Cronobacter

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Cronobacter
Systematik
Abteilung: Proteobacteria
Klasse: Gammaproteobacteria
Ordnung: Enterobacteriales
Familie: Enterobacteriaceae
Gattung: Cronobacter
Wissenschaftlicher Name
Cronobacter
Iversen et al. 2008
Arten

Cronobacter ist eine 2008 neubeschriebene Bakteriengattung aus der Familie der Enterobacteriaceae. Die Typusart wurde 1980 von Farmer et al. als Enterobacter sakazakii beschrieben[1] und unter diesem Namen bekannt. Aufgrund von taxonomischen Fortschritten wurde im Jahr 2007 die Umbenennung in eine neue Gattung Cronobacter mit verschiedenen Arten vorgeschlagen[2] und die neue Gattung 2008 publiziert [3].

Eigenschaften[Bearbeiten]

Cronobacter ist ein gramnegatives, weltweit vorkommendes und bewegliches Stäbchenbakterium. Die typische Produktion eines gelben Pigmentes wurde zur Differenzierung genutzt. Da diese nicht bei allen Stämmen auftritt und außerdem von der Temperatur bzw. des Lichtes und des Mediums abhängig ist, ist diese Methode nicht zuverlässig. Einige Stämme weisen eine hohe Resistenz gegenüber Hitze, Trockenheit und osmotischem Stress auf. Außerdem ist durch die Bildung eines Biofilmes die Adhäsion an Oberflächen besonders aus Gummi, Silikon und Polykarbonat, aber auch, schwächer ausgeprägt, an Glas oder Stahl möglich.[4]

Vorkommen[Bearbeiten]

Durch seine Eigenschaften kann Cronobacter praktisch überall vorkommen. Das Bakterium wurde sowohl im Oberflächen- als auch im Trinkwasser, im Boden, im Staub und bei Pflanzen und Tieren nachgewiesen. Auch wurden Kontaminationen an Küchengeschirr und gespülten Bierkrügen gefunden. In der Lebensmittelproduktion wurde Cronobacter sowohl in der Milchindustrie als auch bei der Herstellung von Schokolade, Frühstücksgetreideprodukten, Gewürzen, Kartoffel- und Nudelerzeugnissen sowie in Säuglingsnahrung nachgewiesen. Aufgrund der sensiblen Zielgruppe und gesetzlicher Vorgaben werden pulverförmige Säuglingsnahrungen besonders auf das Vorkommen von Cronobacter überwacht.[4]

Gesundheitliche Bedeutung[Bearbeiten]

Cronobacter kann zu Infektionen führen. Bei immungeschwächten bzw. älteren Menschen wurden vor allem Bakteriämien nach Operationen, Harnwegs- und Wundinfektionen sowie posttraumatische Knochen- und Gelenkinfektionen festgestellt. Besonders anfällig sind Frühgeborene und Säuglinge in den ersten acht Lebenswochen, bei denen eine Infektion zu Meningitis, Bakteriämien und nekrotisierender Enterokolitis (NEC) führen kann. Das Auftreten von neonatalen Cronobacter-Infektionen ist allerdings sehr selten: Es wurden bisher weltweit nur rund 100 Fälle beschrieben. In der Literatur sind vor allem Infektionen bei immungeschwächten Frühgeborenen und Säuglingen durch Hygienefehler bei der Zubereitung und Aufbewahrung der Säuglingsnahrung in Kliniken beschrieben worden.[4]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Farmer JJ, Asbury MA, Hickman FW, Brenner DJ (1980) Enterobacter sakazakii-a new species of Enterobacteriacea isolated from clinical specimens; Internat J Systematic Bacteriol 30: 569-584
  2. Iversen C, Lehner A, Mullane N, et al. (2007) The taxonomiy of Enterobactersakazakii: prosposal of a new genus Cronobacter gen.nov. and descriptions of Cronobacter sakazakii comb.nov. Cronobacter sakazakii subsp. sakazakii, comb. nov., Cronobacter sakazakii subsp. malonatricus subsp.nov., Cronobacter turicensis sp.nov., Cronoacter muytjensii sp.nov., Cronobacter dublinensis sp-nov. and Cronobacter genomospecies 1. BMC Evol Biol 7:64
  3. C. Iversen, N. Mullane, B. McCardell, B. D. Tall, A. Lehner, S. Fanning, R. Stephan und H. Joosten: Cronobacter gen. nov., a new genus to accommodate the biogroups of Enterobacter sakazakii, and proposal of Cronobacter sakazakii gen. nov., comb. nov., Cronobacter malonaticus sp. nov., Cronobacter turicensis sp. nov., Cronobacter muytjensii sp. nov., Cronobacter dublinensis sp. nov., Cronobacter genomospecies 1, and of three subspecies, Cronobacter dublinensis subsp. dublinensis subsp. nov., Cronobacter dublinensis subsp. lausannensis subsp. nov. and Cronobacter dublinensis subsp. lactaridi subsp. nov. International Journal of Systematic an Evolutionary Microbiology 58 (2008), 1442–1447 doi:10.1099/ijs.0.65577-0
  4. a b c Friedemann M (2008) Gesundheitliches Gefährdungspotenzial von Enterobacter sakazakii (Cronobacter spp.nov.) in Säuglingsnahrung Bundesgesundheitsbl-Gesundheitsforsch-Gesundheitsschutz 51:664-674



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