concino Concini
Ermordung und Schändung Concinis

Leben[Bearbeiten]

Der italienische Abenteurer Concini, adeliger Herkunft aus der Toskana, kam im Hofstaat der Königin Maria de’ Medici nach Paris.[1] 1601 heiratete er ihre Ziehschwester und Hofdame Leonora Dori Galigaï. Sein Einfluss auf die Königin war so groß, dass Heinrich IV. mehrfach drohte, ihn in die Verbannung zu schicken.

Nach Heinrichs Ermordung stieg er zum wichtigsten Berater der Regentin auf, wurde 1613 Marschall von Frankreich und von ihr mit Gunstbeweisen „überschüttet“. Er war praktisch der Regierungschef des Landes, brachte aber Adel und Bevölkerung gegen sich auf, da er sich massiv bereicherte. Er und seine Frau galten als arrogant, umgeben von einer italienischen Kamarilla. Den jungen Ludwig XIII. hielt er, auch nachdem Ludwig zum König gekrönt worden war, von jeglichen Staatsgeschäften fern. Concinis Bemühen, die Zentralgewalt zu stärken und die Macht des Adels zu brechen, scheiterte an seinem Unvermögen und seiner Unbeliebtheit.[2] Concini war wie kein zweiter Höfling als „Courtisan“ der Regentin eine Figur öffentlichen Interesses. In Hunderten von Veröffentlichungen verbanden sich Xenophobie, soziale Vorurteile, Korruptionsvorwurf sowie der Verdacht, am Tod des Königs beteiligt gewesen zu sein.[3]

Ludwig entwickelte eine stetig wachsende Abneigung gegen Concino Concini, und im Jahre 1617 verhalf der Favorit Ludwigs, Charles d’Albert, duc de Luynes, seinem Schützling zur Macht, indem er Concini von der Palastwache verhaften ließ. Auf der Brücke zum Louvre wurde er vom Hauptmann der königlichen Garde Nicolas de Vitry erschossen.[4] Sein Leichnam wurde in aller Eile bestattet, von der Pariser Bevölkerung aber hervorgeholt und geschändet.[5] Seine Frau wurde nach einem Prozess hingerichtet.[2]

Durch Concini wurde Maria de’ Medici auf den jungen Richelieu aufmerksam, den sie zum Minister machte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Henri Alméras: Concini Maréchal d’Ancre. Berger-Levrault, Paris 1928.
  • George Delamare: Concino Concini. Un aventurier maître du royaume de France. Denoël, Paris 1946.
  • Hélène Duccini: Concini. Grandeur et misère du favori de Marie de Médicis. Michel, Paris 1991, ISBN 2-226-05265-8.
  • Auguste Jal: Dictionnaire critique de biographie et d'histoire. Errata et supplément pour tous les dictionnaires historiques, d’après des documents authentiques inédits. Plon, Paris 1867, S. 415–417 (online).
  • W. Monter: Concini, Concino. In: Alberto M. Ghisalberti (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 27 (Collenuccio–Confortini), Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1982, S. 725–730 (italienisch)..
  • Jean Tracou, Pierre Henry: Livre d’or des maréchaux de France. 1190–1952. Lacour, Casablanca [et al.] [1960], S. 89.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Concino Concini – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus Malettke: Die Bourbonen. Band 1: Von Heinrich IV. bis Ludwig XIV. 1589–1715. Kohlhammer, Stuttgart 2008 ISBN 978-3-17-020581-9, S. 72.
  2. a b Peter Claus Hartmann (Hrsg.): Französische Könige und Kaiser der Neuzeit. Von Ludwig XII. bis Napoleon III. 1498–1870. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54740-0, S. 174f.
  3. Winfried Engler (Hrsg.): Frankreich an der Freien Universität. Geschichte und Aktualität. Steiner Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-515-06971-2, S. 162.
  4. Klaus Malettke: Die Bourbonen. Band 1: Von Heinrich IV. bis Ludwig XIV. 1589–1715. Kohlhammer, Stuttgart 2008 ISBN 978-3-17-020581-9, S. 81.
  5. Winfried Engler (Hrsg.): Frankreich an der Freien Universität. Geschichte und Aktualität. Steiner Verlag, Stuttgart 1997, ISBN 3-515-06971-2, S. 163.