Cornelis de Witt

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Cornelis de Witt Gemälde von Jan de Baen, Rijksmuseum (Amsterdam)

Cornelis de Witt (* 15. Juni 1623 in Dordrecht; † 20. August 1672 in Den Haag) war ein bekannter holländischer Politiker und Militär.

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Cornelis de Witt entstammte dem alten Dordrechter Regentengeschlecht der De Witt. Seine Eltern waren Jacob de Witt und Anna van den Corput (einer Nichte von Johannes Corputius, dem berühmten niederländischen Militärführer und Kartographen). Sein Onkel Andries war ebenso wie sein jüngerer Bruder Johan de Witt - der berühmte niederländische Staatsmann - Ratspensionär von Holland gewesen. Am Höhepunkt des Goldenen Zeitalters der Niederlande konnten die Gebrüder De Witt gemeinsam die ihren Verwandten Andries Bicker und den Gebrüdern Cornelis und Andries de Graeff den niederländischen Regierungsapparat entscheidend beherrschen.[1]

Politische Karriere im Goldenen Zeitalter[Bearbeiten]

Johan und Cornelis de Witt, Statue in Dordrecht

Cornelis de Witt war von 1648-1667 Ratsherr, danach regierender Bürgermeister und Pensionär seiner Heimatstadt, sowie ein niederländischer Marineoffizier.[2] Außerdem war er Rat der Admiralität von Rotterdam und Ruwaard (Regent) von Putten. Aufgrund seiner maritimen Kenntnisse und des Protegees seines Bruders Johan war er in den Englisch-Niederländischen Seekriegen von 1652-1654 und von 1665-1667 niederländischer Marinekommandant. Bei dem Überfall im Medway hatte Cornelis de Witt die Kontrolle der niederländischen Streitkräfte inne. Aber die pro-französische Politik der Gebrüder De Witt missglückte, als Ludwig XIV. die Republik der Vereinigten Niederlande mit militärischen Mitteln angriff. Cornelis de Witt leitete noch die Seeschlacht von Solebay, wobei er großen persönlichen Mut bewies.[3] Durch den Schlachtenerfolg der französischen Truppen, welche das Zentrum der Republik bedrohten, gelang es der oranisch gesinnten Partei, die staatsgesinnten (Stadt)Regenten zu Fall zu bringen. Cornelis de Witt wurde in seiner Eigenschaft als Ratsmitglied Dordrechts dazu aufgefordert, das im Jahre 1667 aufgestellte Eeuwig edict zurückzunehmen, welches das Haus Oranien für immer aus den Regierungsgeschäften der Niederlande ausschloss.[4]

Das Rampjaar[Bearbeiten]

Die Leichen der Gebrüder De Witt

Im Rampjaar 1672 brach in Holland die Zeit des Hauses Nassau an, denn Wilhelm III. von Oranien wurde zum neuen Statthalter gewählt und damit der alte Ratspensionär von Holland, Johan de Witt, gestürzt. Im August wurde Cornelis de Witt durch den oranisch gesinnten Barbier Willem Tichelaar des Mordkomplotts gegen Wilhelm III. angeklagt. De Witt wurde im Den Haager Gevangenpoort gefangengesetzt und dort schwer gefoltert. Unter der Federführung des Gerichtshofpräsidenten Adriaen Pauw wurde de Witt, gegen den keine Beweise vorlagen, freigelassen und außer Landes verbannt. Als ihn sein Bruder am 20. August, angelockt durch einen fingierten Brief, aus dem Gefängnis abholen wollte, wurden die beiden Brüder von einer durch die oranischen Parteigänger unter Johan Kievit aufgehetzten Meute, welche sie der Verschwörung gegen den neuen Statthalter bezichtigte, auf grausame Weise ermordet.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Biografie Andries Bicker in DBNL (nl)
  2.  Herbert Harvey Rowen: John de Witt: Statesman of the "true Freedom". Cambridge University Press, Cambridge 1986, ISBN 0521527082, S. 70.
  3. Oddens, J. (2009) Een vorstelijk voorland. Gerard Hinlopen op reis naar Istanbul (1670-1671), p. 42. Volgens Oddens moest hij de vloot ziek verlaten wat hem op beschuldigingen van lafheid kwam te staan.
  4. Oddens, J. (2009) Een vorstelijk voorland. Gerard Hinlopen op reis naar Istanbul (1670-1671), p. 42.
  5. Vgl. hierzu  Maarten Roy Prak: The Dutch Republic in the Seventeenth Century: The Golden Age. Cambridge University Press, Cambridge 2005 (übersetzt von Diane Webb), ISBN 0521843529, S. 54.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Herbert Harvey Rowen: John de Witt: Statesman of the "true Freedom". Cambridge University Press, Cambridge 1986, ISBN 0521527082.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cornelis de Witt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien