Crispendorf

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Crispendorf
Crispendorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Crispendorf hervorgehoben
50.59138888888911.731666666667430Koordinaten: 50° 35′ N, 11° 44′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Saale-Orla-Kreis
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Ranis-Ziegenrück
Höhe: 430 m ü. NHN
Fläche: 11,31 km²
Einwohner: 384 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 34 Einwohner je km²
Postleitzahl: 07924
Vorwahl: 03663
Kfz-Kennzeichen: SOK, LBS, PN, SCZ
Gemeindeschlüssel: 16 0 75 013
Adresse der Verbandsverwaltung: Pößnecker Str. 2
07389 Ranis
Bürgermeister: Uwe Kliche
Lage der Gemeinde Crispendorf im Saale-Orla-Kreis
Bad Lobenstein Birkenhügel Blankenberg Blankenstein Bodelwitz Bucha Burgk Dittersdorf Crispendorf Dittersdorf Dittersdorf Döbritz Dreba Dreitzsch Eßbach Gefell Geroda Keila Görkwitz Göschitz Gössitz Grobengereuth Harra Hirschberg (Saale) Gertewitz Kirschkau Knau Kospoda Krölpa Langenorla Lausnitz Lemnitz Linda bei Neustadt an der Orla Löhma Miesitz Mittelpöllnitz Moßbach Moxa Neundorf (bei Lobenstein) Neundorf (bei Schleiz) Neustadt an der Orla Neustadt an der Orla Nimritz Oberoppurg Oettersdorf Oppurg Paska Peuschen Plothen Pörmitz Pößneck Pottiga Quaschwitz Ranis Remptendorf Rosendorf Saalburg-Ebersdorf Schlegel Schleiz Schmieritz Schmorda Schöndorf Seisla Solkwitz Stanau Tanna Tegau Tömmelsdorf Triptis Volkmannsdorf Weira Wernburg Wilhelmsdorf (Saale) Wurzbach Ziegenrück ThüringenKarte
Über dieses Bild

Crispendorf ist eine Gemeinde im thüringischen Saale-Orla-Kreis und gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Ranis-Ziegenrück.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Crispendorf liegt im Zentrum des Saale-Orla-Kreises rund 5,5 km westnordwestlich der Kleinstadt Schleiz auf etwa 430 m ü. NN. Am Südrand des Gemeindegebiets liegt die von der Wisenta durchflossene Talsperre Wisenta mit dem Pumpspeicherwerk Wisenta. Ihr Stausee gehört zur Saalekaskade, dem größten zusammenhängenden Stauseegebiet Deutschlands. Zu dieser Kaskade zählt auch der 15 km westlich von Crispendorf an der Saale gelegene Hohenwarte-Stausee, einer der größten Stauseen Deutschlands, der von der Hohenwartetalsperre aufgestaut wird. Über weite Teile der Gemeindefläche erstreckt sich das Landschaftsschutzgebiet Obere Saale.

Geologie[Bearbeiten]

Geologisch befindet sich die Gemarkung des Ortes im Südostthüringer Schiefergebirge. Diese Böden sind durch den hohen Feinerdeanteil und hohen Humusgehalt sehr fruchtbar.[2]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Crispendorf, Dörflas südwestlich davon und westlich dem Dorf Erkmannsdorf.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahre 1290. Der heutige Ortsname ist ab 1383 überliefert, er wurde 1401 „Krispendorff“ geschrieben. Der ungewöhnliche Name geht (wahrscheinlich) auf den Namen des Heiligen Crispinus zurück, ab 1503 war dieser bereits in Vergessenheit geraten und man schrieb nun Kristendorf, auch Christendorf.[3]

Die Erben des Rittergutes Crispendorf verpachteten an Herrn von Geldern das Gut. 1923 bewirtschaftete er den Betrieb mit einer Fläche von 274 ha.[4] Das Gut wurde nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet und an Umsiedler und Bauern übereignet. Später gingen sie den Weg der DDR-Landwirtschaft.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges und der Naziherrschaft wurden Häftlingskolonnen in einem Todesmarsch vom KZ Buchenwald zum KZ Flossenbürg durch den Ort getrieben. Dabei erschossen SS-Männer fünf Häftlinge, die auf dem unteren Gemeindefriedhof von Crispendorf begraben wurden. Ein dort aufgestellter Gedenkstein sowie eine Stele an der Hauptstraße erinnern an die Toten.[5]

Das kleine Barockschloss wurde 1945 geplündert und 1948 nach dem Befehl 209 der SMAD gesprengt. Das Schloss stand auf den Grundmauern einer 1389 erstmals erwähnten Burg der Herren von Poseck, ab 1538 im Besitz der von Watzdorfs.[6]

Zu DDR-Zeiten errichtete und unterhielt die IG "Karl Marx" bei der SDAG Wismut im Wisentatal ein Betriebs-Ferienlager für die Kinder der Betriebsangehörigen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (Stand jeweils 31. Dezember):

  • 1994: 501
  • 1995: 492
  • 1996: 493
  • 1997: 491
  • 1998: 480
  • 1999: 480
  • 2000: 467
  • 2001: 467
  • 2002: 457
  • 2003: 455
  • 2004: 454
  • 2005: 452
  • 2006: 445
  • 2007: 436
  • 2008: 424
  • 2009: 419
  • 2010: 406
  • 2011: 392
  • 2012: 385
  • 2013: 384
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Die Wappenbeschreibung in Paragraph 3 der Hauptsatzung der Gemeinde lautet: „Rund, in der Mitte ein Weidenbaum (grüne Blätter, brauner Stamm) mit der Kennzeichnung Gemeinde Crispendorf.“

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Außenansicht der Nikolaus-Kapelle Dörflas

Die Kapelle des Gutshofes Dörflas wurde 1998/1999 als Kirche restauriert und 1999 neu geweiht. In einem 2010 durchgeführten Wettbewerb des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) innerhalb der Aktion „Schwefelhölzchen“ ging die Kapelle als Sieger unter den eingesandten Zuschriften hervor und errang den Titel „Kleinste Kirche Mitteldeutschlands“.

→Siehe auch Dorfkirche Crispendorf

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Manfred Graf: Organisation der kooperativen Pflanzenproduktion bei hohem grünlandanteil im Südostthüringer Schiefergebirge, dargestellt an der KOG „Lobenstein“. Dissertation an der Universität Jena 1970
  3.  Rz.: Crispendorf - Woher stammt der Name?. In: Thüringische Landeszeitung (Hrsg.): TLZ-Beilage vom 24. Dezember 85. Weimar 1985, S. 4.
  4. Jürgen Gruhle: Schwarzbuch der Bodenreform/Thüringen. Abgerufen am 24. Juni 2011 (Version vom 7. Juli 2010 im Internet Archive)
  5. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hrsg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, ISBN 3-88864-343-0, S. 220f.
  6. Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 81.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Crispendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien