Cosa Nostra
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Cosa Nostra (ital. „unsere Sache“) ist eine sizilianische Mafia.
Inhaltsverzeichnis
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[Bearbeiten] Die sizilianische Cosa Nostra
Die sizilianische Cosa Nostra entstand wahrscheinlich in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts aus den Strukturen der Gabelloti, weitgehend korrupte Statthalter, welche die Güter der zumeist adligen Großgrundbesitzer vor aufständischen Bauern und Briganten zu schützen hatten. Im Lauf der Geschichte Siziliens verloren jedoch die vordem mächtigen Familien, meist aus dem nördlicheren Italien stammend, Kontrolle, Einfluss und schließlich ihren Besitz an die ursprünglich von ihnen selbst eingesetzten Verwalter. Regional gab es auch Verschmelzungen der Gabelloti mit dem sizilianischen Brigantismus. Die Präsenz der Cosa Nostra ist am stärksten in Westsizilien ausgeprägt. Palermo, die Hauptstadt Siziliens, hat auch die größte „Familiendichte“; in fast allen Stadtteilen existiert eine Familie.
Die Basisorganisation ist die so genannte Familie, die ein Territorium kontrolliert, eine Ortschaft, ein Gebiet von Ortschaften oder ein Stadtviertel. Die Größe der einzelnen Familien variiert stark: So hatte die Familie ‚Santa Maria di Gesù‘ aus Palermo Anfang der 1980er Jahre zirka 200 Mitglieder, während es durchaus auch Familien mit weniger als 10 Mitgliedern gibt. In die Cosa Nostra tritt man durch Hinzuwahl (Kooptation) oder Aufruf ein. Ein Kandidat tritt fast immer der Familie seines Geburtsortes bei. Vor dem Beitritt wird die Familie (auch die Vorfahren) des potenziellen neuen Mitglieds streng überprüft. Sind oder waren Verwandte Polizisten, Staatsanwälte oder Zuhälter, ist die Aufnahme völlig ausgeschlossen. Um sich für die Mitgliedschaft zu qualifizieren, muss der Kandidat eine Prüfung bestehen; dies ist normalerweise ein schwerer krimineller Akt, häufig ein Mord oder ein bewaffneter Raubüberfall. Der Kronzeuge Antonino Calderone dagegen, dessen Onkel und älterer Bruder die Familie von Catania leiteten, hatte lediglich einen gesuchten Ehrenmann zwischen zwei Verstecken zu chauffieren. Die Mitgliedschaft ist ausschließlich Männern vorbehalten, auch wenn die Frauen im Umfeld eine wichtige Rolle spielen, da sie das Wertesystem der Cosa Nostra an ihre Kinder weitergeben. Zwei Mitglieder dürfen sich untereinander nicht zu erkennen geben, es bedarf eines dritten Mitglieds, der beide als cosa nostra (unsere Sache) oder la stessa cosa (dieselbe Sache wie wir) einander vorstellt.
Die Cosa Nostra hat eine weitgehend hierarchische Struktur mit einem so genannten „militärischen Flügel“ und einem wirtschaftlichen. Ihren Zusammenhalt stützt sie wesentlich auf einen internen Kodex mit strengen wertkonservativen Verhaltensregeln. Allen Ehrenmännern gemeinsam ist die ablehnende Haltung gegenüber dem Staat. Diese Haltung ist in der Cosa Nostra so stark verwurzelt, dass ein Ehrenmann, wird er selbst Opfer eines Verbrechens, niemals Anzeige erstattet; laut mehrerer „Pentiti“ stellt die schlimmste Beleidigung für einen Ehrenmann das Wort „sbirro“ (etwa Häscher/Bulle) dar. Die Hauptsitze der Cosa Nostra befinden sich auf Sizilien. Sie zählt ca. 5500 Clan-Mitglieder. In den 1970er Jahren errichteten einige mächtige Familien auch Dependancen in Neapel, Rom, Bologna, Turin und Mailand. In Neapel operiert auch seit den 1930er Jahren eine reguläre Familie; während der Faschistischen Ära in Italien existierte auch eine Familie in Tunis, die aus Exilanten bestand. Im Unterschied zur amerikanischen Organisation kommen die Angehörigen der sizilianischen Cosa Nostra aus nahezu allen Gesellschaftsschichten und ihr gehören beispielsweise auch viele Ärzte, Rechtsanwälte, Bankiers und erfolgreiche Unternehmer an. Dies bedeutet, dass sie weit stärker in der Gesellschaft verankert ist als ihr amerikanischer Ableger, der weitgehend am Rand der Gesellschaft existiert.
Die Cosa Nostra ist heute eine international operierende Verbrecherorganisation. Diese Organisation wurde und wird wahrscheinlich immer noch von einer Kuppel (siehe auch sizilianische Mafia-Kommission) befehligt, die sich aus den Oberhäuptern der wichtigsten Familien zusammensetzt. Inzwischen ist die Organisation infolge des Zweiten Mafiakrieges stark zentralisiert. Zumindest in den 1980er und 1990er Jahren stand die gesamte Organisation unter der Kontrolle eines einzigen Bosses.
Für Morde, die oft von jungen Mitgliedern niedrigen Ranges ausgeführt werden, bezahlen die „Familien“ grundsätzlich niemandem Geld; sie sind die Gegenleistung für den Schutz, welchen die Mafia ihrem Mitglied bietet, und dienen auch als Möglichkeit, Prestige und Reputation zu erwerben. Die Cosa Nostra führt ihre Morde grundsätzlich allein aus; sie wirbt niemals Außenstehende oder etwa Auftragsmörder an. Wird ein Ehrenmann bei der Ausführung einer kriminellen Tat im Dienst der Familie verhaftet, so hat er auch Anspruch auf finanzielle Unterstützung seitens der Familie. Auch seine Blutsfamilie kann in diesem Fall auf die Solidarität der anderen Ehrenmänner und des Bosses der Familie hoffen. Anders ist dies bei den Aktivitäten der einzelnen Mitglieder. Ehrenmänner, die auf eigene Faust illegale Geschäfte unternehmen, sind nicht zwingend dazu verpflichtet, die Gewinne hieraus zu teilen, sind dann jedoch im Fall einer Festnahme auch auf sich allein gestellt. Nach der Machtübernahme der Corleoneser Anfang der 1980er Jahre änderte sich dies ebenfalls und die einzelnen Familien mussten seitdem eine prozentuale Abgabe aus all ihren Gewinnen an die Kommission abführen.
[Bearbeiten] Begriff
Die Bezeichnung wurde ursprünglich nur für den US-amerikanischen Ableger der sizilianischen Mafia verwendet, seit Ende des Zweiten Weltkrieges wird auch die originäre sizilianische Mafia so bezeichnet.[1] Die Entstehung der Bezeichnung „Cosa Nostra“ als Eigenname kann nicht eindeutig geklärt werden. Es gibt die Vermutung, dass er unter italienischen Einwanderern in den Vereinigten Staaten entstanden war, welche bereits auf Sizilien zur Mafia gehörten. Da es nun eigentlich keine Bezeichnung für die Mitglieder in der Mafia gab und auch der Begriff Mafia ungebräuchlich war, soll unter den Sizilianern untereinander nur von „Unserer Sache“ gesprochen worden sein, die zunächst selbst nicht-sizilianische Italiener ausschloss. Die Mafiosi selbst nannten sich immer «uomo d’onore», also „Mann der Ehre“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zur Amerikanisierung der Cosa Nostra in Sizilien; so wurde auch „Boss“ als Bezeichnung für Oberhaupt üblich. Hier zeigte sich exemplarisch auch in den Begriffen ein struktureller Wandel. Am Anfang des 20. Jahrhunderts galt für das (häufig gewählte) Oberhaupt einer Familie noch die Bezeichnung „Repräsentant“ oder „Capo-Famiglia“; der neuere Begriff Boss impliziert die veränderte Rolle des Anführers, der eine zunehmend autokratische Rolle in der Familie einnimmt. Während früher die Repräsentanten noch von den Mitgliedern gewählt wurden, geht die Nachfolge nun meist undemokratisch vonstatten; häufig beerbt jetzt einfach der Sohn seinen Vater als Boss. Im Gegensatz zum Begriff Mafia, der inzwischen im weitesten Sinne für jedwede organisierte Kriminalität verwendet wird, bezeichnet der Begriff Cosa Nostra tatsächlich nur die ursprüngliche Ethnie von Sizilianern, welche als kriminelle Vereinigung einschlägige Bandenkriminalität betreiben.
Öffentlich bekannt wurde der Begriff erst im Oktober 1963 durch die Aussagen des Mafiosos Joe Valachi vor dem McClellan-Committee, einem Untersuchungssauschuss des Kongress der Vereinigten Staaten. Valachi enthüllte vor dem Komitee, dass die amerikanische Organisation allgemein als „La Cosa Nostra“ bezeichnet wird.[2]
[Bearbeiten] Geschäftsfelder
Sowohl von der sizilianischen wie der US-amerikanischen Cosa-Nostra werden alle Arten illegaler Aktivitäten betrieben. Originärer Schwerpunkt, und auch heute noch eine der Haupteinnahmequellen auf Sizilien, ist die Schutzgelderpressung. Diese ist quasi eine Steuer, die der „Staat“ Cosa Nostra in seinem Herrschaftsgebiet erhebt. In Palermo hat die Schutzgelderpressung eine sehr lange Tradition, in anderen Städten wie Catania wird sie dagegen erst seit den 1980er Jahren praktiziert. Die La Cosa Nostra in den USA wurde durch die Alkoholprohibition von 1920 bis 1932 groß, hatte aber auch immer starke Wurzeln im legalen und illegalen Glücksspiel. Nach dem Zweiten Weltkrieg stiegen dann die Amerikaner in den Drogenhandel zunächst mit Heroin ein, der dann im Prinzip ab 1957 von den Sizilianern übernommen wurde. Ein weiteres Standbein vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Schmuggel mit diversen Gütern (beispielsweise Zigaretten oder Kaffee) und die Kontrolle des Schwarzmarktes. Auch im illegalen Waffenhandel spielt die sizilianische Cosa Nostra eine bedeutende Rolle. Zudem betreibt die Cosa Nostra in großem Umfang Geldwäsche und erwirbt sich durch Korruption öffentliche Aufträge im Bausektor, Gesundheitswesen und der Müllbeseitigung.
Auch in vielen legalen Geschäftsbereichen war und ist die Cosa Nostra sehr präsent. Als Beispiele sind vor allem das Gesundheitswesen, das Baugewerbe, der Export von italienischen Lebensmitteln und allgemein die Landwirtschaft zu nennen. Dazu der ‚Pentito‘ und Kronzeuge in den Maxi-Prozessen Antonino Calderone: „In der Cosa Nostra gibt es zahlreiche kleine Unternehmer. Mehr noch: Die Mehrheit in ihr besteht aus Geschäftsleuten, Männern, die Läden, Firmen und Unternehmen führen. Sie treiben Handel, sind erfinderisch und von morgens bis abends unterwegs. Ruhelose Menschen, denen ein aktives Leben gefällt, die neue Dinge mögen und die eine unendliche Zahl von Leuten aus allen möglichen Bereichen kennen. Unternehmer, die rund um die Uhr hellwach sind. […] Luciano Liggio, das Oberhaupt der Corleoneser, war Gutspächter und verstand sich auf Landwirtschaft wie alle Corleoneser und wie die Grecos, die Bosse aus der Peripherie Palermos. Die Bontades z. B. betrieben u. a. Südfrüchtehandel. In der Cosa Nostra gab es immer viele Händler und Exporteure von Südfrüchten, heute sind auch zahllose Bauunternehmer und Aquisiteure öffentlicher Aufträge darunter. Cavataio war ein kleiner Bauherr, Rosario Spatola ein großer Bauunternehmer, einer der größten in Palermo. Einer der Vernengos hatte eine Fabrik für Kühleis. Gaetano Badalamenti hielt u. a. Kühe und verkaufte Käse. Viele andere waren Fuhrunternehmer, Ersatzteillieferanten für Kraftfahrzeuge, Metzger, Vieh-, Fisch,- oder Obsthändler. Nitto Santapaola begann als fahrender Schuhhändler und wurde schließlich Generalvertreter von Renault in Catania. Sein Bruder Salvatore hatte eine Rosticceria. Die Ferreras verkauften Mineralwasser und unterhielten Spielkasinos.(...) Sogar Priester sind dabei, wie etwa Padre Agostino Coppola. Er hat den Corleoneser-Boss Toto Riina mit Antonietta Bagarella getraut, während Toto im Untergrund lebte. Außerdem sind viele Ärzte und Rechtsanwälte dabei.“[3]
Auf Sizilien verfügt die dortige Mafia praktisch über ein illegales Gewaltmonopol, wenngleich sich im südöstlichen Sizilien eine konkurrierende Gruppe, die Stidda, gebildet hat. Die Beziehung zur "normalen" Kriminalität sind zwiespältig; einerseits rekrutiert die Cosa Nostra häufig aus ihren Reihen die fähigsten, andererseits bekämpfte die Organisation die „unerwünschte“ Kriminalität lange Zeit. Zuhälter, Diebe und auch Triebtäter wurden hart bekämpft; dies ging durchaus bis zum Mord. So ließ der mächtige Boss Stefano Bontade Ende der 1970er Jahre alle Diebe in dem von ihm beherrschten Territorium eliminieren. Nach dem Zweiten Mafiakrieg wurde diese Politik auf Anweisung der Corleoneser jedoch für viele Jahre aufgegeben. Dies geschah angeblich in der Hoffnung, die Polizei, Staatsanwälte und Gerichte derart mit der „normalen“ Kriminalität zu beschäftigen, dass für eine wirksame Bekämpfung der Organisation die Zeit und Ressourcen fehlten.
Seit den 1960er Jahren vertreibt die Cosa Nostra den Großteil des Heroins in Amerika und Europa; auch ein Teil des europäischen Kokainmarktes wird von ihr betrieben, wenn auch die ’Ndrangheta hier inzwischen klar führend ist und circa 80% des europäischen Kokainhandels kontrolliert.[4] Durch den internationalen Drogenhandel hat sich eine internationale Arbeitsteilung herausgebildet, in der die Cosa Nostra, die neapolitanische Camorra, die kalabresische ’Ndrangheta und Banden anderer Länder zusammenarbeiten, da offensichtlich der gesamte organisatorische Komplex von Ernte der Drogen, Logistik und Vertrieb durch eine Gruppe nicht mehr zu bewältigen ist. Von den späten 1970er bis Mitte der 1980er Jahre verarbeitete die Cosa Nostra das aus der Türkei und dem Vorderen Orient gelieferte Opium noch selbst; 1985 wurde jedoch das letzte Drogenlabor von Behörden in Alcamo entdeckt; seitdem ist man offensichtlich dazu übergegangen, das Heroin direkt in den Ursprungsländern im Mittleren Osten herzustellen. Die sizilianische Organisation, spezialisiert vor allem auf den Heroinhandel, tauscht seit den 1980er Jahren zudem auch Heroin mit den kolumbianischen Kartellen, die dafür im Gegenzug Kokain nach Europa liefern.
Der gesamte Erlös in Italien wird von der staatlichen Antimafia auf 100 Milliarden Euro geschätzt, was dem Doppelten des Umsatzes des Autokonzerns Fiat entspricht.[5]
[Bearbeiten] Organisation
[Bearbeiten] Struktur
Die Mitglieder der Organisation sind in so genannte Familien aufgeteilt, denen jeweils ein Capo/Boss vorsteht. Während zu Anfang des 19. Jahrhunderts die Mitgliedschaft in der originären sizilianischen Mafia auch gleichzeitig zur Mitgliedschaft in der US-amerikanischen Cosa Nostra qualifizierte, änderte sich dies in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und beide Organisationen gingen zunehmend getrennte Wege. Auf Sizilien wird sehr streng auf die Herkunft der Mitglieder geachtet; d.h. es sind grundsätzlich immer Sizilianer. In den USA konnte diese Trennung innerhalb der Gruppen nicht aufrechterhalten werden. So öffnete sich die Unione Siciliana schließlich auch dem Nicht-Sizilianer Al Capone, und Lucky Luciano arbeitete sowohl mit dem Kalabresen Frank Costello, wie auch mit Vito Genovese, der Neapolitaner war, als auch Nicht-Italienern zusammen. So gehörte der irische Auftragsmörder Frank Sheeran zu den wenigen, denen seitens des FBI die tatsächliche Mitgliedschaft in der US-amerikanischen Cosa Nostra zugerechnet wurde.
In den 1930er Jahren wurde erst in New York City dann auch landesweit eine ‚Kommission‘ geschaffen, die sich aus den Bossen der Familien bildete und gedacht war, um Streitigkeiten ohne interne Kriege zu lösen. Entsprechende Absprachen waren auch schon in Italien zwischen den dortigen Familien getroffen worden; aber erst 1957 wurde auf Grund der Notwendigkeit der Absprachen bezüglich des Heroinhandels in die USA eine Kuppel („cupola“) aus zunächst 12 Mitgliedern gebildet. Diese konnte allerdings die beiden großen Mafiakriege 1962/63 bzw. 1981–83 nicht verhindern. Seit dem Zweiten Mafiakrieg ist die Kommission kein demokratischer Verband mehr, sondern eine Institution, mit der die dominierende Fraktion ihren Willen in der gesamten Organisation durchsetzt.
Die verstärkte Zusammenarbeit der sizilianischen Mafia mit der US-amerikanischen Cosa Nostra auf Grund des Drogenhandels (über die Pizza Connection in den 1970er und 1980er Jahren) hat beide Segmente, die lange Zeit vollkommen unabhängig voneinander agierten, wieder enger zusammengeführt und das Ganze in gewisser Hinsicht zeitweise tatsächlich zu einer gemeinsamen Sache (it.: „Cosa nostra“ „Unsere Sache“) gemacht. Trotzdem unterscheiden sich die beiden Organisationen voneinander erheblich; die temporär sehr enge Zusammenarbeit kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass beide Organisationen über eine jeweils eigene Mentalität verfügen und sich in dieser von ihrem Pendant auch inzwischen deutlich unterscheiden. Vor allem der höhere Organisationsgrad der sizilianischen Cosa Nostra lässt diese ihrem amerikanischen Ableger gegenüber überlegen erscheinen.
[Bearbeiten] Hierarchien
Die Hierarchie in der sizilianischen Mafia, die sich allerdings amerikanisiert hat, d. h. der Terminus „Boss“ ist nun ebenfalls üblich, ähnelt in gewisser Weise dem Aufbau einer Römischen Legion bzw. ist der Armee des Römischen Reiches angelehnt:
- Comissione Interprovinciale (alle Capi Com., früher Kollegialorgan, seit den Corleonesi + Capo di tutti Capi)
- Comissione Provinciale + Capo Comissione (Provinzkomission mit allen Capi Mand. + Provinzrepräsentant)
- Capo mandamento (Repräsentant von je 3 cosche, Familien)
- Capofamiglia/ Rappresentante (Repräsentant der Familie, Boss)
- Consiglieri (mehrere Berater)
- Capodecina („Zehnerboss“, direkter Boss einer einzelnen Gruppe von bis zu zehn „Ehrenmännern“)
- Soldati/Picciotti (normale Mitglieder/„Ehrenmänner“)
Eine Mitgliedschaft in der Cosa Nostra ist weiterhin eine von außen nicht leicht feststellbare Angelegenheit. Da das Gebot des Schweigens – die Omertà – aber zunehmend von den Mitgliedern der Mafia selbst gebrochen wurde, hat sich die Informationslage für Außenstehende deutlich verbessert. Auch als Nicht-„Pentito“ schriftliche Belege über die Cosa Nostra anzufertigen, wird als Todsünde gewertet; so wurde 1969 der Tod von Michele Cavataio u. a. auch deshalb beschlossen, weil er die Clans von Palermo und deren wichtigste Vertreter auf einem Lageplan verzeichnet hatte.
„Schriftliches, oder gar Mitgliederlisten, kämen der Mafia nie in den Sinn; eine Bürokratie wie bei der P2 ebenfalls nicht; sie würde die Flexibilität und Wandelbarkeit des Clans nicht nur stören, sondern wohl total zerstören“
– Werner Raith [6].
[Bearbeiten] Die Familien
Die Cosa Nostra ist fast in allen Städten Siziliens beheimatet. Am stärksten vertreten ist sie im westlichen Sizilien in der Provinz Palermo, Provinz Trapani und der Provinz Agrigent; in Ostsizilen, in der Provinz Messina, ist ihre Präsenz dagegen sehr schwach, ebenso wie in den Provinzen Ragusa und Syrakus. Diese drei Provinzen sind auch nicht in der Interprovinzialkommission, in der Cosa Nostra selbst meist nur ‚Region‘ genannt, vertreten. Bis zum Ende der 1970er Jahre war die Cosa Nostra in den genannten drei Provinzen fast nicht existent; in den 1980er Jahren expandierte die Familie von Catania dann aber in diese Regionen.
„Auf einer Skala von eins bis zehn: Palermo 10, Agrigent 8, Trapani 8, Caltanisetta 6, Catania 4.“
– Tommaso Buscetta zur Gewichtung der einzelnen Provinzgruppen[7].
In der Stadt Palermo gibt es – was sonst unüblich ist – nicht nur eine, sondern mehrere Familien. In praktisch jedem Stadtteil operiert eine Familie. Die sizilianischen Familien sind immer nach ihrem Standort benannt, im Normalfall der Stadt, in der sie beheimatet sind. In Palermo ist der jeweilige Stadtteil Namensgeber der Familie. Dort existieren auch viele sehr kleine Familien, die unter der Oberherrschaft einer größeren stehen; ein Beispiel hierfür ist Uditore, das in der Vergangenheit häufig unter der Oberherrschaft von Passo di Rigano stand – von Mitte der 1970er Jahre bis zum Zweiten Mafiakrieg 1981 wurde beide Familien sogar von Angehörigen derselben Blutsfamilie geleitet; die stärkere Familie Passo di Rigano wurde von Salvatore Inzerillo, die von Uditore von seinem Vater Giuseppe Inzerillo geführt. Ein anderes Beispiel ist das Hafenviertel La Kalsa, das eng mit Santa Maria di Gesu verbunden war und ist. Die Einflussgebiete der größeren Familien in Palermo sind jedoch auch einem Wandel unterworfen und ändern sich. Insgesamt gibt es in ganz Sizilien 181 Familien, die etwa 5500 Mitglieder zählen.[8]
Die sizilianischen Familien, soweit bekannt:
- Provinz Palermo:
- Alia, Altavilla, Altofonte, Bagheria, Belmonte Mezzagno, Bisacquino, Bolognetta, Borgetto, Baucina, Caccamo, Caltavuturo, Camporeale, Carini, Castelbuono, Casteldacccia, Castronuovo di Sicilia, Cefalù, Cefala Diana, Cinisi, Collesano, Corleone, Gangi, Godrano, Lercara Friddi, Marineo, Mezzojuso, Misilmeri, Monreale, Montelepre, Montemaggiore Belsito, Partinico, Piana degli Albanesi, Petralia, Prizzi, Roccamena, San Cipirello, San Giuseppe Jato, San Mauro Castelverde, Sferracavallo, Termini Imerese, Terrasini, Torretta, Trabia, Vicari, Villabate, Villafrati
- Stadt Palermo (Stadtteile):
- Acquasanta, Altarello di Baida, Arenella, Boccadifalco, Borgo Molara, Borgo Vecchio, Brancaccio, Capaci, Ciaculli, Corso Calatafimi, Corso dei Mille, Cruillas, Guadagna, La Kalsa, Mezzo Monreale, Noce, Pagliarelli, Palermo-Zentrum (nach dem Ersten Mafiakrieg für einige Jahre aufgelöst), Partanna Mondello, Passo di Rigano, Porta Nuova, Resuttana, Roccella, San Lorenzo, Santa Maria di Gesu, Tommaso Natale, Torretta, Uditore, Vergine Maria, Villagio S. Rosalia
- Provinz Agrigent:
- Agrigent, Allesandria della Rocca, Aragona, Burgio, Caltabellotta, Campobello di Licata, Canicatti, Cattolica Eraclea, Cianciana, Favara, Licata, Menfi, Palma di Montechiaro, Porto Empedocle, Racalmuto, Raffadali, Ribera, Sambuca di Sicilia, San Giovanni Gemini, Santa Elisabetta, Santa Margherita di Belice, Santo Stefano Quisquina, Sciacca, Siculiana
- Provinz Caltanissetta:
- Caltanisetta, Campofranco, Gela, Mazzarino, Mussomeli, Riesi, San Cataldo, Vallelunga, Villalba
- Provinz Catania:
- Bronte, Calatabiano, Catania, Giarre, Maniace, Palagonia, Ramacca, Scordia, Paternó, Adrano,
- Provinz Enna:
- Barrafranca, Calascibetta, Catenanuova, Centúripe, Enna, Piazza Armerina, Nicosia, Valguarnera, Villarosa
- Provinz Messina:
- Barcelona Pozzo di Giotto, Capo d’Orlando, Messina, Mistretta, Santo Stefano di Camastra, Tortorici
- Provinz Ragusa:
- Modica, Pozzallo, Ragusa, Scicli;
- Provinz Trapani:
- Alcamo, Campobello, Castelvetrano, Castellammare del Golfo, Custonaci, Gibellina, Marsala, Mazzara del Vallo, Paceco, Partanna, Salaparuta, Salemi, Santa Ninfa, Trapani, Valderice, Vita
- Italienisches Festland:
- Neapel
[Bearbeiten] Die Geschichte der Cosa Nostra
[Bearbeiten] Entstehung der Cosa Nostra
Wann die Cosa Nostra wirklich entstand, ist umstritten und wohl nicht mehr sicher festzustellen. Es gibt viele Legenden über ihren Ursprung – der erste ‚Pentito‘, Tommaso Buscetta, gab eine innerhalb der Organisation sehr populäre Version an, nach der die Cosa Nostra bereits im Mittelalter als Aufstandsbewegung gegen die französische Fremdherrschaft entstand. Der Wahrheitsgehalt dieser folklorehaften Geschichten darf jedoch stark bezweifelt werden. Es ist anzunehmen, dass sich die Cosa Nostra in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts im Westen Siziliens bildete; zudem ist es sehr wahrscheinlich, dass sich viele ‚Familien‘ zeitgleich und unabhängig voneinander formierten. Ihr wahrscheinlicher Ursprungsort ist wohl in der Provinz Palermo zu suchen, wo fast die Hälfte aller Familien der Cosa Nostra operieren und sich die Existenz einiger Familien auch sehr weit in das 19. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Die Cosa Nostra entstand wohl im postfeudalen Sizilien, wo ein schwacher Staat nicht völlig in der Lage war, Recht und Gesetz durchzusetzen. In diesen Jahrzehnten wurde diese geheimnisvolle Geheimgesellschaft oftmals noch mit naiven romantischen Ideen verklärt; hierher rührt wohl auch der Irrtum, die Mafia/Cosa Nostra sei anfangs vollkommen ‚gut‘ gewesen und hätte sich erst in den folgenden Jahrzehnten zu einer bösartigen, kriminellen Organisation modernisiert. Dass dies ganz und gar nicht der Realität entspricht, zeigen viele Berichte aus jener Zeit über das eindeutig kriminelle Wesen der Cosa Nostra. Von Anfang an gehörten Schutzgelderpressung und Mord zu ihrem Repertoire.
Im Jahr 1838 schrieb der oberste Staatsanwalt von Palermo, Pietro Calá Ulloa, dass „das Volk zu einer stillschweigenden Übereinkunft mit Verbrechern gekommen ist“.[9] 1865 wurde der Begriff ‚Mafia‘ erstmals öffentlich erwähnt, obwohl auch noch Begriffe wie ‚Sekte‘ oder ‚Bruderschaft‘ verwendet wurden. Der Baron Niccolò Turrisi Colonna beschrieb 1864 eine „Sekte von Dieben“, die politische Protektion in vielen Regionen Siziliens geniesse, sich untereinander nur durch spezielle Gesten zu erkennen gebe, und einen Ehrenkodex namens `Umilta´ pflege.[1]
Die Aktivitäten der Organisation konzentrierten sich in ihrer Anfangszeit vor allem auf den Rinderdiebstahl, Schmuggel, Entführungen und die Gewährung von Schutz für die weit verbreiteten Zitrusplantagen in der `Conca d´Oro´um Palermo herum. Am 1. Februar 1893 beging die Cosa Nostra zum ersten Mal einen Mord, der weit über Sizilien und Italien hinaus für Aufsehen sorgte: Im Zug von Termini Imerese nach Palermo wurde Emanuele Notarbartolo mit 27 Messerstichen ermordet. Notarbartolo war Großgrundbesitzer und drei Jahre Bürgermeister von Palermo gewesen; in dieser Zeit hatte er als einer der ersten die Cosa Nostra bekämpft. Danach wurde er Präsident der Bank von Sizilien; ab 1890 war er Privatmann. Seinen Kampf gegen die ‚ehrenwerte Organisation‘ setzte er auch hier fort, indem er sich beispielsweise weigerte Männer anzustellen, die der Cosa Nostra angehörten; als er drohte, die weitgehende Korruption innerhalb der Leitung der Bank von Sizilien offenzulegen, wurde er ermordet. Ein Prozess vor Gericht fand erst sieben Jahre später statt (in Mailand); überhaupt wurde die Aufklärung des Mordes verschleppt und immer wieder sabotiert – ein erstes Zeichen für die Fähigkeit der Cosa Nostra, hohe öffentliche Stellen zu korrumpieren, was sie bis heute erfolgreich praktiziert.
[Bearbeiten] Die Cosa Nostra unter Mussolini
1922 errang die faschistische Bewegung die Macht in Italien. Nachdem die Mafia im 19. Jahrhundert noch sozialromantisch verklärt wurde, änderte sich diese Haltung unter dem faschistischen Regime; ab 1926 wurde die Mafia gnadenlos bekämpft. Dabei ging es dem ‚Duce‘ Benito Mussolini vor allem darum, die uneingeschränkte Autorität des Staates zu sichern. Mussolini entsandte den „eisernen Präfekten“ Cesare Mori nach Sizilien, der mit allen Mitteln des autoritären faschistischen Staates gegen die Mafia vorging. Tausende – oft auch zu Unrecht Verdächtigte – wurden auf kleine Mittelmeerinseln verbannt oder ins Gefängnis geworfen; häufig geschah dies auch ohne Prozess. Die Familien lösten sich unter dem Verfolgungsdruck auf. Viele „Ehrenmänner“ flohen in die USA, andere nach Tunis, wo es damals eine große italienische Gemeinde gab. Auch hier entstand jetzt eine ‚Familie‘, die dort bis in die 1940er Jahre hinein aktiv war.[3]
[Bearbeiten] Wiederauferstehung
Nach der Landung der Alliierten 1943 auf Sizilien, die wahrscheinlich auch unter Mithilfe der Cosa Nostra erfolgte, entstand die Organisation neu. Italien – vor allem der schwach entwickelte Süden des Landes mit Sizilien – war am Ende des Zweiten Weltkrieges wirtschaftlich vollkommen am Boden. 1945 war Italiens Bruttosozialprodukt auf dem Niveau von 1911 und die Reallöhne waren auf 26,7 Prozent des Wertes von 1913 gefallen [10]. Eine starke Staatsmacht fehlte nach wie vor und auf Sizilien gab es Bestrebungen, sich vom Rest des Landes zu lösen und die Unabhängigkeit zu erreichen. In diesen chaotischen Zuständen ernannten die Amerikaner viele Capos zu Bürgermeistern kleiner Orte im Landesinneren, darunter auch den mutmaßlichen capo di tutti capi, Calogero Vizzini. Die Amerikaner suchten nach Gegnern des Faschismus und des Kommunismus und lokalen Autoritäten, mit denen sie zusammenarbeiten konnten, um die Ruhe sicherzustellen und einen schnellen reibungslosen Übergang zur Demokratie zu ermöglichen; dabei fanden sie Hilfe in wichtigen Mafiagrößen, die ihnen vor Ort als ‚einflussreiche und ehrbare Männer‘ und Respektspersonen vorgestellt worden waren. Die guten Beziehungen mancher „Ehrenmänner“ zur katholischen Kirche wirkten sich hierbei ebenfalls positiv aus. Viele Flüchtlinge kehrten nun zurück und überall auf Sizilien entstanden die alten Familien neu, die bald wieder fest in der Gesellschaft verankert waren. Die Cosa Nostra organisierte in den Anfangsjahren vor allem den Schwarzmarkt. Der Schmuggel mit diversen Gütern wie Kaffee und Zigaretten blühte auf. Die Cosa Nostra nahm erneut ihre Position als Beschützer der Großgrundbesitzer und Garant der bestehenden Ordnung ein. Entschieden wandte sich die Organisation in der Folge gegen die kommunistischen Bewegungen und die Gewerkschaften. In den ländlichen Gebieten Siziliens, wo diese vor allem unter den Bauern Fuß zu fassen suchten, kam es in den Nachkriegsjahren immer wieder zu blutigen Zusammenstößen und Morden. Zwischen 1945 und 1965 wurden auf Sizilien insgesamt 41 Vertreter der Bauernbewegungen ermordet.[11] Die Cosa Nostra ging in dieser Zeit ein enges Bündnis mit der Democrazia Cristiana ein, die sich als die dominante Partei im politischen Italien bis zum Ende des Kalten Krieges etablieren konnte. In den fünfziger und sechziger Jahren profitierte die Cosa Nostra von diesen guten Verbindungen, als es zur sogenannten "Plünderung Palermos" kam, bei der die alten denkmalgeschützten Gebäude der Innenstadt verfielen und statt dessen im Umland Palermos oftmals illegale billige Wohnviertel errichtet wurden. Die Cosa Nostra, die die Ländereien kontrollierte, verdiente dabei sowohl indirekt durch den geleisteten Schutz wie auch direkt durch eigene Baufirmen.
[Bearbeiten] Die Kuppel
Vom 10. bis 14. Oktober 1957 fand, wahrscheinlich durch Joseph Bonanno organisiert,[1] ein Treffen zwischen sizilianischen und US-amerikanischen Mafiosi im Grand Hotel des Palmes und im Restaurant Spano in Palermo statt. Teilnehmer waren führende Bosse sowohl der amerikanischen als auch der sizilianischen Organisation. Angeblich war als Gast auch der amerikanische Entertainer Frank Sinatra anwesend, dem zeitlebens Verbindungen zur Mafia nachgesagt wurden. Es wurden Absprachen getroffen, um den größten Drogenhandel mit Heroin aufzuziehen, den es bis dahin gegeben hatte. Um künftig wirksam Streitigkeiten zu vermeiden und durch Verhandlungen zu lösen, wurde nun in Palermo ebenfalls wie in den USA eine „Kommission“, auch „cupola“ (it.: Kuppel) genannt, aus zwölf Mitgliedern gebildet, deren ersten Vorsitz der in der Cosa Nostra sehr geachtete Salvatore Greco übernahm und nicht einer von den von Lucky Luciano favorisierten LaBarbera-Brüdern. (siehe auch Sizilianische Mafia-Kommission) Als Ergebnis des Treffens wurde es den Sizilianern erlaubt, die von ihnen gelieferten Drogen – gegen Zahlung einer prozentualen Abgabe – in den USA selbst vertreiben zu dürfen. Den amerikanischen Mafiosi wurde der Drogenhandel verboten, um allzu viel Aufmerksamkeit von Seiten der Strafbehörden zu vermeiden. Allerdings hielten sich Vito Genovese, Carmine Galante und andere nicht an diese Vereinbarung, da der Drogenhandel riesige Gewinnspannen ermöglicht.
[Bearbeiten] 1958
Corleone, eineinhalb Autostunden von Palermo entfernt im Landesinneren gelegen, war lange eine der gewalttätigsten Städte der Welt, zwischen 1944 und 1948 wurden über 150 Morde verzeichnet. Von 1953 bis 1961 verlor Corleone (weniger als 20.000 Einwohner) 1,5 Prozent der Bevölkerung durch Bandenmorde; es wurden 52 Morde sowie 22 versuchte Morde innerhalb Corleones verzeichnet, dazu kommen noch die Opfer der "lupara bianca". Im Nachkriegs-Sizilien war eine Gegend nördlich von Corleone auch als das Todesdreieck berüchtigt. Die Eckpunkte dieses Dreiecks bilden die Städte Casteldaccia, Altavilla Milicia sowie Bagheria, wie Corleone eine berüchtigte Hochburg der Cosa Nostra. 1958 zeigte sich dort, dass die Cosa Nostra im Begriff war, sich zu verändern und sich stetig weiter modernisierte. Am 2. August 1958 tötete Luciano Liggio – eigentlich Leggio – auf der Straße von Lercara Friddi nach Corleone den Chef der Corleoneser Mafiafamilie Doktor Michele Navarra. Mit Navarra zusammen starb ein mit ihm befreundeter unbeteiligter Arzt, der ihn auf der Fahrt begleitet hatte. Der Mord war nach amerikanischem Vorbild mit Maschinengewehren ausgeführt worden. Er zeigte erstmals die Kaltschnäuzigkeit und Skrupellosigkeit Liggios und seiner treuen Gefolgsleute. Dem Mord vorhergegangen war ein Konflikt zwischen dem aufstrebenden machthungrigen Liggio und Navarra, der seit 1943 die Geschicke der Familie von Corleone geleitet hatte. Liggio hatte in den Jahren zuvor eine Gruppe ehrgeiziger junger Männer um sich versammelt. Zu diesen gehörten vor allem seine spätere rechte und linke Hand Salvatore Riina, genannt „u curtu“ („der Kurze“ aufgrund seiner geringen Körpergröße von 1,58 Metern) und Bernardo Provenzano, auch bekannt als „u tratturi“ (Der Traktor). Beide wurden in den Medien später als „die Bestien“ bekannt. Außerdem gehörten Calogero und Leoluca Bagarella, Giuseppe Ruffino, Giovanni Pasqua sowie Salvatores Riinas Onkel Giacomo zu diesem Kreis. Nach dem Mord an Navarra wurden dessen Gefolgsleute bis auf einige wenige Ausnahmen, denen es gelang, aus Corleone zu fliehen, in einem Jahre andauernden Krieg ebenfalls liquidiert. Diese Vorgehensweise war innerhalb der Cosa Nostra eher ein Novum; bei früheren kleineren Kriegen innerhalb der Cosa Nostra endete der Konflikt gewöhnlich mit dem (gewaltsamen) Tod eines der Anführer der beiden Parteien. Liggio und seine Leute dagegen töteten alle, die sich vor Beginn des Kampfes nicht auf ihre Seite gestellt hatten; im Zweiten Großen Mafiakrieg sollte sich dies in einem noch weit größerem Maßstab wiederholen. Auf die Zeitung L´Ora, die einen Bericht über Liggio und seine Anhänger mit der Überschrift `Pericoloso´ (`Gefährlich´) herausgab, wurde zwei Tage später ein Bombenanschlag verübt, der die Redaktionsräume verwüstete. Die Familie entstand unter Liggios Führung neu, der seine Aufmerksamkeit bald auf Palermo richtete und seinen Einfluss dort stetig zu erweitern suchte. Die Corleonesi hatten viele Eigenarten, so gaben sie als einzige Familie in der Cosa Nostra die Namen ihrer ‚soldati‘ niemals den anderen Familien bekannt und ihre Bosse hielten sich andauernd im Untergrund auf – unsichtbar sowohl für die Justiz als auch ihre Gegner in der Organisation.
[Bearbeiten] Erster Großer Mafiakrieg 1962–1963 und 1969
[Bearbeiten] Ausbruch
1962 brach der – später als Erster Großer Mafiakrieg bezeichnete – Konflikt innerhalb der Mafia Palermos aus. Äußerer Auslöser war ein nicht planmäßig verlaufener Drogendeal eines Konsortiums, zu dem sowohl die mächtigen und sehr traditionsreichen Grecos aus Ciaculli und Croceverde Giardini als auch die La Barberas gehörten. Offenbar war in Brooklyn weniger Heroin angekommen, als die Italiener eingeschifft hatten und der Verdacht fiel letztendlich auf den Boss Calcedonio Di Pisa, der jedoch von dem Verdacht durch die „Cupola“ freigesprochen, aber trotzdem am 26. Dezember 1962 auf der Piazza Principe di Camporeale in Palermo erschossen wurde. Dieser Mord wurde nun den La Barbera-Brüdern angelastet, da diese mit dem Freispruch unzufrieden gewesen waren. Angeführt von den Grecos, vereinten sich die palermitanischen Familien gegen die Familie aus Palermo-Zentrum, die von den Barberas angeführt wurde. In der Folge wurden viele Soldaten der Familie Palermo-Zentrum getötet, ebenso wie einige Soldaten der gegnerischen Palermoer Familien; in Palermo gingen mehrere Autobomben hoch; niemand bekannte sich jedoch zu diesen Anschlägen. Bei einem dieser Anschläge starb der Boss der Familie von Cinisi, Cesare Manzella; einem weiteren Attentat fiel der Vize-Repräsentant der Familie von Santa Maria di Gesù, Bernardo Diana zum Opfer. Innerhalb der Cosa Nostra von Palermo herrschte Chaos, da niemand sicher wusste, wer für die Anschläge verantwortlich war.
[Bearbeiten] Hintergrund
Der Krieg brach nur wenige Wochen nach dem natürlichen Tod von Lucky Luciano aus, der am 26. Januar 1962 auf dem Flughafen von Neapel einem Herzanfall erlag. Eine Theorie besagt, Angelo La Barbera und Salvatore La Barbera hätten den Krieg nun begonnen, um den Nachweis zu führen, ohne amerikanische Hilfe auskommen zu können. Die wirklichen Motive des Krieges waren vermutlich komplizierter, als ein einfacher Konflikt zwischen den aufstrebenden Barberas und der alten Mafia-Dynastie der Grecos. Laut Tommaso Buscetta und Antonino Calderone waren der Mord und die nachfolgenden Bombenattentate durch Michele „Die Cobra“ Cavataio angeordnet worden. Cavataio, Capo der Familie aus dem Stadtteil Acquasanta in Palermo, war zwar Verbündeter der Grecos, hatte aber Mitte der 1950er Jahre das Ringen um den Großmarkt von Palermo mit diesen verloren. Laut Tommaso Buscetta stand hinter den La Barberas und später Cavataio ein Bündnis vopn Bossen aus dem Nordwesten Palermos, die sich gegen die wachsende Macht der Kommission widersetzten; diese wurde in der Hauptsache von den Bossen aus dem Südosten Palermos unterstützt.[1] Die wahren Hintergründe dieses Krieges bleiben jedoch unklar und sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Wie es später auch beim Zweiten Mafiakrieg der Fall war, kann man auch hier annehmen, dass auch einige alte Rechnungen und Streitigkeiten nun geklärt wurden.
[Bearbeiten] Folgen
Im Laufe des Krieges wurde Salvatore La Barbera getötet und sein Bruder Angelo verletzt. Dieser wurde später im Gefängnis erstochen. Verhandlungen blieben jedoch ohne Ergebnis. Beim „Massaker von Ciaculli“ (1963) [12] wurden sieben Carabinieri von einer Autobombe getötet; diese war eigentlich für Salvatore Greco bestimmt, explodierte jedoch als Carabinieri das Auto untersuchen wollten. Daraufhin wurde der italienische Staat in der Öffentlichkeit für seine Untätigkeit heftig kritisiert. Wie immer, wenn er in den Massenmedien und der öffentlichen Meinung kritisiert wurde, wurde der Staat nun aktiv; ein Muster, welches sich in folgenden Jahrzehnten wiederholen sollte.
Zahlreiche Mafiosi wurden verhaftet, unter anderem auch Giuseppe Genco Russo, der noch die alte Mafia repräsentierte und inzwischen eine Randfigur war. Viele flohen ins Ausland. Salvatore Greco „das Vögelchen“, dem die Bombe galt, legte den Vorsitz der Kommission nieder und floh nach Venezuela. Tommaso Buscetta, der spätere Kronzeuge und Pentito floh zunächst über die Schweiz nach Kanada; später ging er nach Brasilien. Der Capo der Familie von Corso Catalafimi, Mario Di Girolamo, emigrierte dauerhaft nach Deutschland und baute dort ein Import-Export Geschäft für Südfrüchte auf. Der Krieg kam zum Stillstand. Die „Cupola“ wurde vorübergehend aufgelöst und viele „Ehrenmänner“ setzten sich zunächst auf das Festland ab. Die Tätigkeit der Palermoer Mafia kam völlig zum Stillstand. Laut Aussage von Antonino Calderone wurde in folgenden Jahren in Palermo nicht einmal mehr Schutzgeld eingetrieben. Unter den Flüchtlingen waren auch Leonardo Cuntrera und seine Brüder sowie Pasquale Caruana und dessen Verwandte. Durch mehrere Hochzeiten festigten sich diese beiden Clans und spielten in den 1980er Jahren eine bedeutende Rolle im internationalen Drogenhandel. Sie bildeten das Verbindungsglied zwischen Sizilien und den südamerikanischen Drogenkartellen.
Praktisch die gesamte „Cupola“ ließ sich in den sechziger Jahren auf dem Festland nieder: Luciano Liggio aus Corleone; Stefano Fidanzati, der Schieber aus Acquasanta; Gerlando Alberti, der Boss der Danisinni; Gaetano Badalamenti, der neue Patriarch von Cinisi; die Gebrüder Rimi aus Alcamo; die Buccellatos aus Castellammare del Golfo; die Coppolas aus Partinico. Die Mafia mischte im florierenden Baugeschäft mit und erhielt durch Korruption zahlreiche öffentliche Aufträge, z. B. für den Bau von Siedlungen in Palermo.
Als die öffentliche Meinung sich beruhigte und Themen wie der Linksterrorismus aktuell wurden, ließ auch die Entschlossenheit des Staates nach. Das System der Korruption und Begünstigung setzte sich wieder durch. 1969 gingen die ersten großen Prozesse gegen die Cosa Nostra mit einem Triumph für diese zu Ende: Fast alle Angeklagten wurden freigesprochen. Darauf beschlossen Salvatore Greco und Stefano Bontade, Boss der größten und mächtigsten palermitanischen Mafiafamilie von Santa Maria di Gesú, Rache an Cavataio zu üben. Innerhalb der Cosa Nostra war es nun allgemeiner Konsens, dass Cavataio der Hauptverantwortliche für den Krieg 1962/63 war. Zudem galt er vielen als unberechenbar, dies auch, weil er schriftliche Beweise über die Existenz der Cosa Nostra mit sich trug. Cavataio hatte auf einem Stadtplan von Palermo die dort ansässigen Familien samt ihrer wichtigsten Mitglieder notiert; allein dieser schwere Verstoß gegen das Schweigegebot galt den anderen Bossen „als erdrückender Beweis für Cavataios Wahnsinn“.[3] Der Plan fand bei anderen wichtigen Bossen wie Gaetano Badalamenti, Boss von Cinisi, Luciano Liggio und Giuseppe di Cristina aus Riesi seine Zustimmung. Beim „Massaker in der Viale Lazio“ am 10. Dezember 1969 wurde Cavataio schließlich ermordet. Dem Killerkommando gehörten einige namhafte Mafiosi der damaligen Zeit an: Bernardo Provenzano, der Cavataio tötete, sowie der dabei von Cavataio erschossene Calogero Bagarella für die Corleoneser; für Bontades Familie Emanuele D’Agostino und Gaetano Grado, für Di Cristina Damiano Caruso. Geleitet wurde die Aktion von Salvatore Riina. Diese personelle Zusammensetzung war auch, wie bei allen wichtigen Aktionen die die Cosa Nostra unternimmt, von symbolischer Bedeutung. Repräsentiert waren die damaligen wichtigsten drei Familien (Cinisi/Santa Maria di Gesu/Corleone), sowie die von Riesi, einer Stadt im Herzen Siziliens, womit gezeigt werden sollte, dass es sich nicht nur um eine Tat der Familien Palermos, sondern der gesamten Cosa Nostra handelte. Mit dem Tod von Cavataio endete der Konflikt; die Familie „Palermo-Zentrum“, die von den Barberas kontrolliert worden war, wurde aufgelöst.
[Bearbeiten] Die 1970er Jahre
Nach dem Attentat auf Cavataio wurde die Cosa Nostra provisorisch von einem Triumvirat aus den damaligen mächtigsten Anführern geleitet, das aus Gaetano Badalamenti, Stefano Bontade und Luciano Liggio bestand. Mitte der 1970er Jahre wurde auf Initiative – vor allem von Giuseppe Calderone – dem Boss der Familie aus Catania, auch eine interprovinzielle Kommission gegründet. Diese war zwar formell höher gestellt als die palermitanische „Cupola“, bestätigte in der Regel jedoch nur dort bereits getroffenen Entscheidungen. Die wahre Macht innerhalb der Cosa Nostra lag fast immer in der Provinz Palermo, dort, wo sie wohl auch entstanden und am stärksten präsent ist. 1970 war die Cosa Nostra am misslungenen Putsch des rechtsgerichteten Fürsten Junio Valerio Borghese, des „schwarzen Prinzen“, beteiligt. Laut mehreren Pentiti wurde die Cosa Nostra von den Putschisten kontaktiert, um ihre Mithilfe zu erreichen. Die Bosse sagten zu, sich aktiv zu beteiligen, ohne dem jedoch wirklich nachkommen zu wollen. Als Gegenleistung sollten die inhaftierten Ehrenmänner mit einer signifikanten Straferleichterung rechnen können. Wenige Stunden bevor der Putsch beginnen sollte, wurde er jedoch abgeblasen.
Wirtschaftlich war die Cosa Nostra Ende der 1960er am Boden und hielt sich durch den Zigarettenschmuggel von Neapel nach Sizilien über Wasser. Die Corleonesi organisierten zudem Entführungen als weitere Einnahmequelle, was von anderen Familien größtenteils abgelehnt wurde. Der lukrative Drogenhandel wurde nun im größeren Maßstab als zuvor neu organisiert; auf ganz Sizilien wurden geheime Labors errichtet. Anfangs wurden noch Chemiker der ehemaligen French Connection aus Marseille zur Verfeinerung des Morphins eingesetzt, doch bald übernahmen die Sizilianer auch diese Aufgabe. Einer der Begabtesten unter ihnen war der spätere „Pentito“ Francesco Marino Mannoia aus Stefano Bontades Familie.
Auch infolge des Handels mit Drogen und Zigaretten expandierte die Cosa Nostra auf das italienische Festland, insbesondere nach Neapel, wo sie eng mit der Camorra zusammenarbeitete. Stefano Bontade gründete je eine ‚Decina‘ seiner Familie in Neapel und Mailand, Giuseppe „Pippo“ Calò, Boss der Familie des palermitanischen Stadtteils Porta Nuova, eine in Rom, und Luciano Liggio errichtete seine Stützpunkte in Bologna, Rom, Neapel und Mailand, wo er sich anfangs der 1970er Jahre unerkannt aufhielt. Mithilfe der Pizza Connection (siehe auch La Cosa Nostra: Die Pizza Connection) etablierte sich die Cosa Nostra in den USA, wo sie bald auch auf die US-amerikanische La Cosa Nostra einen nicht unbedeutenden Einfluss ausübte. Der Heroinhandel brachte dann Ende der 1970er Jahre jedes Jahr mehrere hundert Millionen Dollar ein. Um diese riesigen Summen ‚waschen‘ zu können, benutzte die Cosa Nostra internationale Finanziers wie Michele Sindona und Roberto Calvi. Als deren Bankenimperien zusammenbrachen, wurden sie liquidiert; Sindona starb an einem mit Zyanid vergifteten Espresso, Calvi wurde 1982 in London erhängt unter der Blackfriars-Bridge gefunden.
Da der neu erworbene Reichtum aber sehr ungleichmäßig verteilt war, kam es langfristig zur Verschärfung bestehender Konflikte und auch zu untergründigen Spannungen innerhalb der Familien. Viele Familien waren vom Drogenhandel praktisch ausgeschlossen, andere, wie die von Gaetano Badalamenti und Salvatore Inzerillo, geführten Familien, dagegen sehr stark involviert. Die Macht der Organisation wuchs, während immer noch viele bezweifelten, dass sie überhaupt existierte. Äußerlich funktionierte die Organisation wie gewohnt, allerdings begann die Cosa Nostra sich in den 1970er Jahren in zwei Flügel zu spalten, die in Opposition zueinander standen. Auf der einen Seite standen die eher Gemäßigten um das Bündnis Badalamenti-Bontade-Inzerillo, auf der anderen Seite standen die unheimlichen Corleoneser, die vor allem mit den traditionsreichen und mächtigen Grecos aus Ciaculli, den Madonias aus Vallelunga und den Bruscas aus San Giuseppe Jato verbündet waren. Die Bruscas zählten zu Liggios ältesten Verbündeten und gehörten wie die Corleoneser selbst zur Mafia der ländlichen Teile Siziliens. Obwohl Corleone nicht weit entfernt von Palermo liegt, hat es einen dörflichen Charakter; die Corleoneser fühlten sich zur ländlichen Mafia gehörig und haben zu dieser immer eine sehr starke Affinität gehabt – auch fanden sie unter den kleineren Familien der ländlichen Mafia ihre stärksten Unterstützer. Während die beiden anderen Mitglieder, Badalamenti und Bontade, inhaftiert waren bzw. in Verbannung auf dem Festland lebten, war Liggios Stellvertreter Riina der alleinige Vertreter des Triumvirats. In dieser Zeit sammelte er kontinuierlich Informationen über die einzelnen Clans und deren interne Verhältnisse, während er selbst nur sehr wenig über die Corleoneser preisgab.
Gegenüber dem Staat nahmen die Corleoneser eine sehr viel unnachgiebigere Haltung ein als die Vertreter der gemäßigteren Fraktion. Sie scheuten auch den offenen Konflikt mit dem Staat nicht und ab der zweiten Hälfte der 1970er Jahre fielen regelmäßig engagierte Ermittler den mit militärischer Präzision durchgeführten Attentaten zum Opfer. 1977 wurde der Oberst der Carabinieri Giuseppe Russo nahe Corleone ermordet. Am 26. Januar 1979 wurde der Kriminalreporter des Giornale di Sicilia, Mario Francese, in Palermo erschossen, am 9. März 1979 der Sekretär der Democrazia Cristiana von Palermo, Michele Reina, am 21. Juli 1979 der Chef der Polizei von Palermo Giorgio Boris Giuliano und am 25. September der Ermittlungsrichter Cesare Terranova. Im Jahre 1980 ermordeten die Corleoneser Piersanti Mattarella, den Präsidenten der Region Sizilien, sowie den Nachfolger Giorgio Boris Giulianos, Capitano Emanuele Basile. All diese Morde begangen die Corleoneser, ohne die anderen Familien vorher zu informieren und meistens im Territorium anderer Familien, was beides laut den eigenen Gesetzen der Cosa Nostra verboten war. Um zu demonstrieren, dass sie ebenfalls ohne Absprache hochrangige Vertreter des Staates ermorden konnten, ließ Salvatore Inzerillo, Boss von Passo di Rigano in Palermo, mit Einverständnis Stefano Bontades am 6. August 1980 den Generalstaatsanwalt von Palermo Gaetano Costa ermorden.
Anfang 1974 wurde die „Kommission“ schließlich regulär neu aufgebaut und die neue „Cupola“ regierte wieder von Palermo aus. Alle zwei Jahre wurde ein Vorsitzender bestimmt. Der erste neue Vorsitzende war Badalamenti. Dessen Macht schwand Mitte der 1970er Jahre; 1975 wurde er als Vorsitzender der Kommission abgewählt und durch „den Papst“ Michele „Il Papa“ Greco ersetzt. Im Laufe der 1970er Jahre bauten die Corleoneser ihr Bündnis weiter auf; es gelang ihnen vor allem in den kleinen Städten in den Provinz Palermo, aber auch in den Provinzen Trapani und Agrigent Unterstützer zu finden. Pippo Calò, vormals ein Verbündeter Bontades in Palermo, lief zu dieser Zeit zu den Corleonesi über. Auch andere „Ehrenmänner“ bemerkten, dass sich die Machtverhältnisse langsam aber sicher verschoben und schlossen sich ebenfalls den Corleonesi an, die nach der Verhaftung Liggios in Mailand 1974 von Salvatore Riina geführt wurden. Die Corleoneser unterwanderten zusätzlich die gegnerischen Familien, denn viele von deren Mitgliedern schlossen sich ihnen heimlich an. Innerhalb der Cosa Nostra kam es zu einem beständigen Wetteifern zwischen den beiden Fraktionen. 1978 wurden die beiden bedeutenden Bosse Giuseppe di Cristina aus Riesi und Giuseppe Calderone aus Catania kurz nacheinander ermordet. Beide waren wichtige Verbündete Bontades außerhalb von Palermo. An ihre Stelle traten Leute, die mit den Corleonesern verbündet waren, wie Nitto Santapaola, der nun die Regentschaft über die Familie von Catania übernahm. Im Jahr davor war Badalamenti aus der Cosa Nostra ausgeschlossen worden. Nachdem die Kommission und fast ganz Sizilien unter ihrer Kontrolle und auch viele ihrer wichtigsten Gegner außerhalb Palermos ausgeschaltet waren, waren die Corleoneser nun zum Angriff auf Palermo und ihre eigentlichen Opfer Stefano Bontade und Salvatore Inzerillo bereit.
[Bearbeiten] Zweiter Großer Mafiakrieg 1981–1983
Der Zweite Große Mafiakrieg auf Sizilien ist in Italien auch als ‚mattanza‘ (die ‚blutigen Ernten‘) bekannt. Das Bündnis der "Corleonesi" setzte sich in einem blutigen Krieg, der wohl mehr als 1000 Menschen das Leben kostete, gegenüber den traditionellen Palermitaner Familien (Achse Bontade-Inzerillo-Badalamenti) durch und errang die Vorherrschaft. Wie bereits 1958 in Corleone schaltete der militärische Arm das wirtschaftlich und politisch weit mächtigere Handelssyndikat der Organisation aus. 150 offizielle Opfer zählte man im Jahre 1981, 120 im Jahre 1982, 130 im Jahre 1983. Dazu kommen über 500 Entführte, die spurlos verschwanden; sie wurden umgebracht, ihre Leichen versteckt, in Säure aufgelöst oder in tiefe Schluchten im Landesinnern geworfen; Lupara Bianca wird dies im Mafiajargon genannt. In den Jahren 1982 und 1983 ereignete sich in Palermo durchschnittlich alle drei Tage ein Mafia-Mord. Palermo wurde zentraler Schauplatz eines Machtkampfs zwischen zwei Fraktionen, unterteilt in 40 Gruppen.
Die Corleonesi gingen dabei selbst für Mafiaverhältnisse äußerst brutal vor und führten einen regelrechten Vernichtungsfeldzug: Ganze Clans wurden nahezu ausgelöscht und auch Unbeteiligte und entfernte Verwandte ermordet, um mögliche Racheakte von vornherein zu verhindern. Alle, die sich ihrem Herrschaftsanspruch entgegenstellten, wurden systematisch ermordet. Unterstützt wurden sie dabei auch durch Verräter aus den ‚Verliererfamilien‘, die sich heimlich den Corleonesi angeschlossen hatten. Aus den fast dreijährigen blutigen Machtkämpfen gingen die Corleonesi als Vertreter der dynamischen Landmafia gegenüber der städtischen Mafia Palermos als Sieger hervor.
[Bearbeiten] Beginn
Die „Mattanza“ begann am Abend des 23. April 1981 in Palermo mit der Ermordung von Stefano Bontade, der auch als „Fürst von Villagrazia“ bezeichnet wurde. Bontade war der Capo der größten und mächtigsten Mafiafamilie Siziliens, die über zahlreiche Verbündete verfügte, wie u. a. der Familie der Inzerillos, DiMaggios und Gambinos aus Passo di Rigano, welcher auch der reiche Bauunternehmer und Drogenhändler Rosario Spatola angehörte. Tatwaffe eines der Täter war eine AK 47, der Schütze war Pino „Scarpuzzedda“ Greco; dieselbe Waffe geführt von Greco wurde bei weiteren Aufsehen erregenden Morden benutzt- sie diente sozusagen als eine Art symbolische ‚Signatur‘.
Das zweite hochrangige Opfer des Krieges war Salvatore Inzerillo, Boss der Familie von Passo di Rigano und ein guter Freund und engster Verbündeter von Stefano Bontade. Inzerillo wurde am 11. Mai 1981 erschossen, als er gerade in seinen kugelsicheren Wagen einsteigen wollte. Wieder konnte die gleiche AK-47 als Tatwaffe nachgewiesen werden. Da die Gegenpartei nun führerlos war und die Orientierung verloren hatte, wurden nun mit nicht erwarteter Leichtigkeit systematisch die Angehörigen der „Verliererfamilien“ ermordet. Wie ihr Anhänger Antonino Giuffre bekannte, hatten sich die Corleoneser für ihren Feldzug gut vorbereitet und „eine detaillierte Studie, um Distrikt für Distrikt herauszufinden, wer Bontade nahestand (durchgeführt)...um dann mit deren systematischer Eliminierung fortzufahren.“[13] Zudem hatten die Corleoneser die Namen ihrer Ehrenmänner immer geheimgehalten und beständig neue junge Mitglieder rekrutiert, die ihren Gegnern völlig unbekannt waren. Giovanni Falcone schrieb später in seiner Anklageschrift für die Maxi-Prozesse: „Die wahre Stärke der Corleoneser liegt in ihrer fast absoluten Kontrolle der Provinz Palermo. Sie haben Männer überall und wir kennen diese nicht. Dies erlaubt es ihnen, jederzeit eine Geisterarmee zur Verfügung zu haben, die in der Stadt auftaucht, mordet und dann wieder unbehelligt verschwindet.“[13] Am 9. Juni 1981 wurde auch der langjährige Boss der Familie vom Corso dei Mille, Francesco Di Noto, getötet. Sein sofortiger Nachfolger wurde Filippo Marchese, ein Verbündeter der Corleoneser. Da Michele Greco den Vorsitz der Kommission innehatte, konnte er Kraft seines Amtes die (zunächst provisorischen) Nachfolger der ermordeten Bosse selbst auswählen und dafür Sorge tragen, das nur loyale Anhänger der Corleoneser an die Spitze nachrückten; diese neu ernannten Oberhäupter wiederum unterbanden jeglichen koordinierten Widerstand.
Santo Inzerillo, der Bruder Salvatore Inzerillos, der sich zu Friedensverhandlungen mit der Fraktion der Corleoneser traf, wurde bei diesem Treffen erwürgt. In Palermo wurden die übrig gebliebenen Mitglieder der Verliererfamilien ermordet. Auch ihre männlichen Verwandten, die Väter, Söhne, Brüder, Vettern, Onkel und Neffen wurden systematisch gejagt und getötet. Betroffen davon waren nun auch die Familien von Palermo-Zentrum, Brancaccio, Uditore und Borgo. Einige Wochen später wurde in Cinisi Antonio Badalamenti, Cousin von Gaetano Badalamenti und sein Nachfolger als Boss der Familie, beseitigt; in den folgenden Wochen wurden die Soldaten der Familie Badalamentis, in Alcamo die einflussreichen Rimis und ihre Anhänger ermordet. In Trapani an der Westküste Siziliens, wurden der mit den Bontades traditionell eng verbündete Boss Salvatore Minore und seine ihm treuen Soldaten getötet; sein Nachfolger wurde Vincenzo Virga, der später einer der engsten Verbündeten Bernardo Provenzanos werden sollte. Auch in der Provinz Agrigent eliminierten die Corleoneser systematisch alle Widersacher. Giuseppe Settecasi, der 83-jährige, einflussreichste Boss in der Provinz Agrigent, wurde Mitte des Jahres 1981 ebenso ermordet wie Leonardo Caruana, Boss der Familie von Siculiana und Calogero „Gigino“ Pizzuto aus San Giovanni Gemini. In Cattolica Eraclea wurde der Boss der Familie mit den meisten seiner Untergebenen getötet. Carmelo Colletti, der Boss der Familie von Ribera, bemühte sich erfolglos um Verhandlungen. Die meisten „Ehrenmänner“ seiner Familie wurden ermordet und im Jahr 1983 wurde Colletti dann ebenfalls getötet. Ein Gegenangriff, ein versuchter Anschlag auf Pino Greco, schlug fehl; die Vergeltung kam sofort: Am 25. Dezember 1981 kam es zum „Weihnachtsmassaker von Bagheria“. In der Altstadt Bagherias wurden mehrere ranghohe Mitglieder der Cosa Nostra, unter ihnen Giovanni Di Peri, Boss der Familie von Villabate, sowie ein unbeteiligter Passant ermordet.
1982 verschwand Filippo Marchese, neuer Boss der „Corso-dei-Mille“-Familie in Palermo. Marchese war als sadistischer Psychopath bekannt, welcher seine Opfer eigenhändig im berüchtigten „Todeszimmer der Piazza Sant' Erasmo“ tagelang quälte, während der Folterungen angeblich masturbierte und Kokain inhalierte, sie dann mit der Garrotte erdrosselte, die Leichen in Säure auflöste und die Überreste in der Kanalisation Palermos entsorgte.
„Obwohl Marchese der Boss der Sippe war, erdrosselte er die meisten Opfer höchstpersönlich, oft aus nichtigen Gründen. Er war ein blutrünstiger Charakter und man hatte den Eindruck, dass es ihm Spaß machte, einen Menschen umzubringen; er verlangte, dass niemand bei dem Vorgang Gefühle zeigte.“
Anders als sein im Jahr zuvor ermordeter Boss Di Noto war Marchese mit den Corleonesern verbündet und mit seinem Mörder Pino Greco befreundet. Nach dem sich abzeichnenden Sieg war er jedoch für die Corleonesi nutzlos und aufgrund seiner psychopathischen Züge ein unnötiges Risiko. Alfio Ferlito, ein Verbündeter Bontades und Rivale Nitto Santapaolas in Catania, wurde zusammen mit seiner Polizeieskorte ermordet, als er vom Gefängnis zum Justizpalast überführt werden sollte.
Parallel zum Krieg gegen ihre Gegner innerhalb der Cosa Nostra führte das Corleoneser Bündnis auch einen Feldzug gegen die immer zahlreicheren Vertreter des Staates, die engagiert gegen die Cosa Nostra ermittelten; so wurden viele Carabinieri, Beamte und Politiker ebenfalls Opfer dieses Konflikts. Der prominente kommunistische Abgeordnete Pio La Torre, Vorsitzende der sizilianischen Fraktion der Kommunistische Partei Italiens, wurde mitten am Tag auf offener Straße im Zentrum von Palermo erschossen. Er hatte die Grundlagen des später nach ihm benannten Rognoni-La Torre Gesetzes ausgearbeitet, welches später ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens wurde. Am 11. August 1982 wurde der Gerichtsmediziner Paolo Giaccone erschossen. Die Corleoneser unter Führung Riinas wandten eine neue Strategie im Umgang mit dem Staat an: waren es zuvor Bestechung und politische Einflussnahme gewesen, wurden unbequeme Vertreter des Staates nun rücksichtslos liquidiert. All diese Morde sollten „dazu dienen, diejenigen auszuschalten, die gegen die Mafia arbeiteten, und denen, die nach ihnen kommen würden, eine Botschaft zukommen zu lassen, dass sie sich zurückhalten sollten, wenn sie nicht Gefahr laufen wollten, dasselbe zu erleben“.[14], wie es ein Mitglied der von den Grecos geführten Familie gegenüber einem libanesischen Drogenhändler und späterem Kronzeugen sagte. Aufgrund der bis dahin beispiellosen Bluttaten musste der italienische Staat auf den öffentlichen Druck reagieren. General Carlo Alberto Dalla Chiesa, der erfolgreich den Kampf gegen die terroristischen Roten Brigaden geleitet hatte und dadurch zum Nationalhelden geworden war, wurde Mitte 1982 nach Palermo abkommandiert. Dort wurde er nach nur vier Monaten zusammen mit seiner Frau und einem Leibwächter erschossen; dem Killerkommando gehörte erneut Pino Greco an. Am 14. November 1982 folgte die Ermordung von Calogero Zucchetto, einem Angehörigen der squadra mobile. In Trapani wurde Anfang des Jahres 1983 der Staatsanwalt Giangiacomo Montalto ermordet, im Juni in Mondello dann der Carabinieri-Oberst Mario D’Aleo. Der Oberste Staatsanwalt Siziliens, Rocco Chinnici, wurde zusammen mit seinen Leibwächtern und einer Anwohnerin am 29. Juli 1983 durch eine Autobombe getötet. Die „Mattanza“ ging unaufhaltsam weiter. Um die Hilflosigkeit des Staates vor Augen zu führen, wurden von den Corleonesi viele Leichen ihrer Opfer vor Polizeistationen und Kasernen abgelegt.
[Bearbeiten] Pentiti
Da die Lage für die Angehörigen der Verliererfamilien hoffnungslos und zunehmend verzweifelt war, sahen einige von ihnen keine andere Wahl mehr, als die Polizei als letzte Waffe gegen die siegreichen Corleoneser und ihre Verbündeten einzusetzen. Sie ließen der Polizei anonyme Briefe mit Hinweisen zukommen. Einer dieser unbekannten Informanten nannte als Grund für den Krieg den „Widerstand von Stefano Bontade und Salvatore Inzerillo gegen das Fußfassen der Corleoneser in Palermo“.[14] Auch die beiden Ehrenmänner Tommaso Buscetta, auch der „Boss der zwei Welten“ genannt, und Salvatore Contorno gerieten zunehmend unter Druck; sie waren mit Bontade eng befreundet und wurden jetzt erbarmungslos gejagt. Auf Contorno, einer der treuesten und besten Soldaten Stefano Bontades, wurden gleich mehrere erfolglose Attentate verübt; als diese scheiterten, wurden etwa 35 seiner Freunde und Verwandten ermordet, um ihm deren mögliche Unterstützung zu entziehen. Auch mehrere Verwandte Buscettas wurden ermordet, um ihm von einer Kooperation mit den Strafbehörden abzuhalten. Nach ihren Festnahmen durch die brasilianische bzw. die römische Polizei sagten beide als Kronzeugen gegen die Mafia aus. Dies führte 1986 dann zum zweiten großen Mafiaprozess, der in einem Hochsicherheitsbunker, der extra für diesen Prozess gebaut und von Panzern bewacht wurde, stattfand. In diesem Prozess gab es über 500 Angeklagte.
[Bearbeiten] Endphase
1983 ging der „Zweite Große Mafiakrieg“ nach der Liquidierung Rosario Riccobonos, der gleich zu Beginn des Krieges die Seiten gewechselt hatte, sowie von etwa 20 Personen aus seinem Clan in seine letzte Phase. Riccobono hatte seinen neuen Verbündeten, den Corleonesi, dabei geholfen, treue Soldaten Bontades wie Emanuele D’Agostino in die Falle zu locken. Nun war er nicht mehr von Nutzen und galt zudem Riina als ein unzuverlässiger Verbündeter. Im Juli 1983 wurde Carmelo Colletti in Ribera erschossen, im November Leonardo Infranco, der bisherige Boss der Familie von Santa Margherita di Belice; beide gehörten zu den letzten Vertretern der Bontade/Inzerillo-Fraktion, die noch an der Macht waren. Am Begräbnis Collettis „nahmen zehntausend Menschen teil, gut die Hälfte aller Einwohner in der Stadt“.[11]
Diejenigen Ehrenmänner, die ihre Bosse verraten hatten, überlebten dagegen und übernahmen als Belohnung für ihren Verrat sofort die Leitung ihrer Familien. Der einflussreiche Vize-Capo Pietro Lo Jacono, der seinen eigenen Boss Stefano Bontade verraten hatte, übernahm die Leitung der Familie von Santa Maria di Gesú, Salvatore Montalto, ehemals der Vize Salvatore Inzerillos in der Familie von Passo di Rigano, wurde neuer Boss der Familie von Villabate, während Salvatore Buscemi die Führung der Familie von Passo di Rigano zugesprochen bekam. Nach der Ermordung von Giuseppe di Maggio avancierte Giuseppe Savoca zum neuen Boss der Familie von Brancaccio, in Uditore übernahm Francesco Bonura die Leitung der Familie. Die Familie von Borgo wurde fortan von Salvatore Cucuzza angeführt, während Giovanni Corallo, ein enger Freund Pippo Calòs, die Familie von Palermo-Zentrum zugesprochen bekam.[15]
Der Verrat und die Hilfe wichtiger Männer der Verliererfamilien hatte es dem Bündnis der Corleoneser ermöglicht, einen totalen Sieg ohne eigene Verluste zu erringen. Der bedeutende Pentito Gaspare Mutolo äußerte sich in diesem Zusammenhang später so: „Wenn man von Mafiakrieg spricht, kann ich mir darunter nicht viel vorstellen; Mafiakrieg ist, wenn zwei oder mehr mafiose Familien sich bewaffnen und wissen, dass man gegen eine andere Gruppe von Personen kämpft. In Palermo hingegen hat es meiner Meinung nach, nach meinem persönlichen Empfinden, diesen Krieg nie gegeben; es hat einen Verrat gegeben.“[7]
Mitte der 80er wurden dann auch zu ehrgeizige Verbündete von den Corleonesern ausgeschaltet; vor allem ranghohe Verbündete aus der Familie von Ciaculli, seit fast einem Jahrhundert von den Grecos dominiert, wurden eliminiert. Die Angehörigen der Killerkommandos der vergangenen Jahre wie Pino Greco, Mario Prestifilippo, Vincenzo Puccio und auch viele andere stellten ein mögliches Risiko für eine unumschränkte Herrschaft der Corleoneser dar. Sie waren im Krieg nützliche Verbündete gewesen; jetzt stellten sie potenzielle zukünftige Rivalen dar und wurden nacheinander lautlos beseitigt.
[Bearbeiten] Folgen
Die Corleoneser erlangten durch ihren vollständigen Sieg eine bislang unbekannte totale Hegemonie über die gesamte Organisation. Das Leben innerhalb der Cosa Nostra wurde neu reglementiert. Die Oberhäupter der einzelnen Familien wurden häufig nicht mehr durch ihre Mitglieder demokratisch gewählt, sondern fortan von den Corleonesern ausgewählt. Die Grenzen der Mandamenti wurden neu gezogen, wovon die Angehörigen des Corleoneser Bündnisses profitierten. Riina ernannte zudem ‚Botschafter‘, die für ihn die Aktivitäten der anderen Familien kontrollierten. Mögliche Streitigkeiten zwischen den Familien wurden jetzt allein von den maßgeblichen Corleonesern entschieden. Zudem waren von nun an alle Familien verpflichtet, aus ihren erworbenen Gewinnen einen Prozentsatz an die Kommission abzuliefern. Die Kommission, ursprünglich auch erdacht als Instrument zum Schutz der einfachen Mitglieder vor der Allmacht der Bosse, wurde nun das Mittel, mit dem die vorherrschenden Corleoneser ihren Einfluss geltend machten und stetig ausbauten.
Die Einhaltung der Omertà wurde verschärft ausgelegt; den einzelnen Ehrenmännern wurde es verboten, mit Mitgliedern aus anderen Familien Kontakt zu halten; die Kontakte zwischen den Familien wurden dadurch stark beschränkt. Ausnahmen wurden nur für besonders vertrauenswürdige Ehrenmänner gemacht, die als Boten fungieren, und natürlich die Angehörigen der Kommission. Dies geschah auch, um den Schaden der „Pentiti“ möglichst gering zu halten. Aus nahezu allen größeren Familien wurden ein bis zwei ausgesuchte Ehrenmänner abgestellt, die direkt Riinas Kommando unterstanden und ausschließlich seine Befehle befolgten. Diese Gruppe von circa 50 ‚Soldati‘ beging in den folgenden Jahren auch größtes Aufsehen erregende Morde der Organisation. Den Vorsitz der Cupola/Kommission behielt Michele „Il Papa“ Greco; dabei war er jedoch eher ein Befehlsempfänger von Totó Riina und Bernardo Provenzano.
Aus der „Mattanza“ ging die Cosa Nostra laut den Worten von Giovanni Falcone: „stärker, kompakter, vereinter, hierarchischer, dichter und noch undurchsichtiger hervor denn je.“[16]
[Bearbeiten] Die Hegemonie der Corleoneser
[Bearbeiten] Die Anti-Mafia
Am 23. Dezember 1984 explodierte in einem Neapel und Mailand verbindenden Schnellzug eine Bombe, die 16 Tote und mehr als 200 Verletzte forderte. Dieser Terroranschlag war von Pippo Calò geplant worden, um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit von der Mafia hin zum Terrorismus zu lenken. Bereits im Januar 1984 war der Journalist und Schriftsteller Giuseppe Fava von den Corleonesern ermordet worden. 1985 wurden auch die leitenden Polizisten Beppe Montana und Ninni Cassarà kurz hintereinander ermordet; Cassarà und seine Leibwächter starben im Kugelhagel eines zwölfköpfigen Killerkommandos, dem auch Mitglieder der Kommission angehörten. In Rom konnte unterdessen Pippo Calò festgenommen werden, der sich dort seit Jahren unentdeckt aufgehalten hatte. 1986 wurde in Trapani auf den Ermittlungsrichter Carlo Palermo ein erfolgloser Bombenanschlag verübt, der das Leben einer Frau und ihrer beiden Kinder kostete; der Richter wurde daraufhin aus Trapani abgezogen.
Durch die Ermittlungen Falcones und die Aussagen von Tommaso Buscetta, Contorno, Mannoia, Calderone und später dann auch anderer ‚Pentiti‘ kam es zu den großen Mammutprozessen (Maxiprozess I–IV), die im Februar 1986 begannen und in denen hunderte Mafiosi wie Michele Greco, Pippo Calò oder Mariano Agate zu langen Haftstrafen verurteilt wurden. Erstmals wurde auch die Existenz der Cosa Nostra offiziell bestätigt und, nach amerikanischem Vorbild, auch die bloße Mitgliedschaft zu einer kriminellen Organisation unter Strafe gestellt. Da Teile der Organisation sich durch die christdemokratische Partei in zunehmenden Maße nicht mehr beschützt fühlte, boykottierte die Cosa Nostra zur Warnung bei den Wahlen 1987 die Christdemokraten und wählte auf Weisung Riinas an ihrer Stelle die Sozialisten.
Riina, Provenzano, Bagarella und andere wichtige Corleoneser blieben weiterhin flüchtig. Viele Politiker in Palermo verbreiteten nach den Mammutprozessen die Meinung, die Cosa Nostra sei nach den ‚Maxi-Prozessen‘ weitgehend besiegt und befinde sich im Sterben. Falcone und andere Ermittler bestritten das vehement, eine Einschätzung, die sich durch eine neue Attentatswelle bestätigte: Am 12. Januar 1988 wurde der ehemalige Bürgermeister von Palermo, Giuseppe Insalaco, ermordet. Er hatte während seiner Amtszeit die Korruption bekämpft und sich für Transparenz bei der Vergabe öffentlicher Aufträge eingesetzt. Nur zwei Tage später wurde der Polizist Natale Mondo ebenfalls in Palermo erschossen. Er war einer der Leibwächter von Ninni Cassarà gewesen und hatte das Attentat auf seinen Chef als einziger überlebt. Am 14. September 1988 wurde der inzwischen pensionierte Richter Alberto Giacomelli, der im Maxi-Prozess mitgewirkt hatte, in Trapani erschossen. Am 25. September wurde der Richter Antonio Saetta gemeinsam mit seinem Sohn ermordet; am folgenden Tag wurde der Links-Aktivist und Soziologe Mauro Rostagno erschossen. Im September 1990 wurde der Ermittler Rosario Livatino in Agrigent erschossen. Er war jedoch, wie sich durch Aussagen einiger Pentiti herausstellte, nicht durch die Cosa Nostra ermordet worden. Für den Mord verantwortlich war die Stidda, die sich in den 1980er Jahren im südlichen Sizilien gebildet hatte. Vor allem in und um die Städte Riesi, Agrigent, Barrafranca, Camastra und Gela sind ihre Hochburgen. Gegründet wurde die Stidda von überlebenden Verlierern der „Mattanza“. Die weniger straff organisierte Stidda wurde von der Cosa Nostra Anfang der 1990er Jahre erbittert bekämpft; dieser Krieg kostete in der Provinz Agrigent 300 Tote über einen Zeitraum von drei Jahren. Am 9. August 1991 wurde der Richter Antonino Scopelitti, der am Maxi-Prozess beteiligt gewesen war, während eines Urlaubs an der kalabrischen Küste ermordet. Den Mord hatte die `Ndrangheta als einen persönlichen Gefallen für Salvatore Riina ausgeführt. Nur wenige Wochen später, am 29. August 1991, wurde in Palermo der Unternehmer Libero Grassi erschossen, der sich geweigert hatte, Schutzgeld zu bezahlen und eine öffentliche Solidarbewegung gegen die Schutzgelderpressung ins Leben gerufen hatte.
Die Corleoneser schlossen zu dieser Zeit mit den Drogenkartellen Kolumbiens umfangreiche Vereinbarungen; der von Ermittlern als größter Kokainhändler der Welt bezeichnete Orlando Cediel Ospina Vargas lieferte in der Folge Kokain, welches nach Italien, Spanien und die Niederlande verschifft wurde. Innerhalb der Cosa Nostra führte Salvatore Riina weiter eine blutige autokratische Herrschaft. Der Corleoneser Leoluca Bagarella, zugleich Riinas Schwager, erklärte einem späteren Pentito: „Es riskieren nicht nur diejenigen, die sich offen gegen Riina stellen ermordet zu werden, sondern auch diejenigen, die etwas über Pläne gegen ihn oder über Männer die unzufrieden mit Riina sind erfahren und es ihm nicht unverzüglich mitteilen.“[13] Die Interprovinzialkommission Siziliens, die 1992 zusammentrat, bestand laut Aussage des Kronzeugen Leonardo Messina aus Salvatore Riina als Vertreter der Provinz Palermo, Nitto Santapaola für die Provinz Catania, Mariano Agate für die Provinz Trapani, Giuseppe Madonia für die Provinz Caltanissetta, Antonio Ferro für die Provinz Agrigent und Salvatore Saitta für die Provinz Enna.
[Bearbeiten] Krieg gegen den Staat
1992 scheiterten die Angeklagten der „Maxi-Prozesse“ in letzter Instanz mit einer möglichen Revision. Die Urteile wurden endgültig bestätigt und die inhaftierten Ehrenmänner sahen sich nun lebenslangen Haftstrafen gegenüber. Die Kommission trat daraufhin zu einer richtungsentscheidenden Sitzung in Enna zusammen; anwesend waren diesmal sowohl Toto Riina als auch Bernardo Provenzano, obwohl diese laut einer Abmachung sonst niemals gemeinsam auftraten. Während Provenzano eher abwarten agieren und Gegner wie Falcone mithilfe politischer Freunde versetzen lassen wollte, kam für Riina nur eine offene Konfrontation in Frage. Unter Riinas Führung erklärte die Cosa Nostra nun dem italienischen Staat den Krieg; Gaspare Mutolo erklärte die von Riina initiierte Entscheidung der Kommission so: „Es war Zeit für eine neue Strategie, eine Strategie der frontalen Konfrontation“.[14] Riina wollte durch seine terroristische Strategie den italienischen Staat zum Nachgeben zwingen; vor allem sollten das Zeugenschutzprogramm für die `Pentiti´ annulliert, die Ergebnisse der Mammutprozesse sowie die Beschlagnahmung der Vermögenswerte der Cosa Nostra rückgängig gemacht werden. Am 12. März wurde der christdemokratische Politiker Salvatore Lima, der – aus Sicht der Cosa Nostra – nicht willens oder in der Lage gewesen war, die Organisation wirksam vor staatlicher Verfolgung zu schützen, mitten in Mondello ermordet. Lima, zuletzt EU-Abgeordneter, war über Jahrzehnte die rechte Hand des siebenfachen Premierministers Giulio Andreotti gewesen, dem ebenfalls immer wieder Mafiaverbindungen nachgesagt wurden. Auch Ignazio Salvo, der sich ebenso wie Lima als unfähig erwiesen hatte die Organisation abzuschirmen, wurde kurz darauf erschossen.
Am 23. Mai 1992 wurde Giovanni Falcone gemeinsam mit seiner Frau und seiner Eskorte durch eine 400-Kilogramm-Bombe getötet. Wenige Monate vorher hatte er in einer Interview-Serie bereits gemutmaßt, dass neue Attentate zu erwarten seien:
„In der Cosa Nostra herrscht zur Zeit solch eine Spannung, eine Qual, um es gewagt auszudrücken, dass ein großes, spektakuläres Attentat auf einen Vertreter des Staates eine, in gewisser Weise, befriedigende Wirkung auf die beiden ‚Seelen‘ haben könnte, die sich um die Cosa Nostra streiten, nämlich die Palermer Seele, die Rache üben will, und die Corleoneser Seele, die 1982 der Hauptstadt das Ruder der Organisation entrissen hat.“
In Palermo kam es zum ersten Mal zu Solidaritätsbekundungen einer breiten Öffentlichkeit mit den Anti-Mafia- Kämpfern. Zum Nachfolger Falcones wurde Paolo Borsellino erkoren, dem weitreichende Befugnisse im Kampf gegen die Mafia in Aussicht gestellt wurden. Von einem Pentito erfuhr er, das auch auf ihn ein Attentat schon in Vorbereitung war: „Das Trotyl ist auch für mich angekommen.“[17] Am 19. Juli 1992 fielen auch Paolo Borsellino und fünf seiner Leibwächter einem Bombenattentat in der Innenstadt Palermos zum Opfer.
Nach den Morden an den beiden populären Ermittlern und Galionsfiguren im Kampf gegen die Mafia befand sich Italien in einem Schockzustand; die öffentliche Empörung über die bedenkenlose Brutalität, die die Cosa Nostra an den Tag legte, war ohne Beispiel. Auch innerhalb der EU wurden deutliche Bedenken wegen der exzessiven Gewalt der Mafia in Süditalien und der von ihr ausgehenden Bedrohung für die europäische Gemeinschaft laut geäußert. Der italienische Staat wurde, wie schon 1962 und 1982, durch den öffentlichen Druck praktisch gezwungen, nun endlich den Kampf gegen die Cosa Nostra entschlossen aufzunehmen. Dies tat er jetzt zum ersten Mal in seiner Geschichte mit seiner ganzen Kraft. Als erste drastische Maßnahme wurden 7000 Soldaten nach Sizilien geschickt, was praktisch einem Eingeständnis gleichkam, dass Italien die Kontrolle über die Insel verloren hatte. In den folgenden Monaten wurde die Zahl dann noch auf 20.000 Soldaten erhöht. Unabhängig von den regulären sizilianischen Carabinieri wurden römische Elite-Einheiten nach Sizilien verlegt, um den seit Jahrzehnten flüchtigen ‚Boss der Bosse‘ Toto Riina aufzuspüren. Maulwürfe wie der stellvertretende Geheimdienstchef Bruno Contrada wurden innerhalb der öffentlichen Dienste enttarnt. Sie hatten nicht nur wichtige Mafiosi vor der Verhaftung beschützt, sondern auch geholfen, die Attentate auf Falcone und Borsellino zu ermöglichen. Neue härtere Anti-Mafia-Gesetze wurden erlassen; unter anderem wurden die allgemeinen Haftbedingungen für die inhaftierten Bosse verschärft, um diese zu isolieren und es ihnen künftig unmöglich zu machen, die Familien aus dem Gefängnis heraus zu leiten. Nach amerikanischem Vorbild wurde auch ein italienisches FBI aufgebaut.
Einer der wichtigsten Verbündeten der Corleoneser, Mariano Agate, konnte Ende 1992 erneut verhaftet werden. Im Januar 1993 wurde dann endlich Toto Riina verhaftet; daraufhin gingen vor allem auf dem italienischen Festland mehrere Bomben in Museen, Kirchen, Justizgebäuden und auf öffentlichen Plätzen hoch, die dutzende Tote und Verletzte forderten. Zudem wurden bei einem Anschlag vor den Uffizien in Florenz mehrere unersetzliche Kunstgegenstände beschädigt und drei Gemälde aus dem 17. Jahrhundert zerstört. Nach der Festnahme Riinas übernahm sein Schwager Leoluca Bagarella gemeinsam mit Bernardo Provenzano das Kommando der Cosa Nostra; Bernardo Provenzano ließ sich zum neuen Boss der Familie von Corleone wählen. Innerhalb der Organisation machte sich eine zunehmende Unsicherheit breit, wie Giovanni Brusca nach seiner Festnahme aussagte: „Die ganzen Bosse verwalteten ihre Mandamenti so, wie sie es für richtig hielten. Es gab nicht mehr die gleiche Homogenität wie vorher, als – nun ja, man könnte ihn den Vater der Familie nennen – unser aller Capo da war.“.[9] Im Mai 1993 wandte sich Papst Johannes Paul II. bei einem Besuch auf Sizilien in einer öffentlichen Freiluft-Messe gegen die „Mafiakultur, eine Kultur des Todes“[1]; auch hierauf explodierten als Antwort der Cosa Nostra in mehreren römischen Kirchen Bomben und Mitte September des gleichen Jahres wurde auch ein Geistlicher, Padre Giuseppe Puglisi, vor seinem Haus erschossen. Am 16. Oktober scheiterte ein großer Terroranschlag, als der Zündmechanismus einer Bombe, die nach einem Fußballspiel zwischen Lazio Rom und Udinese Calcio vor dem Olympiastadion in Rom explodieren sollte, versagte. 1994 wurde der Boss der Familie von Catania, Nitto Santapaola, verhaftet; Riinas Schwager und kurzzeitiger Nachfolger Leoluca Bagarella und Giovanni Brusca, die auch beide am Attentat auf Giovanni Falcone maßgeblich beteiligt waren, konnten 1995 beziehungsweise 1996 verhaftet werden. Der neue aufstrebende Führer der Familie von Santa Maria di Gesù, Pietro Aglieri, wurde im Juni 1997 verhaftet. Ermöglicht wurde dies unter anderem auch durch eine Welle von neuen Pentiti wie beispielsweise Gaspare Mutolo und Salvatore Cancemi, die sich von der Terrorherrschaft Riinas über die Organisation abwandten. Weitere größere bereits geplante Anschläge, wie auf den Schiefen Turm von Pisa und auf die antiken Tempelanlagen von Selinunte, wurden nach diesen Verhaftungen aufgegeben.
[Bearbeiten] Reorganisation
Die Führung der Organisation übernahm nun Bernardo Provenzano. Er führte die Cosa Nostra zurück in die Anonymität; die Attentate auf Vertreter des Staates und die Bombenanschläge auf öffentliche Einrichtungen wurden komplett eingestellt. Provenzano leitete eine „Pax Mafiosa“ ein und stoppte auch erfolgreich die Welle der Aussteiger, indem er einerseits die Sozialleistungen der Organisation für ihre inhaftierten Mitglieder und Familienangehörigen erweiterte und andererseits die Morde an den Angehörigen der Pentiti verbot. Er fuhr innerhalb der Organisation einen sehr viel moderateren Kurs als seine beiden Vorgänger Riina und Bagarella und gestand den einzelnen Familien wieder mehr Eigenständigkeit zu. Auch schottete er die Organisation noch einmal stärker nach außen hin ab; die gängige Praxis der Corleoneser, ihre Mitglieder den anderen Familien nicht vorzustellen, wurde auf die gesamte Organisation übertragen. Neue Anwärter wurden noch stärker überprüft und eine Aufnahme oftmals sogar innerhalb der eigenen Familie verschwiegen. Die einfachen Soldaten kennen inzwischen nur noch ihre direkten Vorgesetzten, nicht aber den Boss ihrer Familie oder etwa den Capo-Mandamento. Durch diese Neustrukturierung gelang es Provenzano, die schwer angeschlagene Organisation wieder zu konsolidieren.
[Bearbeiten] 2002
Ein engagierter Vertreter der Theorie, wonach die Mafia ihre zentrale Rolle in Sizilien verloren haben soll, ist der sizilianische EU-Politiker Leoluca Orlando. Er war Bürgermeister von Palermo in den Jahren 1985–2000 [12]. Er stellt in seiner Autobiografie aus dem Jahr 2002 die These auf, dass die sizilianische Mafia weitestgehend aus dem öffentlichen Leben sowie aus der Politik ausgeschlossen werden konnte. Damit seien die schädlichen Jahre vorbei, in denen die palermitanische Mafia mit der Politik von Palermo verstrickt gewesen sei. Zudem sei die Bedrohung für die Bevölkerung verschwunden. Die Ära der politischen Morde sei vorbei. Ein Kulturwandel habe die Gesellschaft verändert. Ob diese optimistische Einschätzung sich bewahrheitet, ist unklar.
[Bearbeiten] Die letzten Jahre
Zwar konnte Bernardo Provenzano die Position der Cosa Nostra konsolidieren, der Druck durch die Behörden ließ aber in den vergangenen Jahren nur wenig nach. Das Hauptaugenmerk des italienischen Staates bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität liegt nach wie vor bei der Cosa Nostra, weniger bei der Camorra oder der ’Ndrangheta. Die ’Ndrangheta hat der Cosa Nostra inzwischen im Drogenhandel teilweise den Rang abgelaufen und importiert seit Ende der 1990er Jahre den Großteil des Kokains aus Kolumbien nach Italien und Europa. Die Cosa Nostra ist in den letzten Jahren enge geschäftliche Verbindungen zur ’Ndrangheta eingegangen.
Bernardo Provenzano kehrte im Gegensatz zu seinen Vorgängern Riina und Bagarella zu einem verbindlicheren Führungsstil zurück und führte die Organisation zusammen mit einem inoffiziellen Führungsgremium, welches aus acht Männern bestand: Salvatore Lo Piccolo aus Palermo, Matteo Messina Denaro aus Castelvetrano, Antonino Giuffrè aus Caccamo, Benedetto Spera aus Belmonte Mezzagno, Andrea Manciaracina aus Mazara del Vallo, Vincenzo Virga aus Trapani, Giuseppe Balsano aus Monreale sowie Salvatore Rinella aus Trabia. Dieses provisorische Führungsgremium trat anstelle der Kommission, da fast alle von deren Mitgliedern in Haft waren. Das Gremium trat auf Provenzanos Anordnung in unregelmäßigen Abständen zusammen und immer nur dann wenn wichtige Entscheidungen, die die gesamte Cosa Nostra betrafen, getroffen werden mussten. Im Januar und Februar 2001 konnten Benedetto Spera und Vincenzo Virga verhaftet werden. Im April 2002 stellte sich dann mit Antonino Giuffre, ein wichtiger Vertrauter Bernardo Provenzanos, der Polizei. Giuffre hatte Provenzano bei der Reorganisation der Cosa Nostra geholfen. Er war der erste hochrangige Kronzeuge seit Jahren und – bis Anfang 2009 – auch der vorerst letzte wirklich bedeutende Aussteiger. Anfang Dezember 2004 wurde Marcello dell’Utri, langjähriger Vertrauter und Wahlkampfmanager von Premierminister Silvio Berlusconi, wegen Kollaboration mit der Cosa Nostra rechtskräftig verurteilt. Am 11. April 2006 wurde der seit 1963 flüchtige Bernardo Provenzano in der Nähe von Corleone in einem Bauernhaus festgenommen. Dass dies nur einen Tag nach der Parlamentswahl, die Silvio Berlusconi eine knappe Niederlage bescherte, geschah, gab in den Medien sofort Anlass zu heftigen (unbewiesenen) Spekulationen.
Schon kurz vor Provenzanos Verhaftung waren innerhalb der Cosa Nostra wieder Spannungen zu erkennen. Diese waren erneut auf den Gegensatz zwischen der Fraktion der Corleoneser und der Cosa Nostra Palermos zurückzuführen. Nach der Verhaftung Provenzanos galten neben dem 44-jährigen Matteo Messina Denaro der 61-jährige Antonio Rotolo und der 65-jährige Salvatore Lo Piccolo als die einflussreichsten Persönlichkeiten der sizilianischen Cosa Nostra. Lo Piccolo und Rotolo, die beiden Statthalter Provenzanos in Palermo, standen sich zunehmend feindlich gegenüber. Anlass war die Rückkehr der überlebenden Inzerillos aus den USA nach 25 Jahren im Exil. Diese war mit den US-Familien ausgehandelt worden; als Gegenleistung sollten der Cosa Nostra erneute lukrative geschäftliche Rechte, beispielsweise im Immobilienmarkt, in den USA eingeräumt werden. Lo Piccolo plante offenbar auch eine Wiederbelebung der „Pizza Connection“, die schon in den 1970er Jahren von den Inzerillos und Gambinos maßgeblich aufgebaut worden war. Lo Piccolo, Nachfolger Rosario Riccobonos im nordwestlichen Palermo, erteilte seine Erlaubnis zur Rückkehr der Inzerillos. Rotolo dagegen fürchtete einen möglichen Rachefeldzug der Inzerillos gegen das Bündnis der Corleoneser. Kurz vor dessen Festnahme hatte Rotolo noch einen formellen Antrag an Bernardo Provenzano gestellt in dem er um Provenzanos Erlaubnis bat, Lo Piccolo umbringen zu dürfen. Rotolo, capo-mandamento von Pagliarelli und als führender Vertreter des Corleoneser Bündnisses, hatte sich mit Antonio Cinà (einem ehemaligen Vertrauten und Leibwächter Riinas) verbündet, um die Macht des Bündnisses über Palermo zu sichern. Am 20. Juni 2006 gelang den Behörden jedoch ein weiterer schwerer Schlag gegen die Organisation, bei der mehr als 40 Personen festgenommen wurden, unter ihnen auch 13 Bosse. Unter den Verhafteten befand sich auch Rotolo, der offenbar laut dem Antimafia-Ermittler Piero Grasso schon Vorkehrungen getroffen hatte, Lo Piccolo, seinen Sohn und Stellvertreter Sandro und deren engere Vertraute umzubringen und damit „der unangefochtene Boss in der Stadt Palermo zu werden“.[18]
Im August 2006 wurde in Tommaso Natale, Salvatore Lo Piccolos direktes Herrschaftsgebiet, sein Vertrauter Giuseppe D’Angelo von zwei Killern am hellichten Tag erschossen. Die Medien deuteten dies als einen direkten Angriff auf Lo Piccolos Autorität und eine Warnung. Im September 2006 verschwand der 72-jährige Bartolomeo Spatola. Dieser war ein Verbündeter der Corleoneser und Rotolos gewesen. Im Juni 2007 wurde der Boss von Porta Nuova, Nicola Ingarao, der ebenfalls ein enger Verbündeter Rotolos und der Corleoneser war, von zwei Killern erschossen. Nur wenige Wochen später, am 13. Juli 2007, wurde Giuseppe Lo Baido mit einer abgesägten Schrotflinte ermordet; dieser war bereits das vierte Mitglied der Corleoneser Fraktion, welches in kurzer Zeit ermordet wurde. Auftraggeber dieser Morde war höchstwahrscheinlich Lo Piccolo, der die Nachfolge Provenzanos als „Boss der Bosse“ anstrebte und dem nachgesagt wird, dass er die Dominanz des Bündnisses der Corleoneser brechen will. Lo Piccolo konnte jedoch gemeinsam mit seinem Sohn Sandro im November 2007 festgenommen werden.[19] Dies könnte nun bedeuten, dass entweder Messina Denaro, Domenico Raccuglia, Boss von Altofonte und Partinico, der Sohn Toto Riinas, Giovanni Riina, oder der Nachfolger Rotolos, Gianni Nicchi, die Führung der Cosa Nostra übernimmt. Da es seit einigen Jahren keine hochrangigen Pentiti mehr gab, ist die Situation innerhalb der Organisation jedoch sehr unklar und es handelt sich hier um reine Spekulationen. Alle genannten sind auch noch relativ jung. Zudem ist es auch sehr unsicher, ob die Organisation in Zukunft überhaupt noch von einem „Boss der Bosse“ gelenkt werden wird, da sie nach Provenzanos Regentschaft nicht mehr so stark zentralisiert ist wie noch während Riinas diktatorischer Herrschaft.
Anfang des Jahres 2008 wurde der christdemokratische Präsident der Region Sizilien, Salvatore Cuffaro, wegen Begünstigung der Cosa Nostra in erster Instanz zu fünf Jahren Haft verurteilt. Am 7. Februar 2008 wurde in einer gemeinsamen Aktion der italienischen und amerikanischen Behörden ein sich neu formender Drogenhandelsring zerschlagen und 77 Personen festgenommen; 13 weitere Personen sind flüchtig. Die Festgenommenen gehörten auf US-Seite zur Gambino-Familie; auf Sizilien wurden etwa 35 Angehörige der Familien von Passo Di Rigano, Boccadifalco, Cruillas und Toretta festgenommen, unter denen sich auch einige der aus dem Exil zurückgekehrten Inzerillos befanden. Die Gruppen versuchten offenbar, die alte Pizza-Connection wiederzubeleben.[20] Am 11. Juli 2008 nahmen die Behörden in Monreale Salvatore Parisi fest, einen der führenden Männer der Familie von Porta Nuova.
Am 16. Dezember 2008 gelang der italienischen Polizei ein weiterer Schlag gegen die Cosa Nostra. Nach Angaben der Carabinieri wurden bei mehreren Großrazzien in Palermo, anderen sizilianischen Städten und der Toskana insgesamt 89 Verdächtige festgenommen; diese planten offenbar, die Cosa Nostra strategisch neu auszurichten und die Kommission wieder neu aufzubauen.[21] Die Spaltung der Cosa Nostra in eine moderate Fraktion, repräsentiert von Provenzano, und die Fraktion der "Hardliner" um Riina und Bagarella, die sich bereits Mitte der 1990er Jahre angedeutet hatte, wurde erneut offenkundig. Ebenfalls festgenommen werden konnte der Boss der Familie von Porta Nuova, Gaetano Lo Presti, der in der neuen Kommission eine Führungsrolle für sich beanspruchte. Lo Presti erhängte sich nur wenige Stunden später in seiner Zelle, als ihm klar wurde, dass bereits seit Monaten seine Telefongespräche abgehört worden waren. Bei diesen Gesprächen hatte Lo Presti offen zu erkennen gegeben, dass er die Unterstützung des inhaftierten Salvatore Riina und dessen zweiten Sohnes Giuseppe Salvatore Riina (oder kurz Salvo) genieße, der wie sein älterer Bruder Giovanni ebenfalls einer der aufstrebenden Männer in der Cosa Nostra ist.[22]
[Bearbeiten] Siehe auch
- Ringvereine [1] (in Berlin zur Zeit der Weimarer Republik)
- Rudaj Organisation (albanische Mafia)
- Chicago Outfit (die US-amerikanische Sektion der Mafia in Chicago)
- West Side Irish Mob
- Medellín-Kartell (Medellín, Kolumbien)
- Cali-Kartell (Cali, Kolumbien)
- Mexican Mafia
- Mara Salvatrucha (amerikanischer Kontinent)
- Primeiro Comando da Capital (Brasilien)
Übrige Welt:
- Kosher Nostra (jüdische Mafia)
- Vory-V-Zakone (russische Mafia)
- Triade (China)
- Yakuza (Japan)
- Mafia (Sizilien, Italien)
- Cosa Nostra (Sizilien, Italien)
- Camorra (Kampanien, Italien)
- ’Ndrangheta (Italien, heutzutage global agierend)
- Sacra Corona Unita (Apulien, Italien)
- Stidda (Sizilien, Italien)
- Mobster (der Mafia, Cosa Nostra bzw. La Cosa Nostra zugehörige Person)
Capi:
Palermo: Stefano Bontate·Angelo La Barbera·Salvatore Inzerillo·Michele Greco·Giuseppe Calò·Salvatore "Ciaschiteddu" Greco·Michele Cavataio·Giuseppe Lucchese·Filippo Marchese
Corleone: Corleonesi Michele Navarra·Luciano Liggio·Salvatore Riina·Bernardo Provenzano·Leoluca Bagarella
Catania: Antonino Calderone·Giuseppe Calderone·Nitto Santapaola·Alfio Ferlito
Andere: Vito Cascio Ferro·Calogero VizziniGiuseppe Genco Russo·Cesare Manzella·Ignazio Salvo·Antonino Salvo·Gaetano Badalamenti·Matteo Messina Denaro·Salvatore Lo Piccolo·Mariano Agate·Giovanni Brusca· Benedetto Spera·Vincenzo Virga
Pentiti
Leonardo Vitale·Tommaso Buscetta·Totuccio Contorno·Giuseppe Di Cristina·Santino Di Matteo·Antonino Giuffrè·Leonardo Messina·Baldassare Di Maggio·Gaspare Mutolo
Weitere Lemma mit Bezug auf
Cosa Nostra Maxiprocesso di Palermo·Associazione di tipo mafioso·Alto Commissariato per la lotta alla mafia·Libera·Libera Terra·Centopassi·Sizilianische Mafia-Kommission· Todesdreieck·Pizza Connection· capo di tutti capi·Consiglieri
Personen:
Emanuele Notarbartolo·Placido Rizzotto·Carlo Alberto Dalla Chiesa·Peppino Impastato·Boris Giuliano·Giovanni Falcone·Paolo Borsellino·Pino Puglisi·Ninni Cassarà·Rocco Chinnici·Beppe Montana·Antonino Caponnetto·Libero Grassi·Piersanti Mattarella·Rosario Livatino·Giuseppe Fava ·Giorgio Boris Giuliano·Pio La Torre·Salvatore Lima·Cesare Terranova·Giulio Andreotti· Roberto Calvi· Salvatore Giuliano· Giuseppe Impastato· Giuseppe Insalaco ·Mauro De Mauro· Leoluca Orlando· Salvatore Pappalardo (Kardinal)·Carmine Pecorelli· Michele Sindona
Stragi/Blutbäder/Morde:
Strage Chinnici·Strage di Ciaculli·Strage di Viale Lazio·Strage della circonvallazione·Strage del Rapido 904·Strage di Capaci·Strage di via d'Amelio·Strage di via dei Georgofili
Weiteres:
Pizzo·Voto di scambio·Pizzino·Lupara bianca·Vittime di Cosa Nostra·Collusioni tra politica e mafia·Pizza connection· Cosa nostra americana·Quattro cavalieri dell'apocalisse mafiosa
[Bearbeiten] Literatur
Cosa Nostra (Sizilien):
- Anonymus: Mein Leben für die Mafia, Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg, 1989 ISBN 3-498-00027-6 – Die Autobiographie eines einfachen Fußsoldaten, in der auch viele bekannte Ehrenmänner wie Navarra oder Bontade erwähnt werden
- Pino Arlacchi: Mafia von innen – Das Leben des Don Antonino Calderone, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 1995 ISBN 3-596-12477-8 – Anschauliche Autobiographie von Antonino Calderone der Vizeboss der Cosa Nostra von Catania war; einige Kapitel sind der Herkunft und Struktur der Mafia gewidmet
- John Dickie: Cosa Nostra. Die Geschichte der Mafia, Frankfurt, Fischer (S.), 2006 ISBN 3-100-13906-2 – Buch über die Cosa Nostra von den Anfängen bis 2006
- Vincenzo Delle Donne: Falcone: Die Biographie – Leben und Tod im Kampf gegen die Mafia:, Ullstein, Frankfurt/Main, Berlin, 1993 ISBN 3-550-07193-0 – Biographie über Giovanni Falcone
- Giovanni Falcone & Marcelle Padovani: Inside Mafia, Herbig Actuell, München, 1992 ISBN 3-7766-1765-9 – Buch über die Cosa Nostra; dabei keine zusammenhängende Darstellung
- John Follain: The last Godfathers, Hodder&Stoughton, London 2008 ISBN 978-0-340-97919-8
- Lucio Galluzzo: Das gebrochene Schweigen. Tommaso Buscetta - Mafia-Capo und Verräter, Jugend und Volk, Wien-München 1994 ISBN 3-224-16088-8 - Darstellung der Lebensgeschichte Tommaso Buscettas
- Diego Gambetta: Die Firma der Paten: Die sizilianische Mafia und ihre Geschäftspraktiken, dtv, München 1994 ISBN 3-423-30417-0 - Analytische Darstellung der Cosa Nostra und ihrer Struktur
- Henning Klüver: Der Pate – letzter Akt, C. Bertelsmann, 2007 ISBN 978-3-570-00971-0 - Thema ist die Cosa Nostra, ihre Geschichte, aktuelle Situation und der Werdegang von Bernardo Provenzano
- Salvatore Lupo: Die Geschichte der Mafia, Patmos Verlag, Düsseldorf 2002 ISBN 3-491-96152-1 – Die Geschichte der Cosa Nostra
- Leoluca Orlando, Ich sollte der nächste sein, Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, Basel, Wien, 2. Auflage 2002 ISBN 3-451-27985-1 - Autobiographie des ehemaligen Bürgermeisters von Palermo
- Werner Raith: Parasiten und Patrone, Büchergilde Gutenberg, 1990 ISBN 3-7632-3737-2 – Buch über die sizilianische Cosa Nostra mit einigen Interviews von Soziologen und Ermittlern; teilweise mit kleineren Fehlern
- Petra Reski & Rita Atria: Rita Atria, eine Frau gegen die Mafia Hoffmann und Campe, 1996 ISBN 3-455-08596-2
- Claire Sterling: Die Mafia. Der Griff nach der Macht, Scherz Verlag, München, 1990 ISBN 3-502-17700-7 – Buch über den Aufstieg der sizilianischen Cosa Nostra
- Alexander Stille: Die Richter: Der Tod, die Mafia und die italienische Republik, C.H.Beck, München, 1997 ISBN 3-406-42303-5 – Darstellung der sizilianischen Cosa Nostra von ca. 1979 bis 1994 mit besonderem Augenmerk auf die Richter Falcone und Borsellino
[Bearbeiten] Weblinks
- Palermo, la mappa di Cosa Nostra – Eine Karte Palermos mit einer animierten Auflistung der wichtigen Mafia-Familien Palermos
- Von den Anfängen bis zur Gegenwart der Organisierten Kriminalität unter dem Schwerpunkt der Cosa Nostra
- www.organized-crime.de – Rezensionen verschiedener Bücher zum Thema Cosa Nostra in den USA und Italien
- ZEIT online, vom 19.08.2007 – Bericht über die Geschichte der Cosa Nostra; nicht fehlerfrei
- [2] – Palermos Bevölkerung organisiert sich gegen Schutzgeldzahlungen an die Cosa Nostra
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ a b c d e John Dickie: Cosa nostra: Die Geschichte der Mafia, Frankfurt a.M. 2006, Fischer Verlag, ISBN 978-3596-17106-4
- ↑ „Their Thing“ auf www.time.com (englisch)
- ↑ a b c Pino Arlacchi: Mafia von innen – Das Leben des Don Antonino Calderone, Frankfurt a. M. 1995, Fischer Verlag, ISBN 3-596-12477-8
- ↑ Move over, Cosa Nostra, The Guardian, 8. Juni 2006
- ↑ „Italiens größtes Unternehmen: Die Mafia GmbH“ auf www.tagesschau.de
- ↑ Werner Raith: Parasiten und Patrone; Büchergilde Gutenberg 1990, S. 111, ISBN 3-7632-3737-2
- ↑ a b Salvatore Lupo: Die Geschichte der Mafia, Patmos Verlag, Düsseldorf 2002 ISBN 3-491-96152-1
- ↑ Letizia Paoli: Mafia Brotherhoods, Oxford University Press, 2003 ISBN 978-0195157246
- ↑ a b Henning Klüver: Der Pate – letzter Akt, C. Bertelsmann, 2007 ISBN 978-3-570-00971-0
- ↑ Sergio Ricossa: Italy 1920–1970, 1973, Fontana Verlag, ISBN 978-0006336112
- ↑ a b Diego Gambetta: Die Firma der Paten: Die sizilianische Mafia und ihre Geschäftspraktiken, dtv, München, 1994 ISBN 3-423-30417-0
- ↑ a b Leoluca Orlando: Ich sollte der nächste sein, 2002, (ISBN 3-451-27985-1)
- ↑ a b c John Follain: The last Godfathers, Hodder&Stoughton, London 2008 ISBN 978-0-340-97919-8
- ↑ a b c d Alexander Stille: Die Richter: Der Tod, die Mafia und die italienische Republik, C.H.Beck, München, 1997 ISBN 3-406-42303-5
- ↑ Lucio Galluzzo: Das gebrochene Schweigen. Tommaso Buscetta - Mafia-Capo und Verräter, Jugend und Volk, Wien-München 1994 ISBN 3-224-16088-8
- ↑ a b Giovanni Falcone: Inside Mafia, Herbig Actuell, München 1992 ISBN 3-7766-1765-9
- ↑ Vincenzo Delle Donne: Falcone: Die Biographie – Leben und Tod im Kampf gegen die Mafia:, Ullstein, Frankfurt/Main, Berlin, 1993 ISBN 3-550-07193-0
- ↑ Mafia ‚on its knees‘ as suspected bosses held, The Independent, June 21, 2006
- ↑ [http://www.tagesschau.de/ausland/mafia14.html
- ↑ http://www.repubblica.it/2008/01/sezioni/cronaca/operazione-palermo-ny/palermo-ny-english/palermo-ny-english.html
- ↑ Artikel auf euronews.net
- ↑ http://www.welt.de/vermischtes/article2896006/Mafia-Boss-erhaengt-sich-in-seiner-Zelle.html

