Criollo (Pferd)

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Criollo
Yeguacriolla.jpg
Wichtige Daten
Ursprung: Südamerika, 16. Jahrhundert
Hauptzuchtgebiet: Südamerika, Karibik
Verbreitung: in Südamerika stark verbreitet
Stockmaß: 142–152 cm
Farben: alle
Haupteinsatzgebiet: Reitpferd, Hirtenpferd, Patrouillenpferd, Expeditionspferd,Westernreiten

Der Criollo ist sowohl eine in Argentinien entstandene Pferderasse als auch ein in Südamerika und in der Karibik heimischer Pferdetyp, der durch umgebungsbedingte Umzüchtungen in verschiedene Pferderassen aufgeteilt werden muss. Pferderassen des Criollo-Typs gibt es mit eigenen Namen in Argentinien, Brasilien, Chile, Peru, Kuba und Venezuela. Die in Bolivien, Paraguay, Uruguay, Mexiko und der Dominikanischen Republik vorhandenen Criollorassen haben keine eigenen Namen.

Hintergrundinformationen zur Pferdebewertung und -zucht finden sich unter: Exterieur, Interieur und Pferdezucht.

Exterieur[Bearbeiten]

Der Criollo hat einen mittelgroßen Kopf mit geradem bis leicht konvexem Profil. Sein Hals ist stark und geht in eine kräftige, breite, tief angesetzte Brust über. Er hat eine relativ gerade Rückenlinie, eine runde Kruppe mit tiefem Schweifansatz, eine kurze Schweifrübe, ein stabiles Fundament, eine kräftige Bemuskelung und kleine harte Hufe.

Interieur[Bearbeiten]

Der Criollo ist eines der widerstandsfähigsten und zähesten Pferde der Welt. Er kann bei extremen klimatischen Bedingungen mit nur wenig Futter auskommen. Er ist sehr ausdauernd und wird in seiner Heimat Südamerika einer sehr harten Leistungsprüfung (Marcha) unterworfen. Dabei werden innerhalb von 14 Tagen (mit einem Ruhetag) 750 km zurückgelegt, wobei nicht zugefüttert werden darf, also die Pferde nur wieder nach der Etappe auf die Weide entlassen werden. Damit wird nicht nur die Ausdauer, sondern auch die Regenerationsfähigkeit unter Beweis gestellt.

Zuchtgeschichte[Bearbeiten]

Der Criollo geht auf die iberischen Pferde zurück, die im 16. Jahrhundert aus Spanien nach Südamerika gebracht wurden. Diese Pferde waren eng mit dem Berber verwandt und führten daneben oft Araberblut. Die ersten bedeutenden Importe wurden 1535 von dem Konquistador Don Pedro Mendoza vorgenommen. Später, als Buenos Aires eingenommen wurde, entkamen viele Pferde in die Wildnis. Im rauhen Klima der argentinischen Pampa erfolgte über mehrere Jahrhunderte ein natürlicher Selektionsprozess, in dem langfristig nur die widerstandfähigsten Individuen überlebten. Auf diese Weise entstand ein besonders zähes, ausdauerndes und langlebiges Pferd. Der Schweizer Abenteurer Aimé Félix Tschiffely setzte dieser Rasse durch seinen Kontinentalritt mit zwei Criollos von Argentinien bis in die Vereinigten Staaten von Amerika (1925-1928) ein Denkmal. Seine Pferde Mancha (von Manchado, zu dt. der rötlich Gescheckte), ein Overo-Schecke und Gato (dt. die Katze), der seinen Namen aufgrund seiner auffällig geschmeidigen Bewegungen erhielt, waren zu Beginn der Reise bereits 18 bzw. 16 Jahre alt. Nach der Reise lebten sie bis zu ihrem Lebensende auf der Ranch des Züchters und Criollo-Zuchtbuchbegründers Emilio Solanet in extensiver Haltung. Beide erreichten ein für Pferde überdurchschnittlich hohes Alter; Mancha wurde 35, Gato 40 Jahre alt.

Mit der Zeit kam es außerhalb Argentiniens zu Züchtungen auf Basis des Criollos, die zu eigenständigen Rassen führten: in Brasilien der Crioulo, in Chile der Corralero, an der peruanischen Küste der Costeño, im peruanischen Gebirge der Marocucho und in Venezuela der Llanero.

In Uruguay und Paraguay sind die örtlichen Criollos, Criollo Uruguayo und Criollo Paraguayo, mit dem brasilianischen Crioulo verbunden.

Anfang der 1980er-Jahre kamen über Italien per Schiff viele Pferde nach Europa, die anfangs als „Criollos“ verkauft wurden. Tatsächlich wurden sie aber in ganz Südamerika als Schlachtpferde aufgekauft und – um die italienischen Zollvorschriften zu umgehen – auch als solche eingeführt. Sie waren unter Deck eingepfercht und einige überstanden die Strapazen des Transportes nicht. Unter ihnen waren nur sehr wenige Criollos; die Verkäufer dieser Mischlinge machten gute Geschäfte – wurden sie doch als so genannte „Anfängerpferde“ angeboten.

Die ernsthaft betriebene Criollo-Zucht in Deutschland hat immer noch mit diesem schlechten Ruf zu kämpfen. Wer jedoch einen in Deutschland, Italien oder der Schweiz geborenen Criollo erwirbt, kann mittlerweile davon ausgehen, dass er ein im Verhalten einwandfreies Pferd erhält, das nicht durch den Schiffstransport traumatisiert ist. Die meisten in Deutschland gezüchteten Criollos sind beim Bayerischen Zuchtverband für Kleinpferde und Spezialpferderassen eingetragen, wo auch eine Hengst- und Stutleistungsprüfung angeboten wird, die der Marcha nachempfunden ist und im Rahmen einer eintägigen Feldprüfung durchgeführt wird.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Criollo – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien