Constanze Kurz

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Constanze Kurz (2011)
Constanze Kurz beim CCC-Jahresrückblick 2013 neben Frank Rieger

Constanze Kurz (* 2. März 1974[1] in Ost-Berlin) ist eine deutsche Informatikerin, Sachbuchautorin und Sprecherin des Chaos Computer Clubs (CCC). Sie ist insbesondere auf dem Gebiet des Datenschutzes hervorgetreten.

Leben[Bearbeiten]

Nach Kindheit und Jugend in Berlin studierte sie dort zunächst Volkswirtschaftslehre, bevor sie sich der Informatik zuwandte.[2] Nach ihrem Informatikstudium widmete sie sich der Forschung mit Schwerpunkt Überwachungstechnologie, Ethik, Datenschutz und Datensicherheit. Von 2005 bis 2011 war Kurz wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe Informatik in Bildung und Gesellschaft von Professor Wolfgang Coy an der Humboldt-Universität zu Berlin.[3] Ihre Dissertation befasst sich mit Wahlcomputern und elektronischen Wahlsystemen.[4][5] Gegenwärtig ist sie an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin als wissenschaftliche Projektleiterin tätig.[6]

Kurz engagiert sich in der Gesellschaft für Informatik (GI), dort bereits seit 2003 in der Fachgruppe Informatik & Ethik sowie als stellvertretende Sprecherin des Leitungskreises des GI-Fachbereichs Informatik und Gesellschaft und ist Mitglied im Beirat des Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung.[7][8] Im Chaos Computer Club e. V., der größten europäischen Hackervereinigung, ist sie eine ehrenamtliche Sprecherin.

Die Linksfraktion benannte Kurz als Sachverständige für die Enquête-Kommission Internet und digitale Gesellschaft des Deutschen Bundestages.[9] Und sie beriet als technische Sachverständige das Bundesverfassungsgericht anlässlich der Beschwerdeverfahren gegen Wahlcomputer, die Vorratsdatenspeicherung und zur Antiterrordatei.[10][11][12]

Sie ist Mitglied der Jury[13] des Ideenwettbewerbs „Vergessen im Internet“, der von der Projektgruppe Netzpolitik des Bundesinnenministeriums bis zum 31. August 2011 durchgeführt wurde.[14]

Im Februar 2012 wurde die parteilose Kurz von den Grünen für das Amt der Datenschutzbeauftragten im Land Thüringen nominiert,[15] verlor jedoch mit 34 der 82 gültigen Stimmen gegen den von der Regierungskoalition von CDU und SPD aufgestellten Lutz Hasse, auf den 45 Stimmen fielen.[16]

Kurz ist Herausgeberin und Autorin zahlreicher Werke (siehe unten). In ihren Blogs, Essays und ihrer vierzehntäglichen Kolumne „Aus dem Maschinenraum“[17] in der Frankfurter Allgemeine Zeitung richtet sie die Aufmerksamkeit auf Sicherheitslücken und Monopole im Bereich der neuen Technologien und zeigt zugleich demokratische Alternativen auf.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • 2011 platzierte die Computerwoche Kurz auf Platz 38 der 100 „bedeutendsten Persönlichkeiten in der deutschen IT“. In diesem Ranking wurde sie – nach Martina Koederitz und Regine Stachelhaus – als drittwichtigste Frau eingeschätzt.[18]
  • 20. April 2013 Verleihung der Theodor-Heuss-Medaille durch die Theodor-Heuss-Stiftung für ihr vorbildliches demokratisches Verhalten.[19]
  • 2014 Toleranzpreis der Evangelischen Akademie Tutzing in der Kategorie Zivilcourage[20]
  • 15. September 2014: Im Rahmen der Initiative Wissenschaftsjahr 2014 Die Digitale Gesellschaft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und der Gesellschaft für Informatik wurde sie mit der Auszeichnung Deutschlands Digitale Köpfe geehrt. Die Auszeichnung gilt jenen, die mit ihren Ideen und Projekten die digitale Entwicklung in Deutschland vorantreiben.[21]

Schriften[Bearbeiten]

  • als Herausgeberin zusammen mit Sandro Gaycken: 1984.exe – Gesellschaftliche, politische und juristische Aspekte moderner Überwachungstechnologien. transcript, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-89942-766-0.
  • zusammen mit Debora Weber-Wulff, Christina Class, Wolfgang Coy, David Zellhöfer: Gewissensbisse: Ethische Probleme der Informatik. Biometrie - Datenschutz - geistiges Eigentum. transcript, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-8376-1221-9.
  • zusammen mit Udo Thiedeke: Picknick mit Cyborgs – Ein interdisziplinäres Gespräch über die alltägliche Vernetzung. GRIN Verlag, München 2010, ISBN 978-3-640-67856-3.
  • zusammen mit Frank Rieger: Die Datenfresser: Wie Internetfirmen und Staat sich unsere persönlichen Daten einverleiben und wie wir die Kontrolle darüber zurückerlangen. S. Fischer, Frankfurt am Main 2011, ISBN 978-3-10-048518-2.
  • als Herausgeberin zusammen mit Andrea Knaut, Christian Kühne, Jörg Pohle, Rainer Rehak, Stefan Ullrich: Per Anhalter durch die Turing-Galaxis. Monsenstein und Vannerdat, Münster 2012, ISBN 978-3-86991-697-2.
  • Elektronische Wahlhelfer in der Demokratie. Der Status quo bei politischen Wahlen. Humboldt-Universität zu Berlin, Dissertation, 2013. [22]
  • zusammen mit Frank Rieger: Arbeitsfrei: Eine Entdeckungsreise zu den Maschinen, die uns ersetzen, Riemann Verlag, München Oktober 2013, ISBN 978-3-570-50155-9.

Stellungnahmen[Bearbeiten]

  • Stellungnahme an das Bundesverfassungsgericht (2 BvC 3/07, 2 BvC 4/07): Beschreibung und Auswertung der Untersuchungen an NEDAP-Wahlcomputern, zusammen mit Rop Gonggrijp und Frank Rieger, 30. Mai 2007[23]
  • Stellungnahme an das Bundesverfassungsgericht (1 BvR 256/08, 1 BvR 263/08, 1 BvR 586/08) zur Vorratsdatenspeicherung, zusammen mit Frank Rieger, 9. Mai 2009[24]
  • NSA-Skandal: Kurz stellt am 29. Januar 2014 Strafanzeige gegen die Bundesregierung[25]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Constanze Kurz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anne Will: Die Gäste im Studio. Das Erste, 3. Juli 2013, abgerufen am 5. Juli 2013.
  2. Anne Klesse: Berliner Spaziergang. Die ganze Welt besteht aus Daten. In: Berliner Morgenpost, 10. August 2008.
  3. Webseite bei der Humboldt-Universität zu Berlin, Informatik in Bildung und Gesellschaft
  4. Profil auf den Seiten des Deutschen Bundestages
  5. Ankündigung der Disputation.
  6. Constanze Kurz. Eintrag bei der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
  7. Beirat des FIfF, zuletzt abgerufen am 15. April 2013
  8. Fachgruppe Informatik und Ethik, abgerufen am 20. Januar 2014.
  9. Liste der Mitglieder der Enquete-Kommission auf bundestag.de
  10. Der SPIEGEL, Ergebnis nach Wunsch, abgerufen am 2. September 2014.
  11. Bundesverfassungsgericht, Urteil des Ersten Senats vom 2. März 2010 – 1 BvR 256/08, 1 BvR 263/08, 1 BvR 586/08 –, abgerufen am 24. Januar 2011.
  12. Bundesverfassungsgericht, Anhörung des Ersten Senats am 6. November 2012 - 1 BvR 1215/07, abgerufen am 7. November 2012.
  13. Vergessen im Internet: Die Jury, Projektgruppe Netzpolitik des Bundesinnenministeriums, abgerufen am 17. April 2011.
  14. Detlef Borchers: Vergessen im Netz: Mit der Vergangenheit die Zukunft kontrollieren. heise online, 13. April 2011, abgerufen am 17. April 2011.
  15. Elmar Otto: Hackerin trifft auf Juristen: Kampfkandidatur um Datenschutzamt. In: Ostthüringische Zeitung. 23. Februar 2012. Abgerufen am 23. Februar 2012.
  16. Echte Unabhängigkeit ist in Thüringen unerwünscht, Die Zeit vom 24. Februar 2012
  17. Der Hacker. In: FAZ.net
  18. TOP 100 Powerfrauen, computerwoche.de, abgerufen am 20. Januar 2014.
  19. Theodor-Heuss-Stiftung: Theodor-Heuss-Preis 2013
  20. Evangelischen Akademie Tutzing: Toleranz-Preis für Christian Wulff und Constanze Kurz
  21. http://www.digital-ist.de/aktuelles/das-sind-deutschlands-digitale-koepfe.html
  22. http://d-nb.info/1043024018
  23. Beschreibung und Auswertung der Untersuchungen an NEDAP-Wahlcomputern (PDF-Datei; 2,4 MB)
  24. Stellungnahme des Chaos Computer Clubs zur Vorratsdatenspeicherung (PDF-Datei; 12,9 MB)
  25. NSA-Skandal CCC-Sprecherin stellt Strafanzeige gegen die Bundesregierung