Consolidated B-24

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Consolidated B-24 Liberator
Consolidated B-24M-20-CO „Liberator“
Consolidated B-24M-20-CO „Liberator“
Typ: Strategischer Bomber
Entwurfsland: Vereinigte StaatenVereinigte Staaten Vereinigte Staaten
Hersteller: Consolidated Aircraft
Erstflug: 29. Dezember 1939
Indienststellung: Juni 1941
Produktionszeit: 1940 bis 31. Mai 1945
Stückzahl: 18.482[1]
B-24E „Liberator“
Die meistgebaute Version war die B-24J
Abschuss einer B-24L der 464. Bomb Group bei Lugo (Italien) am 10. April 1945

Die Consolidated B-24 Liberator war ein schwerer Bomber des US-amerikanischen Herstellers Consolidated Aircraft (ab 1943: Consolidated Vultee).

Der viermotorige Schulterdecker mit Doppelseitenleitwerk war im Zweiten Weltkrieg neben der B-17 der wichtigste strategische Bomber der USAAF auf dem europäischen Kriegsschauplatz. Von 1940 bis Mai 1945 wurden bei Consolidated und den Lizenznehmern Douglas, North American und Ford (Willow Run) über 18.000 B-24 Liberator gebaut.

Geschichte[Bearbeiten]

Eigentlich wollte die US Army, dass Consolidated ebenfalls die B-17 produzierte. Consolidated bot jedoch eine Maschine mit besseren Leistungen an, worauf das US Marine Corps im März 1939 einen Prototyp bestellte mit der Bedingung, dass dieser bis Ende 1939 fliegen sollte. Gemäß der Ausschreibung des United States Army Air Corps, das ein Flugzeug mit noch besseren Leistungen als die B-17 forderte, hatte der Entwurf Model 32, der als B-24 Liberator bekannt werden sollte, tatsächlich eine gegenüber der Flying Fortress höhere Reichweite und Zuladung; deren Dienstgipfelhöhe konnte sie allerdings nicht erreichen. Zu verdanken hatte sie dies dem sogenannten Davisflügel, einem von dem Ingenieur David Davis entwickelten Flügel mit großer Streckung, geringerer Tiefe und hoher Krümmung. Dieses Tragflächenprofil sorgte allerdings auch dafür, dass die Langsamflug- und Steuereigenschaften zu wünschen übrig ließen. Die B-24 war somit schwieriger in den für den gegenseitigen Feuerschutz wichtigen engen Formationen zu fliegen als die B-17. Der Prototyp XB-24 startete gerade noch rechtzeitig für den geplanten Termin am 29. Dezember 1939 auf dem Lindbergh Field mit Testpilot William Whetley zum Erstflug. Noch vor diesem bestellte Frankreich im April 1939 175 Maschinen, die nach der Kapitulation Frankreichs im Juni 1940 teilweise nach Großbritannien ausgeliefert wurden. Am 26. Juli 1940 forderte das Air Corps, dass die Maschine mit Turboladern und selbstabdichtenden Tanks ausgerüstet werden sollte. Der umgebaute Prototyp und eine von sieben Vorserienmaschinen YB-24 (die restlichen gingen direkt nach Großbritannien) dienten der weiteren Erprobung. Es folgten 36 B-24A-Serienmuster. Der erste Einsatz erfolgte zu Beginn des Pazifikkrieges gegen Japan im Januar 1942 beim Angriff auf Sulawesi, die ersten größeren Einsätze mit B-24D im Februar 1943 in Neuguinea.[2]

Die B-17 hatte den Ruf, Kampfschäden weit besser zu verkraften als die B-24, und auch die Jagdflieger der deutschen Luftwaffe hielten die B-24 für vergleichsweise leicht abzuschießen; insbesondere deshalb, da die B-24 dazu neigte, leichter in Brand zu geraten als die B-17. Die Besatzungen der B-17 sagten mit einem Anflug von schwarzem Humor, „sie brauchten keinen Begleitschutz, solange die B-24 in der Nähe seien – alle Jäger stürzten sich dann auf die leichtere Beute“.

Eine Analyse der von der 8th Air Force in Europa erlittenen Bomberverluste zeigt allerdings, dass die Verlustraten der B-24 sogar geringfügig niedriger waren als die der B-17. Dieses Ergebnis muss jedoch unter dem Aspekt der unterschiedlichen Einsatzbedingungen gesehen werden. Da die B-17 bereits seit August 1942 über Europa eingesetzt wurde und in der Anfangszeit kein Langstreckenbegleitjäger zur Verfügung stand, waren bis zu jenem Zeitpunkt, an dem auch die B-24 im Kampf eingesetzt wurden, bereits viele B-17 abgeschossen worden. In der späteren Kriegsphase, als B-17 und B-24 gleichzeitig eingesetzt wurden und zudem Langstreckenbegleitjäger zur Verfügung standen, wurden dann mehr B-24 als B-17 abgeschossen. Dennoch blieb die Gesamtzahl der B-24-Verluste geringer als die der B-17.

Anders als die B-17 mit ihrem konventionellen Fahrwerk mit Spornrad hatte die B-24 ein modernes Bugradfahrwerk. Durch die Bauweise als Schulterdecker bedingt, fiel die Bodenfreiheit so knapp aus, dass der kugelförmige MG-Turm auf der Rumpfunterseite („Sperry-Ballturret“) bei Start und Landung im Rumpf „verborgen“ war, um dann im Flug in seine Einsatzposition abgesenkt zu werden und als Halbkugel am Bauch der Maschine sichtbar zu sein.

Im Gegensatz zur B-17 wurde die B-24 mit wesentlich größerem Erfolg auch im Seekrieg für die U-Jagd eingesetzt. Ausschlaggebend dafür war die im Vergleich zur B-17 höhere Reichweite, die auch Einsätze über dem Mittelatlantik und dem Pazifik erlaubte. Die Liberator war damit maßgeblich daran beteiligt, dass ab Mai 1943 das „Luftloch“ über dem Atlantik, in dem die deutschen U-Boote höchstens von Trägerflugzeugen angegriffen werden konnten, völlig geschlossen werden konnte und die deutsche U-Bootflotte schwere Verluste erlitt (siehe U-Boot-Krieg: Januar bis Mai 1943). Die B-24 wurde ab 1942 vom Coastal Command der Royal Air Force eingesetzt und im Laufe der Zeit technisch immer weiter modernisiert; mit Radargeräten konnten die Flugzeuge auch über größere Strecken U-Boote orten, bei Nacht mit dem Leigh Light genannten Scheinwerfersystem beleuchten und mit Wasserbomben, Bordwaffen und am Ende des Krieges sogar akustisch gelenkten Torpedos bekämpfen. Hinzu kam auch, dass sich über offener See die Nachteile gegenüber anderen Bombern nicht so gravierend auswirkten, da keine Gefahr durch feindliche Jäger bestand.

Die B-24 wurde in größeren Stückzahlen (18.482) gebaut als jedes andere amerikanische Flugzeug im Zweiten Weltkrieg. Eingesetzt wurde sie sowohl im Westen als auch im Pazifik als schwerer Bomber, als Tank- und Seeüberwachungsflugzeug, sowie bei der US Navy unter der Bezeichnung PB4Y auch als U-Boot-Bekämpfungsflugzeug und Aufklärer. Besonders bekannt wurde der Angriff von 177 Liberators auf die Ölfelder von Ploesti am 1. August 1943, wobei allerdings 57 Bomber abgeschossen und weitere beschädigt wurden. Unter der Bezeichnung Consolidated C-87 fand das Muster außerdem als Passagier- und Frachtflugzeug Verwendung.

Unter der Bezeichnung F-7 wurde eine Aufklärerversion an die USAAF ausgeliefert.

Eine verbesserte Variante der B-24 erhielt die US Navy als PB4Y-2 Privateer.

Beurteilung durch Besatzungen[Bearbeiten]

Captain Downey Thomas (448. Bombergruppe):
Die B-24 war etwas schwieriger als die B-17 zu fliegen. Die B-17 trimmte man aus und sie flog beinahe allein weiter. Sogar wenn sich bei der B-24 ein Besatzungsmitglied bewegte, mußte man das Flugzeug fortgesetzt nachtrimmen. In der B-17 konnte man wirklich einen engen Verbandsflug durchführen, während man in der B-24 hart schuften mußte um das hinzukriegen.[3]

Varianten[Bearbeiten]

U.S. Army Air Forces[Bearbeiten]

