Couvent des Cordeliers (Paris)

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Das Couvent des Cordeliers oder Couvent des frères mineurs (Kloster der Minderen Brüder) war ein im Jahr 1230 in Paris gegründetes Kloster, dessen römisch-katholische Ordensgemeinschaft (ordo fratrum minorum) sich an der von Franziskus von Assisi verfassten Ordensregel orientierte. (für die Ordensregel siehe: Franziskanische Orden)

Die in grobes graues Tuch gewandeten Brüder dieses Bettelordens wurden nach der Kordel, mit der sie ihre weite Kutte zusammenschnürten, die Cordeliers (Kordelträger) genannt, woher sich der Name des Klosters ableitete, das sich auf dem Gelände der heutigen École de Médecine im 6. Arrondissement befand. Nach der Farbe ihres Gewandes wurden sie auch als frères gris oder graue Brüder bezeichnet.

Francisco de Herrera der Ältere:
Der heilige Bonaventura tritt dem Orden der Minderen Brüder bei (1628)

Lage[Bearbeiten]

Das Kloster entstand außerhalb der 1195 von König Philipp-August errichteten Stadtmauer auf einem Grundstück der in den Feldern vor den Toren der Stadt gelegenen Abtei St. Germain-des-Prés, das Abt Eudes den Minderen Brüdern überlassen hatte.[1] Es war im Westen von einem südwärts führenden Weg (heute rue Monsieur le Prince[2]) begrenzt und im Nordwesten durch den Vorplatz der Klosterkirche. Durch diesen führte später eine Straße, die nach der Reform des Ordens (1502) den Namen rue de l’Observance (heute rue Antoine Dubois) annahm. Die nordöstliche Grenze bildete ein früherer Feldweg, die spätere rue des Cordeliers (heute rue de l’École de Médecine), wo der Klostereingang lag. Diese Straße verband das Stadttor Porte Saint-Germain (heute N° 87 Boulevard Saint-Germain) mit der rue de la Harpe (heute Boulevard Saint-Michel), bis zu welcher sich der Klosterbezirk erstreckte.

Gebäude[Bearbeiten]

Teilansicht der Klosteranlage im Jahr 1793
Der Klosterkreuzgang im Jahr 1793

Vom Kloster ist einzig das spätgotische Gebäude aus dem Ende des 15. Jahrhunderts erhalten, das im Erdgeschoss den Speisesaal und darüber den Schlafsaal der Mönche beherbergte. Es ist – abgesehen von andernorts erhaltenen Klosterkirchen – eines der seltenen Zeugnisse mittelalterlicher Klosterarchitektur in Paris. Das Gebäude beherbergt seit 1835 das der Anatomie gewidmete Musée Dupuytren.

Der ursprüngliche Klosterkreuzgang bestand bis zum Jahr 1877. Er wurde anlässlich der Errichtung eines Krankenhauses in Anbetracht seines schlechten Zustandes abgetragen und unter Verwendung der alten Substanz originalgetreu wieder aufgerichtet.

Nach dem Klosterplan von 1774 [3] erhob sich zwischen dem Kreuzgang und der rue des Cordeliers die mächtige dreischiffige, sechzehnjochige und nach Südosten ausgerichtete Klosterkirche hinter deren Apsis sich das Refektorium erstreckte. Etwas weiter östlich stand die Theologieschule, an welche sich mindestens zwei mit ihren Giebeln zur rue de la Harpe gekehrte Häuser anschlossen, die von dort auch zugänglich waren. Eines dieser Häuser hatte 1620 die bereits 1604 von Heinrich IV. in den großen Saal des Kreuzganges überführte königliche Bibliothek aufgenommen.[4] An der rue de la Harpe grenzte der Klosterbezirk im Norden an die Kirche Saint-Côme-et-Saint-Damien, im Süden an das Collège de Justice. Den übrigen südlichen Bereich nahm der weitläufige Klostergarten mit dem Infirmarium ein.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Minderen Brüder des Heiligen Franziskus ließen sich zwischen 1217 und 1219 in Saint-Denis im Norden von Paris nieder, von wo sie auf den Montagne Sainte-Geneviève zogen. Dort hatten einige Jahre zuvor bereits die Dominikaner an der Poterne Saint-Jacques das sogenannte Jakobinerkloster gegründet. Während die Dominikaner innerhalb der Stadtmauer von Philippe Auguste angesiedelt waren, planten die grauen Brüder ab 1223 auf einem jenseits der Poterne in Vauvert gelegenen Gelände den Bau eines Hauses, das noch vor seiner Vollendung einstürzte.[5] Daraufhin überließ Abt Eudes von Saint-Germain-des-Prés weiter westlich das oben beschriebene Grundstück.

Vermutlich im Jahr 1236 trat Alexander von Hales in das Couvent des Cordeliers ein, verlegte seinen theologischen Lehrstuhl in den Klosterkreuzgang und gründete dort die ältere Franziskanerschule. Ihm folgte Bonaventura von Bagnoregio. Nicht zuletzt durch seine Lehrer kam das Kloster zu hohem Ansehen und großzügiger Gönnerschaft. So stiftete beispielsweise Johanna von Evreux, die Gemahlin von König Karl IV. den Brüdern im Jahr 1341 eine Kapelle und ein Infirmarium und ließ Karl V., der in Abwesenheit seines Vaters als Dauphin 1356 und 1357 die Generalstände in dem großen Saal des Kreuzganges einberufen hatte, ihnen mehrere Gebäude errichten. Auch Anna von Bretagne unterstützte das Kloster. Im 17. Jahrhundert verlegte Ludwig XIV. den Sitz und Tagungsort des Ritterordens Ordre de Saint-Michel aus Vincennes in das Couvent des Cordeliers.

Nach dem Ausbruch der Revolution wurde das Kloster im Jahre 1790 geschlossen. Seine Kirche und ein Teil der Klostergebäude dienten daraufhin vorübergehend dem von Camille Desmoulins gegründeten Klub als Versammlungsstätte, der aus diesem Grunde als Club des Cordeliers bezeichnet wurde. Ab 1795 beherbergte die Klosteranlage ein Krankenhaus, bevor sie im 1. Kaiserreich 1802 bis auf den Kreuzgang, das Refektorium und das Dormitorium abgerissen wurde, um dem Bau der Praktischen Schule der Medizinfakultät (École Pratique de la Faculté de Médecine) und eines neuen Krankenhauses mit 140 Betten Platz zu schaffen, das von den Barmherzigen Brüdern betreut wurde, die bereits das nahegelegene Hôpital de la Charité leiteten. Beide Bauten wurden zwischen 1877 und 1900 vollständig erneuert.

Heute sind die Franziskaner in Paris in der Gemeinschaft des Couvent Saint-François de Paris in der rue Marie Rose (N° 7) im 14. Arrondissement zusammengeschlossen, in der etwa zwanzig Brüder leben.

Klosterbrüder und Lehrer[Bearbeiten]

Im Kloster bestattete Personen[Bearbeiten]

Grabmal des Karl von Evreux († 1336)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Laure Beaumont-Maillet: "Le Grand Couvent des Cordeliers de Paris. Etude historique et archéologique du XIIIe siècle à nos jours", Paris 1975
  • Catherine Brut und Sébastien Poignant: "Le réfectoire du couvent des Cordeliers" in "Bulletin de la Société de l’histoire de Paris et de l’Île-de-France", 130e année, S. 119-286
  • Jacques Hillairet: Dictionnaire Historique des Rues de Paris, Les Editions de Minuit, Paris 1963, ISBN 2-7073-0092-6
  • Théophile Lavallée: "Histoire de Paris depuis le temps des Gaulois jusqu'à nos jours" (1814–1848), Band 2, Ausgabe 1857, Paris, Edition Michel Levy Frères

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Couvent des Cordeliers – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Jacques Hillairet: "Dictionnaire Historique des rues de Paris"
  2. Diese Straße hieß laut der offiziellen Nomenklatur der Pariser Straßen chemin de dessus les fossés (1419); chemin allant à la Porte Saint-Michel (1510), rue des Fossés Saint-Germain (1559–1582), später rue des Fossés Monsieur le Prince und rue de la Liberté (1793)
  3. Vgl. Hillairet, op. cit. S. 460
  4. Das Haus in der rue de la Harpe erscheint unter der Bezeichnung Bibliothèque du Roi in den Plänen von Gomboust (1652) und Jouvin de Rochefort (1672). Eine erste, von Karl V. im Louvre gegründete königliche Bibliothek ging im Hundertjährigen Krieg verloren. Ludwig XI., Karl VIII. und Ludwig XII. bauten die zweite, von Franz I. in Fontainebleau untergebrachte königliche Bibliothek auf, welche Heinrich IV während der Hugenottenkriege 1595 von dort nach Paris zurückholte und 1604 im Couvent des Cordeliers einlagerte. Colbert, Minister Ludwigs XIV. brachte sie in der rue Vivienne unter, bevor sie schließlich 1721 in den benachbarten Stadtpalast in der rue Richelieu kam, der seinerzeit für den Kardinal Mazarin errichtet worden war. Dort befindet sie sich noch heute (siehe BnF)
  5. Vgl. Alfred Fierro: "Histoire et Dictionnaire de Paris", Paris, 1996, Robert Laffont, ISBN 2-221-07862-4, S. 345
  6. Vgl. Lavallée: "Histoire de Paris depuis le temps des Gaulois jusqu'à nos jours" S. 341
  7. Nach anderen Quellen soll das Herz mit den Eingeweiden in Maubuisson beigesetzt worden sein.
  8. Vgl. Lavallée, op. cit., S. 341
  9. Vgl. Lavallée, op. cit., S. 341