Corps Flaminea Löwen

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Wappen Karte
Wappen Flaminea.jpg
Lage der Stadt Löwen in der Provinz Flämisch-Brabant
Basisdaten
Land: Belgien
Region: Flandern
Universität: Katholieke Universiteit Leuven
Gründung: 1989 in Löwen
Verband: Kösener Senioren-Convents-Verband
Zirkel: Der Zirkel der Corps Flaminea Löwen
Farben: Die Farben der Corps Flaminea Löwen
Mitglieder: < 50 (2012)
Status: aktiv
Internetpräsenz: www.flaminea.com

Corps Flaminea Löwen ist eine farbentragende und pflichtschlagende Studentenverbindung an der Katholieke Universiteit Leuven und damit die erste in Belgien. Das verbandsfreie Corps steht im Vorstellungsverhältnis zum Kösener SC-Verband. Nach seinem Namen nennen sich die Mitglieder Flamen.

Geschichte[Bearbeiten]

Das alte und traditionsreiche Löwen liegt an der Grenze zwischen der germanischen und der lateinischen Welt. Infolge kultureller Affinitäten, Sympathie, akademischer Beziehungen, aber auch stark beeinflusst vom Katholizismus, war das flämische Studentenleben eher „germanisch“ orientiert. „Des ewigen Streits zwischen politischen und religiösen Organisationen und der korporationsähnlichen Clubs mit ihrem Mangel an Substanz, Disziplin und Tradition überdrüssig“, entstand das Bedürfnis nach einer deutschen Korporationsstruktur.[1]

Zehn Löwener Studenten gründeten am 18. November 1989 die neue Verbindung. Als Farben von Mützen und Bändern wurde blau-weiß-gelb gewählt. Blau und Weiß sind die Farben der Universität Löwen, Weiß ist die Hintergrundfarbe von Löwen und Gelb die Hintergrundfarbe von Flandern.

Während Löwener Korporationsstudenten ohne Comment und Kleiderordnung feiern, war es bei Flaminea von Anfang an üblich, bei Kneipen Anzüge zu tragen. Es wird diszipliniert geredet, gesungen und getrunken. Die ersten corpsstudentischen Kontakte ergaben sich Anfang der 1990er Jahre zu Lusatia Breslau in Köln. Unter dem reaktivierten Gründungssenior Axel Vandam traten sechs Füchse dem Corps bei.

Siehe auch: Belgische Studentenverbindungen nicht-deutscher Tradition

Fechten[Bearbeiten]

Von den Aktiven selbst finanziert wurde das erste Paukzeug gekauft. Ein Phantom wurde gebaut. Die Kontakte mit deutschen schlagenden Verbindungen wurden erweitert, zum Corps Rheno-Nicaria Mannheim im Weinheimer Senioren-Convent und zur Landsmannschaft Teutonia Heidelberg im Coburger Convent. Am 1. April 1994 fand ein internationaler Pauktag in einem Gasthaus in Löwen (mit stumpfen Klingen) statt. Im Sommer desselben Jahres verabschiedete ein Allgemeen Convent (AC) die erste Constitution. Die Idee einer schlagenden Studentenverbindung mit akademischem und Toleranzprinzip, mit Ordnung, Disziplin und ordentlichem Benehmen, nahm Gestalt an.

Am 10 Februar 1996 gründeten acht Alte Herren ein Philisterium. Im Wintersemester 1996/97 wurde Flaminea von zwei Leipziger Thüringern aus Saarbrücken besucht. Der eine beschaffte gebrauchtes Paukzeug von der Burschenschaft Germania Saarbrücken, was die ersten Paukstunden ermöglichte. Aus praktischen Gründen wurde der Saarbrücker Paukkomment übernommen. Zur Semesterantrittskneipe am 7. März 1997 kamen wieder Leipziger Thüringer mit dem Paukzeug der Burschenschaft Germania.

Die ersten scharfen Partien wurden am 12. Dezember 1997 auf dem Haus der Landsmannschaft Cimbria Königsberg zu Saarbrücken unter dem Waffenschutz des Corps Thuringia Leipzig zu Saarbrücken gefochten. Mehrere Partien von aktiven Burschen und Alten Herren folgten bald.

Haus[Bearbeiten]

Corpshuis
Kneipe

Im Juni 1995 wurde das spätere Corpshaus in der Brabançonnestraat aus privaten Mitteln gekauft. Die während des Umbaus und der Renovierung fortgeführten Kneipen und Professorenvorträge brachten neue Mitglieder. Der Allgemeen Convent eröffnete das Haus offiziell erst am 24. Januar 1997. Auf demselben Convent wurde beschlossen, dass Flaminea eine fakultativ schlagende Verbindung werden sollte. Das wies auf das Ziel einer pflichtschlagenden Korporation und war ein völliger Bruch mit der katholischen Tradition der Stadt. Eine Verbindung mit eigenem Haus und allen Möglichkeiten korporativen Lebens war für Löwen neu und erwies sich als Erfolg. Das Sommersemester schloss mit dem 150. Stiftungsfest der Thuringia Leipzig zu Saarbrücken vom 3. bis 7. Juli 1997.

Nach Fertigstellung des Hauses stand die innere Organisation im Brennpunkt: neue Mitglieder, Finanzen und Corpsdisziplin.

Corps[Bearbeiten]

2001 wurde der Verhältnisvertrag mit dem Kösener SC-Verband abgeschlossen, zwei Jahre später die Pflichtmensur eingeführt. Ein offizielles Vorstellungsverhältnis mit dem Corps Nassovia Würzburg wurde 2009 vereinbart.

Im November 2011 hatte Flaminea vier aktive Corpsburschen, drei Inaktive, elf Füchse (nach flämischer Tradition zu viele) und 28 Alte Herren, davon sieben Mehrbändermänner. Mit Jänner 2013 ist der Bestand auf 12 aktive Corpsburschen, drei Füchse und 5 Inaktive angewachsen. Darunter ist ein Mehrbändermann. Die Zahl der Alten Herren blieb unverändert.

Bei Flaminea sind Biernamen üblich.

Rückblick[Bearbeiten]

Dass es flämischen Studenten überhaupt möglich war, sich einer fremden, wiewohl verwandten Verbindungsform zuzuwenden, lag wohl daran, dass Löwens Universität 1968 in die flämische Katholieke Universiteit Leuven und die wallonische Université catholique de Louvain aufgespaltet worden war. Das hatte nicht nur den Drang zu politisch orientierten Verbindungen, sondern auch den Einfluss der katholischen Kirche auf das Alltagsleben der Studenten gemindert.[1]

Anfangs wollten Flamineas Gründungsväter nur eine mehr auf Toleranz, Disziplin und Benehmen bedachte Verbindung schaffen. In Flandern wurde eine neue traditionelle und straffer organisierte Verbindung begrüßt; aber eine schlagende Verbindung ging vielen zu weit. Zwischen 2007 und 2009 stand Flaminea (wie auch traditionelle regionale Clubs) vor der Suspension; denn eine individualistische und verwöhnte Jugend sah keinen Sinn in einer Korporation. Das scheint sich unter dem Eindruck der Wirtschafts-, Finanz- und Gesellschaftskrisen zu ändern.

Bei den vielen Kontakten mit ganz unterschiedlichen deutschen Korporationen – katholischen CV-Verbindungen, Burschenschaften, Landsmannschaften – hatten die Corps auf Flaminea den besten Eindruck gemacht, obwohl diese sich distanziert gegenüber dem flämischen Neuling gezeigt hatten.[1]

Siehe auch: Geschichte der Universität Löwen und Studentenverbindungen in Belgien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Pieter D'Hoore; Corps Flaminea – Geschichte und Entwicklung, aus dem Englischen übersetzt von C. H. Christmann, in: Thüringer-Zeitung – Nachrichten des Corps Thuringia Leipzig, Ausgabe Nr. 115, Oktober 2011, S. 7–16

Weblinks[Bearbeiten]