Conrad Graf

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Conrad Graf, Lithografie von Josef Kriehuber, 1830
Hammerflügel von Conrad Graf

Conrad Graf (* 17. November 1782 in Riedlingen, Württemberg; † 18. März 1851 in Wien) war ein deutsch-österreichischer Klavierbauer.

Biografie[Bearbeiten]

Als Halbwaise in Riedlingen aufgewachsen, zog Graf 1798 nach Wien und arbeitete als Geselle bei Jakob Schelkle. Am 14. Februar 1804 heiratete er dessen Witwe und übernahm Schelkles Betrieb in Währing Nr. 126. 1811 erhielt er die Erlaubnis, Klaviere zu verkaufen. Die Adresse seiner Werkstatt lautete zwischen 1811 und 1825 Auf der Wieden 182 und 102, bis er 1826 größere Räume im ehemaligen Tanzlokal „Mondscheinhaus“ hinter der Karlskirche bezog. 1822 legte er den Wiener Bürgereid ab, und zwei Jahre später wurde ihm der Titel eines „k. k. Hof Piano- und Klaviermachers“ verliehen. Als Auszeichnung für die Qualität seiner Instrumente erhielt er 1835 bei der ersten Gewerbs-Produkten-Ausstellung in Wien eine goldene Medaille. In dieser Zeit galt seine Fabrik als die „größte und renommierteste Wiens und des Kaiserthums“ (Österreichische National-Encyklopädie). 1841 verkaufte Graf sein Geschäft an den Klaviermacher Carl Andreas Stein.

Werke[Bearbeiten]

Grafs Klaviere wurden u. a. von berühmten Musikern wie Ludwig van Beethoven, Frédéric Chopin und Clara Schumann, geborene Wieck, gespielt. Der Hammerflügel aus Beethovens Besitz – eine Leihgabe Grafs an diesen, die ihm zunächst im Rahmen einer Reparatur seines Broadwood-Flügels, dann aber auf Lebenszeit überlassen wurde – ist heute im Beethoven-Haus in Bonn zu besichtigen. Clara Wieck erhielt 1839 im Rahmen ihres Wien-Besuchs oder 1840 zu ihrer Vermählung mit Robert Schumann – beide Darstellungen finden sich in den einschlägigen Quellen – einen Flügel von Conrad Graf zum Geschenk, der später in den Besitz von Johannes Brahms überging und heute im Kunsthistorischen Museum Wien steht.

Instrumente von Conrad Graf gelten neben den Instrumenten von Anton Walter, Stein und Andreas Streicher als Höhepunkte des süddeutschen und Wiener Klavierbaus und als Prototypen des Übergangs zum romantischen Klangideal im Klavierbau.

Literatur[Bearbeiten]

  • Winfried Aßfalg: Von Riedlingen nach Wien, der Donau entlang. Conrad Graf (1782–1851). „Kaiserl. kön. Hof-Fortepianomacher Wien“. In: Gesellschaft für Heimatpflege Biberach e.V. (Hrsg.): BC – Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach. 18. Jahrgang. Heft 1/1995, S. 3–30, ZDB-ID 136055-3.
  • Winfried Aßfalg: Jacob Schelkle und Conrad Graf in Wien. Landsmannschaftliche Beziehungen sind nicht auszuschließen. In: Gesellschaft für Heimatpflege Biberach e.V. (Hrsg.): BC – Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach. 25. Jahrgang. Heft 1/2002, S. 34–36, ZDB-ID 136055-3.
  • Saitenklaviere. In: Victor Luithlen, Kurt Wegerer: Katalog der Sammlung alter Musikinstrumente. Band 1. Führer durch das Kunsthistorische Museum, Band 14. Kunsthistorisches Museum, Wien 1966, ZDB-ID 28887-1.
  • Victor Luithlen: Graf, Conrad. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 724 (Digitalisat).
  • Conny Restle (Hrsg.), Attila Csampai (Mitarb.): Faszination Klavier. 300 Jahre Pianofortebau in Deutschland. Prestel, München (u.a.) 2000, ISBN 3-7913-2308-3.
  • Deborah Wythe: Conrad Graf (1782–1851). Imperial Royal Court Fortepiano Maker in Vienna. New York 1990.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Conrad Graf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien