Corps Saxonia Halle

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Zeichen der Saxonia Halle in zwei Stammbüchern Kaempffer (I: 1802–1804; II: 1804)
Consenior Kramer und Senior Kahmann (1802)

Das Corps Saxonia Halle war ein Corps im Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV). Gestiftet im Jahre 1802, war es bis zu seiner endgültigen Suspension 1896 eine der ältesten Studentenverbindungen in Deutschland.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Corps Saxonia wurde am 21. Juni 1802 durch die Vereinigung der magdeburgischen und der halberstädtischen Landsmannschaft gestiftet.[1] Die beiden Kränzchen waren am 26. Januar 1802 vom Senat verboten worden. Die frühesten nachweisbaren Farben der Hallenser Sachsen waren grün–rot–weiß. Der Wahlspruch war FSCV = Fide, sed cui? Vide oder Fratres Saxonia[e] Coniuncti Vivant. Der Waffenspruch war PAHC = Pectus amico, hosti cuspidem.[2]

Nach kurzzeitiger Auflösung am 3. August 1804 mit den Farben dunkelblau–weiß–hellblau (von unten) wiedererstanden, bestand Saxonia zunächst bis zur Aufhebung der Universität durch Napoleon am 19. Oktober 1806. Mit der Einstellung des Vorlesungsbetriebs verließen die meisten Studenten die Stadt. Die Landsmannschaften und Kränzchen lösten sich auf.

Nach der Wiedereröffnung der Universität 1808[Bearbeiten]

Als die Friedrichs-Universität Halle nach dem Übergang an das Königreich Westphalen Ostern 1808 wiedereröffnet wurde, zeigte sich bald auch wieder korporatives Leben. Die Saxonia ist schon im selben Jahr wieder nachweisbar. Nach dem Oelze´schen Skandal führte sie den 28. August 1810 als Stiftungstag und änderte die Farben in grün–rot–weiß. Offenbar hat sie wenig später suspendiert; denn von 1811 bis 1819 sind keine Receptionen nachgewiesen. Am 20. Juni 1820 löste sich der Hallenser Senioren-Convent auf. Etwa zur selben Zeit muss Saxonia rekonstituiert haben. Da die bisherigen Farben rot–grün–weiß zwischenzeitlich durch die Landsmannschaft Thuringia angenommen worden waren, änderte Saxonia die ihren wieder in dunkelblau–weiß–hellblau. Ende 1820 vereinbarten Saxonia, Marchia und Pomerania eine Allgemeine Constitution der Halleschen Landsmannschaften als neuen SC-Comment. Im Sommer 1821 mussten sich allerdings alle Halleschen Korporationen auf behördlichen Druck hin erneut auflösen. Saxonia rekonstituierte vermutlich im Februar 1822 und erneut am 18. Juni 1827.

Mitte des 19. Jahrhunderts[Bearbeiten]

1844 konstituierte sich unter Einbeziehung von Nichtkorporierten ein Allgemeiner Convent (AC), der die Bildung von neuen Kränzchen mit progressistischer Ausrichtung forcierte. Als der Allgemeine Convent den relativen Duellzwang einführte, der es dem Beleidigten überließ, ob er sich mit der Waffe oder durch ein Ehrengericht Satisfaktion verschaffen wollte, kam es 1846 zu einer Spaltung des Hallenser SC. Die konservativen Corps Marchia, Guestphalia und Thuringia, die auf dem Grundsatz der unbedingten Satisfaktion standen, traten aus dem AC aus und bildeten einen eigenen Senioren-Convent. Die Corps Borussia und Pomerania fanden sich mit den Kränzchen der Altmärker und Franken weiter im Allgemeinen Convent zusammen.

Saxonia rekonstituierte sich nach wiederholter Suspension erst 1848 und stellte sich zunächst ebenfalls auf die Seite des Progress, veranlasste aber am 30. Oktober 1848 die Auflösung des AC. Pomerania hatte schon vorher die Seiten gewechselt; Thuringia hatte sich aufgelöst. Die Spaltung des SC bestand zunächst fort: den Corps Marchia, Pomerania und Guestphalia standen die progressistischen Corps Borussia, Palaiomarchia, Saxonia sowie die 1848 aus einem Kränzchen der Naumburger hervorgegangene Cheruscia und die ebenfalls neu gestiftete Franconia gegenüber. Am 4. Dezember 1848 erklärten sich beide Parteien gegenseitig in Verruf. Im Juli 1849 kam es zu Verhandlungen zwischen beiden Seiten. Nachdem sich Borussia schon am 5. November 1849 dem alten SC angeschlossen hatte, folgte Saxonia am 18. Januar 1850. Cheruscia und Franconia lösten sich auf. Palaiomarchia wurde als letztes Corps der Spaltungsperiode am 7. Dezember 1850 in den SC recipiert.

Saxonia musste auch in den folgenden Jahrzehnten mehrfach suspendieren, unter anderem von Mai bis November 1851 und von Mai 1864 bis zum Sommer 1891. Aus der Zeit ihres Bestehens sind die Namen von 321 Mitgliedern überliefert, darunter viele Corpsstudenten mit dem Band des Kartellcorps Saxonia Jena sowie einige mit dem der Saxonia Leipzig und Vandalia Rostock.

Saxonia suspendierte am 7. November 1896 und ist erloschen.[3]

Mitglieder[Bearbeiten]

Saxonia Frankfurt am Main / Konstanz[Bearbeiten]

Hallenser Erbe – Saxonia Konstanz mit den Wappen der Gründercorps Neoborussia, Saxonia und Teutonia

In der Nachkriegszeit aus Halle (Saale) vertrieben, suchten die Hallenser Corps neue Hochschulorte in Westdeutschland. Am 22. Oktober 1949 trafen sie sich in Hannover. Saxonia, Teutonia, Neoborussia, Guestphalia und Borussia kamen überein, mit Palaio-Alsatia ein Hallenser Traditionscorps in Frankfurt am Main zu gründen. Palaiomarchia und Normannia (1955/56 auch Borussia und 1958 Guestphalia) gingen eigene Wege. Ursprünglich war beabsichtigt die Saxonia Halle als gemeinsames Nachfolgecorps zu rekonstituieren; da jedoch die beiden letzten noch lebenden Angehörigen des Corps Saxonia Halle dies ablehnten, musste hiervon Abstand genommen werden. Bei der Stiftung am 10. Dezember 1949 bezog sich das Corps auf die preußische Provinz Sachsen und die frühere Saxonia Halle; sie wurde aber als neues Corps gestiftet. Das Couleur sind die alten sächsischen Landesfarben dunkelblau–weiß–hellblau und eine mittelblaue Studentenmütze mittleren steilen Formats. Der ebenfalls übernommene Zirkel wurde später geändert. Die beiden Sachsencorps sind grundverschieden.[4]

Wegen Nachwuchsproblemen durch die 68er-Bewegung musste Saxonia Frankfurt suspendieren. Nach zwei gescheiterten Versuchen in Trier und Regensburg gelang im Wintersemester 1984/85 die Rekonstitution an der Universität Konstanz. Entscheidend war die Hilfe des dortigen AHSC. Saxonia Konstanz ist das jüngste Corps im schwarzen Kreis des KSCV. Zu den bekannten „Neusachsen“ gehören Gerd Schaefer-Rolffs, Hans-Günther Weber und Wolfgang Herr.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Fabricius: Die Deutschen Corps. Berlin 1898
  • Ernst Biesalski: „Fide, sed cui vide!“ im alten Halle. Ein Beitrag zur Geschichte der dortigen Saxonia von 1802. Einst und Jetzt, Bd. 4 (1959), S. 172–187.
  • Erich Bauer: Aus der Vorgeschichte der Saxonia zu Halle (1802–1896). Die Landsmannschaften der Halberstädter und Magdeburger (1792–1802). Einst und Jetzt, Bd. 10 (1965), S. 164–175.
  • Constitution des Corps Saxonia Halle/Frankfurt (Main)/Konstanz (1808, 1949, 1953). Einst und Jetzt, Sonderband 1988, S. 207–231.
  • Verband Alter Corpsstudenten (Hg.): Handbuch des Kösener Corpsstudenten , Bd. II, 6. Aufl. 1985, S. 1/48.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Handbuch des Kösener Corpsstudenten, hg. vom Vorstand des Verbandes Alter Corpsstudenten e. V. (VAC), Würzburg 1985, Band 2, Bl. 1/33.
  2. E. Biesalski, a.a.O. (1959)
  3. G. G. Winkel: Kösener SC-Kalender. Leipzig 1920.
  4. Curt Rosenloecher: Einzelbeiträge zur Geschichte des Corps Saxonia Konstanz. Konstanz 2002.