Connewitz

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Am Connewitzer Kreuz

Connewitz war eine selbstständige Gemeinde südlich von Leipzig und wurde mit seiner Eingemeindung 1891 ein Stadtteil von Leipzig. Gemäß der kommunalen Gliederung von Leipzig ist Connewitz heute ein Ortsteil im Leipziger Stadtbezirk Süd (amtliche Ortsteilnummer: 41, Postleitzahl: 04277). Connewitz besitzt eine Flächenausdehnung von 7,15 km² und hatte am 31. Dezember 2007 eine Einwohnerzahl von 16.144[1]. Mit einem großen Anteil am Leipziger Auenwald ist Connewitz der waldreichste der Leipziger Ortsteile.

Vielgestaltigkeit ist eines der charakteristischen Merkmale von Connewitz. Dies bezieht sich nicht nur auf die soziale Zusammensetzung der Bevölkerung und die oft diametralen Wert- und Lebensvorstellungen der einzelnen sozio-kulturellen Gruppen, sondern auch auf die unterschiedlichen Elemente der städtebaulichen Entwicklung.[2]

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geografie

Connewitz und seine Nachbar-Ortsteile

[Bearbeiten] Lage

Connewitz liegt etwa 3 km südlich des Stadtzentrums von Leipzig. Das Gebiet umfasst Auwaldbereiche und die östlich davon und bis zu 10 m höher gelegene ehemalige Feldflur. Nur diese ist bebaut.

Der Ortsteil enthält den größten Teil der Gemarkung Connewitz (mit dem alten Ortskern von Connewitz und einem Teil des südlichen Auenwaldes), einen kleinen Teil der Gemarkung Großzschocher (Auenwald) sowie sehr kleine Teile der Gemarkungen Lößnig und Schleußig.

Seine Grenze bilden im Norden der Schleußiger Weg, die Wundtstraße und die Richard-Lehmann-Straße. Ost- und Südostgrenze ist die Bahntrasse Bayerischer Bahnhof - Markkleeberg. Im Süden bildet das bebaute Gebiet von Markkleeberg die Grenze mit Ausnahme einiger kurzer Straßenzüge am Wolfswinkel, die zu Connewitz gehören. Nach Westen folgen die Bahnlinie Plagwitz-Markkleeberg sowie der Westdamm des Hochflutbettes der Elster und das West-Ufer des Elsterflutbettes.

Die benachbarten Ortsteile sind von Norden im Uhrzeigersinn die Südvorstadt, Marienbrunn, Lößnig, Dölitz-Dösen, Markkleeberg (selbstständige Stadt), Großzschocher, Kleinzschocher und Schleußig.

[Bearbeiten] Verkehr

Im Mittelalter berührte die Handelsstraße Via Imperii in ihrem Verlauf von Leipzig nach Nürnberg das Dorf Connewitz. Später verlief eine Poststraße auf dieser Route. Heute folgen die Kochstraße und die Bornaische Straße diesem Verlauf. Mit der Errichtung der Landstraße von Probstheida nach Magdeborn in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts (später F95) verlor diese Trasse an Bedeutung für den Fernverkehr. Heute hat Connewitz Anschluss an den Fernverkehr über die Bundesstraße 2 mit Auffahrten an der Richard-Lehmann-Straße und an der Wolfgang-Heinze-Straße.

Eine Bahn der „Stern“-Linie an der Mühlpleißenbrücke vor dem Sächsischen Haus (später Haus Connewitz („Schorschl“))

1861 wurde eine Pferdeomnibuslinie zwischen Leipzig und Connewitz eröffnet. Als 1872 drei Leipziger Pferdebahn-Linien ihren Betrieb aufnahmen, führte eine davon nach Connewitz. Auch bei der Elektrifizierung der Pferdebahn-Linien zur „Blauen“ Straßenbahn war die Connewitzer Linie im April 1896 die erste. 1900 wurde die Leipziger Außenbahn AG (LAAG) gegründet, deren mit einem Stern bezeichnete Linie über Connewitz nach Gautzsch (Markkleeberg-West) verkehrte.

Innerstädtisch sind heute die wichtigsten Straßen in Connewitz die Karl-Liebknecht-Straße, die Bornaische Straße und die Wolfgang-Heinze-Straße. In ihnen verkehren die Straßenbahnlinien 9, 10 und 11 sowie die Buslinien 70, 89 und 107.

Connewitz wird von der Bahnstrecke Leipzig–Hof tangiert. Obwohl der Abschnitt Leipzig–Altenburg dieser Strecke bereits 1842 eröffnet wurde, entstand der an ihr liegende Bahnhof Connewitz erst 1888. Im gleichen Jahre wurde die eingleisige, nur für den Güterverkehr genutzte Verbindungsbahn Connewitz-Plagwitz durch den Auenwald fertiggestellt, deren Betrieb aber bereits 1925 wieder eingestellt wurde. Heute dient der Bahnhof Connewitz dem S-Bahn- und Regionalverkehr.

