Contra caducum morbum

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Althochdeutsche Zaubersprüche 03.jpg

Contra caducum morbum oder Pro cadente morbo ‚Gegen die Fallsucht‘ ist ein spätalthochdeutscher Zauber- oder Segenspruch gegen epileptische Anfälle.

Spruch[Bearbeiten]

Der Spruch steht im Verstehenskontext antiker und spätantiker Vorstellungen, dass die Fallsucht, Epilepsie durch Geister oder Dämonen hervorgerufen wurde und die „Opfer“ zu Besessenen machte. So zeigt der Contra caducum morbum in seiner formalen Struktur eine zweckmässige anleitende Abfassung zu einem Exorzismus mit einem doppelten Beschwörungsbefehl stant uf waz dir. got der gebot dir ez.

Umstritten beziehungsweise unklar ist die Frage, ob in dem Spruch vorchristliche pagane und volksreligöse Vorstellungen und Traditionen reflektiert werden. Besondere Aufmerksamkeit hat hierbei die Wendung Doner dutiger .. diet mahtiger (Münchner Hs.) gefunden. Einige Forscher sehen hier eine alte überlieferte stabreimende Form einer Anrufung des germanischen Gottes Donar vorliegend (rezente Publikationen: Beck, Holzmann, Pogliani).

Die Handschriften[Bearbeiten]

Der Spruch ist in zwei Handschriften überliefert.

Literatur[Bearbeiten]

Ausgaben[Bearbeiten]

Forschungsliteratur[Bearbeiten]

  • Verena Holzmann: „Ich beswer dich wurm und wyrmin ...“. Formen und Typen altdeutscher Zaubersprüche und Segen. (= Wiener Arbeiten zur germanischen Altertumskunde und Philologie 36), Bern u.a. 2001, S. 192 (Nr. 127).
  • J. A. Huisman: Contra caducum morbum. Zum althochdeutschen Spruch gegen Fallsucht. In: Amsterdamer Beiträge zur älteren Germanistik 17 (1982), S. 39–50.
  • Annarita Pogliani: Durch ein ungleiches Schicksal verbunden. Die zwei Fassungen des altdeutschen Fallsuchtsegens. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 138 (2009), S. 296–311.
  • Hans-Hugo Steinhoff: Contra caducum morbum. In: Verfasserlexikon – Die deutsche Literatur des Mittelalters, Bd. 2, de Gruyter, Berlin/New York 1980. Sp. 8f.
  • Wolfgang Achnitz (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das Mittelalter, Band 1 Das geistliche Schrifttum von den Anfängen bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts, De Gruyter, Berlin/New York 2011, ISBN 978-3-598-24991-4, Sp. 209f.

Weblinks[Bearbeiten]