Copland (Betriebssystem)

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Copland
Basisdaten
Entwickler Apple
Aktuelle Version  ?
(1996)
Abstammung / Copland
Lizenz Proprietär
Sonstiges Entwicklung im Jahr 1997 eingestellt

Copland war der Projektname für ein von Grund auf neugeschriebenes Betriebssystem der Firma Apple, das die Nachfolge von System 7 (eine nicht Unix basierte Mac OS-Version) antreten sollte. Namensgeber für das Projekt war der zeitgenössische Komponist Aaron Copland. Dieser Name war bewusst gewählt, um den Neuanfang zu verdeutlichen, da alle vorangehen Mac OS-Versionen Projektnamen von klassischen Komponisten – wie Mozart oder Beethoven – besaßen. Apple plante, im Jahr 1994 die ersten PowerPC basierten Macintosh-Computer mit dem Betriebssystem Copland auszurüsten. Das Ziel war ein System, das auf einem Mikrokernel (von Apple gerne als Nanokernel bezeichnet) aufbaut, präemptives Multitasking und Speicherschutz beherrscht. Das ganze System sollte mehrbenutzerfähig sein und anders als System 7, nativ auf dem PowerPC-Prozessor arbeiten.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Das seit 1984 weiter entwickelte Macintosh-Betriebssystem wies einige konzeptionelle Mängel auf, die man nur durch eine Neuentwicklung beheben konnte. Das System unterstütze weder präemptives Multitasking, Mehrbenutzerbetrieb, Speicherschutz noch dynamische Speicherverwaltung weshalb es sehr anfällig für Instabilitäten war. Apple startete vor dem Projekt Copland schon ein anderes Projekt, um ein neues Betriebssystem zu entwickeln:

Pink[Bearbeiten]

1988 wurde das Projekt Pink in Angriff genommen.[2] Pink hatte ein vollständig objektorientiertes Betriebssystem zum Ziel. Mitte 1991 gelang es Apple, die Firma IBM von seiner damaligen Entwicklung zu überzeugen, weshalb die gemeinsame Tochterfirma Taligent gegründet wurde, um Pink gemeinsam zu vollenden. Bald merkte man aber, dass der Markt abseits von Apple kein neues Betriebssystem brauchte, weshalb Pink in die Laufzeitumgebung TalAE, (Taligent Application Environment; später auch CommonPoint genannt) umgewandelt wurde[2]. Damit blieb das Problem des veralteten Betriebssystems bei Apple weiterhin bestehen.

Star Trek[Bearbeiten]

Unter dem Codenamen Star Trek portierten Mitarbeiter von Apple und Novell das Betriebssystem Mac OS 7 auf x86-Prozessoren. Das Projekt wurde im Sommer 1992 ins Leben gerufen und bereits Ende Oktober stand ein voll funktionsfähiger Prototyp zur Verfügung. Angeblich war Star Trek auf 486er-Systemen sogar leistungsfähiger als MacOS 7 auf PowerPCs. Nachdem aber Microsoft den Apple-Manager Roger Heinen abwerben konnte, entschloss sich auch Dell, seine Rechner statt mit Star Trek mit vorinstalliertem Microsoft Windows auszuliefern.

Das Projekt Star Trek wurde 1993 zugunsten von Copland eingestellt.

Copland[Bearbeiten]

Copland wurde im März 1994 gestartet. Zuerst wurde das Veröffentlichungsdatum auf Ende des Jahres 1995 verschoben, später auf Mitte 1996 und Ende 1997. Im November 1995 wurde eine Beta-Version für Software-Entwickler veröffentlicht. Die Copland-Entwicklung, an der etwa 500 Entwickler arbeiteten und die insgesamt über 250 Mio. Dollar[3] kostete, war aber immer noch nicht fertig und hoffnungslos im Verzug. Apple musste die Macintosh-Benutzer mit dem gealterten System 7 vertrösten. Gleichzeitig feierte Microsoft Windows 95 große Erfolge, und die ersten ernst zu nehmenden Linux-Distributionen tauchten auf dem Markt auf. Inspiriert von Microsofts Überarbeitung von MS-DOS und Windows 3.11 zu Windows 95, die nicht einmal ein Jahr Entwicklungszeit in Anspruch nahm, beschloss man bei Apple in Jahr 1997, Copland zu stoppen und so viele Funktionen davon wie möglich in ein überarbeitetes System 7 zu integrieren. Die ersten Neuerungen aus dem Copland-Projekt flossen schon in die Version 7.6 ein. In Mac OS 8.0 wurden wiederum zahlreiche integriert.

NeXTStep[Bearbeiten]

Nachdem Apple kurze Zeit mit Windows NT liebäugelte, wollte es das BeOS von Jean-Louis Gassées Firma Be, Inc. als moderne Betriebssystembasis einkaufen. Dann entschloss sich Apple aber schließlich (nachdem Steve Jobs mit Gil Amelio telefoniert und ihm von BeOS abgeraten haben soll) zur Übernahme der von Steve Jobs gegründeten Firma NeXT. Im Rahmen dieser Übernahme kehrte Steve Jobs zum Jahreswechsel 1996/97 zu Apple zurück, und das Betriebssystem NeXTStep wurde zur Grundlage für das heutige Mac OS X[2]. Nicht wenige der im Copland-Projekt angestrebten Ziele konnte Apple aber erst im Jahr 2001 mit OS X verwirklichen.[1]

Apple arbeitete zeitweise daran, Copland auf die x86-Plattform zu portieren, und zwar, indem man den Nukernel durch Mach 3 ersetzt hätte; eine Lösung, die auch gleich auf PowerPC-Prozessoren lauffähig gewesen wäre. Das Projekt wurde bei Apple insbesondere von Ike Nassi als Mac OS der Zukunft angesehen. Das Projekt wurde allerdings eingestellt, kurz bevor Apple entschied, NeXT zu übernehmen und dessen Mach-basiertes Betriebssystem zu nutzen.

Eigenschaften[Bearbeiten]

Viele Funktionen, die für Copland geplant waren, flossen später in das Macintosh-Betriebssystem Mac OS ein, darunter:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Apple's Copland Project: An OS for the Common Man (englisch), Tom Hormby, 8. November 2005, lowendmac.com, zugegriffen: 21. Juli 2010
  2. a b c Mac OS X – History, kaipahl.de, zugegriffen: 20. Juli 2010
  3. Hoffnungsvolles Projekt: Copland, APPLE HISTORY – KAPITEL #10, - SEITE 2, macprime.ch, zugegriffen: 21. Juli 2010

Weblinks[Bearbeiten]