Coxa vara

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Klassifikation nach ICD-10
Q65.8 Sonstige angeborene Deformitäten der Hüfte
- Coxa vara
- Coxa valga
M21.15 Varusdeformität, anderenorts nicht klassifiziert
-Hüftgelenk
ICD-10 online (WHO-Version 2013)
CCD-Winkel

Von einer Coxa vara (lat. coxa „Hüfte“, varus „auswärts gebogen“) spricht man, wenn der CCD-Winkel, das heißt der Winkel zwischen Oberschenkelhals und Schaft des Oberschenkelknochens, unter 120° liegt. Daraus kann eine Beinverkürzung, ein hinkendes Gangbild und weitere Beinfehlstellungen wie eine Einwärtsstellung der Knie und damit eine X-Beinstellung (Genu valgum) resultieren.

Bei massiver Ausprägung mit einem CCD-Winkel von unter 90° spricht man von einer Hirtenstabdeformität.

Das Gegenteil ist die Coxa valga, die häufig bei Kleinkindern und Neugeborenen auftritt und eine Vergrößerung des CCD-Winkels auf mehr als 135° darstellt.

Die Ursachen einer Coxa vara können nach Manifestationsalter unterschieden werden.

Neugeborene und Säuglinge[Bearbeiten]

Kindesalter[Bearbeiten]

Häufige Ursachen erworbener Coxa vara im Kindesalter sind

Weitere sind Sichelzellanämie, Fibröse Dysplasie, Osteogenesis imperfecta, Achondroplasie, M. Gaucher, Kniest-Dysplasie, M. Morquio, Spondyloepiphysäre Dysplasie, Pseudohypoparathyreoidismus, verschiedene Formen beim Zwergenwuchs[1]

Erwachsene[Bearbeiten]

in allen Altersgruppen[Bearbeiten]

Posttraumatisch in falscher Stellung verheilte Oberschenkelfrakturen, Schenkelhalsfraktur, Schenkelhalsnekrose bei Steroidtherapie oder Strahlenbehandlung, Folge einer Osteomyelitis

Klinik[Bearbeiten]

Abhängig von Ursache und Alter

  • Beinverkürzung
  • Hinkendes Gangbild (Trendelenburg-Zeichen)
  • Bei beidseitiger Veränderung auch vermehrte Lumballordose.
  • Eingeschränkte Abspreizfähigkeit und verminderte Innendrehfähigkeit

Die Veränderung erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Oberschenkel-Halsbruchs (Schenkelhalsfraktur), da die Stabilität des Oberschenkelhalses (Collum ossis femoris) mit kleinerem CCD-Winkel abnimmt, also ein Ungleichgewicht von Belastung und Widerstandsfähigkeit herrscht. Gehäuft kann es zur Ausbildung einer Schenkelhals-Pseudarthrose kommen.

Diagnostik[Bearbeiten]

Im Säuglingsalter fällt die Coxa vara meist schon bei der U3-Untersuchung der Säuglingshüfte auf, da eine normale Darstellung des Gelenkes kaum möglich ist. Es kann auch zur Verwechslung mit einer Hüftluxation kommen.[2] Diagnosesicherung erfolgt bei fortgeschrittener Ossifikation im Normalfall mittels Röntgenaufnahme Beckenübersicht. Unter 120° verminderter CCD-Winkel, horizontale Position der Epiphyse, verkürzter Schenkelhals. Bei erst noch geringer Knochenkernbildung kann die Magnetresonanztomographie (MRT) weiterführende Erkenntnisse liefern.

Behandlung[Bearbeiten]

Die Behandlung hängt von der zugrundeliegenden Ursache ab.

Literatur[Bearbeiten]

  • S. Swischuk, S. John: Differential Diagnosis in Pediatric Radiology. Williams & Wilkins 1995, ISBN 0-683-08046-6.
  • D. Resnick: Diagnosis of Bone and Joint Disorders Vol V., Saunders 1995, ISBN 0-7216-5071-6.
  • F. Hefti: Kinderorthopädie in der Praxis. Springer 1998, ISBN 3-540-61480-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spranger: Bone Dysplasias. Urban & Fischer 2002, ISBN 3-437-21430-6.
  2. M. Zieger: Sonographie des kindlichen Hüftgelenks. Springer 1990, ISBN 3-540-51012-5.
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