Csurgó

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Csurgó
Wappen von Csurgó
Csurgó (Ungarn)
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Basisdaten
Staat: Ungarn
Region: Südtransdanubien
Komitat: Somogy
Kleingebiet bis 31.12.2012: Csurgó
Koordinaten: 46° 15′ N, 17° 6′ O46.25416666666717.098888888889Koordinaten: 46° 15′ 15″ N, 17° 5′ 56″ O
Fläche: 59,6 km²
Einwohner: 5.248 (1. Jan. 2011)
Bevölkerungsdichte: 88 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+36) 82
Postleitzahl: 8840
KSH kódja: 21315
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Gemeindeart: Stadt
Bürgermeister: János Füstös
Postanschrift: Széchenyi tér 2
8840 Csurgó
Webpräsenz:
(Quelle: A Magyar Köztársaság helységnévkönyve 2011. január 1. bei Központi statisztikai hivatal)
Das Gymnasium der reformierten Kirche in Csurgó

Csurgó [tʃurɡoː] ist eine Kleinstadt im Südwesten Ungarns, in der Region Dél-Dunántúl, Komitat Somogy, Kleingebiet Csurgó, nahe der Grenze zu Kroatien. Überregional ist die Stadt vor allem bekannt als Zentrum der reformierten Kirche in Ungarn, die dort seit dem 18. Jahrhundert ein Gymnasium betreibt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort wurde im Jahr 1019 erstmals urkundlich erwähnt. Kern der Siedlung soll im 12. und 13. Jahrhundert ein Konvent gewesen sein, das von den Quellen unterschiedlichen Orden zugeordnet wird. Einmal werden als Konventuale Tempelritter erwähnt, andere Quelle sprechen hingegen vom Johanniterorden. Im Jahr 1405 wurde Csurgó zur Stadt erhoben. Im 15. Jahrhundert wurde hier vom Adelsgeschlecht der Zriny ein Schloss errichtet, dass jedoch im 18. Jahrhundert zerstört wurde und heute nicht mehr existiert. Ab 1543 lebte der Liedermacher und Lautenspieler Sebestyén Tinódi zwei Jahre in der Stadt, nachdem sein Lehnsherr Valentin Török 1541 von den Türken gefangengenommen und aus Ungarn verschleppt worden war. Der ungarische Historiker des 16. Jahrhunderts, Miklós Istvanffy, erwähnt den Ort unter der Schreibweise Chorgó in seiner Beschreibung der Türkenkriege. Um 1600 kam es zu einer Einwanderung von slowenischen Protestanten, die vor der habsburgischen Gegenreformation nach Ungarn flohen. Später vermischten sich diese reformierten Slowenen mit ihren ungarischen Glaubensgenossen, wodurch die slowenische Sprache langsam verschwand. Nach den Türkenkriegen übergaben die Habsburger die Herrschaft über die Stadt an die Adelsfamilie Festetics und es siedelten sich hier slowakische und kroatische Flüchtlinge an, sowie als Siedler herbeigerufene Deutsche. Daneben gab es in der Stadt auch eine jüdische Gemeinde, die einige überregional bekannte Rabbis hervorbrachte, darunter Mordechai Benet (1753–1829, später Rabbi im mährischen Nikolsburg), Ludwig Lichtstein und Ludwig Venetianer.

Im Jahr 1799 lebte der ungarische Dichter Mihály Csokonai Vitéz für kurze Zeit in der Stadt und unterrichtete am reformierten Gymnasium als Hilfslehrer. Hier entstand sein komisches Epos „Dorothea oder Der Triumph der Damen im Fasching“. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts bestand die Stadt aus zwei Teilen. In Alt-Csurgó befand sich die katholische Kirche, in Neu-Csurgó die reformierte Kirche. Die Ruine des Schlosses war genau in der Mitte zwischen beiden Ortsteilen. 1826 zählte man 1.240 Einwohner, davon 690 Katholiken, 500 Reformierte und 50 Juden.[1] Diese Zusammensetzung änderte sich bis 1858 in 1.000 Katholiken, 700 Reformierte, 120 Evangelisch-Lutherische und 80 Juden.[2] Die Mehrzahl der ungarischen Bewohner waren reformiert, teilweise aber auch katholisch. Die Slowaken und Kroaten waren meist katholisch und die deutschen Bewohner katholisch oder lutheranisch.

Die an der Straße von Wien nach Szigetvár gelegene Stadt war damals vor allem für ihre Obstgärten und den Weißweinanbau bekannt, sowie für das fruchtbare Ackerland und ergiebige Weideflächen rundherum. Durch die beginnende industrielle Revolution verlagerten sich jedoch die Zentren der wirtschaftlichen Entwicklung und Csurgó wurde deshalb im Jahr 1850 auf den Status einer Minderstadt herabgestuft. Durch den Bau der Dombóvár–Gyékényes-Linie bekam Csurgó im Jahr 1872 Anschluss an das Eisenbahnnetz, doch konnte dies die geographische Randlage der Stadt nicht wesentlich verändern. Csurgó blieb eine ländliche Kleinstadt. Erst im Jahr 1989 erhielt es den vollen Status als Stadt zurück. Die Eisenbahnteilstrecke zwischen Somogyszob und Gyékényes, an der Csurgó liegt, wurde erst 1994 elektrifiziert.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. F. Ludwig: Neuestes Conversations-Lexicon; oder, Allgemeine deutsche Real-Encyclopaedie fuer gebildete Staende, Band 4, 1826, Seite 640-641
  2. Victor Hornyansky: Geographisches Lexikon des Königreichs Ungarn und der serbischen Woiwodschaft mit dem temescher Banate, Heckenast, 1858, Seite 78: Csurgó, ung. Markt, Comitat Sümeg