Conwy Lloyd Morgan

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Conwy Lloyd Morgan (* 6. Februar 1852 in London; † 6. März 1936 in Hastings) war ein englischer Zoologe und Psychologe und gilt als Begründer der experimentellen Tierpsychologie.

Leben[Bearbeiten]

Nach seinem Studium am Royal College of Science in London bei Thomas Huxley ging er von 1878 bis 1884 nach Südafrika, um an einem College in Rondebosch zu lehren. 1884 erhielt er am University College in Bristol eine Professur für Zoologie und Geologie, von 1911 bis 1919 war er an dieser Universität Professor für Psychologie und Ethik. Einer seiner Schüler war Reginald Innes Pocock.

Lehre[Bearbeiten]

Morgan wurde mit seinen Experimenten mit Tieren zu einem Begründer der Tierpsychologie. Er zeichnete sich durch akribische Beobachtungen aus und lehnte es ab, Tieren Bewusstsein für ein Verhalten zuzuschreiben, das sich auch anders, zum Beispiel durch Versuch und Irrtum-Lernen, erklären ließ. Diese Wissenschafts-Haltung schlug sich im 1894 formulierten so genannten Morgans Kanon nieder – letztlich nichts anderes als Ockhams Rasiermesser angewandt auf die Biopsychologie. Demnach soll ein Verhalten nicht mit einer höheren psychischen Funktion (wie Bewusstsein) erklärt werden, wenn es auch mit einfacheren Funktionen (wie Instinkt, Konditionierung) erklärt werden kann.

  • In no case may we interpret an action as the outcome of the exercise of a higher mental faculty, if it can be interpreted as the exercise of one which stands lower in the psychological scale.
    (deutsch: In keinem Fall sollten wir eine Handlung als das Ergebnis der Ausübung eines höheren geistigen Vermögens interpretieren, wenn sie auch als das Ergebnis eines in der geistigen Skala weiter unten stehenden geistigen Vermögens interpretiert werden kann.)

Gemeinsam mit dem englischen Philosophen Samuel Alexander entwickelte Morgan die Theorie einer emergenten Entwicklung (emergent evolution), nach der Bewusstseinsbildung ein evolutionäres Phänomen ist, das sich organisch nicht hinreichend erklären lasse. Denn die Evolution ist einerseits eine Reihe kontinuierlicher Steigerungen, die durch die Resultate (resultant) gesichert bleiben. Andererseits entstehen in der Evolution ganz neue Gesetzmäßigkeiten und Entwicklungsreihen, die durch die Emergenz (emergent), nämlich durch das Aufsteigende herbeigeführt werden.[1]

Rezeption[Bearbeiten]

Morgans Emergentismus beeinflusste Thorstein Veblens Theorie der sozio-ökonomischen Entwicklung.[2]

Werke[Bearbeiten]

  • Animal Life and Intelligence. 1890.
  • An Introduction to Comparative Psychology. 1894.
  • Emergent Evolution. Williams & Norgate, London 1923.
  • Autobiography of C. Lloyd Morgan. In: C. A. Murchison (Hrsg.): A History of Psychology in Autobiography. Band II. Clark University Press, Worcester 1932, S. 237–264.
  • The Emergence of Novelity. 1933.
  • The Law of Psychogenesis. Mind (N. S.) 1(1892), 72 - 93

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georgi Schischkoff (Hrsg.): Philosophisches Wörterbuch. Kröner, Stuttgart 1991, Lemma Morgan.
  2. Geoffrey M. Hodgson: On the evolution of Thorstein Veblen's evolutionary economics (PDF; 1,2 MB) Cambridge Political Economy Society 1998, Bd. 22, S. 420f