Cromwell (Neuseeland)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Cromwell
Cromwell (Neuseeland)
Cromwell
Koordinaten 45° 2′ S, 169° 12′ O-45.04169.2Koordinaten: 45° 2′ S, 169° 12′ O
Einwohner 3.585 (2006)
Region Otago
Distrikt Central-Otago-Distrikt

Cromwell ist eine 3.585 Einwohner[1] zählende Stadt an der Flussmündung des Kawarau Rivers in den Clutha River und in der Region Otago auf der Südinsel Neuseelands gelegen.

Geografie[Bearbeiten]

Cromwell liegt direkt zwischen den Dunstan Mountains im Osten und den Pisa Range im Westen unterhalb des Lake Dunstan, der nach der Fertigstellung des Clyde Dam 1992 geflutet wurde. Die Stadt liegt auch zwischen zwei Highways, dem State Highway 6 (Wanaka - Queenstown) und dem State Highway 8 (Alexandra - Lake Pukaki), die über den Highway 8B innerhalb der Stadt eine Verbindung erfahren. Die Stadt ist dem Distrikt Central Otago zugeordnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Lange bevor die ersten Europäer das Land betraten, wurde der Clutha River von den Māori als Transportweg benutzt. Sie jagten den Moa und bauten Greenstone (Jade) an der Westküste ab. Auf ihren Wegen zu ihren Siedlungen nach Osten, nutzten die das Gebiet um Cromwell herum als Camp.

Unter den Europäern, die ab 1857 als Squatter in das Tal des Clutha Rivers einfielen und Land in Besitz nahmen, war der Ort des heutigen Cromwell ursprünglich als The Junction bekannt, da er am Zusammenfluss zweiter Flüsse lag. Es war der Leitende Landvermesser und Ingenieur der Provinz Otago, John Turnbull Thomson (1821-1884), der The Junction einen neuen Namen verordnete, ebenso wie vielen anderen Orten in Otago. Er machte dabei auch sprachliche Anleihen beim Englischen Bürgerkrieg (1642-1649) und so wurde der Gründer der Englischen Republik, Oliver Cromwell (1599-1658), im Namen dieses Ortes verewigt.

New Cromwell Quartz Mining Co. (1868) und Cromwell Gold Mining (1887), Logantown, Cromwell, New Zealand

Im Zuge des Otago-Goldrauschs (1861 bis 1863) kamen die beiden Kanadier Hartley und Reilly, und stießen im Clutha River im Juli 1862 auf Gold. Bereits Ende August fieberten um die 2.000 Goldsucher nach dem begehrten Metall. Aber auch Quarz wurde gefunden und abgebaut. Hier wird gerne Thomas Logan (1836-1897) genannt, der mit seiner Firma Cromwell Quartz Mining Company nach Quarz suchte und in kurzer Zeit 238 Unzen Gold fand, reich wurde und die Goldsucht weiter beflügelte. Als der Goldrausch verging, konzentrierten sich die Bewohner darauf, das fruchtbare Land zu bewirtschaften. Ab 1870 wurde der Gartenbau entwickelt, der im Wesentlichen aus dem Anbau von Wein und Obst bestand. 1878 wurden ca. 400 verbliebene Einwohner gezählt.

Von 1917 bis 1921 wurde die Eisenbahnlinie, der Otago Central Railway, fertiggestellt, die Cromwell nun direkt mit Dunedin, der Hauptstadt Otagos, verband und unter anderem einen schnelleren Zugang zum Seeweg über den Hafen Port Chalmers ermöglichte.

Als mit dem Beginn der Großen Depression 1929 die Arbeitslosigkeit auch in Neuseeland bedrohlich anstieg, sandte die Regierung arbeitslose Männer, mit Hacke, Schaufel, Pfanne und Zelt in die ehemaligen Goldfelder um ihnen mit Goldsuchen eine Beschäftigung zu geben. Die Bezahlung war mehr als schlecht und die Arbeit aussichtslos hart, so dass die Bevölkerung von Cromwell den Menschen teilweise mit Unterkünften und Verpflegung über die schlechte Zeit hinweg half.

1948 wurde mit den Untersuchungen, einen Staudamm zum Aufstauen des Clutha Rivers zu bauen, begonnen. Mit dem Baubeginn des Clyde-Staudamms 1977 musste die Eisenbahnverbindung zwischen Clyde und Cromwell eingestellt und Teile der Stadt in höhere Bereiche umgesiedelt werden. So wurden Teile der historischen Stadt unter Wasser gesetzt und die Stadt durch erheblichen Neuzubau modernisiert. Mit dreijähriger Verspätung, wegen Stabilisierungsarbeiten am Damm, wurde der Lake Dunstan 1992 über 18 Monate hin geflutet und hatte damit das Bild und den Charakter der Landschaft entscheidend verändert.

Heute[Bearbeiten]

Cromwell, von einem Aussichtspunkt an der State Highway 8 aus gesehen

Die Stadt und das Umland lebt von der Landwirtschaft, der Kultur des Weinanbaus und vor allem vom Obstanbau, der die Werbeexperten der Stadt dazu veranlasste, die Stadt als die „Fruchtschale des Südens“ anzupreisen. Neben dem Dienstleistungsgeschäft wird der Tourismussektor auch hier zu einem immer wichtigerem Wirtschaftszweig für die Region. Der wirtschaftliche Erfolg und das Wachstum der Region spiegelt sich aber auch in dem Bevölkerungswachstum wider, welches zwischen 2001, mit 2.667 Einwohnern[2] und 2006, mit 3.585 Einwohner, bei 34,4 % lag.

Cromwell hat in den letzten Jahren erfolgreich sein Image als Stadt des Staudamms abgebaut und auf Tourismus gesetzt. Der Clyde-Staudamm, gebaut zur Stromerzeugung, bleibt als drittgrößter Staudamm Neuseelands und einer Leistung von 400 Megawatt gleichwohl weiterhin bestimmend für die Stadt.

Natur und Landschaft[Bearbeiten]

Einige Ruinen von Welshtown 1869 bis 1880

Wie fast überall in Otago bestimmt das Tussockgras das Landschaftsbild. In den unteren Regionen der Berghänge sind die Teebäume Manuka (Leptospermum scoparium) und Kanuka (Leptospermum ericoides) zu finden, sowie der dornige Matagouri (Discaria toumatou), auch Wild Irishman genannt. In den Flusstälern blühen über den Frühling und den zeitweise trockenen und sehr warmen Sommer hinweg zahlreiche Wildblumen. Der lila Thymian und der blaufarbige Gewöhnliche Natternkopf (Echium vulgare) setzen weithin erkennbare Farbtupfer in die Landschaft.

In der Tierwelt verblüfft vor allem der endemische, nur in der Gegend um Cromwell vorkommende Käferart Prodontria lewisi („Cromwell Chafer“)[3] die Fachwelt und wurde zwischen 1986 und 1997 Gegenstand einer Untersuchung des Ministeriums für Naturschutz.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Bannockburn Bridge, eine aus Resten der Pfeiler der ursprünglichen Hängebrücke errichtete Konstruktion
  • Bannockburn, Reste einer historischen Goldgräberstadt
  • Bannockburn Hotel, ein alter Pub
  • The Bannockburn Sluicings, ein Wanderweg durch die vom Goldabbau geprägte Landschaft
  • Bendigo Goldfields, historische Goldfelder mit Resten der alten Goldgräberorte, Bendigo, Logantown und Welshtown mit alten Steinhäusern
  • Carrick Goldfields, Ruinen der alten Goldgräberstadt Carricktown
  • Quartzville, ein 4 km entferntes altes Bergbaugebiet
  • Young Australian, ein 7 km entferntes großes, oberschlächtiges Wasserrad
  • Cromwell Gorge, die Schlucht de Clutha Rivers von Cromwell nach Alexandra
  • Goldfields Mining Centre, ein auf den Goldabbau konzentriertes Touristmuszentrum
  • Old Cromwell Town, alter Stadtteil mit einigen restaurierten alten Gebäuden

Siehe auch Liste der Baudenkmale in Cromwell.

Quellen[Bearbeiten]

  • Cromwell and Districts – A Historical Guide, Cromwell & Districts Promotion Group, Cromwell, 1993.
  • The Cromwell Gorge – An Historical Guide, Cromwell & Districts Promotion Group, Cromwell, 1994.
  • Noel Kennedy, Ron Murray, Early Pioneers in the Cromwell Area, 1863-1880, Cromwell & District Historical Society, 2. Edition, 2004. ISBN 0-473-06149-X
  • Robert Gilkison, Early Days in Central Otago, Whitculls Publishers, Christchurch, 1930, 4. Edition 1978. ISBN 0-7233-0551-X
  • New Zealand Encyclopedia, David Bateman Ltd., Auckland, 5th Edition 2000. ISBN 0-90861-021-1
  • An Encyclopaedia of New Zealand, 1966, A. H. McLintock (Hrsg.)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. QuickStats About Cromwell - Statistics New Zealand - abgerufen am 30. August 2012
  2. Cromwell Community Profile - Statistics New Zealand
  3. Cromwell chafer beetle - Te Ara, The Encyclopedia of New Zealand
  4. Sam M. Ferreira, Bruce McKinlay: Conservation monitoring of the Cromwell chafer beetle (Prodontria lewisii) between 1986 and 1997. Department of Conservation, 1999. ISBN 0-478-21849-4

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Cromwell, New Zealand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien