Crossing the T

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Crossing the "T".

Crossing the T ist eine Gefechtstaktik auf artilleristisch bestückten Schiffen. Seit der Entwicklung moderner Lenkwaffenkreuzer und Flugzeugträger hat diese Technik für die moderne Seekriegsführung keinerlei Bedeutung mehr.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der in der Illustration blauen Flotte ist es durch höhere Geschwindigkeit oder eine bessere Ausgangsposition gelungen, die Fahrtrichtung der roten Flotte zu kreuzen. Damit hat sie den Querstrich über das T gezogen.

Dies verschafft der blauen Flotte mehrere Vorteile:

  • Sie kann ihr Feuer auf das Spitzenschiff der roten Flotte konzentrieren.
  • Sie kann sämtliche Geschütze (hier: acht) einsetzen, während die gegnerische Flotte wegen der Behinderung durch die Aufbauten nur die vorderen Geschütze (hier: vier) einsetzen kann.
  • Die Sicht der weiter hinten fahrenden roten Schiffe ist stark durch Rauch und die Aufbauten der voraus fahrenden Schiffe behindert.
  • Die Schussweite der Geschütze ist meist ungenauer (ungenaue Entfernungsmessung, meteorologische Einflüsse) als die Seitenstreuung, was den blauen Schiffen zusätzlich zugutekommt, da die Schiffe der roten Flotte über ihrer ganzen Länge getroffen werden können, die blauen nur über ihre Breite.

Geschichte[Bearbeiten]

Dieses Manöver führte 1905 bei der Seeschlacht bei Tsushima zur völligen Vernichtung der russischen Flotte durch die japanische Flotte. Bei der Skagerrakschlacht 1916 gelang es der deutschen Flotte jedoch durch ein geplantes, neuartiges und bis dahin unbekanntes Gegenmanöver, der Gefechtskehrtwende, zweimal aus dem Crossing-the-T der britischen Flotte zu entkommen.

Auch im Pazifikkrieg während der Schlacht in der Surigao-Straße Ende Oktober 1944 südlich von Leyte in den Philippinen spielte das Crossing-the-T-Manöver eine wichtige Rolle. Die US-Amerikaner deckten mit einer Flottenlinie die Durchfahrt der Straße von Surigao ab, und der japanische Flottenverband lief auf diese Linie zu.

Crossing the T wurde erst seit dem Einsatz von gezogenen Geschützen in Drehtürmen eingesetzt. Vorher war es in der Zeit der starr zur Seite feuernden Geschütze der blauen Flotte in dieser Position nicht möglich, ihre Geschütze auf die rote Flotte auszurichten. Zu dieser Zeit wäre die rote Flotte im Falle entsprechenden Windes (Luv-Position) ihrerseits zwischen den blauen Schiffen hindurch gelaufen. Beim Passieren der blauen Linie hätten die roten Schiffe dann ihre Breitseiten ungestraft auf Bug und das ungeschützte Heck des nächsten blauen Schiffes abgefeuert (so geschehen in der Schlacht von Trafalgar). Durch die Ablösung der Artillerie als Hauptwaffe der Schiffe durch steuerbare Lenkwaffen wurde die relative Position von Schiffen zueinander während des Gefechtes bedeutungslos, da diese Waffen in jeder Position auf einen Gegner abgefeuert werden können.

Andere Bedeutungen[Bearbeiten]

Crossing the T ist neben der oben beschriebenen Seegefechtstaktik eine englische Ausdrucksweise für perfekte Arbeit bzw. Perfektionismus: „He crossed all the T's and dotted all the I's“.

Literatur[Bearbeiten]

  • George Bruce: Seeschlachten des 20. Jahrhunderts. Flechsig, Würzburg 2004, ISBN 3-88189-506-X.