Consolidated XB-24
B-24D
XB-24 (Consolidated Model 32)
Prototyp mit Pratt & Whitney R-1830-33-Sternmotoren mit je 1.000 PS (746 kW), einer gebaut.
YB-24/LB-30A
Vorserienflugzeuge, sechs wurden als LB-30A an Großbritannien geliefert.
B-24
zweite Vorserienversion, die 30 Tage nach der XB-24 geordert wurde, sieben gebaut.
B-24A/LB-30B
aerodynamisch verfeinerte Serienversion, 38 gebaut.
XB-24B
Prototyp mit R-1830-41-Sternmotoren mit Turbolader mit je 1.200 PS (895 kW) und elliptischen Motorenverkleidungen. Umbau aus der XB-24.
B-24C
neun umgebaute B-24A mit R-1830-41-Motoren und Emerson A-6-Turm im Heck sowie Martin-Rückenturm.
B-24D
B-24C mit R-1830-43-Motoren. Die Bewaffnung wurde während des Baus durch den Einbau eines Bendix-Turmes im Unterrumpf verbessert (später von Sperry), 2.696 ab Januar 1942 gebaut.
SB-24D
zehn B-24D wurden für die Verwendung als „Nachtbomber“ umgebaut. Ausgerüstet mit einem Radarzielgerät für den Bombenabwurf, wurden sie mit einigem Erfolg auf dem pazifischen Kriegsschauplatz gegen Japan eingesetzt.[4]
B-24E
B-24D von Ford mit R-1830-65-Motoren, aber ohne Unterrumpf-Turm, 801 gebaut.
XB-24F
eine umgebaute B-24D mit beheizbaren Flügelvorderkanten.
B-24G
B-24D mit Sperry-Kugelturm auf der Rumpfunterseite und drei cal .50-Maschinengewehren in der Flugzeugnase, 25 gebaut.
B-24G-1
Version mit verbessertem Emerson-A-6-Turm im Heck, 405 gebaut.
B-24H
Ford/Emerson-A-6–Turm in der Flugzeugnase, was 50 Änderungen an der Zelle notwendig machte, 3.100 gebaut.
B-24J
B-24H mit verbessertem Sperry-C-1-Autopilot, 6.678 gebaut.
XB-24K
Umbau einer B-24D durch Ford. An den Rumpf wurde das Heck einer Douglas B-23 angesetzt. Die XB-24K hatte bessere Flugeigenschaften als die B-24D, jedoch wurde aus Kosten- und Zeitgründen von einer Übernahme der Konstruktion in die Serienproduktion abgesehen. Die XB-24K lieferte jedoch die Grundlage der PB4Y-2 Privateer der United States Navy.
B-24L
Leichtversion ohne Türme im Unterrumpf (dafür zwei MGs ohne Turm) und Heck. Der Heckturm wurde jedoch von den Fronteinheiten nachgerüstet, 1.667 gebaut.
Ford B-24M-1-FO
B-24M
B-24L mit leichterem A-6B-Heckturm und offen Seitenständen sowie einer strömungsgünstigeren Cockpitverglasung, 2.593 gebaut.
XB-24N
ein Prototyp einer B-24J mit einzelner Heckflosse ähnlich der XB-24K und verbesserten Türmen. 5.168 B-24N wurden bei Kriegsende storniert.
YB-24N
Vorserienversion der B-24N, sieben gebaut.
XB-24P
Umbau einer B-24D durch die Sperry Gyroscope Company, um neue Feuerlöschsysteme zu testen.
XB-24Q
Umbau einer B-24L durch General Electric mit radargesteuerten Türmen.
XB-41
Umbau einer B-24D 1942, die mit 14 MGs als Begleitbomber dienen sollte. Der hohe Luftwiderstand der zusätzlichen Türme ließ jedoch die Flugleistungen dermaßen sinken, dass ein Serienbau unterblieb.
AT-22/TB-24
C-87-Trainer für Flugingenieure.
RB-24L
B-24L mit Türmen der Boeing B-29, um deren Besatzungen zu trainieren.
TB-24L
RB-24L mit Radar.
C-87 der USAAF
C-87 Liberator Express
Transportmaschine mit R-1830-43-Motoren für 20 Passagiere.
C-87A
VIP-Transporter mit R-1830-45-Motoren und 16 Schlafplätzen.
C-87B
bewaffnete C-87, nicht gebaut.
C-87C
USAAF-Bezeichnung der RY-3 der U.S. Navy.
XC-109/C-109
Flugbenzin-Transporter zur Versorgung der B-29 in China von Indien aus.
XF-7
Umbau einer B-24D als Aufklärungsflugzeug.
F-7
B-24H-FO als Aufklärungsflugzeug.
F-7A
B-24J als Aufklärungsflugzeug (drei Kameras in der Flugzeugnase, drei im Bombenschacht).
F-7B
B-24J als Aufklärungsflugzeug (sechs Kameras im Bombenschacht).

U.S. Navy[Bearbeiten]

PB4Y-1 der U.S. Navy.
PB4Y-1
977 B-24D/G/J/M, die an die U.S. Navy geliefert wurden. Alle waren mit Radar ausgerüstet.
PB4Y-1P
Umbau einiger PB4Y-1 zu Aufklärungsflugzeugen.
PB4Y-2 Privateer
Seefernaufklärer ähnlich der B-24N, aber ohne Turbolader, 736 gebaut.
RY-1
drei C-87A der U.S. Navy.
RY-2
fünf C-87 der U.S. Navy.
RY-3
Transportvariante der PB4Y-2, 39 gebaut.

Royal Air Force[Bearbeiten]

Liberator B Mk II der RAF.
„Leigh Light“ zur U-Boot-Jagd an einer Liberator.
Liberator B Mk I
B-24A für das RAF Costal Command, 20 geliefert.
Liberator B Mk II
B-24 mit verbreitertem und um ca. 1 m verlängerten Rumpf sowie vergrößertem Heckleitwerk (LB-30 der USAAF), 165 gebaut.
Liberator B Mk III
B-24D mit 7,62-mm-Browning-MG in der Flugzeugnase, zwei an den Seiten, vier im Boulton-Paul-Heckturm (ähnlich der Avro Lancaster) und US-amerikanischen Martin-Rückenturm, 156 gebaut.
Liberator B Mk IIIA
B-24D der RAF.
Liberator B Mk IV
B-24E der RAF, keine geliefert.
Liberator B Mk V
B-24D mit erhöhtem Treibstoffvorrat und Bewaffnung der Liberator Mk III.
Liberator B Mk VI
B-24H mit Boulton-Paul-Heckturm.
Liberator B Mk VIII
B-24J der RAF.
Liberator GR Mk V
B-24D mit „Leigh Light“-Suchscheinwerfer und Radar zur U-Boot-Jagd.
Liberator GR Mk VI
B-24G/H/J des RAF Coastal Command.
Liberator GR Mk VIII
B-24J mit U-Jagd-Ausrüstung.
Liberator C Mk VI
zu Transportflugzeugen umgebaute Liberator B Mk VIII.
Liberator C Mk VII
C-87 der RAF.
Liberator C Mk VIII
zu Transportflugzeugen umgebaute Liberator GR Mk VIII.
Liberator C Mk IX
RY-3/C-87C der RAF.

Nutzer[Bearbeiten]

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße Daten der B-24J
Länge 21,16 m
Flügelspannweite 33,55 m
Höhe 5,49 m
Antrieb vier Pratt & Whitney R-1830-65-Twin Wasp-
Doppelsternmotoren mit je 1.200 PS
Höchstgeschwindigkeit 480 km/h in 9.150 m Höhe
Normale Reichweite 3.360 km
Besatzung 10–12 Mann
Dienstgipfelhöhe 8.550 m
Leergewicht 17.250 kg
Fluggewicht 26.000 kg
Bewaffnung zehn Browning-M2-MGs, Kal. .50 BMG (12,7 mm)
max. 8.000 lbs (3,6 t) Bombenlast

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Olaf Groehler: Geschichte des Luftkriegs 1910 bis 1980. Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin 1981.
  • Friedrich König: Die Geschichte der Luftwaffe. Rastatt 1980.
  • Kenneth Munson: Bomber, Patrouillen- und Transportflugzeuge 1939–45. Orell Füssli Verlag, 3. Auflage, Zürich 1977.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: B-24 Liberator – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. lt. Olaf Groehler und Kenneth Munson wurden 18.188 Stück hergestellt
  2. FlugRevue Dezember 2009, S. 90–93, Schattenspieler – Consolidated B-24 Liberator
  3. Angriffsziel Berlin. Motorbuch Verlag, ISBN 3-87943-895-1, 1. Auflage 1982, S. 24.
  4. The Consolidated B-24 Liberator (Version vom 8. September 2005 im Internet Archive)
  5. „Liberator“ bharat-rakshak.com.abgerufen: 9 Dezember 2010.
  6. Hans-Joachim Mau, Hans Heiri Stapfer: Unter rotem Stern – Lend-Lease-Flugzeuge für die Sowjetunion 1941–1945. Transpress, Berlin 1991, ISBN 3-344-70710-8, S 119–121.