Conrad Schmidt

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Conrad Schmidt (* 25. November 1863 in Königsberg, Preußen; † 14. Oktober 1932) war ein deutscher Ökonom, Philosoph und Journalist.

Leben[Bearbeiten]

Conrad Schmidt war der ältere Bruder der Bildhauerin Käthe Kollwitz. Mitte der 1880er Jahre studierte er in Berlin, und promovierte 1887 in Leipzig mit einer Arbeit Der natürliche Arbeitslohn, in welcher er die Lohn- und Ausbeutungstheorien von Johann Karl Rodbertus und Karl Marx miteinander verglich. Schmidt verwarf die Marxsche Theorie als unbewiesene Hypothese zugunsten der Rodbertuschen, welche auf der Annahme natürlicher Rechte fußte. Nach weiteren Marx-Studien revidierte Schmidt dieses Urteil und wurde ein Anhänger des Marxismus.

Schmidt wandte sich einem Problem zu, welches Friedrich Engels 1885 im Vorwort zum 2. Band von Das Kapital gestellt hatte. Er kündigte Engels seine Lösung an, worauf auf Fürsprache von Engels und Karl Kautsky hin 1889 die Schrift Die Durchschnittsprofitrate auf Grundlage des Marx'schen Werthgesetzes erscheinen konnte.[1]

Schmidt wurde ein Bekannter von Friedrich Engels, bei dem zuhause er mehrere Abende verbrachte. Es ist ein reger Briefwechsel zwischen beiden überliefert, aus dem insbesondere der Brief von Engels an Schmidt am 27. Oktober 1890 als wichtiges Dokument des Marxismus gilt.

1890 trat er auf Zuraten von Engels eine Stellung in der Schweiz als Redakteur bei der Züricher Post an. Er wandte sich zunehmend vom ökonomischen Determinismus Friedrich Engels' ab, und Neukantianischen Positionen zu. Er betonte die ethischen Aspekte der Arbeiterbewegung wie Opferbereitschaft, Pflichtbewusstsein und Parteitreue. Nach Ansicht Schmidts sind diese Eigenschaften entstanden aus ursprünglichen animalischen überegoistischen Instinkten, welche sich bei den Lebewesen im Verlauf der Evolution zur Erhaltung der eigenen Gattung herausgebildet hätten, und im Menschen mehr und mehr bewusst gemacht und rationalisiert, und nunmehr von der Arbeiterklasse verkörpert würden.[2] Da Schmidt für sich keine Möglichkeit einer akademischen Karriere in der Schweiz sah, kehrte er 1895 nach Berlin zurück, wo er Mitarbeiter der sozialdemokratischen Wochenzeitung Vorwärts wurde und dem Vorstand der Freie Volksbühne angehörte.

Werke[Bearbeiten]

  • Der natürliche Arbeitslohn. Fischer, Jena 1886 (Dissertation Phil. Universität Königsberg)
  • Die Durchschnittsprofitrate auf Grundlage des Marx'schen Werthgesetzes. J. H. W. Dietz, Stuttgart 1889 Digitalisat
  • Soziale Frage und Bodenverstaatlichung, Verlag der Berliner Volkstribüne, Berlin 1890
  • Geld und "Schwundgeld"-Zauberei, Silvio Gesells Erlösungsbotschaft, Dietz Nachfolger, Berlin 1924
  • Friedrich Engels: Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft. Mit einem Rückblick v. Prof. Conrad Schmidt. 11. unveränd. Aufl. Dietz, Berlin 1928

Literatur[Bearbeiten]

  • Stanley Pierson: Marxist Intellectuals and the working-class mentality in Germany, 1887-1912, Harvard University Press, 1993, ISBN 978-0-67455-123-7, S.46-52
  • Dimitrij Owetschkin: Conrad Schmidt, der Revisionismus und die sozialdemokratische Theorie. Zur theoretischen Entwicklung der Sozialdemokratie vor 1914, Klartext, Essen 2003, ISBN 3-89861-170-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Carl Erich Vollgraf, „Die Preisrätselliteratur vor Erscheinen des dritten Buches“, in: MEGA, Teil 2, Band 14, Akademie-Verlag Berlin 2003, ISBN 3-05-003733-4, S.482-486
  2. Stanley Pierson: Marxist Intellectuals, 1993, Seite 52