[Bearbeiten] Wald und Gewässer

Bärlauchblüte im Connewitzer Holz

Mit 350 ha Wald (das sind 47% seiner Fläche) besitzt Connewitz den größten Waldanteil der Leipziger Ortsteile. Dieser Wald, das Connewitzer Holz, bildet als zusammenhängendes Gebiet den Hauptteil des südlichen Leipziger Auenwaldes. Er wird sowohl forstwirtschaftlich als auch zu Erholungszwecken genutzt. Neben einem dichten Fuß-, Rad- und Reitwegenetz findet sich hier auch der Wildpark Leipzig, der insbesondere heimische Tierarten zeigt. Auch Sport- und gastronomische Einrichtungen sind vorhanden.

Die wichtigsten Forstreviere des Connewitzer Holzes sind, von Norden beginnend, der Beipert, das Streitholz, die Probstei, das Leipziger Ratsholz, das Mühlholz, der Stempel, das Pfarrholz, der Horst und die Gautzscher Spitze.

Eine Besonderheit des Connewitzer Holzes ist der starke Bärlauch-Bestand. Zur Blütezeit bilden sich große weiße Blütenteppiche verbunden mit dem entsprechenden Geruch, der bei passendem Wind bis in die Wohngebiete reicht.

Die Pleiße im Connewitzer Holz

Eng mit dem Wald verbunden ist in Connewitz die Gewässersituation. Die Pleiße durchzieht das Connewitzer Holz von Süd nach Nord in voller Länge. Bereits in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts legten die drei Dörfer Dölitz, Lößnig und Connewitz gemeinsam zum Betrieb ihrer Mühlen einen von der Pleiße abzweigenden Graben an, die Mühlpleiße, die, heute noch mit geringen Änderungen im Grenzbereich zwischen Wald und Siedlungsgebiet verlaufend, an der Hakenbrücke in die Pleiße mündet.

Die Floßgrabenmündung

350 Meter weiter mündet von links kommend der Floßgraben, auch Batschke genannt. Die Batschke war ehemals eine Abzweigung der Weißen Elster bei Zwenkau und diente früher dem Flößen von Brennholz über die Weiße Elster nach Leipzig. Die Verbindung zur Elster wurde durch den Braunkohlenbergbau unterbrochen. Heute erhält der Floßgraben sein Wasser aus dem Cospudener See. Er stellt damit die Verbindung der Leipziger Gewässer zum Cospudener See dar und wird nach der Fertigstellung einer Brücke in Markkleeberg für den Bootsverkehr nutzbar sein. Weiter westlich gibt es einige, z.T. auch Lachen bildende, kleinere Wasserläufe, von denen einer die Paußnitz ist, die in das Elsterflutbett eingebunden wurde. Dieses bildet die westliche Grenze von Connewitz. Es wurde aus Hochwasserschutzgründen angelegt und wird, wie die Pleiße, für den Wassersport genutzt. Noch in Connewitz zweigt am Pleißewehr der Pleißenmühlgraben ab, der verrohrt durch die Südvorstadt zum Stadtzentrum verläuft.

Der Hakenteich und die Wildparkgaststätte

In historischer Zeit gab es in Connewitz östlich der Pleiße noch zwei Wasserläufe. Der Trenkengraben (auch Tränkengraben) verlief von Probstheida über die Connewitzer Flur (heute Marienbrunn) und den Bereich der Hildebrandtstraße zur Mühlpleiße. Er ist heute verrohrt und in das Leipziger Abwassernetz eingebunden. Der zweite war der Domgraben von der Marienquelle (Nähe Völkerschlachtdenkmal) etwa im Verlauf der heutigen Richard-Lehmann-Straße nach Westen bis zur Heilemannstraße und dann nach Süden in den ehemaligen Streitteich. An den Domgraben erinnern heute nur noch Geländevertiefungen an der Südseite der Richard-Lehmann-Straße und zwischen Heilemann- und Fockestraße.

Der Streitteich in Bereich der heutigen Teichstraße war der größte von ehemals neun Connewitzer Teichen, von denen die meisten im Verlauf des Trenkengrabens lagen. Auf den ehemaligen Pappelteich nahe der Bornaischen Straße weist heute noch die tiefe Lage der Kleingärten an der Burgstätter Straße hin. Der Connewitzer Dorfteich lag an der Einmündung der Probstheidaer Straße in die Prinz-Eugen-Straße. Heute existieren im Ortsteil Connewitz nur noch der Hakenteich an der Wildparkgaststätte und ein kleinerer im Wildpark sowie ein Teich zwischen der Bebauung der Prinz-Eugen-Straße und der Mühlpleiße mit Verbindung zu dieser.

[Bearbeiten] Geschichte

[Bearbeiten] Das Dorf Connewitz

Connewitz auf einer Karte von 1879

Gegründet wurde Connewitz (altsorbisch: Konowiza = „Ort, wo die Pferde weiden“) vermutlich ab dem 7. Jahrhundert von sorbischen Siedlern. Der Ortskern befand sich als Rundling am Dreieck der heutigen Prinz-Eugen-, Probstheidaer und Biedermannstraße. Der Ort entwickelte sich in nordwestlicher Richtung zum Pleißenauenrand bis zur Vereinigung mit der dort befindlichen sorbischen Siedlung Döbschütz (später Ober- und Unterdorf). So entstand ein lang gezogenes Sackgassendorf. Ab etwa dem 11. Jahrhundert wurden die sorbische Bevölkerung im Zuge der deutschen Ostexpansion und der folgenden bäuerlichen Landnahme in einem langen Prozess von den deutschen Siedlern assimiliert. Im Oberdorf entstand ein Rittergut (um 1100 Ritter von Kunawitz).

Blick nach Connewitz um 1800

In den Jahren 1200 bis 1250 legten die drei Dörfer Dölitz, Lößnig und Connewitz gemeinsam einen ca. 4 km langen Mühlgraben (Mühlpleiße) zum Betrieb ihrer Mühlen an. 1275/76 kam das Augustiner-Chorherrenstift Leipzig in den Besitz des Rittergutes und der Rechte über die Döbschützer Mühle. Diese erweiterte im 15. Jahrhundert ihren Betrieb, zur Mahl-, Öl-, und Gewürzmühle kamen noch ein Kupferhammer und ein Schleifwerk. An der Weggabelung nördlich von Connewitz wurde 1496 durch die Stadt Leipzig als Weichbildzeichen ein hölzernes Kreuz errichtet, das 1536 durch eine Steinsäule mit Kreuzdarstellung (Connewitzer Kreuz) ersetzt wurde.

Nach der Reformation kaufte der Rat der Stadt Leipzig 1543 das Gut Connewitz und richtete 1545 vier Dreschergüter ein. Das Dorf Connewitz, das bis zur Reformation kirchlich zur Heilig-Kreuz-Kapelle in Ölschwitz gehört hatte, wurde nach Probstheida eingepfarrt. 1563 wurde die Försterei Connewitz eingerichtet.

Alt-Connewitz, Aquarell von W.Hinze

1619-1629 entstanden neben der Mühle 17 Landarbeiterhäuser, das Connewitzer Neudörfchen, das sich 1705 von Connewitz trennte, 1839 aber wieder "zurückkam". Im Dreißigjährigen Krieg kam es mehrfach zum Durchzug von Truppen, begleitet von Plünderungen und Brandschatzungen. 1755/56 wurde in der Nähe vom Kreuz der (alte) Connewitzer Friedhof errichtet und 1770/71 im Oberdorf auf dem Schulberg eine kleine spätbarocke Kirche erbaut, die aber bis 1875 Filialkirche von Probstheida blieb.

Die alte Connewitzer Kirche

In der Völkerschlacht bei Leipzig hatten sich Truppen der Napoleonischen Armee in Connewitz verbarrikadiert, das durch erbitterte Kämpfe schwere Schäden erlitt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entdeckten reiche Leipziger Bürger die schöne Lage von Connewitz und bauten sich hier Landhäuser. Nach der Sächsischen Landgemeindeordnung wurde 1839 Connewitz eine selbständige Gemeinde mit eigenem Gemeinderat. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts setzt eine rege Bautätigkeit ein, 1859 bis 1871 im Bereich zwischen Bornaischer und heutiger Wolfgang-Heinze-Straße und 1865 bis 1890 zwischen Wolfgang-Heinze-Straße und dem Neudörfchen. 1877 sind im Adressbuch bereits 310 Wohnhäuser verzeichnet.

1866 wurde das Wasserwerk für die Stadt Leipzig am waldseitigen Ende der heutigen Richard-Lehmann-Straße in Betrieb genommen, das aber ab 1887 wegen Überlandversorgung schrittweise wieder außer Betrieb ging. 1868/69 wurden das Hochflutbett der Pleiße zum Hochwasserschutz und das Wegenetz im Connewitzer Wald mit Spazier- und Reitwegen angelegt. 1872 begann die Straßenbeleuchtung mittels Gaslaternen. 1877 wurde die Südstraße als geradlinige Verbindung vom Kreuz zur Stadt Leipzig fertig gestellt, und 1880 wurde der neue, heute noch bestehende Connewitzer Friedhof in der Meusdorfer Straße eröffnet.

Schließlich wurde 1891 Connewitz mit einer Einwohnerzahl von nun 10596 zusammen mit weiteren 5 inzwischen stadtähnlichen Dörfern nach Leipzig eingemeindet.

[Bearbeiten] Connewitz als Leipziger Stadtteil

Die Paul-Gerhard-Kirche
Wohnbauten Kohrener Straße

Die rege Bautätigkeit ging auch nach der Eingemeindung weiter, zunächst durch die Verlängerung der Querstraßen über die Bornaische Straße hinaus nach Osten und deren Verbindung durch die Zwenkauer Straße. Auf dem Gelände des alten Friedhofs wurde 1900 die neue Connewitzer Kirche, die Paul-Gerhard-Kirche, eingeweiht. Zwei Jahre später wurde die alte Kirche abgerissen. Von 1911 bis 1914 wurden in Connewitz jährlich etwa 60 Häuser mit ca. 350 Wohnungen gebaut.

Ab 1913 begann auch die Bebauung des Connewitzer Teils der Südstraße mit der Königlich-Sächsischen Bauschule (jetzt HTWK) und ihr gegenüber dem Gebäude der Teutonia-Versicherung (später Oberfinanzdirektion, dann Bezirksleitung der SED, jetzt Bürokomplex). 1926 folgte benachbart das Gebäude der Oberpostdirektion (jetzt Lipsius-Bau der HTWK), also alles Bauten, die über Connewitz hinaus Bedeutung besaßen.

1913 fand in Leipzig die Internationale Baufach-Ausstellung statt. Dazu wurden auf östlicher Connewitzer Flur weitab von der Connewitzer Bebauung 48 Ein-, 14 Zwei- und 10 Mehrfamilienhäuser als Ausstellungsobjekt einer Gartenstadt errichtet, der Kern des später selbständigen Leipziger Ortsteils Marienbrunn.

Die St. Bonifatius-Kirche

Nach einer gewissen Stagnation während des und nach dem Ersten Weltkrieg setzte ab 1926 im Nordosten von Connewitz eine rege Wohnungsbautätigkeit ein. Im und am Straßengeviert der heutigen Bernhard-Göring-, Richard-Lehmann, Arthur Hoffmann- und Gustav-Freytag-Straße wurden Wohnbauten, z.T. im Art Déco-Stil, errichtet. 1930-1940 baute die Eisenbahner-Baugenossenschaft Leipzig an den neu angelegten Straßen Burgstätter, Kohrener und Narsdorfer Straße 426 Wohnungen, teilweise im Stil der Neuen Sachlichkeit.

1926 wurde das 1989 wieder geschlossene Waldbad Connewitz eröffnet, und 1927/28 erhielt Connewitz mit der Errichtung der Markthallenbrücke und der Aufschüttung des Straßendamms der heutigen Richard-Lehmann-Straße einen weiteren Zugang von Osten.

1930 wurde in der Biedermannstraße im Andenken an die im Ersten Weltkrieg gefallenen katholischen Kaufleute die St. Bonifatius-Kirche errichtet. 1931 wurde benachbart das St. Elisabeth-Krankenhaus eröffnet. Ein weiteres Krankenhaus kam 1936 hinzu, als die 1906 von Peter Dybwad für den Afrikaforscher Hans Schomburgk errichtete Villa in der Prinz-Eugen-Straße als Krankenhaus Bethanien und damit auch als erste Belegklinik in Sachsen genutzt wurde.

Im Zweiten Weltkrieg gab es in Connewitz beträchtliche Zerstörungen. Fast die Hälfte der Wohnbauten nördlich des Kreuzes, Teile der Herderstraße (u.a. Schule), der Brandstraße (Vergnügungsetablissement Friedrichshallen) und der heutigen Wolfgang-Heinze-Straße waren betroffen, ebenso die Connewitzer Mühle, das Waldcafé, die Gaststätte Zum Wassergott und große Teile des Gaswerkes.

[Bearbeiten] Connewitz 1945-1989

Um 1960 erbaute Wohnhäuser in der Bernhard-Göring-Straße

Nach der Beräumung der Kriegstrümmer wurde in den 50er- und den frühen 60-er Jahren versucht, die Lücken in der Bebauungsstruktur zu schließen. Es wurden vorwiegend vierstöckige, meist schlichte Wohnhäuser errichtet, so in der Brand- und der Windscheidstraße, in der Bernhard-Göring- und der Richard-Lehmann-Straße sowie am Hildebrandplatz. 1953 wurde der erste Bauabschnitt der Ingenierschule der Deutschen Post begonnen und 1958 der Erweiterungsbau der Technischen Hochschule (jetzt HTWK).

Sporthalle in der Arno-Nitzsche-Straße (2009)

1969 entstanden die Kaufhalle am Kreuz und die Schwimmhalle in der Arno-Nitzsche-Straße, die 2004 leider geschlossen wurde. 1970 wurde die Studentensporthalle neben der Schwimmhalle übergeben.

Von 1957 bis 1962 wurde das Gaswerk wesentlich erweitert, um die Versorgung Leipzigs mit Stadtgas zu sichern. Wegen des Übergangs zur Nutzung von Erdgas wurde 1977 die Gaskokerei stillgelegt. 1984 bis 1987 wurde auf dem Gelände ein Heizkraftwerk auf Braunkohlenbasis errichtet, das seinen Betrieb umweltbedingt aber 2004 einstellte und bis auf die Esse wieder abgerissen wurde.

Wegen der Unterbrechung der Fernstraßen F2 und F95 durch den Braunkohlenbergbau südlich von Leipzig wurde Anfang der 80er-Jahre die neue vierspurige F2 gebaut, die über Markkleeberg kommend Leipzig durch das Connewitzer Holz an der Wundtstraße erreicht. Dadurch erhielt Connewitz mit zwei Auffahrten direkten Anschluss an das Fernstraßennetz.

Der während der DDR-Zeit überall anzutreffende Verfall der Altbausubstanz machte sich in dem alten Teil von Connewitz um die Biedermannstraße besonders bemerkbar. Deshalb waren ein großflächiger Abriss und ein Ersatz durch Großplattenbauten vorgesehen und auch bereits begonnen, als die Ereignisse von 1989/90 (erste Volksbaukonferenz) dem zunächst ein Ende setzten.

[Bearbeiten] Connewitz nach 1989

Der Neubau der Sparkasse in der Karl-Liebknecht-Straße

Seit 1991 ist der von der Wolfgang-Heinze-Straße, der Meusdorfer und der Bornaischen Straße umgrenzte Bereich zum Sanierungsgebiet erklärt (dem ersten förmlich festgelegten und bestätigten in Sachsen), in dem eine behutsame Stadterneuerung erfolgt. Durch ein Sofortprogramm von 1991 wurden zunächst 33 Häuser vor dem Verfall bewahrt. Der weitere Aufbau war trotzdem nicht ganz ohne Abrisse möglich. Die Neubauten wurden aber der Connewitzer Gebäudetypik angepasst. Es wurde auch auf entsprechende soziale Ausgewogenheit geachtet (Seniorenwohnanlagen neben Stadthäusern für junge Familien).

Sanierter Altbau an der Ecke Selnecker-/Windscheidstraße
Die sanierte Ernestistraße

In zunächst unsanierten Häusern in Alt-Connewitz bildete sich eine alternative Szene, die z.T. mit dem Lebensstil der übrigen Einwohner kollidierte. Zu besonderen Anlässen wie 1. Mai und Sylvester kam es regelmäßig zu Zusammenstößen mit der Polizei, so dass Connewitz häufig als Synonym für Hausbesetzung und Randale stand. Die Verhältnisse entschärften sich in gewisser Weise dadurch, dass die ehemaligen Hausbesetzer eine städtisch geförderte Alternative Wohngenossenschaft Connewitz e.G. gründeten. Auch die im April 1998 gebildete "Interessengemeinschaft Connewitz" aus Bewohnern, Investoren und Gewerbetreibenden bemüht sich, das Image von Connewitz zu verbessern.

Die ehemalige Kaserne in der Windscheidstraße

Im überwiegenden Teil von Connewitz wurden die Wohnbauten saniert bzw. rekonstruiert, so dass die Schönheit der Gründerzeithäuser wieder zu Tage trat, aber auch in Alt- und DDR-Bauten der Wohnkomfort wesentlich verbessert wurde. Es wurden auch neue Wohngebiete erschlossen (untere Ecksteinstraße) bzw. ganze Straßenzüge mit maroden Altbauten saniert und durch Neubauten ergänzt (Ernestistraße, Teichstraße). Ein besonderes Objekt ist der ehemalige, in den 1930er-Jahren errichtete Kasernenbau in der Windscheidstraße, der nach 1945 von der Roten Armee genutzt wurde. Er ist in inzwischen in eine Wohnanlage umgewandelt worden und der Rest des Geländes mit Einfamilienhäusern bebaut.

In der Nähe des Connewitzer Kreuzes wurden neue Gebäude für die Sparkasse und die AOK errichtet. An den beiden Hochschulen in Connewitz und am Elisabeth-Krankenhaus wurden beträchtliche Erweiterungsbauten vorgenommen. Die wenigen in Connewitz vorhandenen Industriebetriebe wurden nach der Wende stillgelegt, zu ihrer Umnutzung für kulturelle, Wohn- und Gewerbezwecke vgl. den Abschnitt Gewerbe.

Einfamilienhäuser in der Roßmäßlerstraße

Eine über Connewitz hinausgehende Bedeutung hat nach der Wende das Haus der Demokratie in der Bernhard-Göring-Straße erlangt. 1903 als Waisenhaus errichtet, diente es bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg als Lehrlingsheim, Lazarett und Kinderheim. Nach seinem Wiederaufbau war es ab 1952 Konstruktionsbüro, bis 1983 die Stadtleitung der SED einzog. Seit 1990 wird es vom Verein Haus der Demokratie Leipzig e.V. betrieben und bietet zahlreichen Vereinen und Initiativen eine Heimstatt. Die Mieter- bzw. Mitgliederliste des Hauses weist 50 Positionen aus (2009) und reicht von Einrichtungen zur Umwelt (z.B. Umweltbibliothek Leipzig) über Bildung und Kultur (Leipziger Lehrerverein e.V.), Soziales, Senioren und Politik (Stadtbezirksbeirat Süd) bis zum Tanzcafé Ilses Erika und der Kinobar Prager Frühling.

Im Jahre 1992 wurde die Verwaltungsstruktur in Leipzig neu gegliedert. Connewitz ist nun einer der heute 63 Ortsteile von Leipzig etwa in seinen alten Flurgrenzen bis auf den Fockeberg, der jetzt zur Südvorstadt zählt, und den Bereich von Marienbrunn, das ein selbständiger Ortsteil wurde

[Bearbeiten] Bildung

54. Schule an der Hildebrandstraße
Apollonia-von-Wiedbach-Schule

[Bearbeiten] Schulen

In Connewitz wurden bisher sechs Schulen gebaut. Zwei davon werden heute noch als allgemeinbildende Schulen genutzt. (siehe Tabelle)

Erbaut Lage Entwicklung
1729 Prinz-Eugen-Straße („Schulberg“) Lehrerwohnung mit Unterricht, 1852 ersetzt
1852 Prinz-Eugen-Straße („Schulberg“) erste Connewitzer Schule, heute Wohnhaus
1865 Brandstraße / Ecke Basedowstraße heute Wohnbebauung
1880 Herderstraße im Zweiten Weltkrieg zerstört, heute Spielplatz
1898 Arno-Nitzsche-Straße (Waisenhausstr.) XIV. Bürgerschule, 1948 Herderschule, seit 2007 Apollonia-von-Wiedebach-Schule - Mittelschule
1904 Bornaische Straße heute Berufliches Schulzentrum 2 - Wirtschaft und Verwaltung
1914 Zwenkauer Straße / Hildebrandstraße V. Bürgerschule, 1948 54. Volksschule, später 54. Polytechnische Oberschule,
1992 Mittel- und Grundschule, seit 2005 54. Schule - Grundschule
HTWK - Lipsius-Bau
Hochschule für Telekommunikation

[Bearbeiten] Hochschulen

Im nördlichen Teil von Connewitz befinden sich zwei Fachhochschulen, die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) und die Hochschule für Telekommunikation Leipzig (HfTL).

Die HTWK entstand in ihrer heutigen Form 1992 aus verschiedenen Hoch- und Fachschulen. Sie ist die größte Fachhochschule Sachsens. An ihr sind über 6000 Studenten in den Fachrichtungen Bauwesen, Elektrotechnik, Informationstechnik, Informatik, Maschinen- und Energietechnik, Medien, Sozialwesen und Wirtschaftswissenschaften immatrikuliert. Obwohl einige Gebäude auch in anderen Stadtbezirken liegen, befinden sich die zentralen Einrichtungen, wie zum Beispiel Rektorat, Hochschulbibliothek und Mensa, sowie die meisten technischen Studiengänge am Campus Connewitz. Die einzelnen Bauten sind hier der Geutebrück-Bau (ehemalige Bauhochschule), der Lipsius-Bau (früher Verwaltungsgebäude der Oberpostdirektion bzw. Rat des Bezirkes während der DDR-Zeit), der Föppl-Bau (neues Laborgebäude), der Zuse-Bau, ein Verwaltungsgebäude in der Eichendorfstraße und das neue Laborgebäude in der Gustav-Freytag-Straße. Für die Bibliothek ist ein neues Gedäude im Bau. Auch die Sporthalle der Hochschule in der Arno-Nitzsche-Straße gehört zu Connewitz.

Die Hochschule für Telekommunikation Leipzig (HfTL) der Telekom liegt In der Gustav-Freytag-Straße. Sie ging 1991 aus der Ingenieurschule Leipzig der Deutschen Bundespost Telekom hervor, die im Zuge der Wiedervereinigung durch Übernahme der Ingenieurschule "Rosa Luxemburg" der Deutschen Post der DDR entstanden war. Sie wurde als eine der ersten Fachhochschulen im Freistaat Sachsen anerkannt. Im Jahr 2007 erhielt die Fachhochschule den neuen Namen Hochschule für Telekommunikation Leipzig (FH). Sie wird in privater Trägerschaft der Telekom betrieben. Über 500 Studierende sind im Direktstudium oder im dualen Studium immatrikuliert.

[Bearbeiten] Bibliotheken

Neben den Bibliotheken der beiden Hochschulen ist besonders die Umweltbibliothek Leipzig im Haus der Demokratie in der Bernhard-Göring-Straße zu erwähnen. Sie wurde 1988 durch die AG Umweltschutz beim Jugendpfarramt Leipzig gegründet. Seit 1990 wird sie vom Verein Ökolöwe - Umweltbund Leipzig e.V. getragen. Sie ist mit 18.000 Medienträgern (Bücher, Broschüren, CD-ROMs, Videos, Spiele, Plakate, Folien, Karten und Pläne) eine der größten öffentlichen Umweltbibliotheken Deutschlands in freier Trägerschaft.

[Bearbeiten] Kultur und Freizeit

Einen wesentlichen Beitrag zur kulturellen Arbeit in Connewitz leistet das Werk II. Es ist ein soziokulturelles Zentrum auf dem Gelände des ehemaligen Betriebsteils Werk II des VEB Werkstoffprüfmaschinen Leipzig direkt am Connewitzer Kreuz. Es bietet Kurse und Vereinsleben an (z.B. Keramik, Glasbläserei, Grafikdruck, Senioren Computer Club), enthält Künstlerateliers sowie Büros von kulturellen Gruppen und Vereinen. In einer 1000 Quadratmeter großen Halle wird ein breites Spektrum von Veranstaltungen geboten, das von Discos bis hin zu Konzerten international bedeutender Bands reicht, wofür das Einzugsbereich über die ganze Stadt reicht.

Das Werk II ist auch Heimstatt der Connewitzer Cammerspiele (jetzt Cammerspiele Leipzig e.V.), eines rührigen Amateurtheaters. Der Name deutet auf eine gewisse Intimität hin, die sich auch in der Größe des Zuschauerraumes von 45 Plätzen ausdrückt. Damit sind die Cammerspiele das kleinste Theater Leipzigs. Die Connewitzer Cammerspiele gastieren aber auch auf anderen Spielstätten und sind ein wesentlicher Teil der Freien Szene Leipzig

Der Eingang zum UT Connewitz

Neben dem Werk II hat sich das UT Connewitz in den letzten Jahren als Veranstaltungsort etabliert, der sich mit Konzerten, Kinovorführungen u.a. an ein alternatives Szenepublikum richtet. Der in einem Hof befindliche Bau mit direktem Straßenzugang ist das älteste noch erhaltene Lichtspieltheater Leipzigs (1912), das seit 2001 vom Verein UT Connewitz e.V. betreut wird, der es vor dem Verfall rettete.

Szenekneipen und Clubs, wie das Conne Island, Waldfrieden Connewitz und Ilse Erika im Haus der Demokratie, wenden sich mit einem vielseitigen Veranstaltungsangebot ebenfalls an ein im Wesentlichen alternativ geprägtes Publikum.

Bedeutung weit über Leipzig hinaus besitzt das Panometer Leipzig in der Richard-Lehmann-Straße, das inzwischen Besucher aus ganz Deutschland anlockt. Der Künstler Yadegar Asisi hat die Gelegenheit genutzt, die alte Technik der Panoramabilder in einem verlassenen Gasometerbau der Stadtwerke Leipzig mit den heutigen technischen Möglichkeiten zu neuer Blüte zu führen. Im Panometer Leipzig werden auf einer Fläche von ca. 100 x 30 m die größten Panoramabilder der Welt gezeigt, jeweils mit thematischen Ausstellungen verbunden. Nach einem Bild vom Mount Everest (2003-2005) und einer Darstellung Roms im Jahre 312 (2005-2009) ist seit März 2009 mit "Amazonien" ein Blick in den brasilianischen Regenwald zusehen.

Eine Möglichkeit der Freizeitgestaltung in Connewitz stellt auch der Besuch des oben bereits erwähnten Wildparks dar. Das Connewitzer Holz bietet gute Möglichkeiten zum Joggen und Radfahren. Sportplätze befinden sich an der Teichstraße und an der Neuen Linie im Connewitzer Holz (auch mit Tennisplätzen). An der Arno-Nitzsche-Straße steht die Sporthalle der HTWK.

Eine in Connewitz beliebte Freizeitgestaltung ist die Pflege eines Kleingartens. Vier Kleingartenvereine existieren im nordöstlichen Teil des Stadtbezirkes: "Erholung", "Gartenfreunde Süd", "Waldidyll" und "Reichsbahn Connewitz".

[Bearbeiten] Gewerbe

Wie in allen Stadtteilen Leipzigs entwickelten sich in den Höfen der Gründerzeitbauten Handwerksbetriebe und Kleingewerbe, die zum Teil auch heute noch vorhanden sind.

DVB-T-Antenne auf ehemaligem Schornstein

Im Gegensatz etwa zu den Stadtteilen im Westen Leipzigs kam es in Connewitz nur punktuell zur Ansiedlung von Industriebetrieben. Das waren z.B. 1875 eine Brauerei in der Biedermannstraße (später Ermisch-Kronenbräu), 1882-85 die Gasanstalt mit späteren Erweiterungen (1984-87 noch Neubau eines Heizkraftwerkes), eine Fabrik für Gasmessgeräte und eine Eisengießerei am Kreuz (später VEB Werkstoffprüfmaschinen) und die Maschinenfabrik G. E. Reinhardt (später VEB Fahrzeuggetriebewerke "Joliot Curie").

Das Südcenter im ehemaligen Getriebewerk

Da alle bis auf das Gaswerk direkt in Wohngebieten lagen, konnten sie nach ihrer Stillegung nach 1989 gut für andere Zwecke nutzbar gemacht werden: Aus dem VEB Werkstoffprüfmaschinen wurde die Kulturfabrik Werk II, auf dem Gelände der abgerissenen Brauerei entstand ein Wohnpark, und aus dem Getriebewerk wurde inzwischen eine Wohnanlage mit integrierten Büros, Fitnesscenter und Supermarkt (Südcenter). Damit ist Connewitz praktisch ohne größere Industriebetriebe bis auf das Gelände des ehemaligen Gaswerks bzw. des inzwischen wieder abgerissenen Heizkraftwerks, auf dem die Stadtwerke Erdgas zwischenspeichern und verteilen. Andere Firmen nutzen das Gelände ebenfalls. Dazu zählen auch die Asisi Factory im Panometer und die DVB-T-Fernseh-Sendeantenne auf dem Schornstein des ehemaligen Heizkraftwerkes.

Im Osten von Connewitz hat sich hinter dem Connewitzer Friedhof in der Köhraer und der Threnaer Straße eine aus Handwerksbetrieben und Dienstleistern betehende Art Gewerbegebiet herausgebildet.

Der Einzelhandel in Connewitz konzentiert sich auf die vom Kreuz ausgehenden Hauptstraßen. Daneben gibt es inzwischen, etwas weiter verteilt, 4 Discounter-Supermärkte

Eine nicht nur für Connewitz bedeutsame Einrichtung ist das seit 1931 bestehende Elisabeth-Krankenhaus, das sich in der Trägerschaft der katholischen Kirche befindet. Es wurde nach Wende wesentlich erweitert. 2008 wurden 15.596 Patienten durch ca. 650 Mitarbeiter stationär behandelt[3].

[Bearbeiten] Literatur

  • Connewitz - Eine historische und städtebauliche Studie. PROLEIPZIG 2008
  • Horst Riedel: Stadtlexikon Leipzig von A – Z. PROLEIPZIG, Leipzig 2005, ISBN 3-936508-03-8.
  • Thomas Liebscher: Im Leipziger Pleisseland. Connewitz, Lössnig, Dölitz. Passage-Verlag Leipzig 1996, ISBN 3-9804313-4-7.
  • Paul Altenburger: Die Entwicklung des Vorortes Connewitz. Gewerbe-Verein Leipzig-Süd 1926.
  • Morgenstern u.a.: Connewitz. Connewitzer Verlagsbuchhandlung (Hsg.) 1993, ISBN 3-928833-13-8.
  • Nünthel u. a.: UT Connewitz & Co. Kinogeschichte(n) aus Leipzig-Süd. Sax-Verlag Beucha, 2004, ISBN 3-934544-67-3.
  • Thomas Steinert: Connewitzer Welttheater, Fotografien 1969–1994. Lehmstedt Verlag, 2006, ISBN 3-937146-34-2.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Ortsteilkatalog der Stadt Leipzig 2008
  2. Connewitz - Eine historische und städtebauliche Studie. PROLEIPZIG 2008, S.37
  3. http://www.ek-leipzig.de/unserkh/ukh_zahl.html

[Bearbeiten] Weblinks

51.30988888888912.373222222222Koordinaten: 51° 19′ N, 12° 22′ O

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