Corps Guestphalia et Suevoborussia Marburg

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Wappen

Das Corps Guestphalia et Suevoborussia Marburg ist eine pflichtschlagende und farbentragende Studentenverbindung im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV). Die Corpsmitglieder werden Westfalen und Schwabenpreußen oder (in Marburg) schwarze Westfalen genannt. Das Adjektiv bezieht sich auf die schwarze Studentenmütze und dient zur Unterscheidung von der Marburger Landsmannschaft Hasso-Guestfalia, die blaue Mützen trägt. Ihre Mitglieder werden folglich blaue Westfalen genannt. Dass die schwarzen Westfalen gemeinhin als „Piesen“ bezeichnet werden, ist auf ihre Kneipjacken zurückzuführen. Mit ihrer Farbe und dem hohen Stehkragen erinnern sie an die Amtskleidung eines Pfarrers, der im hessischen Dialekt als Piese bezeichnet wird.

Couleur[Bearbeiten]

Couleur

Guestphalia et Suevoborussia hat die Farben grün-weiß-schwarz-weinrot mit silberner Perkussion. Dazu wird eine schwarze Mütze getragen. Die Füchse der Westfalen und Schwabenpreußen tragen ein Fuchsenband in den Farben grün-schwarz, ebenfalls mit silberner Perkussion.

Die Wahlsprüche lauten In virtute honos und Honeste et hilare.[1][2] Der Wappenspruch ist Vivant fratres intimo foedere iuncti! (v.f.i.f.i.).[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Das Corps entstand 1978 durch die Fusion von Guestphalia Marburg (gestiftet 10. Mai 1840) und Suevo-Borussia (gestiftet 1868). Das Stiftungsdatum des Fusionscorps bezieht sich auf Guestphalia und ist entsprechend den Kösener-Statuten der 10. Mai 1840.

Guestphalia Marburg[Bearbeiten]

Ein Westfälisches Kränzchen wurde am 13. Juni 1806 unter Beteiligung Hallenser Westfalen gestiftet. Die Farben waren schwarz-grün-weiß, der Wahlspruch Gloria virtutis comes!

Guestphalia I (1807)[Bearbeiten]

Es konstituierte sich am 7. Juni 1807 als Westfälische Landsmannschaft (Guestphalia I), die schon zum Marburger Senioren-Convent gehörte. Am 13. Juli 1809 änderte sie die Farben in grün-schwarz-weiß. Wegen behördlicher Untersuchungen und Suspendierungen durch die Universität waren zwischen 1810 und 1818 mehrere Suspensionen nötig. Die Rekonstitution am 6. Dezember 1819 erfolgte als Corps Guestphalia mit grün-weiß-schwarz. Als Wahlspruch wurde Gladius ultor noster! und als Wappenspruch Pectus amico, cuspido hostem! angenommen.[4]

Von 1823 bis zum 18. Juli 1825 und im Wintersemester 1828/29 suspendiert, zerfiel Guestphalia II im Wintersemester 1831/32 in eine Guestphalia vetus und eine Guestphalia nova; sie fand aber bereits im Sommersemester 1832 wieder zusammen. Im WS 1833/34 wieder suspendiert und am 10. Juli 1834 rekonstituiert, nahm das Corps den Wahlspruch Neminem time, neminem laede! an. Im selben Semester wurden einige Mitglieder des Corps Schaumburgia (1831–1834) aufgenommen. Als Guestphalia im Januar 1838 suspendierte, stifteten einige Mitglieder die Rhenania Marburg. Der Bund existierte nur fünf Monate; die Mitglieder stifteten die Hassia Marburg.

Guestphalia II (1840)[Bearbeiten]

Unter Mitwirkung von Mitgliedern der Guestphalia I wurde am 10. Mai 1840 eine „neue“ Guestphalia mit grün-weiß-schwarz und silberner Perkussion gestiftet. Der Wahlspruch war In virtute honos! Als diese Guestphalia am 8. März 1844 suspendierte, stifteten einige Mitglieder die Buchonia.[4]

Guestphalia III (1880)[Bearbeiten]

Am 2. Februar 1880 war unabhängig ein neues Corps Guestphalia [von 1880] gestiftet worden. Ausgetretene Mitglieder der Reformverbindung Germania waren an dieser Stiftung beteiligt. Sie renoncierte seit dem 2. Januar 1880 beim SC und wurde am 22. Juni 1880 recipiert. Am 28. Februar 1895 suspendierte diese Guestphalia III. Die ältere Guestphalia rekonstituierte am selben Tag und übernahm die Aktiven, am nächsten Tag auch die Inaktiven und Alten Herren der jüngeren Guestphalia mit den Farben schwarz-weiß-grün. Seit dem 29. Juli 1895 wurde wieder grün-weiß-schwarz getragen. Das erste Corpshaus wurde 1895 zum Mittelpunkt des Corpslebens. Das zweite entstand 1909/10 an der Lutherstraße und ist bis heute die Heimat des Corps.[4]

