Corps Lusatia Breslau

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1912

Das Corps Lusatia Breslau war eine Studentenverbindung, welche in Breslau gegründet wurde, kurzzeitig in Hamburg ansässig war und schließlich nach Köln verlegte, wo sie sich schließlich auflösen musste.

Geschichte[Bearbeiten]

Breslau 1832-1936[Bearbeiten]

Nach der Kgl. preußischen Kabinettsorder vom 24. November 1811 wurde die Viadrina von Frankfurt (Oder) nach Breslau verlegt.

Nachdem sich im Oktober 1821 ein Corps Sileso-Lusatia in der schlesischen Hauptstadt aufgetan hatte, gründete stud. iur. Emil Thiele[1] mit sechs anderen Stiftern am 6. November 1832 das Corps Lusatia. Nach Borussia (1819) und Silesia (1821) war es das dritte Corps an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität.[2] Der Wahlspruch war Lusatia vita carior. Die blau-rot-goldenen Farben wurden 1843 in dunkelblau-gold-rot, im Wintersemester 1848 in hellblau-gold-rot geändert; damit sollte die ursprüngliche Landesfarbe der Lausitz herausgestellt werden.

Im katholischen Schlesien wurden viele Breslauer Studenten der Katholischen Theologie Corpsstudenten. Neben einigen früh verstorbenen Kandidaten hatte Lusatia (mindestens) neun Erz-/Priester und Bischöfe in ihren Reihen.

In den 1860er Jahren musste Lusatia einige Semester suspendieren. Mit dem Breslauer Preußen Waldemar Dyhrenfurth als Senior machte sie 1869 wieder auf.

Nachdem 1910 die Technische Hochschule Breslau eröffnet worden war und „Techniker“ aktiv geworden waren, konnten ab 1923 auch Studenten der Landwirtschaftlichen Hochschule Lausitzer werden.

1885 bezog Lusatia das erste eigene Corpsheim in der Kupferschmiedestraße 22/23, 1890 das zweite in der Altbüßerstraße 11. Das neue eigene Corpshaus in der Rosenthalerstraßer 5 (heute ul. Dubois) wurde 1907 eingeweiht.

Am Ersten Weltkrieg nahmen 81 der damals 134 Lausitzer teil. Achtzehn fielen oder starben an den Verwundungen.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Zu Beginn des Wintersemesters 1935/36 musste das Corps wie alle anderen freien Studentenverbindungen suspendieren. Das Corpshaus wurde von der NS-Kameradschaft Himmelwitz übernommen.

Im Zweiten Weltkrieg fielen 36 Breslauer Lausitzer, darunter die beiden Ritterkreuzträger Bruno von Brackel und Friedrich-Wilhelm Wandel.[3]

1945 überstand das Corpshaus den Zweiten Weltkrieg und die Schlacht um Breslau. Es wurde beschlagnahmt und vorübergehend von einer polnischen Studentenvereinigung bewohnt.

Neuanfang[Bearbeiten]

Hamburg 1952–1956[Bearbeiten]

Lusatia in Hamburg (1952)

1950 wurde ein besonderes Freundschaftsabkommen mit dem Corps Moenania vereinbart. Beim 119. Stiftungsfest beschloss der Altherrenverband die Rekonstitution des Corps an der Universität Hamburg. Mit Moenanias Unterstützung konnte diese am 9. Mai 1952 dann vollzogen werden. In Hamburg gab es zu diesem Zeitpunkt als urhamburgisches Corps ausschließlich die Irminsul (1880); weiters hatten sich noch vier weitere vertriebene Corps aufgetan, Thuringia (1948–1990), Suevo-Borussia (1949–1975), Normannia (1950–1953) und Franconia (1951-1979); zudem bestand mit der Albertina (1950) noch eine Neugründung.

Köln 1956–1993[Bearbeiten]

Wie viele der vertriebenen Corps verlegte auch Lusatia bei dem schweren Stand der Studentenverbindungen in der Kaufmannsstadt Hamburg bereits 1956 nach Köln und Aachen, wo schon die drei anderen Breslauer Corps Borussia, Silesia und Marcomannia und Hansea Köln (1901) aktiv waren. Sie nahmen Lusatia in den SC zu Köln auf. 1957 wurde die letzte Fassung der Konstitution beschlossen. Im Januar 1964 wurde ein Corpshaus in Köln-Lindenthal (Rautenstrauchstraße 81) angemietet. Fünf Jahre später wurde das letzte Corpshaus in Köln-Marienburg (Schillingsrotter Weg 15) gekauft.[4]

Beim Festakt zum 150. Stiftungsfest im Sommer 1982 sprach Kölns Bürgermeister Heribert Blens.

Aus Nachwuchsmangel musste Lusatia suspendieren. Ihre Tradition wird seit dem 6. November 1993 von Lusatia Leipzig fortgeführt. Die gleichen Bänder sind zu einem verschmolzen. Im KSCV gehörte Lusatia Breslau zum sog. Blauen Kreis.

KSCV[Bearbeiten]

Sehr früh, im Mai 1850, wurde der SC zu Breslau mit Borussia, Silesia, Lusatia und Marchia II Mitglied des KSCV.

1880 initiierte Leonhard Zander die Kösener Reformen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Georg Meyer-Erlach (fr. Moenania) das „Neue Kösener Archiv“. Von 1972 bis 1976 gehörte mit Karl Waltzinger ein Lausitzer (und Mainländer) dem VAC-Vorstand an. Ihm folgte von 1977 bis 1981 Gottfried Werneburg († 2009), der die Gutachterkommission von 1991 bis 2009 leitete. 1974 war Lusatia präsidierendes Vorortcorps und stellte mit Heinrich Jüttner den Vorortsprecher.

Verhältniscorps[Bearbeiten]

Das Corps zählte sich (im 20. Jahrhundert) zum blauen Kreis im KSCV.

Kartelle[Bearbeiten]

Befreundete[Bearbeiten]

Vorstellungen[Bearbeiten]

  • Vandalia Berlin (1919–1921)
  • Posonia Wien (1959)
  • Erz Leoben (1962)

Bekannte Corpsmitglieder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kurt Beyer, Hans-Ulrich Jerschke: Geschichte des Corps Lusatia Breslau 1832 bis 1952. Köln 1982
  • Heiner Jüttner: Geschichte des Corps Lusatia-Breslau von 1950 bis 1993. Aachen Leipzig 2002
  • Krzysztof Popinski, Detlef Frische und Thorsten Möllenbeck: Studenten an der Universität Breslau 1871 bis 1921. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Historia Academica, Schriftenreihe der Studentengeschichtlichen Vereinigung des Coburger Convents, Band 46. Würzburg 2009
  • Hans-Joachim Weber: Erinnerungen an Breslauer Korporationen. Eine Postkarte aus dem Jahre 1911. Einst und Jetzt, Bd. 11 (1966), S. 91-104

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Corps Lusatia Breslau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Angehöriger der Corps Pomerania Greifswald, Vandalia Rostock und Pomerania Halle
  2. 1864 kam Marcomannia hinzu.
  3. Wandel fiel als Hauptmann im I./GR 347 am 27. Oktober 1943.
  4. Werneburg: Corps Lusatia Breslau, Auszug aus der Corpsgeschichte. Kösener Handbuch 1985 II, S. 8/7–8/10