Cornwallit

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Cornwallit
Cornwallite-111332.jpg
Kugeliger Cornwallit aus der Grube Clara bei Oberwolfach, Baden-Württemberg (Sichtfeld 5 mm)
Andere Namen
  • Erinit
Chemische Formel

Cu5[(OH)4|(AsO4)2][1]

Mineralklasse Phosphate, Arsenate und Vanadate
8.BD.05 (8. Auflage: VII/B.11) nach Strunz
41.04.02.02 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch; 2/m
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)
Farbe hellgrün bis schwarzgrün (Spangrün, Grasgrün)
Strichfarbe grünlichweiß
Mohshärte 4,5
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,17; berechnet: 4,64[2]
Glanz Fettglanz, matt
Transparenz durchscheinend
Spaltbarkeit keine
Bruch muschelig, stellenweise uneben
Habitus mikrokristallin; radialstrahlige, faserige, nierige, kugelige Aggregate und Krusten
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,810 bis 1,820; nβ = 1,815 bis 1,860; nγ = 1,850 bis 1,880[3]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,040 bis 0,060[3]; zweiachsig wechselnd
Optischer Achsenwinkel 2V = 30° bis 50° (gemessen), 34° (berechnet)[3]

Cornwallit (auch Erinit[4]) ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der Zusammensetzung Cu5[(OH)4|(AsO4)2][1], ist also chemisch gesehen ein Kupfer-Arsenat mit zusätzlichen Hydroxidionen.

Cornwallit ist durchscheinend und entwickelt nur mikroskopisch kleine Kristalle, die in radialstrahligen, nierigen oder kugeligen Aggregaten angeordnet sind oder faserige Krusten bilden. Seine Farbe variiert zwischen hell- und dunkelgrün bis schwarzgrün, seine Strichfarbe ist allerdings eher grünlichweiß. In kugelig-nieriger Aggregatform mit glatten Oberflächen weist Cornwallit einen fettähnlichen Glanz auf.

Besondere Eigenschaften[Bearbeiten]

In einem Glaskolben erhitzt, gibt Cornwallit sein Hydratwasser ab und vor dem Lötrohr auf Kohle bleibt unter Abgabe von Arsenikdämpfen ein Kupferkorn zurück.[5]

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Klinoklas (bläulich), Cornwallit (hellgrün) und Olivenit (olivgrün) auf Quarz aus der Typlokalität Wheal Gorland, Cornwall, England (Größe: 6,3 x 6,3 x 4,2 cm)

Erstmals entdeckt wurde Cornwallit in der englischen Grafschaft Cornwall, genauer in der Erzgrube Wheal Gorland nahe der Stadt Gwennap, und beschrieben 1846 durch Franz Xaver Zippe, der das Mineral nach seinem Fundgebiet benannte.

Das Typmaterial des Mineral wird im Natural History Museum in London aufbewahrt (Register-Nr. MI 1985,1754).[2]

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Cornwallit zur Abteilung der „Wasserfreien Phosphate, mit fremden Anionen F, Cl, O, OH“, wo er zusammen mit Arsenoklasit, Cornubit, Gatehouseit, Ludjibait, Pseudomalachit, Reichenbachit, Reppiait und Turanit die unbenannte Gruppe VII/B.11 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Cornwallit ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate, etc., mit weiteren Anionen, ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen zum Phosphat-, Arsenat bzw. Vanadatkomplex (RO4), so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit ausschließlich mittelgroßen Kationen (OH, etc.) : RO4 = 2 : 1“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Pseudomalachit und Reichenbachit die „Pseudomalachitgruppe“ mit der System-Nr. 8.BD.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Cornwallit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserfreien Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied/zusammen mit in der unbenannten Gruppe 41.04.02 innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)5(XO4)2Zq“ zu finden.

Modifikationen und Varietäten[Bearbeiten]

Die Verbindung Cu5[(OH)4|(AsO4)2] ist dimorph und kommt in der Natur neben dem monoklin kristallisierenden Cornwallit noch als triklin kristallisierender Cornubit vor.[2]

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Großaufnahme kugeliger Cornwallitkristalle mit fettigem Glanz aus Pastrana, Mazarrón-Águilas, Murcia, Spanien (Gesamtgröße: 4,3 x 3,7 x 2,2 cm)
Cornwallit (grünliche Kruste) auf Baryt aus der Grube „Old Potts Gill“, Potts Gill, Cumbria, England (Größe: 7,6 x 5,1 x 4,7 cm)

Cornwallit bildet sich sekundär in der Oxidationszone von Kupfer-Lagerstätten. Als Begleitmineral können weitere Kupferphosphate bzw. -arsenate wie unter anderem Arthurit, Austinit, Chalkophyllit, Cornubit, Klinoklas, Konichalcit, Lavendulan, Olivenit, Strashimirit und Tirolit, aber auch Sulfate wie Brochantit und Spangolith oder Carbonate wie Azurit und Malachit auftreten.

Als eher seltene Mineralbildung kann Cornwallit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Bisher (Stand 2013) gelten rund 160 Fundorte[6] als bekannt. Neben seiner Typlokalität Wheal Gorland bei Gwennap trat das Mineral im Vereinigten Königreich noch an mehreren Orten in der Grafschaft Cornwall wie unter anderem St Hilary sowie in den Grafschaften Cumbria und Devon in England und bei Leadhills in Schottland auf.

In Deutschland fand man Cornwallit bisher vor allem im Schwarzwald, unter anderem bei Freudenstadt, Wittichen und Oberwolfach in Baden-Württemberg, aber auch an der Hartkoppe und bei Sommerkahl in Bayern, am Hohenstein in der hessischen Gemeinde Lautertal, bei Bad Lauterberg im Harz in Niedersachsen, bei Hoffnungsthal (Rösrath) und an mehreren Stellen im Siegerland in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sowie bei Schneeberg und im Bergbaugebiet Graul in Sachsen gefunden.

In Österreich wurde Cornwallit bisher nur am Silberberg, der Gratlspitze und der Hofer Tratte im Inntal und am Graschberg bei Thierbach (Gemeinde Wildschönau) in Tirol gefunden.

Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist der Six-Blanc nahe Bruson in der walliser Gemeinde Bagnes.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Australien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Japan, Marokko, Mexiko, der Mongolei, Polen, Portugal, Simbabwe, der Slowakei, Spanien, Südafrika, Tschechien, Ungarn und in den Vereinigten Staaten von Amerika.[7]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Cornwallit kristallisiert isotyp mit Pseudomalachit[8] im monoklinen Kristallsystem in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14) mit den Gitterparametern a = 4,59 Å; b = 5,77 Å; c = 17,34 Å und β = 91,8° sowie zwei Formeleinheiten pro Elementarzelle.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • F. X. M. Zippe: Über den Cornwallit, eine neue Species des Mineralreichs, In: Abhandlungen der Königlichen Böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, Band 4 (1847), S. 649-654 (PDF 1,1 MB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cornwallite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 448.
  2. a b c Cornwallite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 65,2 kB)
  3. a b c Mindat - Cornwallite
  4.  Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 648.
  5. F. X. M. Zippe: Über den Cornwallit, eine neue Species des Mineralreichs, In: Abhandlungen der Königlichen Böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften, Band 4 (1847), S. 652 (PDF 1,1 MB; 6)
  6. Mindat - Anzahl der Fundorte für Cornwallite
  7. Fundortliste für Cornwallit beim Mineralienatlas und bei Mindat
  8.  Friedrich Klockmann, Paul Ramdohr, Hugo Strunz (Hrsg.): Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978 (Erstausgabe: 1891), ISBN 3-432-82986-8, S. 630.