Am 19. Mai 1936 wurde der aktive Betrieb eingestellt. Auf dem Hause des Corps Teutonia Marburg wurde am 17. Dezember 1938 die SC-Kameradschaft Carl Allmenröder gegründet, in der die corpsstudentische Tradition fortgesetzt wurde. Die Kameradschaft bestand bis zur Besetzung Marburgs durch die Alliierten Ende März 1945. Der am 11. September 1948 reaktivierte Altherrenverein beschloss die grundsätzliche Aufnahme von Mitgliedern der Kameradschaft; aufgenommen wurden nur drei. Als Traditionsträger wurde der Akademische Bund Westfalen am 14. Januar 1949 gegründet. Guestphalias Convent rekonstituierte am 26. Februar 1949 und übernahm die Mitglieder des Akademischen Bundes. Der Name wurde noch bis zum Ende des SS 1950 nach außen fortgeführt.[4]

Guestphalia Marburg war 1956 präsidierendes Vorortcorps und stellte mit Friedemann Keßler den Vorsitzenden des oKC.

Siehe auch: SC-Kameradschaften

Marburger Westfalen[Bearbeiten]

Suevo-Borussia[Bearbeiten]

Suevo-Borussia in der IG

An der Pépinière wurde am 21. Juni 1868 der Verein der Studierenden der Militärärztlichen Bildungsanstalten gegründet, aus dem die Suevo-Borussia hervorging. Der Wahlspruch war Honeste et hilare. Neben dem Berliner Senioren-Convent (KSCV) bildeten Suevo-Borussia, Franconia und Saxonia den zweiten Berliner Senioren-Convent. Sehr viele deutsche Sanitätsoffiziere waren Mitglieder dieser Corps.

Als die Kaiser-Wilhelm-Akademie 1919 nach dem Friedensvertrag von Versailles aufgelöst wurde, verlegten die drei Corps nach Hamburg. Dort bildeten sie den ersten SC an der gerade gegründeten Universität Hamburg. Alle drei Corps suspendierten 1935. Nach der Wiedergründung der Militärärztlichen Akademie am 1. Oktober 1934 in Berlin nahm Suevo-Borussia dort am 14. November 1937 den Betrieb als Gemeinschaft Studierender wieder auf. Damit war sie die einzige freie deutsche Studentenverbindung. 1944 wurden die Akademie und mit ihr die Gemeinschaft nach Breslau verlegt, wo gegen Jahresende der Corpsbetrieb eingestellt werden musste.

Am 10. Januar 1949 rekonstituierte Suevo-Borussia in Hamburg. Im Januar 1950 gehörte sie zu den 22 Corps, die sich in der Interessengemeinschaft zusammenschlossen und die Wiederbegründung des KSCV vorbereiteten. 1950/51 ging sie ein Vorstellungsverhältnis mit dem Corps Holsatia Kiel und dem Corps Hubertia Freiburg sowie ein befreundetes Verhältnis mit dem Corps Hannovera Göttingen ein.[5] Dem Corps Hansea Bonn hatte sie (wie später auch das Fusionscorps) einen Corpsburschen gestellt. Die Verhältnisverträge wurden nach dem Fusionsvertrag mit Guestphalia Marburg gekündigt.[6] 1976 musste Suevo-Borussia wegen Nachwuchsmangels suspendieren.

Schwaben-Preußen[Bearbeiten]

Suevo-Borussia im SC zu Hamburg (1952)

Guestphalia et Suevoborussia[Bearbeiten]

2002 stellte das Corps mit Frank Meißner den Vorortsprecher des KSCV.

Siehe auch: Vororte des KSCV

Wappen und Corpshäuser[Bearbeiten]

Verhältnisse[Bearbeiten]

Guestphalia et Suevoborussia Marburg pflegt einen Verhältnisvertrag mit dem Corps Makaria München (befreundet) und dem Corps Hubertia Freiburg (Vorstellung).[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. dt. „In der Tugend liegt die Ehre“
  2. dt. „ehrenvoll und heiter“
  3. dt. „Es leben die Brüder verbunden durch einen innigsten Bund!“
  4. a b c d P. Gladen (2007), S. 70 f.
  5. Handbuch des Kösener Corpsstudenten 1953, S. 212
  6. Klaus-Reinhard Wachs, Rede zum 160. Stiftungsfest der Guestphalia Marburg (Hamburg 2000)
  7. Handbuch des Kösener Corpsstudenten 1985/II, S. 1/22

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Müller: Corpstafel der Guestphalia zu Marburg 1806 bis 1930. 1931.
  • AHV des Corps Suevo-Borussia (Hg.): Geschichte des Corps Suevo-Borussia Berlin–Hamburg. 1868–1968. Hamburg 1968.
  • A. Marxhausen, F. Michels: Die Guestphalia zu Marburg – Der Chronik 1. Teil 1806–1880. 1937.
  • A. Marxhausen, F. Michels: Die Guestphalia zu Marburg – Der Chronik II. Teil 1880–1935. 1938.
  • Paulgerhard Gladen: Corpstafel des Corps Guestphalia et Suevoborussia zu Marburg. Kirchberg 1990.

Weblinks[Bearbeiten]