Corps Palatia Gießen

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Das Corps Palatia Gießen war eine Studentenverbindung an der Hessischen Ludwigs-Universität.

Geschichte[Bearbeiten]

Palatia ging aus der nach dem Frankfurter Wachensturm aufgelösten Gießener Burschenschaft hervor und wurde gegen Zusicherung der Aufhebung der gegenseitigen Verrufserklärungen am 31. Mai 1833 in den Gießener Senioren-Convent (SC) aufgenommen, der damit aus den vier Corps Hassia, Starkenburgia, Rhenania und Palatia bestand.

Die Farben der Palatia waren grün-rot-gold, die an die Stelle der verbotenen burschenschaftlichen Farben schwarz-rot-gold traten. Der gewählte Name war kein landsmannschaftlicher – die meisten Mitglieder stammten aus Darmstadt – sondern eine Reminiszenz an das Hambacher Fest. Name und Satzung sollen dem im November 1831 gestifteten Corps Palatia (II) in Heidelberg entlehnt worden sein.

Da sich Palatia in alter burschenschaftlicher Tradition weiter betont politisch gab, blieben Konflikte mit den altlandsmannschaftlichen Corps Hassia und Rhenania nicht aus. Tätliche Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien am 21. Februar 1834 führten zur Auflösung des Corps, um einer behördlichen Untersuchung zu entgehen. Trotzdem leitete das Großherzogliche Universitätsgericht auf der Grundlage der Anfang 1834 unter Kanzler Linde erlassenen neuen Disziplinarstatuten ein Verfahren ein. 80 Burschenschafter, Starkenburger und Pfälzer wurden am 9. Dezember 1836 freigesprochen, gegen sieben Angeklagte wurde auf Fortsetzung der Untersuchung erkannt. Erst 1837 wurden die Prozesse wegen Teilnahme an der Palatia endgültig eingestellt.

Besondere Bedeutung erlangte das Corps durch die Beziehungen mehrerer seiner Mitglieder zu Georg Büchner, der im gleichen Zeitraum an der Gießener Universität immatrikuliert war, und zu der von ihm gegründeten Gesellschaft für Menschenrechte. Zu den Mitverschwörern Büchners gehörten die Pfälzer Franz Josef Amand Appiano, Karl Minnigerode und Ludwig Christian Becker, die an der Verteilung des Hessischen Landboten beteiligt waren. Der Pfälzer Gustav Clemm war derjenige, der durch seine Aussagen vor Gericht Büchners Agitation später publik machte.

Trotz ihrer kurzen Bestandsdauer spielte Palatia damit für die Geschichte der Universität Gießen in der Zeit des Vormärz eine wichtige Rolle und war von nachhaltiger Bedeutung auch für die spätere Entwicklung des Gießener SC. Als Nachfolger gilt das 1839 gestiftete Corps Teutonia, das die Farben und die Constitution der Palatia übernahm und in seiner progressistischen Ausrichtung bis 1849 ganz in der Tradition der Palatia stand.

Siehe auch: Erloschene Corps

Mitglieder[Bearbeiten]

Name Lebensdaten Tätigkeit Bild
Ludwig Christian Becker 1808-1861 Revolutionär und Mitverschworener Georg Büchners
Christian Gustav Clemm 1814-1866 Chemiker
Karl Minnigerode 1814-1894 Mitverschworener Georg Büchners, Prediger der Episkopalkirche in Richmond (Virginia)
Ernst Elias Niebergall 1815-1843 Schriftsteller
Carl Vogt 1817-1895 deutsch-schweizerischer Naturwissenschaftler und Demokrat, Professor für Zoologie in Gießen, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung
Carl Vogt
Ludwig Franz Alexander Winther 1812-1871 Professor für Pathologie in Gießen
Ludwig Franz Alexander Winther

Literatur[Bearbeiten]

  • Georg Fritz: Corps Teutonia zu Gießen 1839–1935. Gießen 1939
  • Florian Hoffmann: Corps oder Burschenschaft? Zur Verortung der Gießener Palatia (1833–1834). In: Beiträge der 67. Deutschen Studentenhistorikertagung 2007 in Gießen, o. O., o. J., S. 11–20
  • Ernst Kornemann: Geschichte des Corps Teutonia. Gründungszeit bis 1850. Gießen 1914
  • Carl Vogt: Aus meinem Leben. Erinnerungen und Rückblicke (= Studia Giessenia 7). Gießen 1997