Münzdenkschrift

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Denkschriften über das Münzwesen wurden von Nicolaus Copernicus zuerst in Lateinisch und dann auch in seiner deutschen Muttersprache verfasst, zur Beratung des preußischen Landtags, der Hansestädte und des polnischen Königs.[1]

Copernicus lebte als Domherr im Fürstbistum Ermland, welches von einem Fürstbischof regiert wurde, ein Amt, das sein Onkel Lucas Watzenrode (1447–1512) bekleidet hatte. Dessen Nachfolger als ermländischer Fürstbischof war Fabian von Lossainen (1470–1523); der Fürstbischof war gleichzeitig Oberpräsident der preußischen Landtage von Preußen königlichen Anteils. Hansestädte wie Danzig, Elbing und seine Heimatstadt Thorn prägten eigene Münzen. Durch Handel mit der Hanse, die Verschlechterung der Münzen in den letzten Jahren der Regierung des Deutschen Ordens im Deutschordensstaat Preußen, welcher 1525 säkularisiert wurde, und starken Handel mit dem Weichsel-aufwärts gelegenen Polen sah man sich Devisenproblemen gegenüber. Der Reiterkrieg (1519 bis 1521) verschlimmerte die Situation des Preußischen Münzwesens. Als Sohn eines Kaufmanns, der auch mit großen Mengen Kupfer[2] handelte, war Copernicus mit der Problematik vertraut.

Schon 1519, im Jahr der Geburt von Sir Thomas Gresham, erkannte der als Domherr, Mathematiker und erst später als Astronom bekannte Copernicus die später als Greshamsches Gesetz bekannte Regel, dass „schlechtes Geld“ unter bestimmten Bedingungen „gutes Geld“ mit hohem Edelmetallanteil verdrängt, da letzteres dann eingeschmolzen wird. Er machte sich während seiner Dienstzeit in Allenstein im Ermland Notizen (Tractatus de Monetis Nicolai Copernici) und berichtete darüber 1522 vor dem Preußischen Landtag in Graudenz im damaligen dort üblichen Frühneuhochdeutsch.[3][4] Dies wurde mitprotokolliert, der Vortrag fand Niederschlag in Caspar Schütz Historia Rerum Prussicarum sowie im Danziger Stadtarchiv.

Für den Landtag 1528 wurde das nun in Latein ausformulierte Werke als Monetae cudendae ratio (auch Monetæ cudendæ ratio) bekanntgegeben, und diente der finanzpolitischen Entscheidungsfindung, insbesondere am polnisch-litauischen Hof. Kopernikus plädierte für eine stabile Währungsunion, die mit der Autonomie der Städte nur schwer vereinbar war. Nachdem er auf der Tagung im Oktober 1530 die Position des königlichen Münzverwesers Jost Ludwig Dietz[5] unterstützt hatte zog sich der mittlerweile 57-Jährige aus den finanzpolitischen Entscheidungsprozessen zurück.[6]

Diese lateinische Schrift wurde erst 1816 in Warschau als Dissertatio de optima monetae cudendae ratione publiziert, wovon nur noch wenige Kopien verfügbar sind.[7] Leopold Prowe hat die deutsche und die lateinische Version der Denkschrift 1875 im zweiten Band seiner zweiteiligen Biographie „Nicolaus Coppernicus“ veröffentlicht.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsch war für Kopernikus Muttersprache und Alltagssprache, wenn auch der schriftliche Umgang fast ausschließlich auf Lateinisch erfolgte.Martin Carrier: Nikolaus Kopernikus, Beck’sche Reihe, C. H. Beck, 2001, ISBN 3406475779, 9783406475771, 192 S. [1]
  2. er habe mit Copernicus ein Geschäft über die Lieferung von 38 Zentner Kupfer zum Preis von 86 Mark und 16 Skot abgeschlossenNicolaus Copernicus Gesamtausgabe [2]
  3. Muncze wyrdtt genennett, geczeichennt goldtt, adir Sylber do mit die geldunge der kouffliche adir verkoufflichen dinge, geczahlet werden, …Nicolaus Copernicus Gesamtausgabe, Heribert Maria Nobis et al., [3]
  4. Angus Armitage, The World of Copernicus, S. 89–91 (chapter 24: The Diseases of Money) [4]
  5. Jo(b)st Ludwig Dietz, auch Jodocus Ludovicus Decius (1485–1540/45), aus Weissenburg/Elsass (Nicolaus Copernicus Gesamtausgabe – Documenta Copernicana), Sekretär bei König Sigismund I. in Krakau, Münzmeister in Thorn 1528 bis 1535 ([5][6])
  6. Nicolaus Copernicus Gesamtausgabe [7]
  7. The American Historical Review, [8]

Quellen[Bearbeiten]

 Wikisource: Denkschrift über die Münze – Quellen und Volltexte
  • Nicolaus Copernicus (1517), 'N.[icolai] C.[oppernici] Meditata XV Augusti anno domini MDXVII' (1517), in: Erich Sommerfeld (Übs. und Hg.), Die Geldlehre des Nicolaus Copernicus: Texte, Übersetzungen, Kommentare; in memoriam Kurt Braunreuther 1913–1975, Berlin: Akademie-Verlag, 1978, S. 24–31.
  • Nicolaus Copernicus (1519), 'modus cudendi monetam' [Art und Weise der Münzprägung (lateinischer Titel der deutschen Übersetzung von:) N.(icolaus) C.(oppernicus) Meditata XV Augusti anno domini MDXVII, 1517; dt. 1519], Niklas Koppernigk (Übs.), in: Erich Sommerfeld (Hrsg.), Die Geldlehre des Nicolaus Copernicus: Texte, Übersetzungen, Kommentare; in memoriam Kurt Braunreuther 1913–1975, Berlin: Akademie-Verlag, 1978, S. 33–37.
  • Nicolaus Copernicus 1526a, 'Monete cudende ratio per Nicolaum Coppernicum' (1526), in: Erich Sommerfeld (Übs. und Hg.), Die Geldlehre des Nicolaus Copernicus: Texte, Übersetzungen, Kommentare; in memoriam Kurt Braunreuther 1913–1975, Berlin: Akademie-Verlag, 1978, S. 48–67.
  • Nicolaus Copernicus (1526b), 'Epistola Consiliariorum Prussie ad Ludouicum Decium Cracouiensem de Ratione restituende monete Pruthenice' (Brief der Räte Preußens an Ludwig Dietz aus Krakau, die Verbesserung der preußischen Münze betreffend; 1526), in: Erich Sommerfeld (Übs. und Hg.), Die Geldlehre des Nicolaus Copernicus: Texte, Übersetzungen, Kommentare; in memoriam Kurt Braunreuther 1913–1975, Berlin: Akademie-Verlag, 1978, S. 112–123.

Weblinks[Bearbeiten]