Containment-Politik

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Harry S. Truman 1945

Die Containment-Politik oder Eindämmungspolitik (englisch containment policy) wurde seit 1947 von den USA gegenüber der UdSSR verfolgt und charakterisiert das Auseinanderbrechen der Anti-Hitler-Koalition. Ziel dieser Politik war es, die Ausbreitung des Kommunismus und Stalinismus zu verhindern bzw. einzudämmen.

Entstehung[Bearbeiten]

Bereits in der Endphase des Zweiten Weltkriegs kam es zwischen den Westalliierten und der Sowjetunion zu Spannungen über die Entwicklung einer europäischen Friedensordnung. Die USA und Großbritannien verwiesen auf Grundlage völkerrechtlicher Prinzipien auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Die kommunistische Sowjetunion war hingegen bestrebt eine Einflusssphäre sozialistischer Satellitenstaaten zu schaffen. So kam es beispielsweise zur politischen Übernahme osteuropäischer Staaten, die im Zweiten Weltkrieg von Deutschland besetzt waren. Bis Ende der 1940er Jahre hatte die Sowjetunion in Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Bulgarien sozialistische Regime installiert und de facto ihrer Souveränität entzogen.

Den Bestrebungen der Sowjetunion setzte Harry S. Truman ein außenpolitisches Konzept entgegen, dem zufolge die USA eine anti-imperialistische Politik verfolgen. Um diesen Zielen gerecht zu werden und eine klare Linie in die amerikanische Außenpolitik zu bringen, setzte der neue Außenminister (Secretary of State) George C. Marshall einen außenpolitischen Planungsstab unter George F. Kennan, einem ehemaligen Gesandten der amerikanischen Botschaft in Moskau, ein. Kennan stellte die Containment-Politik „zur Eindämmung des sowjetischen Imperialismus“ in der Zeitschrift Foreign Affairs im Juli 1947 einem breiteren Publikum vor. In seinem Artikel „The Sources of Soviet Conduct“ (aufgrund der Veröffentlichung unter dem Pseudonym „X“ auch als X-Artikel bezeichnet) wies Kennan auf die inhärenten Schwächen des Sowjetsystems hin und vertrat die Ansicht, wenn die USA sich auf ihre Stärken besinnen und ihre Führungsrolle akzeptieren würden, seien sie in der Lage, den russischen Expansionstendenzen mit hinreichendem Gegendruck zu begegnen.

Die aktive Unterstützung anderer Staaten gegen drohende kommunistische Umsturzversuche hatte zuvor schon der amerikanische Präsident Harry S. Truman in der nach ihm benannten Truman-Doktrin am 12. März 1947 als offizielle Linie der amerikanischen Außenpolitik verkündet.

Umsetzung[Bearbeiten]

Als wichtiger Bestandteil der Containment-Politik erwies sich der Marshallplan mit dem Ziel, die europäischen Länder zu stärken und somit eine handstreichartige Übernahme Westeuropas durch die Sowjetunion zu verhindern. Gleichzeitig wurde mit dem Marshallplan das Ziel einer nachhaltigen Zusammenarbeit zwischen den europäischen Staaten verfolgt. Auch das Inkrafttreten des Nordatlantikpaktes am 24. April 1949 ist als sicherheitspolitischer Bestandteil der Containment-Politik zu sehen. Unter Berufung auf die Truman-Doktrin unterstützten die USA die Royalisten im Griechischen Bürgerkrieg, Südkorea im Krieg gegen den kommunistischen Norden und Frankreich im Indochinakrieg.

Die Containment-Politik wurde nicht nur in Verbindung mit Europa praktiziert. Gezielte Wirtschaftshilfe der USA wurde auch an Entwicklungsländer geleistet, ohne jedoch denselben wirtschaftlich positiven Effekt wie in Europa zu erreichen.[1] Ebenso versagte das Containment im Falle Chinas: die maßgeblichen Außenpolitiker (George C. Marshall, George F. Kennan und Dean Gooderham Acheson) sowie Präsident Truman kamen zur Überzeugung, dass sich die korrupte und reformfeindliche Militärdiktatur Chiang Kai-sheks auch mit amerikanischer Hilfe nicht mehr gegen die kommunistischen Bürgerkriegsarmeen durchzusetzen vermochte.[2] Das Beispiel China und die US-Außenpolitik in den lateinamerikanischen Ländern zeigt außerdem, dass die USA zur Eindämmung der „kommunistischen Gefahr“ bereit war, Diktaturen zu unterstützen.

Die Containment-Politik der Ära Truman fand ihre Fortsetzung (und Radikalisierung) in der Ära Eisenhower und der nach diesem benannten Eisenhower-Doktrin. Das eher defensive Prinzip des Containments wurde dabei zu Gunsten der aggressiveren Rollback-Politik modifiziert. Containment erschien zu Beginn der 1950er Jahre nicht mehr als opportunes Mittel zur Bekämpfung der stalinistisch-kommunistischen Expansionspolitik. Tatsächlich kam es aber in der Ära Eisenhower zu einer Art Mischkonzept zwischen Containment und Rollback.

Containment in der aktuellen internationalen Politik[Bearbeiten]

Derzeit wird insbesondere in Bezug auf dem Atomstreit mit dem Iran über eine Containment-Strategie nachgedacht. Diese soll dazu dienen, den Iran vom Bau einer möglichen Atombombe abzuhalten. In Deutschland befürwortet beispielsweise Wolfgang Ischinger eine solche Strategie.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Erich Angermann: Die Vereinigten Staaten von Amerika seit 1917. 7. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1983, ISBN 3-423-04007-6, S. 303.
  2.  Erich Angermann: Die Vereinigten Staaten von Amerika seit 1917. 7. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1983, ISBN 3-423-04007-6, S. 307.
  3. Wolfgang Ischinger: Deutschland, Israel und die iranische Bombe. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 6. März 2012, abgerufen am 10. Februar 2014.

Weblinks[Bearbeiten]